mini|hochkant|Valcke als Leutnant. Louis Pierre Alphonse Valcke (* 22. Dezember 1857 in Brügge, Belgien; † 16. März 1940 in Gent, Belgien) war ein belgischer Soldat und Kolonialbeamter. Er diente ab Anfang der 1880er Jahre für den belgischen König Leopold II. im Kongo-Freistaat und nahm dort an Expeditionen des britischen Afrikaforschers Henry Morton Stanley teil. 1886/87 war er zeitweise als Interims-Generalgouverneur des Landes eingesetzt.
Biographie Frühe Jahre (1857–1880) Valckes Eltern waren Liévin-Pierre Valcke und Clémence d'Ongena. Er studierte am Atheneum in Brügge und trat dann am 1. Dezember 1874 in die Militärschule ein. Am 1. Januar 1877 wurde er zum Leutnant befördert. Am 27. Februar 1878 wurde er dem Pionierregiment in Antwerpen zugeteilt.Marthe Coosemanns: Valcke (Louis Pierre Alphonse). In: Biographie Belge d’Outre-Mer. Band I. Academie Royale des Sciences d’Outre-Mer, Brüssel 1953, Sp. 825–836 (kaowarsom.be PDF). Abgerufen am 4. Februar 2025.
Im Jahr 1880 wurde Valcke vom Militärkartografischen Institut abgeordnet und dem Komitee zur Erforschung des oberen Kongo zugeteilt. Er wurde vom König beauftragt, zu untersuchen, wie man das Zentrum Afrikas am besten erreichen könnte, und riet dem König, die Idee einer Einreise von Osten über den Indischen Ozean aufzugeben. Ende Juli 1880 ermächtigte der König Valcke, einen Weg vom Westen, also vom Atlantik her, in das Kongobecken zu erkunden. Er bat Valcke weiterhin, über diese geplante Unternehmung absolute Geheimhaltung zu wahren und Geduld und Flexibilität gegenüber Henry Morton Stanley zu zeigen, den er ihm zwar als brillanten Entdecker und tatkräftigen Organisator, allerdings mit einem schwierigen und ehrgeizigen Charakter beschrieb.
Erste Amtszeit im Kongo (1880–1881) mini|Banana um 1887 Am 4. August 1880 schiffte sich Valcke in Ostende ein, um gemeinsam mit Charles-Marie de Braconnier über Liverpool nach Banana zu reisen, das er am 2. Oktober 1880 erreichte, und fuhr am 6. Oktober 1880 flussaufwärts nach Vivi, um Kontakt mit Stanley aufzunehmen. Am 15. November 1880 schickte Stanley Valcke den Befehl, sich ihm in Ngoma anzuschließen, wo Valcke am 25. November 1880 ankam. Stanley beauftragte Valcke, eine Straße zu bauen, die am Fuße des Ngoma-Plateaus vorbeiführen und den Transport von Ausrüstung, Proviant und Personal zum Aufbau von Stationen im oberen Kongo-Gebiet zu ermöglichen. Valcke sprengte mit Sprengstoff Felsen aus dem Berg, die zusammen mit Baumstämmen zum Bau des 1.500 Meter langen „Valcke-Damms“ von Ngoma nach N‘Konzo verwendet wurden. In seinen Memoiren äußerte sich Stanley zufrieden mit Valckes Arbeit.Henry Morton Stanley: The Congo and the Founding of Its Free State: A Story of Work and Exploration. Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-1-108-03131-8, S. 237.
Am 8. Dezember schlugen sie an einem Ort namens Khonzo ihr Lager auf. Stanley fuhr mit dem Dampfer Royal flussaufwärts und konnte bis auf 2,4 km an Isangila herankommen. Von Khonzo aus bauten 100 Männer die Straße über Land, während die Dampfer die Materialien auf dem Wasserweg transportierten.Henry Morton Stanley: The Congo and the Founding of Its Free State: A Story of Work and Exploration. Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-1-108-03131-8, S. 238. Bis zum 30. Dezember hatte die Expedition ihr Lager bei Isangila aufgeschlagen und die Dampfer befanden sich in einer Bucht, von der aus eine Straße gebaut werden konnte, um sie zu ihrem Startplatz oberhalb der Stromschnellen zu bringen. Stanley überließ Valcke die Verantwortung, während er nach Vivi zurückkehrte, um die neuen Wagen und einen neuen Stahlleichter abzuholen, die in Bundi zurückgelassen worden waren. Am 2. Januar 1881 gingen die Boote an Land im Lager, um repariert und für die Reise nach Manyanga gestrichen zu werden.Henry Morton Stanley: The Congo and the Founding of Its Free State: A Story of Work and Exploration. Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-1-108-03131-8, S. 239.
