Kottan ermittelt ist eine von 1976 bis 1984 produzierte satirische Kriminal-Fernsehserie. Idee und alle Drehbücher stammten von Helmut Zenker. Regie führte Peter Patzak.

Entstehungsgeschichte 1974 schrieb Helmut Zenker die erste Kriminalgeschichte um den Wiener Polizeimajor Adolf Kottan. Als Hörspiel wurde diese Geschichte vom ORF-Landesstudio Niederösterreich und dem SWF gemeinsam produziertlaut Wiederholung auf Ö1 am 3. Februar 2007 und im Frühjahr 1976 gesendet. Im selben Jahr wurde vom ORF auch ein Fernsehspiel produziert (Hartlgasse 16a), das Kontroversen über die Art der Darstellung der Polizeiarbeit hervorrief, vor allem von der Polizeigewerkschaft.

Die Inszenierung und die Darstellerleistungen wurden gelobt, und so wurde schließlich mit der Produktion einer Serie begonnen. Bereits in den ersten Folgen überwog das satirische Element, immer noch im Sinne einer Kritik am Polizeialltag – im Gegensatz zu den späteren Phasen der Serie, die in erster Linie slapstickhafte Elemente betonten. Nach der Ausstrahlung der ersten Folge am 8. August 1976 kam es zu zahlreichen Anrufen empörter Zuseher beim ORF-Kundendienst. Ab 1980 wurde Kottan ermittelt auch im ZDF ausgestrahlt.

Hauptfiguren Adolf Kottan, am Anfang (Folgen 1 und 2) von Peter Vogel, später von Franz Buchrieser (Folgen 3 bis 5) und Lukas Resetarits (Folgen 6 bis 19) gespielt, ermittelt für das Wiener Sicherheitsbüro. Gegen Ende der ersten Folge Hartlgasse 16a spricht ein uniformierter Polizist Kottan mit „Herr Bezirksinspektor“ an (Filmminute 76:07) und gibt sich als ehemaliger Untergebener zu erkennen. Ob Kottan aber zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch Bezirksinspektor und demnach ein Dienstführender Beamter ist, bleibt ungewiss. Denn in derselben Folge identifiziert ihn das Türschild seines Büros als Leitenden Kriminalbeamten der Kriminalbeamtengruppe K. Grp. I. (Kottan) (in der Folge Wien Mitte titelt das Schild Kriminalbeamte Gruppe A). Entsprechend rangiert Kottan in späteren Folgen unzweideutig als Major. Er lebt mit seiner Frau Ilse (Bibiana Zeller), einer geduldigen, bisweilen sentimentalen, aber keineswegs unterwürfigen Hausfrau. Zur Familie gehören außerdem die anfangs 22-jährige Tochter Sissi und der 16-jährige Sohn Walter. Sissi bekommt mit dem Heeresflieger Bösmüller ein Kind; die drei tauchen ab Folge 7 nicht mehr persönlich auf, sondern nur noch in gelegentlichen Erzählungen. In Folge 8 stößt Kottans Mutter (Gusti Wolf) hinzu: eine rüstige Dame, die gerne Krimis liest, akribisch Ermittlungsfehler der Polizei sammelt und der Meinung ist, das Buch, das in jeden Haushalt gehöre, sei nicht die Bibel, sondern der Band Die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte.

Mit seinem übereifrigen, doch tollpatschigen Assistenten Schrammel (Curth Anatol Tichy) springt Kottan grob um. Schrammel präsentiert sich gerne als Musterpolizist, versteht aber Kottans Wiener Schmäh nicht. Er meint, sich durch die Lektüre von Krimis weiterbilden zu können, und schätzt besonders die Mike-Hammer-Romane von Mickey Spillane, kann aber intellektuell nicht immer mit seinen Kollegen mithalten.

