mini|Hohenfinow
Hohenfinow [] ist eine Gemeinde im Amt Britz-Chorin-Oderberg im Landkreis Barnim in Brandenburg mit den Wohnplätzen Karlswerk, Struwenberg und Liebenstein. Der Ort liegt rund acht Kilometer östlich von Eberswalde.
Geographie Hohenfinow ist ländlich geprägt und von Ackern, Weiden und Wiesen sowie dem Hohenfinower Wald umgeben.
Der Ort liegt auf der Diluvialplatte am südlichen Rand des Eberswalder Urstromtals welches in der jüngsten Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit entstanden ist. Die höchsten Erhebungen sind der Liebenstein mit 58,3 m ü. NHN sowie der südlich gelegene Friedhof mit 70,0 m ü. NHN. Die Ortsteile Struwenberg (ca. 35 m ü. NHN) und Karlswerk (ca. 45 m ü. NHN) befinden sich am Fuß des Urstromtals. Nördlich des Ortes verlaufen der Finowkanal und die Alte Finow.
Aufgrund der ehemals ausgedehnten Waldgebiete des Gutes Hohenfinow reichen die zum Ort gehörenden Flächen bis an Eberswalde heran. So gehören der Wald und die ehemalige Artilleriekaserne der Wehrmacht, die später von der Sowjetarmee genutzt wurde und zwischen Eberswalde und Sommerfelde liegt, zu Hohenfinow. Die nördlich dieses Wald- und Kasernengeländes liegenden Orte Tornow und Sommerfelde wurden dagegen nach Eberswalde eingemeindet, die Gemeindegrenze schließt sich unmittelbar an die Bebauung der Orte an.
Als Baugrund ist überwiegend Sand und Kiessand anzutreffen, der Grundwasserspiegel ist außer in Struwenberg relativ niedrig. Hohenfinow erstreckt sich über 0,6 Kilometer in Ost-West und 1,1 Kilometer in Nord-Süd-Richtung.
Flora und Fauna
mini|Koppel am westlichen Ortseingang mini|Moor im Hohenfinower Wald Der Landschaftsraum um Hohenfinow hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht maßgeblich verändert. Neben Torfbruchwiesen findet man Trockenrasengesellschaften mit Gehölzinseln, Nadel- und Mischwald sowie Ackerflächen. Südöstlich des Ortes beginnt der Hohenfinower Wald. Dieser ist von Kiefernbestand geprägt, vereinzelt sind Eichen, Rotbuchen und Douglasien anzutreffen. Um das Schloss herum stehen Douglasie und Weißtanne.
Im Jahr 1972 gab es schwere Schäden durch Windbruch, 1990 durch Schneebruch.
Um Hohenfinow sind Rot- und Schwarzwild häufig anzutreffen, Damwild ist eher selten. Aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft ist die Vogelwelt sehr artenreich. Wildgänse, Kraniche und Reiher können oft beobachtet werden. Die seltene Waldschnepfe ist im Hohenfinower Wald anzutreffen, selbst der Eisvogel wird regelmäßig beobachtet.
Durch die zahlreichen Hecken und Niederholz im Schlosspark und in Ortsnähe existieren fast alle in der Nähe des Menschen lebenden Kleinvögel, Käuze, Eulen und verschiedene Spechtarten. Die auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehenden Laubfrosch und Rotbauchunke sind in und um Hohenfinow verbreitet.
Das Storchennest in der Gersdorfer Straße 4 war von 1971 bis 2005 von einem Storchenpaar besetzt, das bei 29 Bruten 82 Jungvögel aufgezogen hat.
Gemeindegliederung Zu Hohenfinow gehören die Wohnplätze Karlswerk und Struwenberg.
Geschichte Ortsname Der Name Finow stammt aus vorslawischer Zeit. Das mittelniederdeutsche Wort fino(u)we bedeutet vermutlich Wurzel. Es setzt sich aus den indogermanischen pen = Schlamm, Sumpf, Wasser, feucht und uei, ui = drehen, biegen, winden zusammen, die mit dem westgermanischen Suffix -n bzw. dem slawischen -ov kombiniert wurden. Finow bedeutet also frei übertragen „sich windender Fluss mit Sümpfen“.Gerhard Schlimpert: Die Ortsnamen des Barnim – Brandenburgisches Namenbuch. Band. 5. Böhlau, Weimar 1984, S. 135.
