mini|Sterbender Alexander, Kopie einer Skulptur des 2. Jahrhunderts v. Chr., Nationales Kunstmuseum von Aserbaidschan Der Tod Alexanders des Großen ereignete sich laut einem zeitgenössischen astronomischen babylonischen Kalender im Winterpalast Nebukadnezars II. in Babylon zwischen dem Abend des 10. Juni und dem Abend des 11. Juni 323 v. Chr. Der makedonische König hatte ein Alter von knapp 33 Jahren erreicht.

Die Todesumstände Alexanders scheinen nicht völlig geklärt. Nach den offiziellen Berichten starb er an einer nicht näher identifizierten Fieberkrankheit, vielleicht Malaria. Bald kamen aber Gerüchte von einer Vergiftung des großen Königs aus, die wohl von seiner Mutter Olympias gestreut wurden. Sie beschuldigte den ihr verhassten Statthalter Makedoniens und Griechenlands, Antipatros, dass er seine Söhne Kassander und Iolaos zur Ermordung Alexanders nach Babylon geschickt habe. Moderne Historiker vertreten unterschiedliche Positionen bei der Bewertung der antiken Berichte zu Alexanders Tod.

Einzug und Aufenthalt in Babylon Anfang 323 v. Chr. kehrte Alexander der Große von seinem Indienfeldzug nach Babylon zurück. Bei seiner Ankunft soll es zahlreiche warnende Vorzeichen gegeben haben, die auf seinen baldigen Tod hingewiesen hätten. Auf seinem Zug durch die Satrapie Susiana hatte Alexander mit seinem Heer im Frühjahr 324 v. Chr. der Selbstverbrennung des indischen Gymnosophisten Kalanos zugesehen, der kurz vor seinem Tod geäußert habe, dass er Alexander in Babylon wiedersehen werde; diese Bemerkung habe später einen fatalen Sinn erhalten.Arrian, Anabasis 7, 18, 6; Plutarch, Alexander 69, 6; Marcus Tullius Cicero, De divinatione 1, 40; Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 1, 8, ext. 10. Babylonische Wahrsager oder die Chaldäer versuchten Alexander wegen der ungünstigen Omina vom Betreten Babylons abzuhalten. Ihr Sprecher Belephantes trug ihre Bedenken Alexanders Freund Nearchos vor.Arrian, Anabasis 7, 16, 5 f.; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 112, 2 f.; Plutarch, Alexander 73, 1; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12, 13, 3. Obwohl der Makedonenkönig sich für orientalische Mantik interessierte, wollte er zunächst dem Rat der Chaldäer nicht folgen. Doch auch der Zeichendeuter Peithagoras bestätigte drohendes Unheil, woraufhin Alexander in Borsippa Quartier bezog.Arrian, Anabasis 7, 16, 6 – 18, 5; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 112, 4; Plutarch, Alexander 73, 2-5; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12, 13, 4. Dort überzeugte ihn der Philosoph Anaxarchos, den Warnungen keinen Glauben zu schenken, sodass er verspätet doch seinen Einzug in Babylon hielt.Arrian, Anabasis 7, 17, 6; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 112, 4 ff.; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12, 13, 5 f.

In Babylon empfing Alexander ausländische Gesandtschaften, entwickelte seine nächsten Pläne wie eine Expedition nach Arabien, ließ in Babylon eine große Flotte versammeln und beschäftigte sich mit der Ausbesserung des mesopotamischen Kanalsystems.Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 180 ff. Zu diesem Zweck befuhr er selbst u. a. den Pallakottos, einen rechten Seitenarm des Euphrat. Dabei wehte ein Windstoß das Diadem von Alexanders Kopf. Ein zum Bergen des Diadems ausgesandter Schwimmer setzte es sich auf den Kopf und übergab es schließlich dem König. Die Wahrsager deuteten die Episode als weiteres unheilvolles Omen.Arrian, Anabasis 7, 22, 1-5; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 116, 5 f. Nach Babylon zurückgekehrt ließ Alexander den Wiederaufbau des Marduk-Tempels beginnen sowie die Bestattungsfeier für Hephaistion durchführen und ordnete eine weitere Reform der Gliederung und Zusammensetzung der Fußtruppen an.Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 183 ff. Wenige Wochen vor seinem Tod setzte sich Dionysios von Mesene in Abwesenheit des Königs auf dessen Thron, wofür er hingerichtet wurde. Manche Forscher interpretieren diese Episode in dem Sinn, dass die Chaldäer, um das von ihnen prophezeite Unheil von Alexander abzuwenden, Dionysios zum Platznehmen auf dem Thron überredeten, damit ihn als „Ersatzkönig“ nach einem altbabylonischen Ritual stellvertretend das Unheil treffe.Arrian, Anabasis 7, 24, 1–3; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 116, 1–4; Plutarch, Alexander 73, 7 – 74, 1; dazu Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 185 mit Anm. 31; Alexander Demandt: Alexander der Große. Leben und Legende, 2009, S. 342.