mini|Karte des Kongo aus Stanleys Through the Dark Continent. Im Februar 1881 hörte Stanley Gerüchte, dass britische Missionare den Bau einer Niederlassung in der Region planten, und bat Valcke, zuvor eine Niederlassung der Internationalen Afrika-Gesellschaft (A.I.A.) in Isangila einzurichten. Die Station wurde innerhalb von zwei Monaten fertiggestellt. Während Valcke mit dem Ausbau des Postens in Isangila fortfuhr, fuhr Stanley mit den Dampfschiffen En Avant und Royal den schiffbaren Abschnitt des Flusses hinauf nach Manyanga, wo er mit dem Bau einer weiteren Station begann, den er Victor Harou anvertraute. Er beauftragte Charles-Marie de Braconnier mit dem Bau einer Straße von Manianga zur Mündung des Lufu-Flusses unter Umgehung der Ntombo-Mataka-Wasserfälle. Valcke vertraute Isangila Eugène Janssens und Frédéric Orban an und brach gemeinsam mit Otto Lindner am 5. Mai 1881 ins Landesinnere auf.Marcel Luwel: LINDNER [Otto). Biographie Coloniale Belge. Band VII–C. Inst. roy. colon. Belge. Spalten 251–280. PDF. Abgerufen am 2. April 2025. Sie erreichten Manyanga am 5. Juni 1881, wo sich Stanley gerade von einer schweren Krankheit erholte. Stanley begrüßte Lindners und Valckes Ankunft und die mitgebrachte Verstärkung, ein Kontingent neuer Rekruten aus Sansibar, sowie die Post der letzten sechs Monate.James L. Newman: Imperial Footprints: Henry Morton Stanley's African Journeys. Potomac Books, Inc. 2004. ISBN 978-1-57488-597-2. S. 175. Am 15. Juli brachen sie mit einem Kontingent einheimischer Hilfstruppen auf der von Braconnier markierten Route auf und transportierten die En Avant und zwei Walfangboote über Land zum Pool Malebo (damals Stanley Pool genannt).
Sie erreichten den Gordon-Bennett-Fluss (zu der Zeit benannt nach James Gordon Bennett Jr. heute: Djoué-Fluss) ohne Schwierigkeiten. Dort erfuhren sie, dass Pierre Savorgnan de Brazza einen Vertrag mit Häuptling Makoka unterzeichnet hatte und darin den Besitz des gesamten rechten Ufers des Kongo-Flusses nördlich des Pools für Frankreich forderte. Die Belgier errichteten ein Lager am rechten Ufer des Djoué und am 3. August 1881 bat Stanley Valcke, an die Küste zurückzukehren und zu versuchen, das am 20. August 1881 von Banana nach Luanda fällige Boot zu erreichen. Er sollte mit Handelswaren zurückkehren, um Häuptling Ngaliéma für die A.I.A. zu gewinnen. Valcke legte die 500 Kilometer lange Reise nach Banana in sieben Tagen zurück. Als er Luanda erreichte, litt er an Fieber und Hämaturie, doch es gelang ihm, die Waren zu besorgen und nach Banana zu bringen, von wo aus er sie zu Stanley schickte. Er kehrte dann nach Belgien zurück, wo er am 23. Dezember 1881 Ostende erreichte.
Zweite Amtszeit im Kongo (1882–1885) Straße nach Leopoldville In Brüssel traf Valcke mit König Leopold II. zusammen, der ebenfalls der Ansicht war, dass die Besetzung Zentralafrikas nun auch militärisch rasch erfolgen müsse. Am 8. Februar 1882 brach Valcke nach Sansibar auf, um Hilfstruppen zu rekrutieren und sie über Kapstadt nach Banana zu bringen, wo er sich mit Alphonso van Gèle traf. In der Zwischenzeit hatte Stanley eine anstrengende Expedition zum Mfini-See und zum Leopold-II-See unternommen, wo er an Fieber und Bauchschmerzen erkrankte und zur Rückkehr nach Europa aufgefordert wurde. Er war in Vivi, als Valcke und Van Gèle im April ankamen. Stanley übertrug Valcke das alleinige Kommando über die 256 Sansibaris, unabhängig vom neuen Verwalter, dem deutschen Geographen Eduard Pechuel-Loesche, dem eigentlichen Stellvertreter Stanleys in Vivi. Valcke ließ Lieven van de Velde mit den Kranken aus dem Sansibar-Kontingent in Vivi zurück und brach zusammen mit Van Gèle auf, der einen neuen Dampfkessel für die Royal und 600 Rationen Waren beladen hatte. Auf der Loa-Höhe wurde Van Gèle krank und musste nach Vivi zurückkehren, während Valcke weiterreiste.
