A Letter to David (Originaltitel: Michtav Le'David) ist ein Dokumentarfilm des Filmemachers Tom Shoval über David Cunio, der während des Terrorangriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 von der Hamas aus dem Kibbuz Nir Oz entführt wurde und seitdem als Geisel in Gaza festgehalten wird. Der Film feierte seine Weltpremiere auf der 75. Berlinale.

David Cunio wurde am 13. Oktober 2025 aus der Geiselhaft befreit, Shoval konnte seinen Dokumentarfilm finalisieren. Im Februar 2026 wurde erstmals die vollendete Fassung A Letter to David – The Complete Version in Berlin gezeigt.

Handlung mini|Eitan und David Cunio im Film HaNoar – Youth (2013) Eitan und David sind Zwillingsbrüder, ihr Leben ist geprägt von einer innigen Verbindung zueinander. Diese wird in verschiedenen Videosequenzen aus unterschiedlichen Phasen ihres Lebens dargestellt. Schon als Jugendliche begeistern sie sich für das Medium Film und entscheiden sich schließlich auch beruflich für die Filmbranche. Sie spielen die Hauptrollen im preisgekrönten Film Youth, einem antimilitaristischen Werk, das auch eine Geiselnahme thematisiert.

In einigen Szenen wird bisher unveröffentlichtes Behind-the-Scenes-Material und Casting-Aufnahmen von Youth gezeigt, die mit der Gegenwart in Verbindung stehen: David wurde am 7. Oktober zusammen mit seiner Frau und seinen Töchtern von Hamas-Terroristen aus dem Kibbuz Nir Oz entführt. Seine Frau und seine Töchter werden nach 52 Tagen im Rahmen eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas freigelassen. Auch ihre Freunde Yarden und Shirin Bibas, die ebenfalls in Nir Oz lebten, werden zusammen mit ihren beiden Kleinkindern von der Hamas entführt. Ein weiterer Freund, Ronen Engel, der am 7. Oktober mit seiner Frau und seinen Kindern aus dem Kibbuz verschleppt und als Geisel genommen wird, wird später von der Hamas ermordet. Die filmischen Erinnerungen vermischen sich mit aktuellen Aufnahmen und zeichnen das Weiterleben mit den Folgen des Krieges nach.

A Letter to David – The Complete Version Vier Monate nach der Freilassung von David Cunio aus der Gefangenschaft der Hamas-Terroristen, am 13. Oktober 2025, vollendete Tom Shoval die Dokumentation. Shoval besuchte Cunio nach seiner Freilassung, und zusammen besprachen sie viele Dinge für die Finalisierung des Films. Shoval beschrieb seine Bedenken zur Reaktion David Cunios auf den Film: „Als ich David getroffen habe, bin ich da ganz klar gewesen: Ich würde jede Antwort Davids akzeptieren und verstehen. Und bevor wir überhaupt mit dem Sprechen über den Dreh angefangen haben, habe ich David gesagt, dass er nur das machen soll, wobei er sich wohlfühlt. Mir war es wichtig, ihm zu vermitteln und zu versichern, dass ich nichts tun werde, womit er sich nicht wohlfühlt. Aber David sagte: »Auf keinen Fall. Ich möchte es tun, es ist wichtig für mich. Ich werde alles tun, was du möchtest.« Das war sehr bewegend. Ich war immer etwas angespannt, weil ich einen Film über David drehte, ohne dass er davon wusste. Und ich hatte auch etwas Angst davor, dass er den Film sehen würde und sagen könnte »Ich will nicht, dass die Leute diesen Film noch sehen.« Das hätte ja auch passieren können. Dann hätte ich A Letter to David zurückgezogen.“

Die vollendete Fassung stellt eine siebenminütige Verlängerung des Films dar. Gezeigt werden Szenen die den Umgang mit der Gefangenschaft von Familienmitgliedern der Cunios thematisieren. David Cunios jüngerer Bruder Ariel, wurde ebenfalls unter furchtbaren Bedingungen in Gaza gefangen gehalten. Alle acht Familienmitglieder, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt wurden, haben überlebt, und kehrten aus der Geiselhaft in Gaza zurück. Die Jüdische Allgemeine schrieb: „Ein Ende, bei dem längst noch nicht alles gut ist. Sowohl die beiden Ex-Geiseln als auch David Cunios Zwillingsbruder Eitan Cunio, der den Hamas-Überfall am 7. Oktober knapp überlebte, wirken schwer gezeichnet von ihren Erfahrungen.“

Hintergründe und Produktion Der Regisseur und Drehbuchautor Tom Shoval befand sich in Berlin, als er vom Terroranschlag der Hamas auf Israel erfuhr. Er versuchte, Kontakt zu den Hauptdarstellern seines Regiedebüts Youth aufzunehmen. Erst später erhielt er die Nachricht, dass David Cunio, seine Frau und ihre kleinen Kinder von der Hamas entführt worden waren. Shovals persönlicher Filmbrief feierte am 14. Februar 2025 in der Sektion „Dokumentarische Form“ der Berlinale seine Weltpremiere.

