thumb|hochkant|Walter Nicolai, ca. 1943 (Familienfoto) Walter Nicolai (* 2. August 1896 in Dresden; † 3. April 1945 in Nordhausen) war ein deutscher Zeichner und Grafiker.
Biografie Kindheit und Studium Walter Nicolai wuchs als ältester Sohn einer Handschuhmacherfamilie in der Frauenstraße 6 im Zentrum Dresdens auf. Bereits in der Schule zeigte er zeichnerisches Talent, das von seinem Zeichenlehrer gefördert wurde. Von 1913 bis 1915 studierte er an der Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule und belegte die Fächer Freihandzeichnen, Modellieren und Kunstgeschichte.Hochschule für Bildende Künste Dresden – Archiv, Immatrikulationeintragungen, Auskunft vom 30. November 1982. Im Jahr 1915 erhielt er den Einberufungsbefehl zum Kriegsdienst. Den Ersten Weltkrieg überlebte er als Soldat im Fronteinsatz. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Skizzen von seinen Einsatzorten erhalten. 1919 setzte er sein Studium an der Zeichenabteilung der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe in Dresden fort. Zu seinen Kommilitonen zählten Hans Jüchser und Albert Herold.
1921 legte er die Prüfung als Zeichenlehrer für Gewerbeschulen ab. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Ziseleurgehilfe in der Firma Christoph Kay, Gold- und Silberschmiede D. W. H. Hamburg.
Ab Ostern 1925 besuchte er für die Dauer des Sommersemesters die Klasse für angewandte Plastik bei Karl Groß an der Kunstgewerbeschule Dresden.
Lehrtätigkeit Er begann sein Berufsleben in den Jahren 1922 bis 1927 als Zeichen- und Gewerbelehrer an den Dresdner Innungs- und Berufsschulen sowie an den Technischen Lehranstalten der Stadt Dresden. Dort legte er auch seine Prüfung als Gewerbelehrer ab. Von 1927 bis 1945 war er als Gewerbeoberlehrer an der Gewerblichen Berufsschule in Nordhausen am Harz tätig.
Familie mini|Walter Nicolai mit Sohn Eberhard im Harz, ca. 1931 (Familienfoto) Walter Nicolai heiratete am 14. April 1928 Erna Junghanns in der Dresdner Frauenkirche. Ab 1928 lebte er mit seiner Familie in Nordhausen. 1937 bezog er ein eigenes Haus, in dem er mit seiner Frau und fünf Kindern bis 1945 lebte. In dem Haus befand sich auch sein Atelier.
Tod mini|hochkant|Hauptfriedhof Nordhausen, Staatliches Ehrenmal für Kriegsopfer für Walter Nicolai Beim Luftangriff auf Nordhausen am 3. April 1945 erhielt sein Wohnhaus einen direkten Treffer. Walter Nicolai, seine Frau und vier seiner Kinder starben. Nur sein zehnjähriger Sohn Thomas konnte lebend gerettet werden. Ein Teil seiner Zeichnungen konnte aus den Trümmern geborgen werden. Für Walter Nicolai und seine Familie wurde auf dem Nordhäuser Hauptfriedhof unter der Nummer 360/361 ein staatliches Ehrenmal für Kriegsopfer errichtet.
Künstlerisches Schaffen Walter Nicolai arbeitete freischaffend und nur selten im Auftrag, beispielsweise für das Gemeindeblatt der Jakobikirche in Dresden, die Heftreihe Hirts Deutsche Sammlung (Märchenillustrationen) und die Tageszeitung Südharzer Kurier. Darüber hinaus schuf er individuell beispielsweise Familien- und Neujahrsanzeigen sowie Exlibris. Von ihm sind zahlreiche Stadtansichten und Landschaftsbilder sowie Gebrauchsgrafik und Veranstaltungswerbung überliefert.
Er gestaltete seine Zeichnungen und Illustrationen vorwiegend mit den Techniken Tusche, Kohle, Pastell- und Ölkreide sowie Blei- und Farbstift. Daneben entstanden Aquarelle (Porträts, Landschaften), Linol- und Holzschnitte sowie Scherenschnitte.
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Linolschnitt Frauenberger Kirche zu Nordhausen
Illustrationen für das Kirchenblatt der Jakobikirche Dresden Vor dem Arbeitsamt (Scherenschnitt) 1931 Das Gespenst der Arbeitslosigkeit (Zeichnung) 1931 Christus vor Pilatus (Scherenschnitt)
Illustrationen zu Stadtansichten und Veranstaltungen in Nordhausen Idyllischer Mühlgraben (Kohlezeichnungen) Nordhäuser Brunnenfiguren (Kohlezeichnungen) Theater-Szenenbilder (Zeichnungen) Frauenberger Kirche zu Nordhausen (Linolschnitt) 1935 Kreiskirchenmusikfest 1936 (Plakat)
mini|Tuschzeichnung zum Märchen Die Prinzessin auf der Erbse mini|hochkant|Mit Buntstift kolorierte Tuschzeichnung Gebäude und Städte, Altstadt
Märchenillustrationen (Zeichnungen in Tusche)
Individuelle Grafiken von seiner Familie
Bilder in verschiedenen Techniken Kinderbilder (Aquarell) 1932 und 1935 Winter im Harz (Linolschnitt) 1935 Südharzer Landschaft (Ölkreide) 1937 Talsperre im Harz (Kohle) 1938 Fischerboote im Haff (Pastellkreide) 1941
Ausstellungen 1944: Kunstgewerbeschule Dresden, Pinsel und Feder illustrieren Märchen und Dichtung 1966: Ausstellungsräume in der Christuskirche Dresden-Strehlen, Private Gedächtnisausstellung zum 70. Geburtstag 1996: Ausstellungsräume in der Christuskirche Dresden-Strehlen, Gedächtnisausstellung zum 100. GeburtstagGenia Bleier: An die vergessene Kunst des Vaters erinnert. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 30. Juli 1996. 2011–2012: Bergbau- und Regionalmuseum Bannewitz bei Dresden, Märchenillustrationen
Kunstkritiken
In der Kritik zur Ausstellung 1944 von Leonore Kupke heißt es in der Dresdner Zeitung vom 15. August 1944:
In einem Nachruf zum Gedenken an Walter Nicolai heißt es im Sächsischen Tageblatt vom 15. August 1946:
Verbleib der Werke Die erhaltenen Zeichnungen, Aquarelle, Linol- und Scherenschnitte und andere Werke befinden sich im Privatbesitz seiner Nachkommen. Die Bilder von der Stadt Nordhausen wurden im Jahr 2024 dem Stadtarchiv Nordhausen übergeben.
Weblinks
Einzelnachweise
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