Am 1. August schlossen sich ihm Van de Velde und die genesenen Sansibari an. Die Straße nach Isangila musste repariert werden, um den Transportanforderungen gerecht zu werden. Valcke und seine Kolonne erreichten Isangila am 30. August und zogen weiter nach Manyanga. Hier griff Valcke auf Ersuchen des Stationskommandanten Théodore Nilis ein, um die Mowa-Region zu befrieden. Valcke begann daraufhin mit dem Bau einer Straße entlang des linken Ufers, die für Transportunternehmungen der A.I.A. dienen sollte, um Waren, die am Pool gelagert werden sollen, dorthin zu transportieren. Der Bau der Straße durch das Gebiet der Häuptlinge Lutete und Makito verlief problemlos. Diese mussten allerdings davon überzeugt werden, den Europäern die Durchreise zu gestatten. In Lutete wurde eine weitere Station eingerichtet und Van Gele anvertraut. Anfang Oktober erreichte das Propellerdampfschiff A.I.A. gebaut von Forges et Chantiers de la Méditerranée Banana. Es wurde dann in Einzelteilen nach Isangila gebracht, zusammengebaut und erreichte im Oktober 1882 Manyanga. Valcke übernahm die Aufgabe, den Dampfer zum Pool zu bringen, wo er für Stanleys nächste Erkundungsfahrt im Mai 1883 erneut zunächst zerlegt und dann wieder zusammengebaut werden musste.
Verträge Valcke musste sich mit Makoko in Mbe treffen, um ihn dazu zu bewegen, den Vertrag, den er mit den Franzosen geschlossen hatte, zu kündigen oder zumindest zu lockern. Er und Camille Coquilhat erreichten Léopoldville am 7. Dezember und Msuata am 13. Dezember mit einer Eskorte von 50 Sansibaris und den für die Verhandlungen benötigten Waren. Valcke stellte fest, dass Häuptling Makoko nach Brazzas Abreise den Großteil der französischen Güter für sich beansprucht hatte, was zu seiner Absetzung geführt hatte. Die Häuptlinge Mfumu Ntaba, Ngaliema und Gantschu akzeptierten die Autorität der A.I.A. und stimmten dem Bau europäischer Stützpunkte im Landesinneren und am Fluss zwischen der Mündung des Lefini und des Djoué zu. Am 13. Januar 1883 war Valcke in Mfoa, wo er von Braconnier hörte, dass die französische Regierung den Vertrag mit Makoko ratifiziert hatte. Er musste daher alle Aktivitäten am rechten Ufer des Kongo aufgeben und nach Manyanga zurückkehren, um sich Stanley anzuschließen, der am 20. Dezember 1882 nach Vivi zurückgekehrt war. Valcke erreichte Léopoldville am 14. Januar 1883 und Manyanga am 16. Januar 1883, wo er Stanley und Edmond traf.
Transport und Versorgung mini|Der Kongo am Abfluss aus dem Pool. Aufnahme von 1888 Stanley hatte beschlossen, die Royal durch Walfangboote im Abschnitt Isangila–Manyanga zu ersetzen und den Dampfer nach Léopoldville zu transportieren. Stanley übernahm zwischen dem 7. und 27. Februar die Leitung des Dampfers auf dem rechten Ufer zum Inkisi, wo er den Fluss überqueren und auf dem linken Ufer weiterfahren musste. Valcke musste die beiden A.I.A. Dampfkessel zum linken Ufer transportieren. Er benutzte zwei Tragen, die jeweils von acht Trägern getragen wurden. Die Transportkolonne erreichte Léopoldville am 27. Februar 1883. Er arbeitete bis zum 3. April weiter an Transport- und Versorgungslösungen, bis er erschöpft war und um Ablösung bat. Van Gèle übernahm die Arbeit, während Valcke nach Léopoldville zurückkehrte. Stanley übertrug ihm das Kommando über den Distrikt Stanley Pool und die Station Léopoldville sowie die allgemeine Verantwortung für die Regionen Cataractes und Bas-Congo.Inventaire des archives de Louis Valcke 1857–1940. Koninklijk Museum voor Midden-Afrika, Tervuren 2018 (archives.africamuseum.be PDF). Abgerufen am 4. Februar 2025.