Kottans Kollege Paul Schremser (Walter Davy), der ein Bein durch Amputation verloren hat, versieht zunächst nur Innendienst. Im Verlauf der Handlung begleitet er Kottan aber immer häufiger auf Außenterminen, wodurch Schrammel etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Schremser und Kottan begegnen einander auf Augenhöhe. Später avanciert Schremser allerdings zum neuen Dezernatsleiter. Damit überholt er karrieretechnisch seinen bisherigen Chef Kottan, der selbst auf den Posten spekulierte und ihn zeitweise sogar provisorisch bekleidete. Schremser ist trotz seiner Behinderung sehr geschickt und nutzt seine Krücken mitunter dazu, flüchtende Verdächtige zu Fall zu bringen. Wenn Kottan, Schremser und Schrammel beruflich nicht ausgelastet sind, vertreiben sie sich die Zeit im Büro mit Gesellschaftsspielen; in den Filmen der 1980er Jahre musizieren sie und treten gemeinsam als „Kottans Kapelle“ auf.

Kottans Vorgesetzte, erst der Dezernatsleiter Oberstleutnant Alfred Pilch (Folgen 3–6, gespielt von Harald von Koeppelle) und dann Heribert Pilch (Folgen 7–19, gespielt von Kurt Weinzierl), sorgen sich ständig um das Ansehen der Polizei. Beide stellen geradezu manisch Stubenfliegen nach; auf der Jagd nach ihnen stürzen sie mehrmals aus dem Fenster. Heribert Pilch kämpft oft mit einem Kaffeeautomaten, der von Major Kottan aufgestellt wurde. Pilch nimmt mit der Zeit immer mehr die Züge eines Geisteskranken an.

Die Leichen findet ab der Episode Wien-Mitte häufig der Sandler Erwin Drballa (Carlo Böhm), der auf unterschiedlichste Art und Weise mit Kottan in Kontakt tritt.

Episoden 1: Hartlgasse 16a Die Rentnerin Gertrude Klenner wird tot in ihrer Wohnung in der Hartlgasse 16A aufgefunden (ein in Filmminute 1:58 eingeblendetes, von der Schreibweise des Folgentitels abweichendes Adressschild zeigt die Hausnummer 16A mit einem Großbuchstaben, wie es der in Wien gebräuchlichen Schreibweise solcher Hausnummern entspricht). Klenner wurde mit einem Schraubenzieher erstochen und hatte, wie bei der Autopsie festgestellt wird, kurz vor ihrem Tod noch Geschlechtsverkehr. Kottan beginnt mit den Ermittlungen. Dabei wird festgestellt, dass Frau Klenner nicht nur von ihrer Rente gelebt hat: Sie war Besitzerin zweier Häuser und hat Wohnungen an Gastarbeiter vermietet. Wenn einer die Miete nicht bezahlen konnte, hat sie sich die Schulden mit Liebesdiensten begleichen lassen. Kottans Verdacht fällt natürlich sofort auf die Gastarbeiter, die er ziemlich rüde befragt, wobei er von Schrammel begleitet wird. Schremser verfolgt eine andere Spur. Im Notizbuch der Toten hat Kottans Kollege nämlich die Telefonnummern zweier Anlageberater gefunden, und einer davon wohnt ebenfalls in der Hartlgasse 16A. Tatsächlich hat er große Geldbeträge von Frau Klenner unterschlagen und verspielt. Zum Mord war es gekommen, als Frau Klenner Rechenschaft über das Geld verlangt hatte. Er tötet auch noch einen im selben Haus lebenden Musikstudenten, der ihn dabei beobachtet, wie er die Wohnung der Rentnerin durchsucht. Als Schremser ihn unter Druck setzt, gesteht er die Taten.