David Cunio spielte 2013 gemeinsam mit seinem Bruder Eitan Cunio die Hauptrolle im Film Youth, der im selben Jahr seine Weltpremiere auf der 63. Berlinale feierte. Als Hauptdarsteller des Films nahm David Cunio am Festival teil; Youth wurde in der Sektion Panorama gezeigt. Regisseur Tom Shoval kritisierte die Berlinale dafür, dass sie die Entführung von David Cunio an keiner Stelle thematisierte: „Wenn Filmemacher oder Schauspieler in Gefahr sind, stand die Berlinale in der Vergangenheit hinter diesen Menschen.“

Tom Shoval berichtete, dass Youth das Leben von David Cunio prägte, er lernte während der Filmarbeiten seine spätere Frau kennen, die als PR-Managerin für den Film arbeitete: „Wir befinden uns inmitten einer Tragödie. Das ist keine politische Positionierung. Es geht hier nicht um Juden, Israelis oder Palästinenser, um rechts oder links. David Cunio war unschuldig, er war kein Soldat, und die Tatsache, dass niemand etwas darüber sagen kann, ist auch eine Tragödie.“

Im Abspann des Films wird erwähnt, dass David Cunio nicht zu den Geiseln gehört, die während der Waffenruhe 2025 zwischen Israel und Gaza freigelassen werden.

Am 13. Februar 2025, kurz vor der Eröffnungsgala der Berlinale, erinnerten prominente Schauspieler und mehrere Dutzend Menschen am Roten Teppich sowie am Potsdamer Platz an den israelischen Schauspieler David Cunio und dessen jüngeren Bruder Ariel, die seit dem 7. Oktober 2023 als Geiseln der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden. Unter den Teilnehmern der Solidaritätsaktion waren Andrea Sawatzki, Ulrich Matthes und Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle, die Bilder von David Cunio mit der Aufschrift „Bring David Cunio Home“ hochhielten. Die Solidaritätsaktion fand am Vorabend der Premiere des Dokumentarfilms statt. Tricia Tuttle erklärte in Interviews, dass das Berlinale-Team bereits 2024 gebeten worden sei, sich bei der Abschlussgala für Cunio einzusetzen. Dies sei versäumt worden, weshalb sie ankündigte, sich bei Cunio und dessen Familie zu entschuldigen.

Der Film wurde unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2025 und beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary 2025 gezeigt. A Letter to David. In: kviff.com, abgerufen am 21. September 2025. Er wurde für den Amnesty International Filmpreis 2025 nominiert. und gewann 2025 den Ophir Award als „Bester Dokumentarfilm“.für JFBB-Filme und Gäste. In: Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg. Abgerufen am 21. September 2025

Rezeption Ferdinand Meyens, der für den Bayerischen Rundfunk schreibt, schildert A Letter to David in verschiedenen Interviews Eitan Cunios Rückkehr an den Schauplatz des Angriffs und rekonstruiert seine Erlebnisse vom 7. Oktober 2023. Der Film kommt ohne explizite Gewaltdarstellungen aus, stattdessen werden die persönliche Erinnerung als zentrales Ausdrucksmittel einsetzt: „A Letter to David ist ein emotionaler Dokumentarfilm, der mit seiner Menschlichkeit berührt. Das Politische liest man in diesem Film eher zwischen den Zeilen: Man erfährt nicht, was Eitan Cunio zum Beispiel über die Folgen des 7. Oktobers denkt, über die seit zwei Jahren andauernde Spirale der Gewalt, die vielen weiteren Toten.“

A Letter to David kann laut Chris Schinke, der für die taz schreibt, als „cinematic letter“ gelesen werden: einen filmischen Brief an den entführten David Cunio, der gemeinsam mit seinem Bruder Eitan bereits in Shovals 2013 auf der Berlinale uraufgeführtem Spielfilm Youth die Hauptrolle spielte: „Vermeintlich unbeschwerte Bilder kontrastieren mit Eindrücken der Zerstörung, physisch im Kibbuz sowie in den Seelen der Angehörigen. Manche der Archivaufnahmen haben eine beinahe gespenstische Qualität. Sie zeigen im Kibbuz Nir Oz – ein Ort, der die Utopie bereits im Namen trägt, blühende Gärten.“

Weblinks

A Letter to David beim deutschen Filmverleih Israels Geiseln: Zwei Dokus zeigen das menschliche Leid Beitrag des Deutschlandfunk Kultur vom 17. Februar 2025 In der Gewalt der Hamas Aufzeichnung von ttt – titel, thesen, temperamente ARD vom 16. Februar 2025

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Israelischer Film Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023