Zur Zeit der Besiedlung der Gegend um Hohen- und Niederfinow durch die Slawen war die Anhöhe südlich des Flusses Finow strategisch bedeutend. Die Furt bei Neustadt (heute Eberswalde) war durch die topografischen Gegebenheiten weniger übersichtlich, die heutige Kreisstadt gewann erst 1317 durch eine Bestimmung von Markgraf Waldemar an Bedeutung. Waldemar verfügte, dass die Handelsstraße von Frankfurt (Oder) und Berlin nach Stettin nicht mehr über Hohenfinow/Niederfinow zu verlaufen habe, sondern über Neustadt und Eberswalde. Dazu ließ er eine Brücke über die Ragöse bauen. Die Errichtung der Burg Finow sowie des Ortes Hohenfinow als damals wichtigste Siedlung am 35 Kilometer langen Fluss begründet die Namensgebung. Der Ort wurde wegen der Zollstelle für Land- und Wasserzoll am Fluss via Vienouie genannt.Siegfried Schiefelbein: Niederfinow, ein Ort mit schwebenden Schiffen. 1258–1267–2008. Förderverein Kloster Chorin, Chorin 2008. ISBN 3-936932-19-0. Bereits im Jahr 1769 hieß der Ort „Hohen Fihnow“.Karte des OberUndUnterbarnimischen Creises Anno 1769. Vgl. Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, ... Hrsg. Adolph Friedrich Riedel, Berlin 1865. Etwa zeitgleich mit Hohenfinow entstand wenige Kilometer nördlich Niederfinow.
Später entstanden weitere Orte, die den Fluss im Namen führen: Finow und Finowfurt.
Frühzeit Nach der Weichseleiszeit wanderten erste Menschen in das Gebiet um Hohenfinow ein. In der Nähe von Liebenstein (heute Ortsteil von Hohenfinow) wurden bronzezeitliche Scherben gefunden. Zwischen Hohenfinow und Amalienhof, an der Abbruchkante des Urstromtals wird ein urzeitliches Gräberfeld vermutet, die Steinkistengräber wurden zwar im 18. Jahrhundert zerstört, es wurden aber einzelne Waffenreste entdeckt. So wurde in der Nähe von Karlswerk ein Schwert aus der jüngeren Bronzezeit im Moor gefunden.
Burg Finow mini|Die Kirche wurde ca. 1250 errichtet. mini|alt=Kirche Hohenfinow von SO|Kirche Hohenfinow von SO. Der Ort ist slawischen Ursprungs. Die Region wurde um 1200 von den Askaniern erobert. Nach dem Bau der etwa zehn Kilometer entfernten Burg Oderberg (damals niederdeutsch „Aderburg“) im Jahr 1213 wurde an der strategisch wichtigen Stelle oberhalb der Finow die Burg Finow gegründet. 1904 wurde bei Ausgrabungen am Hohenfinower Schloss in 2,50 m Tiefe ein mecklenburgischer Stierkopfbrakteat gefunden, der um 1220 geprägt wurde. Dieses Jahr wird als Baujahr der Burg vermutet.
Hohenfinow liegt auf einem Plateau, welches zur Besiedlungszeit im Westen, Norden und Osten von Gräben und Sümpfen umgeben war. Im Norden und Osten fällt das Gelände wenige hundert Meter hinter dem Dorf etwa 40 Meter ins Urstromtal ab. Der Ort war durch diese topographischen Gegebenheiten recht gut geschützt, im Süden war hinter der Kirche eine Palisadenwand errichtet worden.
Die Burg hatte die Aufgabe, die Furt der Finow (heute Klappbrücke Niederfinow) zu schützen. Die nächsten Furten waren jeweils zehn Kilometer westlich und östlich bei den damals noch nicht gegründeten Städten Eberswalde und Bad Freienwalde (Oder) gelegen. Die im Norden und Osten gelegenen Slawen sollten abgeschreckt werden, die Burg bot Schutz für die rundum gelegenen landwirtschaftlich genutzten Gebiete.
Ort Hohenfinow mini|Erste urkundliche Erwähnung. mini|Karte von 1663; Hohenfinow hieß noch Hog Fÿn, Eberswalde Niestadt. In der Stiftungsurkunde für das Zisterzienserkloster Mariensee, etwa zehn Kilometer nördlich am Ufer des Parsteiner Sees gelegen, wird erstmals der Name Finow für ein südlich gelegenes Gebiet erwähnt. Bei der Beurkundung eines Lehnsbriefes an Gebolf von Mersingkofen, einem bayrischen Ritter aus dem Gefolge von Herzog Ludwig, wird der Name Hohenfinow am 25. November 1334 erstmals erwähnt.Geheimes Preußisches Staatsarchiv, Rep. 78a, Nr. 8, S. 71 f. – gedruckte Fassung, in: Riedel: Codex Diplomaticus Brandenburgensis, Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, A XI, Des ersten Haupttheiles elfter Band, Hrsg. Fortsetzung auf Veranlassung des Vereines für Geschichte der Mark Brandenburg, Verlag G. Reimer, Berlin 1865, S. 306. IX. Markgraf Ludwig verleihet dem Gebolf Von Myseinkouny die Besitzungen. welche die von ..... Der LehnsbriefCollationis bonorum Gebolfo militi litera. Noverint etc., quod nos etc. contulimus et presentibus conferimus iusti pheodi tytulo strenuo militi Gebolfo de Myseinkouny sincere nobis dilecto suisque heredibus omnia allodia mansos agros areas paludes prata ligna stagna necnon universaliter et singulariter universa bona qualitercunque nominata culta vel inculta, ..., Gebolf Von Myseinkouny wird mit Hohenfinow belehnt — 25. November 1334., in: Ein märkischer Rittersitz, 1, S. 8 ff., in: Dig. Sammlungen, Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. wurde von Ludwig in der Festung Spandau an die Burg Finow verliehen.
