Die Hansestadt Attendorn ([] mundartlich meist [] ) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt in Nordrhein-Westfalen im Kreis Olpe im südlichen Sauerland mit rund 25.000 Einwohnern. Überregional bekannt ist sie durch die Tropfsteinhöhle Atta-Höhle und den Biggesee. Seit dem 19. März 2012 darf Attendorn offiziell den Zusatz Hansestadt führen.Kommunalminister Jäger genehmigt die ersten Zusatzbezeichnungen bei Städten und Gemeinden. Innenministerium Nordrhein-Westfalen vom 19. März 2012.
Die Stadt ist ein Mittelzentrum. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Siegen (45 km), Hagen (60 km), Dortmund (75 km) und Köln (85 km). Die Wirtschaft der Stadt ist industriell geprägt, vor allem das metallverarbeitende Gewerbe ist historisch gewachsen und bietet auch heute noch die meisten Arbeitsplätze.
Geografie Geografische Lage Die Hansestadt Attendorn liegt im Nordwesten des Kreises Olpe im südlichen Sauerland auf 7°54’ östlicher Länge und 51°07’ nördlicher Breite. Das Stadtgebiet befindet sich im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge, nördlich von Biggesee und Dünnekenberg. Der Stausee wird vom Lenne-Zufluss Bigge durchflossen, die unterhalb des Biggestaudamms die Stadt durchfließt.
Der höchste Punkt des Stadtgebiets ist die Rüenhardt (). Am Ahauser Stausee nordöstlich der Kernstadt sind es nur . Das Stadtgebiet umfasst 97,86 km², wovon etwa die Hälfte von Wald bedeckt ist. mini|hochkant=1.3|Blick über die Stadt von der Atta-Höhlemini|hochkant=1.25|Innenstadt aus Südosten
Geologie Attendorn befindet sich im Nordosten des Rheinischen Schiefergebirges, am westlichen Rand der Attendorn-Elsper Doppelmulde, einem Kalkriff, das im Devon (vor ca. 400 Mio. Jahren) entstand und sich infolge tektonischer Verschiebungen erhob. Das eine Tal, beginnend in Attendorn, führt bis nach Fretter, das andere von Niederhelden bis Elspe. Im Massenkalk des Oberen Mitteldevon konnten sich zahlreiche Höhlen bilden, von denen die Atta-Höhle als einzige öffentlich zugänglich ist.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet, dessen größte Nord-Süd-Ausdehnung 10,89 km und Ost-West-Ausdehnung 14,57 km beträgt, umfasst 97,86 km² Gesamtfläche. Diese Fläche umfasst unter anderem 51,13 km² Waldfläche, 5,74 km² Wasserfläche und 29,48 km² landwirtschaftliche Fläche. 5,97 km² werden als Gebäude- und Freifläche und 4,55 km² als Verkehrsfläche genutzt. Die folgende Tabelle zeigt die detaillierte Flächennutzung:
Flächenach Nutzungsart Landwirtschafts-fläche Gebäude-und Freifläche Wald-fläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Erholungs-fläche Betriebs-fläche sonstigeNutzung Fläche in km² 29,48 5,97 51,13 4,55 5,74 0,32 0,16 0,51 Anteil an Gesamtfläche 30,1 % 6,1 % 52,2 % 4,6 % 5,9 % 0,3 % 0,2 % 0,5 % ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen
Nachbargemeinden Attendorn grenzt an das Gebiet von Städten und Gemeinden des Kreises Olpe und des Märkischen Kreises. Im Norden beginnend und im Uhrzeigersinn sind dies Plettenberg (N), Finnentrop (NO), Lennestadt (O), die Kreisstadt Olpe (S), Drolshagen (SW), Meinerzhagen (W) sowie Herscheid (NW).
Stadtgliederung Attendorn besteht neben der Kernstadt mit 13516Einwohnerstatistik der Stadt Attendorn (Stand: 30. Juni 2021), abgerufen am 26. Juli 2021. Einwohnern aus 55 weiteren Dörfern und Wohnplätzen. Durch die Erschließung der Baugebiete „Wippeskuhlen“ und „Auf dem Schilde“ sowie der Industriegebiete „Ennest“, „Askay“ und „Donnerwenge“ sind in den vergangenen Jahren die Stadtteile Biekhofen, Ennest und Holzweg mit dem Zentrum baulich zusammengewachsen. Auch die Orte Neu-Listernohl, Petersburg, Kraghammer, Ewig, Biggen und Schnellenberg liegen in unmittelbarer Nähe des Zentralortes Attendorn, so dass sich eine Gesamtzahl von über 18.000 Einwohnern in diesem zentralen Siedlungsraum ergibt.
