mini|hochkant=1.4|Hauskrippe, Deutschland mini|hochkant=1.4|Ausschnitt aus einer über Jahrzehnte entstandenen privaten Krippenlandschaft, ausgestellt im Stadtmuseum Mülheim-Kärlich
Eine Weihnachtskrippe ist eine Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte mit Menschen-, Engel- und Tierfiguren, teilweise nur mit offenem Krippenstall, teilweise in einer aufwändigen Modelllandschaft. Diese ist meist an nicht historischen orientalischen Bezügen orientiert und soll die Gegend von Bethlehem darstellen. Die oft in den Alpen lebenden Schnitzer haben aber auch ihre Heimat adaptiert und sogenannte Alpenländische Krippen gestaltet, gleiches gilt bspw. auch für die Santons der Provenzalischen Krippen, die mit regionaltypischen Accessoires ausgestattet sind. Der Mittelpunkt ist die Krippe, in der Jesus Christus als neugeborenes Kind liegt. Im Deutschen steht der Begriff Krippe deshalb als pars pro toto für das ganze dreidimensionale Weihnachtsbild.Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. Überarbeitete Auflage. Beck, München 1998, S. 199. Viele Weihnachtskrippen verbinden die Bilderwelt der Adventszeit mit jener des Dreikönigsfests. In einem erweiterten Sinn können auch andere Modelllandschaften mit Szenen aus dem Leben Jesu als Krippen bezeichnet werden.
Nach Vorformen im Hoch- und Spätmittelalter war die 1562 von Jesuiten in Prag mit Figuren aufgebaute Weihnachtsszene nördlich der Alpen die erste Krippe im heutigen Sinn. Im Kontext der Gegenreformation wurden Weihnachtskrippen durch die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner gefördert.
Biblische Grundlage
Die Evangelisten Matthäus und Lukas stellen ihren Darstellungen des Lebens Jesu jeweils eine Vorgeschichte voraus, in der für ihr Evangelium wichtige Themen erstmals benannt werden. Es gibt also im Neuen Testament zwei verschiedene „Weihnachtsgeschichten“ mit jeweils eigenem Profil. Die meisten Weihnachtskrippen kombinieren Elemente aus beiden Evangelien, wenn sie sowohl das Kind in der Krippe und die Anbetung der Hirten (nach Lukas) als auch die Geschenke bringenden Könige und den Stern von Betlehem (nach Matthäus) enthalten:
+MatthäusevangeliumLukasevangeliumKrippenfigurenStammbaum Jesu Verkündigung der Geburt von Johannes dem Täufer an Zacharias und Empfängnis durch Elisabeth Verkündigung der Geburt Jesu an Maria Begegnung von Maria und Elisabeth (Mariä Heimsuchung) Geburt, Beschneidung und Aufwachsen Johannes des Täufers Ankündigung der Geburt Jesu an Josef, Geburt Jesu und Namengebung durch Josef Geburt Jesu Josef, Maria, Jesus, Krippe; Hirten und Herde, Verkündigungsengel, EngelchorVerkündigung an die Hirten Anbetung der Hirten Darstellung Jesu im Tempel von Jerusalem, Beschneidung Jesu und Zeugnis von Simeon und Hanna Huldigung der Sterndeuter aus dem Osten Könige (mit Reittieren und Geschenken) und SternWallfahrt des zwölfjährigen Jesus mit seinen Eltern zum Jerusalemer Tempel Flucht nach Ägypten Kindermord des Herodes in Betlehem Rückkehr aus Ägypten nach Nazareth
Matthäus und Lukas folgen jeweils ab dem dritten Kapitel (Auftreten Johannes des Täufers und Taufe Jesu im Jordan) dem Aufriss des Markusevangeliums.