Hohenfinow war von 1375 bis 1713 Stadt.Städtebuch Brandenburg und Berlin. in: Deutsches Städtebuch, Band 2, W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 2000. ISBN 3-17-015388-9. Von 1375 bis 1421 hielt Nikuscho de Pannewitz das Burglehen als Pfandbesitz. Von 1421 bis 1544 war die Familie von Sparr Herr auf Hohenfinow. Hans von Thermo erwarb 1544 Teile des Ortes. Sein Bruder Otto erbte den Besitz und hielt ihn bis zu seinem Tod 1590. Die Familie hatte den Besitz an die Adelsfamilie Sparr zurückverkauft. 1607 verkaufte Franz von Sparr Hohenfinow und Tornow (heute Ortsteil von Eberswalde) an Graf Hieronymus von Schlick, welcher 1612 auf seinem böhmischen Gut Winteritz verstarb. Für drei Jahre besaß sein Neffe, Graf Heinrich Matthias von Thurn, beteiligt am Prager Fenstersturz, Hohenfinow. Ludwig von Pfuel kaufte Hohenfinow und Tornow 1614 für 28.000 Taler. Hohenfinow blieb bis 1653 im Besitz der Familie von Pfuel.
Dreißigjähriger Krieg In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mussten die Bewohner mehrmals ins Oderbruch flüchten. Obwohl Brandenburg lange nicht offiziell am Krieg beteiligt war, zogen oft Soldaten und Plünderer durch das Dorf. Es war kein Vieh mehr vorhanden, die Felder wurden nicht bestellt, es wuchs bereits wieder junger Wald auf den ehemaligen Ackerflächen. Im und um den Ort sind keine Kampfhandlungen überliefert, allerdings zogen mehrmals verschiedene Armeen durch den Ort: 1626: Armee des Peter Ernst II. von Mansfeld 1627: kaiserliche Truppen 1631: schwedische und finnische Reiter 1633: sächsisches Regiment des Herzogs Carl zu Sachsen 1636: sächsische und schwedische Regimenter 1637: Durchzug der schwedischen Armee unter General Panir, gefolgt von der kaiserlichen Armee unter General Gallas 1640: Durchzug der schwedischen Armee unter General Torstensson Ein Landreiter berichtete am 18. Juli 1652, dass in Hohenfinow noch jeweils drei Bauern, Kossäten und Hausleute sowie ein Knecht lebten. Kirche und Ort waren verwüstet, das Schloss wies nur geringen Schaden auf.
Zollrechte mini|Um diese Brücke gab es jahrhundertelang Streit. Die Zollrechte für die Furt und Brücke der Finow bzw. ab 1753 über den Finowkanal lagen seit dem 13. Jahrhundert bei der Stadt Niederfinow und der Burg Finow (später Hohenfinow). Beide Zollberechtigten stritten sich mehrmals um die Rechte an dieser Stelle. Der Bau des Finowkanals erforderte 1768 den Bau einer neuen Brücke in Niederfinow durch den Gutsherren von Hohenfinow. Die Brücke kostete 600 Taler. Der Wasserzoll war seit 1375, der Dammzoll seit 1674 verbrieft und sollte mit dem Kanalbau durch die Finanzkammer aberkannt werden. Nach allen Instanzen wurden dem Baron von Vernezobre am 29. November 1775 die Zollrechte wieder anerkannt. Noch 1878 musste sich der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten mit dem Streit um den Brückenzoll beschäftigen und bestätigte, dass der Staat für das Betätigen der Brücke täglich drei Mark an den Gutsherren von Hohenfinow zu zahlen hatte. Das Heben und Senken der Brücke wurde allerdings schon seit 1792 durch die Schiffer selbst durchgeführt. Erst die Übernahme der Brücke durch den Staat um 1900 beendete den jahrhundertelangen Zollstreit.
Bis zum Ersten Weltkrieg mini|Blick vom Liebenstein heute. mini|hochkant|Gutshaus in Hohenfinow (1906). mini|Karte vor 1850, Karlswerk, Struwenberg und Liebenstein existieren schon. mini|Karte um 1850 mit Braunkohle-Zeche. 1653 kaufte Balthasar Blancke aus Stettin als einziger nichtadeliger Besitzer in der Geschichte den Ort Hohenfinow.