Albringhausen (88 Einwohner) Attendorn (13.516 Einwohner) Berlinghausen (21 Einwohner) Beukenbeul (273 Einwohner) Biekhofen (813 Einwohner) Biggen (33 Einwohner) Borghausen (28 Einwohner) Bremge bei Ennest (6 Einwohner) Bremge/Biggesee (42 Einwohner) Bürberg (41 Einwohner) Dahlhausen (5 Einwohner) Dünschede (693 Einwohner) Ebbe, Forsthaus (3 Einwohner) Ebbelinghagen (31 Einwohner) Eichen (29 Einwohner) Ennest (2.210 Einwohner) Erlen (33 Einwohner) Ewig (76 Einwohner) Fernholte (1 Einwohner) Hebberg (29 Einwohner) Helden (1.175 Einwohner) Hofkühl (11 Einwohner) Hohen Hagen (1 Einwohner) Holzweg (357 Einwohner) Jäckelchen (9 Einwohner) Keseberg (25 Einwohner) Keuperkusen (9 Einwohner) Kraghammer (43 Einwohner) Lichtringhausen (521 Einwohner) Listerscheid (145 Einwohner) Mecklinghausen (208 Einwohner) Merklinghausen (22 Einwohner) Milstenau (58 Einwohner) Neuenhof (382 Einwohner) Neu-Listernohl (1.076 Einwohner) Niederhelden (317 Einwohner) Nuttmecke (20 Einwohner) Papiermühle (111 Einwohner) Petersburg (504 Einwohner) Rauterkusen (26 Einwohner) Rautersbeul (5 Einwohner) Repe (122 Einwohner) Rieflinghausen (53 Einwohner) Röllecken (439 Einwohner) Roscheid (21 Einwohner) Schnellenberg (1 Einwohner) Sankt Claas (162 Einwohner) Silbecke (95 Einwohner) Uelhof (18 Einwohner) Voßsiepen (5 Einwohner) Wamge (204 Einwohner) Weltringhausen (19 Einwohner) Weschede (69 Einwohner) Weuste (8 Einwohner) Windhausen (647 Einwohner) Wörmge (25 Einwohner) Die beim Bau der Biggetalsperre (1956–1965) untergegangenen Attendorner Ortsteile waren: Ackerschott, Bruchwalze, Dumicketal, Imminghausen, Klinke, Langenohl, Listernohl und Maiwormshammer.
Klima Charakteristisch für Attendorn ist der große Höhenunterschied von fast 400 Metern, der im Stadtgebiet vorherrscht. Das Zentrum der Stadt Attendorn liegt in einem Talkessel des Biggetals, hat sich aber mittlerweile auch auf die Hügel um die Stadt herum ausgedehnt. Diese Lage wirkt sich auf das Klima aus und führt zu lokal unterschiedlichen Temperaturen.
Bei Höhenlagen um 300 m, wo auch das Stadtzentrum zu finden ist, liegt die Jahresdurchschnittstemperatur bei etwa 8 Grad Celsius, bei solchen um 450 m bei 7 °C und bei solchen um 600 m bei 6 °C. Insbesondere im Winter sinkt die mittlere Temperatur bei zunehmender Höhe jedoch deutlich. Während es bei 300 m noch 0,5 °C sind, sinkt die Temperatur auf 450 m auf 0 °C und bei 600 m auf −1,5 °C. Die Auswertung der gesamten Wetteraufzeichnungen ergibt eine Spannbreite der Spitzenwerte zwischen −27 und +34 °C.
Der Grund für die niedrigen Temperaturen ist in der geringen Sonnenscheindauer in diesem Gebiet zu finden. Der Kreis Olpe weist die niedrigsten Werte in Nordrhein-Westfalen auf. In Attendorn beträgt das Jahresmittel der Globalstrahlungssumme bis zu 930 kWh/m²a (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr), während es im Westen des Landes über 1.010 kWh/m²a liegt.
Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 1.100 mm. Die Niederschläge sind sehr gleichmäßig über das Jahr verteilt, wobei der Winter mit ca. 300 mm die niederschlagsreichste Jahreszeit ist.
Klimatisch bedeutsame Teilräume sind die Talmulden als Kaltluftsammel- und Abflussbereiche. Hier sind insbesondere das Biggetal, das Ihnetal und das Repetal von Bedeutung.VSU GmbH: Begründung zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes 2020 der Stadt Attendorn, Herzogenrath, 2008, S. 22.