Verlauf von Alexanders Todeskrankheit Für die letzten Wochen Alexanders bringen Arrian und Plutarch plötzlich Auszüge aus dem königlichen Hoftagebuch (Ephemeriden), das für einzelne Ereignisse genaue Tagesangaben liefert.Arrian, Anabasis 7, 25, 1-6; Plutarch, Alexander 76, 1-9. Am 29. Mai 323 v. Chr. veranstaltete Alexander ein Bankett für Nearchos und nahm dann mit 19 Zechgenossen an einem Trinkgelage des Thessalers Medios von Larissa teil. Als er gerade aus dem „großen Becher des Herakles“ trank, empfand er einen stechenden Schmerz und musste von seinen Freunden hinausgeleitet werden.Arrian, Anabasis 7, 24, 4 – 25, 1; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 117, 1 f.; Plutarch, Alexander 75, 4 f.; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12, 13, 6-9; Claudius Aelianus, Varia historia 3, 23. Der Alexanderroman führt die Namen der Teilnehmer an Medios’ Bankett an; er stützte sich dabei wohl auf amtliche Aufzeichnungen.Pseudo-Kallisthenes 3, 31, 8; Metzer Epitome 97.

In der darauffolgenden Nacht bekam der König Fieber. Daher wurden viele Ärzte herbeigerufen. Alexander schlief am nächsten Tag im Bad, und am übernächsten Tag besserte sich sein Gesundheitszustand vorübergehend. Dies nutzte er, um ausgiebig zu speisen, zu opfern und mit Medios ein Würfelspiel zu machen. Außerdem ordnete er an, dass sich seine Feldherren für den wenige Tage später geplanten Abmarsch nach Arabien startklar machen sollten. In der folgenden Nacht überfiel ihn wieder das Fieber. Dennoch ließ er sich am nächsten Tag von Nearchos über dessen Fahrt entlang der Küste des Indischen Ozeans berichten. An den beiden Folgetagen stieg sein Fieber. Er wollte weiterhin seine üblichen Opfer darbringen, musste dabei aber getragen werden. Trotzdem unterhielt er sich mit seinen Feldherren über die Nominierung geeigneter Männer für vakante Offiziersstellen. Da sein Fieber hoch blieb, gebot er ihnen, bei ihm im Palast auszuharren.Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 186.

Am nächsten Tag hatte Alexander sein Sprechvermögen verloren. Die makedonischen Soldaten glaubten, dass der König bereits gestorben sei und dies vor ihnen verborgen gehalten werde. Sie drangen in den Palast ein und defilierten an Alexanders Sterbelager vorüber. Der König konnte noch den Kopf heben und ihnen die Hand reichen.Arrian, Anabasis 7, 26, 1; Quintus Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis 10, 5, 1 ff.; Plutarch, Alexander 76, 8; Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 5, 1 ext 1. Peukestas, Seleukos und andere Offiziere suchten am 8. Juni 323 v. Chr. das Heiligtum eines örtlichen Heilgottes auf und erkundigten sich, ob Alexander in diesen Tempel geschafft werden solle. Es wurde ihnen aber mitgeteilt, dass es für den König besser sei, dass er sich weiter im Palast aufhalte.Arrian, Anabasis 7, 26, 2 f.; Plutarch, Alexander 76, 9. Nach den Ephemeriden starb er am Abend des 10. Juni 323 v. Chr. im Alter von 32 Jahren nach zwölfjähriger Regierung.