Krippenfiguren bzw. Charaktere Figuren in Weihnachtskrippen sind:
das Jesuskind sehr oft in einer Krippe liegend, manchmal auch in den Armen von Maria; meist mit Heiligenschein Maria, Mutter Jesu; meist knieend, Darstellung als thronende Madonna möglich, selten mit Heiligenschein; teilweise auch auf einem Esel reitend mit dem Kinde im Arm Josef, der Ziehvater Jesu , meist als älterer Mann dargestellt, oft eine Laterne oder einen Stecken haltend, seltener auch mit Heiligenschein. Josef, Maria und Jesus werden gemeinsam auch als Heilige Familie bezeichnet. Ochs und Esel (in den biblischen Weihnachtsgeschichten nicht erwähnt, sondern im apokryphen Pseudo-Matthäus-Evangelium) Schäfer und Hirten, manchmal Lämmer oder Schafe tragend Schafe mit Hirtenhunden, bei alpenländischen Szenarien auch Ziegen, Katzen und Geflügel anbetende und kniende Figuren, Kinder; Figuren mit Gaben (Krüge, Speisen, Holz) Musikanten (meist mit Flöte, Horn oder Dudelsack; manchmal mit Trommel, Schalmei oder Geige) drei Weise aus dem Morgenland (Caspar, Melchior, Balthasar) mit Geschenken (Gold, Weihrauch und Myrrhe); in der Regel symbolisieren sie die drei Lebensalter und drei Kontinente (meist steht Balthasar für Asien und überbringt Weihrauch, Melchior wird als greiser Europäer und Überbringer des Goldes dargestellt, Caspar als dunkelhäutiger Jüngling, Myrrhe überreichend und Afrika symbolisierend). Es gibt aber auch abweichende Interpretationen, in denen sowohl Balthasar als auch Melchior als dunkelhäutig betrachtet werden. In Verbindung mit den sogenannten Drei Königen oft Kamele, Kameltreiber, teilweise auch Elefanten und Pferde; in der Regel symbolisieren die drei Reittiere der Könige ebenfalls die Kontinente der Alten Welt: das Pferd Europa, der Afrikanische Elefant Afrika und das Trampeltier Asien. Allerdings kann auch der Indische Elefant Asien symbolisieren und das aus Arabien stammende und in Nordafrika sehr verbreitete Dromedar für Afrika stehen. orientalische, maurische und schwarz-afrikanische Figuren mit Turban, Kufiya, Dastar, Aqal oder Fes römische Soldaten jüdische Geistliche oder Propheten (bspw. Isaias oder Jeremias) Verkündigungsengel oder Gloria-Engel entweder stehend, kniend oder schwebend (oft mit einem Spruchband „Gloria in excelsis Deo“, „Ehre sei Gott in der Höhe“ oder „Frieden auf Erden“ in den Händen dargestellt) Engel, die musizieren, beten oder mit Kerze versehen werden können In Italien und Südfrankreich sind Figuren traditioneller Berufe, wie Bäcker, Schreiner, Schmied, Töpfer, Marktfrau oder Händler beliebt. In orientalischen Krippenlandschaften sieht man seltener sonstige Tiere der biblischen Fauna wie Nubischer Steinbock1Sam 24,3., Damhirsch5 Mose 14:5-7., die im 20. Jahrhundert ausgestorbene Nordafrikanische Kuhantilope, Mendesantilope, Oryxantilope, Echtgazelle, Dorkasgazelle, Arabische Gazelle5 Mose 14:5-7., Reh Speiseverbote: 14,3–21a Du sollst nichts essen, was ein Gräuel ist. Dies sind die Großtiere, die ihr essen dürft: Rind, Lamm, Zicklein, Damhirsch, Gazelle, Rehbock, Wildziege, Wisent, Wildschaf und Steinbock. Ihr dürft jedes Großtier essen, das gespaltene Klauen hat, und zwar ganz gespaltene Klauen, und das zu den Wiederkäuern gehört., Auerochse 5 Mose 14:5-7 , Wisent Speiseverbote: Deuteronomium 14,3–21a Du sollst nichts essen, was ein Gräuel ist. Dies sind die Großtiere, die ihr essen dürft: Rind, Lamm, Zicklein, Damhirsch, Gazelle, Rehbock, Wildziege, Wisent, Wildschaf und Steinbock. Ihr dürft jedes Großtier essen, das gespaltene Klauen hat, und zwar ganz gespaltene Klauen, und das zu den Wiederkäuern gehört, Wildziege, Wildesel, Wildschwein, Gewöhnliches Stachelschwein, Indisches Weißschwanz-Stachelschwein, Klippschliefer Als Hieronymus das Alte Testament ins Lateinische übersetzte, machte er einen Übersetzungsfehler, der bis heute nachwirkt. Er gab im Kapitel 30, 26 der Sprüche das hebräische „shapan“ (Klippschliefer) mit „lepus“ oder „lepusculus“ — also Hase oder Häschen wieder. Es wird angenommen, dass so die Idee des Osterhasen entstand (siehe: "Der wahre Osterhase" in Ludwig/Gennutt: Zwischen Himmel und Herde. Karlsruhe 2023. Seite 62 ff.), verschiedene Hasenartenu. a. Europäischer Feldhase, Kaphase., Wolf Im Neuen Testament ist ebenfalls meist