mini|Seehundfell, aufgenommen in der Eingangshalle von Great Greenland (2008) Great Greenland ist die grönländische staatliche Gerberei und Kürschnerei mit Sitz im südgrönländischen Qaqortoq. Das Unternehmen vertreibt hauptsächlich Pelzprodukte aus Robbenfell sowie weitere heimische Produkte.
Geschichte mini|Herrenjacke und Fäustlinge aus Seehundfellen von Great Greenland (Pelzmodelle Kuhn, Düsseldorf, 2000) Great Greenland wurde 1977 durch Henning Lassen (häufig versehentlich als Hans Lassen bezeichnet) als Grønlandsgarveriet („Grönlandgerberei“), zu der Zeit noch auf das Gerben von Robbenfellen spezialisiert. Das Unternehmen nutzte die Beinamen The Greenland Tannery oder Greenlandic Furs auf Englisch und Kalaallit Nunaata Ammerivia (KNA) auf Grönländisch. Am 4. März 1978 brannte das Fabrikgebäude bis auf die Grundmauern nieder.Grønlandsgarveriet i K'aĸortoĸ brændt. Atuagagdliutit (9. März 1978). S. 4. Sehr bald wurde der Betrieb um eine Werkstatt zur Weiterverarbeitung der Felle erweitert. Das Unternehmen ging im Jahr 1982 als Gesellschaft mit beschränkter Haftung in den Staatsbesitz über. Im Jahr 1983 nahm noch Den Kongelige Grønlandske Handel (KGH) den Einkauf und Verkauf der Felle vor, die sie auf zwei jährlich stattfindenden Auktionen verkaufte. Die alte Kolonialhandelsgesellschaft wurde 1985/86 zerschlagen und die Zuständigkeit für die jeweiligen Wirtschaftsbereiche an die grönländische Regierung übergeben. Nach wechselnden Eigentumsarrangements erfolgte im Jahr 1991 die Umbenennung des unter grönländischer Selbstverwaltung befindlichen Unternehmens in Great Greenland.
Unternehmenszweck Robbenfelle sind nach wie vor die Spezialität von Great Greenland, es werden jedoch auch andere grönländische Häute, wie Moschushäute, Lamm- und Eisbärfelle verarbeitet.About Great Greenland. Great Greenland. Great Greenland kauft Robbenfelle von Jägern in ganz Grönland auf, gerbt sie und verarbeitet sie zu Kleidung und anderen Produkten. Der Vertrieb erfolgt weltweit. Es werden ausschließlich Felle ausgewachsener Tiere verwendet.Ole Heinrich, Philip Lauritzen, Morten Jersild AS: 1984 – Robbenfang in Grönland. Informationsdienst der Selbstverwaltung Grönlands (Hrgr.), Tusarliivik; Utsarliivik, Ivars Silis und Arktik Institut 1983, ISBN 87-7366-015-9.
Ein Teil der Felle wird in Grönland selbst für Kleidung und Eskimostiefel (Kamiks) genutzt, wobei westliche Bekleidung zunehmend dominiert.
In den Räumlichkeiten von Great Greenland in Qaqortoq, Havnevej befindet sich ein Besucherzentrum, zu dem eine Nähstube gehört. Neben den regulären Geschäftszeiten ist es während der Anlegezeiten von Kreuzfahrtschiffen geöffnet.Great Greenland Furhouse. petit futé. Es können dort Kurse im Pelznähen belegen werden.
Entwicklung und wirtschaftliche Herausforderungen Great Greenland dient der Unterstützung der grönländischen Jäger durch die Vermarktung ihrer Produkte, im Wesentlichen der von ihnen durch Jagd gewonnenen Robbenfelle. Die Robbenjagd ist zentraler Bestandteil der traditionellen Lebensweise der Inuit und anderer Völker arktischer Nationen. Seit den 1970er Jahren wurde die kommerzielle Robbenjagd durch internationale Proteste gegen das Töten von Jungtieren „Babyrobben“ zunehmend kritisiert. Obwohl diese Jagd in Grönland nicht stattfindet, führte die weltweite Ächtung zu einem Preisverfall und brachte die grönländischen Jäger „in katastrophale Schwierigkeiten“. Internationale Handelsbeschränkungen verschärften die Lage.
Die USA verbieten seit 1972 generell den Handel mit Produkten von Meeressäugern. 1983 wurde der Import in der Europäischen Gemeinschaft verboten.EU ban will not cover Greenlandic seal skins. EcoAdvise & Communication (6. Juni 2006) (archiviert). Mitte der 1990er Jahre änderte sich die Einstellung zu den Seehundprodukten etwas, eine verbesserte Pelzveredlung machte die Felle zudem leichter und attraktiver für die Ansprüche der Modeindustrie, und das dänische Auktionshaus Kopenhagen Fur nahm sie wieder in ihr Programm auf. Auf der ersten Auktion im Jahr 1997 wurden 12.000 Felle zu sehr guten Preisen verkauft. Vor 2002 erhielt Great Greenland durchschnittlich jährlich etwa 100.000 Felle, von denen etwa 20.000 vom Unternehmen selbst verarbeitet wurden, etwa 25.000 wurden an grönländische Kürschner verkauft, der Rest ging über das, 2024 aufgegebene, Auktionshaus Kopenhagen Fur in den internationalen Verkauf. 2007 erhielt das Unternehmen jährlich zwischen 25 und 30 Millionen DKK (3,5 bis 4 Millionen Euro) zur Unterstützung und Entwicklung der grönländischen Robbenjagd. 2007 gab es in Grönland etwa 1900 lizenzierte Berufsjäger, von denen geschätzt etwa 200 bis 300 wirtschaftlich von der Robbenjagd abhängig waren. Im Durchschnitt verdiente ein Jäger durch Jagd und Küstenfischerei etwa 50.000 DKK (6000 Euro) im Jahr. Etwa 20 Prozent davon bestand aus direkten Subventionen des grönländischen Staats.Great Greenland intendt to start commercial seal pup hunting. EcoAdvise & Communication (18. April 2007) (archiviert). In der Europäischen Union ist der Import von Robbenfellen grundsätzlich verboten, aber durch eine Verordnung vom 20. November 2009 per Ausnahmeregelung weiterhin importierbar, sofern sie aus einer von Inuit oder anderen indigenen Gemeinschaften betriebenen nachhaltigen Jagd stammen.