Antike Gerüchte über Alexanders angebliche Vergiftung Nach einem antiken Gerücht sei Alexander nicht einer Fieberkrankheit, sondern einem Giftanschlag erlegen. Unter anderem wird es von Arrian erwähnt, der dieser These von Alexanders Vergiftung ablehnend gegenübersteht. Das Gerücht soll von Olympias einige Jahre nach dem Tod ihres Sohns Alexander in die Welt gesetzt worden sein.Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 187 f. Einige Forscher nehmen wiederum an, dass in den ersten Jahren des Zeitalters der frühen Diadochen – im Zeitraum von 321 bis 308 v. Chr. – von anderen Gegnern der Partei des Statthalters Makedoniens, Antipatros, ein fabriziertes Pamphlet Über die letzten Tage und das Testament Alexanders publiziert worden sei.Waldemar Heckel: Who’s Who in the Age of Alexander the Great. Prosopography of Alexander’s Empire. Blackwell, Oxford u. a. 2006, ISBN 1-4051-1210-7, S. 17.

Der Vergiftungshypothese zufolge hat Antipatros ein von Aristoteles ausfindig gemachtes Gift seinem Sohn Kassander mitgegeben, als er ihn zur Rechtfertigung gegen diverse Vorwürfe nach Babylon schickte. Dort angekommen sei Kassander dem König mehrmals ungünstig aufgefallen, da er über dessen Forderung zur Übung der Proskynese gelacht habe. Sein Bruder Iolaos, der Mundschenk Alexanders, habe das Gift beim Bankett des Medios in den Heraklesbecher geleert. Als der König aus diesem getrunken habe, sei er lebensgefährlich erkrankt und bald darauf gestorben.Arrian, Anabasis 7, 27, 1 f.; Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis 10, 10, 14-18; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 117, 5 – 118, 2; Plutarch, Alexander 77, 2-5; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12, 13, 10 – 14, 9; Pseudo-Kallisthenes 3, 31 f.; Metzer Epitome 87-100; dazu Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 187 f.; Alexander Demandt: Alexander der Große. Leben und Legende, 2009, S. 343 ff.

Moderne Theorien Heutige Forscher sind sich in der Beurteilung der antiken Berichte über Alexanders Tod nicht einig. Die Fieberkrankheit, an der Alexander nach den amtlichen Aufzeichnungen starb, ist nicht sicher zu identifizieren.Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 187. Hermann Bengtson plädiert nach Konsultation eines Medizinprofessors dafür, dass Alexander an einer Lungenentzündung gestorben sei.Hermann Bengtson: Philipp und Alexander der Große, München 1997, ISBN 3-424-01358-7, S. 185. Nach Fritz Schachermeyr war die Todesursache tropische Malaria, mit der Alexander sich während der Fahrt auf dem Euphrat und Pallakottos infiziert habe. Dazu sei eine Lungenentzündung oder eher Leukämie gekommen, was den kurz vor dem Tod sich einstellenden Verlust des Sprechvermögens erklären könne.Fritz Schachermeyr: Alexander in Babylon und die Reichsordnung nach seinem Tode, Wien 1970, S. 68. William Woodthorpe Tarn und Robin Lane Fox führen des Weiteren an, dass auch Überanstrengung und die gesundheitlichen Folgen früherer ernsthafter Kriegsverletzungen zum frühen Tod des Königs beitrugen.Siegfried Lauffer: Alexander der Große, 1993, S. 188 Anm. 33. Bisweilen wird auch vermutet, dass ein durch übermäßige Trunksucht verursachtes Leberleiden die Todeskrankheit ausgelöst habe.Alexander Demandt: Alexander der Große. Leben und Legende, 2009, S. 343. Schon der antike Autor Ephippos von Olynth warf Alexander in einem Pamphlet exzessiven Alkoholkonsum vor.

Babylonische Reichsordnung; Alexanders Beisetzung; Alexandergrab