die von Wölfen ausgehende Bedrohung im Blick, so wenn Jesus die Jünger wie Schafe unter Wölfe und somit wehrlos mitten in die Situation der Verfolgung sendet (Mt 10,16 par.). Die von Wölfen gefährdete Herde aber findet im wahren Hirten Christus Schutz und Zuflucht, der – anders als der bezahlte Hirte – sein Leben für die Seinen gibt (Joh 10,11ff.), Löwe Der Löwe wird auch in Verbindung mit Samson (Richter 14) und David (1. Samuel 17) erwähnt, die gegen Löwen kämpfen. In Sprüche 30,30 heißt es: „Ein Löwe, der unter den Tieren der Stärkste ist und vor dem nichts zurückweicht“., Leopard Jer 13,23: „Kann ein Leopard seine Flecken ändern?“ , Streifenhyäne Jer 13,22: „In den einst so prachtvollen Hallen der Paläste hört man nur noch das Geheul der Hyänen und Schakale“ , Schakal Ps 44,20 ergänzt, dass Finsternis über dem Ort liegt, an dem Schakale hausen , Rotfuchs, Syrischer Braunbär In der Bibel werden Bären an mehreren Stellen erwähnt, so in 1 Samuel 17, als David einen Bären tötet, der seine Herde angreift, und bspw. In 2. Könige 2, wo zwei Bären eine Gruppe Jugendlicher angreifen, welche den Propheten Elisa verspotten , Nilpferd, Nilkrokodil, Storch Sowohl der Schwarze (ciconia nigra) als auch der Weiße Storch (ciconia alba) sind zahlreich im Heiligen Land vertreten. Ersterer vereinigt sich, oft in Herden, mit anderen seiner Art in abgelegenen und sumpfigen Gegenden. Weißstörche ziehen menschliche Umgebung vor und werden als Abfallvertilger und als Fressfeinde von Schlangen sehr geschätzt., Kranich Jer 8,6-7: Obwohl im hebr. Originaltext das Wort "agur", das Kranich bedeutet steht, wurde es meist mit Schwalbe übersetzt. , PelikanIn der christlichen Ikonographie steht der Pelikan für Jesus Christus, Geier Matthäus 24,27-28: "Denn der Menschensohn kommt für alle sichtbar - wie ein Blitz, der im Osten aufzuckt und den ganzen Himmel erhellt. Dies wird so gewiss geschehen, wie sich die Geier um ein verendetes Tier scharen". Die beiden heimischen Arten waren der Gänsegeier und der Schmutzgeier., Blauer PfauDie Bibelstelle, die den Pfau erwähnt, ist 1 Könige 10,22 und 2 Chronik 9,21 oder der im 20. Jahrhundert ausgestorbene Arabische StraußUnreine Tiere: Der Strauß (בת היענה bat haja'anāh) gilt nach Lev 11,16 / Dtn 14,15 als unrein. Strauße als Bewohner der Einöde (Ruinen und Wüste): Seinen Platz unter den Tieren, die Ruinen gefährlich machen, erhält der Strauß u. a. wohl aufgrund seines natürlichen Lebensraums. Sehr selten sind Figuren, die den Kindermord in Betlehem darstellen, wie etwa in der Jahreskrippe der Gebrüder Probst. In katalanischen Krippenszenarien gibt es skurrilerweise sowohl den Caganer als auch die Figur des Pixaner, Krippenfiguren, die ihre Notdurft verrichten bzw. urinieren. Diese Figuren werden als Glücksbringer angesehen. Als Krippenfiguren im erweiterten Sinne sind sogenannte krippenbotanische Figuren wie Palmen (Dattelpalme) in orientalischen Krippen bzw. Nadelbäume in alpenländischen Krippenlandschaften und Gegenstände des Krippenzubehörs wie Laternen, Brunnen, Feuerstellen, Gefäße oder Werkzeuge zu nennen.
Maria und Josef, Geburtsort Bethlehem Die Eltern Jesu kommen bei Matthäus und Lukas vor, aber mit einem unterschiedlichen Rollenkonzept. „Dem aktiven Josef im Matthäusevangelium steht ein ausgesprochen passiver im Lukasevangelium gegenüber. Hier ist es Maria, die im Zentrum des Geschehens steht.“Markus Lau: „Mit der Geburt Jesu aber war es so …“. In: Welt und Umwelt der Bibel 4 (2007), S. 16–21, hier S. 19. Bei beiden Evangelisten wird Jesus in Bethlehem geboren. Aber bei Matthäus ist Bethlehem der Wohnort seiner Eltern, bis sie vor dem kindermordenden Herodes von dort fliehen müssen. Bei Lukas halten sie sich wegen des Zensus nur zeitweilig in einer provisorischen Bleibe dort auf. Um die Darstellung Jesu im Jerusalemer Tempel (nach Lukas) und die Huldigung der Sterndeuter (nach Matthäus) verbinden zu können, nahm ein Teil der altkirchlichen Ausleger an, dass Jesus schon zwei Jahre alt gewesen sei, als die Sterndeuter nach Bethlehem kamen und ihm huldigten.Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. Mt 1–7 (= Evangelisch-Katholischer Kommentar. Band 1). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, 4. Auflage 1997, S. 87 und Anm. 6.