Nach einem Umsatzrückgang in den sieben Jahren zuvor hatte sich das Unternehmen erholt, es erzielte im Jahr 2013 einen Gewinn von 5,9 Millionen Kronen.Johan Ante Utsi: Great Greenland kan gå i overskudd. NRK (28. Juni 2014). Im Jahr 2025 war die als „Nähstube“ bezeichnete Kürschnerei auf ein Zehntel der früheren Größe zurückgegangen.Alibak Hard: Qaqortoq. Danmarks Nationalleksikon.
Produkte und Modedesign mini|Ordner aus Seehundfell, Vertrieb Great Greenland A/S (etwa 1990) Great Greenland bietet neben teils hochmodischen Pelzen, immer auch Kleidung an, die traditionelle Inuit-Elemente mit modernem Design verbindet.
Schon unter dem früheren Namen Kalaallit Nunaata Ammerivia wurden in verschiedenen Jahren von anerkannten Designern entworfene Kollektionen produziert. Im Jahr 1989 waren das 25 Modelle, entworfen von Lars Hillingsø (1938–2005), Schöpfer der Marke Lars Paris, entworfen in der betriebseigenen Pelzkonfektionsabteilung in Qaqortoq, dänisch Julianehåb. Gleichzeitig wurde als grönländische Neuheit eine Kollektion aus „Polarlamm“ angeboten: „Nirgends in der Welt bekommt man so langfaserige Wolle wie in Grönland. Die Kollektion beinhaltete sowohl geschorene wie auch langwollige Lammpelze.“KNA – Tannery of Greenland präsentiert ihre Kollektion. Kalaallit Nunaata Ammerivia, Qaqortoq, undatierte Pressemeldung. Im Jahr 1990 kaufte das Dänische Nationalmuseum seine Kollektion „Matisse“, die sich durch innovativen Einsatz von Techniken, ihre Konzeption und die besondere Behandlung des Robbenfells auszeichnete. Zu den Olympischen Winterspielen 1992 im französischen Albertville traten die dänischen Teilnehmer zur Eröffnungsfeier in gesponserten Jacken aus grönländischem Seehundfellen an.Tobias Østergaard Omme: Seal Belongs on the International Runways. In: News, April 2013, Kopenhagen Fur, Glostrup, S. 19 (englisch). Als Hauptsponsor der Arctic Winter Games im März 2002 in Nuuk wurde die dänische Delegation einheitlich in „arctic blue“ gefärbte Seehundjacken gekleidet. Im Jahr 2002 entwarf die Pelzdesignerin Bente Houmann Andersen die Kollektion, die sie in eine hochmodische italienische Linie, eine sportlich-militärische kubanische, sowie eine in natürlichen und asphaltfarben Tönen gehaltene skandinavische Linie aufteilte. Für die Kollektion 2013/14 arbeitete Great Greenland erneut mit der renommierten dänischen Designerin Benedikte Utzon zusammen, die zuvor schon für das Unternehmen tätig gewesen war. Auch 2016 war es mit Jesper Høvring ein dänischer Designer, der die Kollektion für die Copenhagen Fashion Week entwarf. Wie Kopenhagen Fur berichtete, hatten sowohl „die dänischen Politiker und Prominente, wie auch die internationalen Medien nur Lob für die neue Kollektion“.Michael Abilon: Standing Ovations at Great Greenland's Fashion Show. In: News, April 2016, Kopenhagen Fur, Glostrup, S. 11 (englisch). Johan Lund Olsen, Mitglied des dänischen Parlaments für Grönland, erklärte anschließend: „Wir können in Grönland nicht auf Robbenfelle verzichten. Da diese Felle unser Lebensunterhalt sind, ist diese Show für Jäger in den Außensiedlungen Grönlands sehr wichtig.“Michael Abilon: Strong Political Support for Greenlandic Hunters. In: News, April 2015, Kopenhagen Fur, Glostrup, S. 16 (englisch).
Leitung Quelle:Great Greenland A/S. CVR (Dänisches Handelsregister).
Direktoren 1987–1990: Jens Bagger 1990–1996: Kristian Fleischer 1996–1998: Poul Klentz 1998–2008: Michael K. Nielsen 2008–2011: Henrik Estrup 2011–2016: Lars Berg 2016–2018: Ditte Sorknæs 2018–2025: Preben Møller seit 2025: Aviaja Holm Jensen
Aufsichtsratsvorsitzende 1988–1991: Hans Pavia Rosing 1991–1993: Jørgen Galst 1993–2010: Anders Jonas Brøns 2010–2012: Amalie Agnethe Jessen 2012–2016: Bruno Olesen 2016–2017: Helle Dalgård Matthiesen 2017–2018: Erik Sivertsen 2018–2025: Juliane Henningsen seit 2025: Pitsi Høegh
Weblinks
Great Greenland Pelzhaus, Text und Fotos (englisch)
Einzelnachweise
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