2: Der Geburtstag Kottan feiert seinen 45. Geburtstag mit Kollegen, und zwar trotz tiefstem Winter in seinem Ferienhaus an der Donau. Die Freude ist etwas getrübt, denn seine 22-jährige Tochter Sissi nutzte das Ferienhaus als Liebesnest, und in der Nähe wird eine Tote gefunden. Kottan, Schremser und Schrammel mischen sich unzuständigerweise in die Ermittlungen der niederösterreichischen Kripo ein. Sie finden schnell einen Verdächtigen: den Verlobten der jungen Frau, einen Soldaten, der am Vorabend Streit mit ihr hatte. Dummerweise stellt sich heraus, dass ausgerechnet Kottans Tochter der Grund für diesen Streit war. Sie hat ein Verhältnis mit dem Soldaten Bösmüller. Kurz darauf wird jedoch eine weitere tote Frau im Auwald gefunden, so dass der Verdacht fallen gelassen werden muss. Auch ein versoffener Bahnarbeiter (Hanno Pöschl), der mit dem zweiten Opfer eine Nacht im nahen Gasthaus verbracht hatte, kommt nicht als Täter in Frage. Durch einen Trick, bei dem Kottans Frau und der niederösterreichische Kollege als Köder fungieren, können die Beamten den Mörder fassen: Es ist der beschränkte Sohn (Michael Schottenberg) der Wirtin (Erni Mangold), der vor den Gästezimmern regelmäßig als Spanner zugange war. Er hatte die Nerven verloren und sein zweites Opfer getötet, nachdem ihn dieses mit der Wahrheit über den ersten Mord konfrontiert hatte.

3: Wien Mitte Auf dem Bahnsteig der Schnellbahn-Haltestelle „Wien Mitte“ wird der Versicherungsvertreter Gerald Horvath erschossen, den Täter hat niemand gesehen. Immerhin wird schnell festgestellt, dass offenbar ein Scharfschütze von einem Dachboden aus einigen hundert Metern Entfernung auf Horvath geschossen hat. Verdächtig sind Horvaths Frau und deren Geliebter, denn sie würden von der millionenschweren Lebensversicherung profitieren, die der Tote abgeschlossen hat. Dann werden jedoch Banknoten, die Horvath bei sich hatte, als Beute aus einem Banküberfall identifiziert. Tatsächlich kann man den Mann auf den Überwachungsvideos der Bank gut erkennen – ebenso seine beiden Komplizen, die nun ebenfalls verdächtig sind. Allerdings wird einer der beiden wenig später auf demselben Bahnsteig erschossen. Kottan spürt Bankräuber Nr. 3 auf und nimmt ihn fest, aber der Mann hat ein Alibi. Dafür platzen die Alibis von Frau Horvath und ihrem Geliebten. Es stellt sich heraus, dass die fähige Schützin Horvath ihren eigenen Mann getötet hat und den Verdacht auf dessen Komplizen lenken wollte. Kottan wird in seinem Grundsatz bestätigt, niemals Kredite aufzunehmen, als er herausfindet, dass die Bankräuber mit der Beute lediglich Schulden beglichen, die sie aufgrund der hohen Ansprüche ihrer Frauen machten.

4: Nachttankstelle Eine Tankstelle wird zweimal in derselben Nacht überfallen. Beim zweiten Mal wird der junge Tankwart Harald Eppler erschlagen. Kottan geht mehreren Spuren nach. Zum Beispiel hätte Rudi, Haralds Bruder, ein Motiv: Eifersucht. Lissi, seine Freundin, hatte sich Harald zugewandt. Andererseits war Harald drogensüchtig und könnte Ärger mit seinen Dealern gehabt haben. Schließlich stellt sich heraus, dass der erste Überfall nur vorgetäuscht war. Harald hatte gemeinsame Sache mit dem Räuber gemacht, denn er brauchte Geld für ein Motorrad. Dann wird die Prostituierte Gabi tot aufgefunden. Rudi stellt sich der Polizei und gibt zu, die Mordwaffe beiseitegeschafft zu haben. Er hatte sie in seinem Auto gefunden, aber er ist nicht der Täter. In Kottans Büro sieht er ein Foto des Tatorts. Als er Lissi erzählt, dass der Tote einen Daumen hochhält, ahnt sie, wer der Mörder ist: Ein Kollege aus der Berufsschule, der auch „Number One“ genannt wird. Lissi konfrontiert ihn mit der Wahrheit, Kottan hört heimlich mit. Auch „Number One“ hatte Geldsorgen, allerdings brauchte er das Geld für Gabi, die das Motiv hätte verraten können. Am Ende des Films lässt Kottans schwangere Tochter Sissi die Hochzeit mit ihrem Verlobten Bösmüller im letzten Moment platzen.

5: Drohbriefe