Geschichte Historisches mini|links|Stadt Attendorn 1832 mit uml. Stadtmauer und Grabenmini|Übersichtskarte Stadt Attendorn 1840, preußische Uraufnahme Die Lage der Stadt wird durch das in der Attendorn-Elsper Doppelmulde gute Klima, den ertragreichen Boden und die günstigen Verkehrsmöglichkeiten begünstigt und zog schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen an. Eine stärkere Besiedlung ist aber erst seit dem Mittelalter nachzuweisen.
Die Stadt liegt an dem Schnittpunkt zweier Fernverkehrsstraßen, der Heidenstraße und der so genannten „Königsstraße“. In der Zeit Karls des Großen entstand dort eine Urpfarrei. Unter dem Boden der St.-Johannes-Kirche sind die Fundamente einer Missionskirche vorhanden. 1072 stiftete der Erzbischof Anno von Köln das Kloster Grafschaft und stattete es u. a. mit Rechten an einem Hof in Attendorn aus. Die Stiftungsurkunde des Klosters Grafschaft stellt die erste urkundliche Erwähnung von Attendorn dar.
Im Jahre 1222 wurden unter dem Kölner Erzbischof Engelbert II. von Berg der Stadt durch Verleihung des Soester Rechts die Stadtrechte zugesprochen.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, Die um 1200 errichtete Burg Schnellenberg und der Erwerb der Waldenburg im Jahre 1248 dienten der Sicherung der Interessen des Erzbistums Köln in der Region.
Attendorn verdankt seine Bedeutung neben den neun Zünften hauptsächlich den Woll- und Leinewebern. Weiterhin brachte die politische und kirchliche Stellung der Stadt als Grenzfeste des zum Erzbistum Köln gehörenden Herzogtums Westfalen gegen die Grafschaft Mark und als Sitz einer Dekanate im alten Erzbistum Köln Reichtum und Wohlstand in die Stadt. Als einzige Stadt des Sauerlandes trat Attendorn 1255 dem Rheinischen Städtebund bei. Attendorn war nur mittelbares Mitglied der deutschen Hanse und wurde deshalb auf den großen Hansetagen durch die Stadt Soest vertreten.
Um 1200 war Attendorn bereits erzbischöfliche Münzstätte. Mittelalterliche Münzen aus Attendorn lassen sich von Brüssel bis Lubnice in Polen und zur Insel Gotland nachweisen. Münzzeichen der Stadt Attendorn war ein Halbmond.Attendorner Münzstätte bei suedsauerlandmuseum.de, abgerufen am 26. März 2024.
Vom Anfang des 14. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit bestand ein Hospital mit Kirche und Friedhof vor den Mauern der Stadt. 1420 stiftete Heinrich Weke das Kloster Ewig. 1429 schloss er ein Armenhospital an. Zeitweilig war die Stadt so wohlhabend, dass sie selbst dem Kölner Erzbischof Kredite gewähren konnte. Darüber hinaus erhielt er Unterstützung während seiner Auseinandersetzung mit der Stadt Soest. 1444–1445 half die Stadt in der sogenannten Soester Fehde bei der Eroberung der Burg und des Landes Bilstein.
1464, 1597, 1598 und 1613 kam viermal die Pest über die Stadt. 1613, 1623, 1656, 1710, 1732, 1742 und 1783 wüteten Großfeuer in der Stadt. 1656 wurde dabei die halbe Stadt vernichtet. Auch litt die Stadt unter Kriegen, Schatzungen und Einquartierungen. Beispielsweise im Limburger Erbfolge-Krieg 1280, in der Soester Fehde 1444–1449, bei den Truchsessischen Wirren 1583–1584 und im Dreißigjährigen Krieg 1618–1648. Zur Zeit Napoleons erreichte Attendorn seinen tiefsten wirtschaftlichen Stand. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt sich davon wieder erholt.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die jüdischen Bewohner der Stadt entweder vertrieben oder ermordet. Zu ihrem Gedenken wurden in den Jahren 2006 und 2008 insgesamt 14 Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Attendorn am 28. März durch Bomben und am 15. Juni 1945 durch eine große Munitionsexplosion stark zerstört.
Aktuelles Attendorn ist seit dem 1. Januar 2010 Mittlere kreisangehörige Stadt. Das hat das Landeskabinett am 11. November 2008 beschlossen. Mit der neuen Bezeichnung kann sie für ihr Gebiet u. a. neue Aufgaben als Bauaufsichtsbehörde, die Trägerschaft für eine hauptamtlich besetzte Feuerwache oder die Pflicht zur Unterhaltung von Einrichtungen der Weiterbildung übernehmen. Vor allem aber kann die Stadt selbst Trägerin der Jugendpflege werden. Hierfür war bis dahin der Kreis Olpe zuständig. Aus finanziellen Gründen soll dieser Schritt allerdings zunächst nicht umgesetzt werden.