Böhmdorf ist ein Dorf und eine Ortschaft der oberösterreichischen Gemeinde Reichenthal. Die Ortschaft hat Einwohner (Stand ) und liegt an der Grenze zu Tschechien.
Geographie Böhmdorf ist Teil der Katastralgemeinde Steinbach sowie des Zählsprengels Alberndorf-Nordost und umfasst Adressen (Stand: ).
Der Ort liegt auf einem Plateau zwischen dem Graslbach und dem Radvanovský potok, etwa 2,5 km nordwestlich des Kernorts Reichenthal an der Straße zur Graslmühle (), westlich der Altmühle (). Zur westlich des Ortes verlaufenden tschechischen Grenze sind es nur 700 Meter.
Geschichte Der Ortsname geht auf den mittelhochdeutschen Familiennamen „pehaim“ (Böhme) mit dem Grundwort „-dorf“ zurück. und wurde erstmalig im Jahr 1365 als „Pehaimdorff“ erwähnt.Maß und Mythos, Zahl und Zauber - Die Vermessung von Himmel und Erde. Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Dortmund 2018 (= Nuncius Hamburgensis. Band 48), ISBN 978-3748221913, S. 191.Vgl. Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. Band 33, 1899, S. 393 (Google Buch). Damals versetzte Stephan von Harrach unter anderem ein Gut in Böhmdorf an den Freistädter Schreiber Heinrich Schaffer, ein Familienmitglied der Schneckenreuter mit Sitz am Schneckenreitsberg in der Gemeinde Baumgartenberg.
Im Jahr 1869 hatte Böhmdorf 80 Einwohner,Orts-Repertorium des Erzherzogthumes Oesterreich ob der Enns. Auf Grundlage der Volkszählung vom 31. December 1869. Jos. Feichtinger's Erben, Linz 1871, S. 27. was den Höchststand im Laufe der Besiedlungsgeschichte darstellt.
Bis 1895 war Böhmdorf mit einem Holzlattenzaun befestigt. Die Wege waren durch Holzgatter passierbar. Statt der Holzgatter konnten auch lange Holzstangen zum Einsatz kommen, die durch die sogenannten Gattersäulen durchgesteckt wurden. Die letzte Gattersäule befand sich am Beginn des Weges zur Maria-Gedenk-Kapelle beim Bauern in Böhmdorf Nr. 1 (2026 nicht mehr auffindbar).Der „Pregarten“ von Böhmdorf. In: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. 2011, S. 37.
Ortschaft In der Ortsmitte befinden sich der Dorfteich, der im Jahr 1976 vergrößert und verschönert wurde,Der Teich von Böhmdorf. In: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. 2011, S. 27–28. und eine kleine Dorfkapelle.Wolfgang Wittmann: Rund um Linz. Die schönsten Wanderungen im Herzen Oberösterreichs. Rother Bergverlag, 2024, ISBN 978-3-7633-4630-1, S. 48 (Google Buch).
Pregarten Der Pregarten ist jener Teil des Dorfes, der zwar Gemeingut, jedoch auf die einzelnen Höfe aufgeteilt ist. Die Leitungsobrigkeit hatte die Herrschaft Waldenfels, der Pregarten befand sich aber immer im Eigentum der Bauern von Böhmdorf. Laut Josephinischem Lagebuch von 1787 gehörte der Pregarten zu gleichen Teilen den 11 Häusern (mit „alten“ Hausnummern) Böhmdorf Nr. 1 (Michael Manzenreiter am Hofbauerngut), Nr. 2 (Michael Preslmayr an der Preßlmairhofstatt), Nr. 4 (Mathias Tröbinger am Wiesergütl), Nr. 5 (Michael Enzenhofer am Enzenhofer Gütl), Nr. 6 (Adam Pihringer am Piringer Haus), Nr. 7 (Philipp Kränzl am Pötscher Haus), Nr. 8 (Johann Pachinger am Preidenederhaus), Nr. 9 (Michael Ziegler am Zieglerhaus), Nr. 10 (Vinzenz Scharinger an der Jager Hofstatt), Nr. 11 (Ziegler am Überländthäusl) und Nr. 12 (Michael Übermasser am Schedlhaus). Im Jahr 1893, als der Besitzer von Böhmdorf Nr. 14 (Herchter oder Hirter Häusl) vergeblich ebenfalls einen Anteil begehrte, befand sich unter den 11 Anteilhaber ein Franz Jax, ein Verwandter des erfolgreichen, oberösterreichischen Fabrikanten Johann Jax.
Dorfkapelle mini|Dorfkapelle Böhmdorf Geschichte Die Dorfkapelle auf einer kleinen Anhöhe im Pregarten wurde von den Dorfbewohnern im 18. Jahrhundert gebaut und ist 1755 schriftlich nachweisbar.Die Dorfkapelle in Böhmdorf. In: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. 2011, S. 40–45. Der Turm wurde erst bei der großen Renovierung im Jahr 1862 errichtet. Die damals angeschaffte Glocke musste während des Ersten Weltkriegs abgeliefert werden. Im Jahr 1920 spendete der Fabrikant Johann Jax eine neue, 56 kg schwere Glocke und ein Blechdach für die Kapelle, die bis dahin mit Holzschindeln gedeckt gewesen war. Im Jahr 1977 erfolgte die zweite größere Renovierung der Dorfkapelle, bei der das Mauerwerk neu verputzt und Fenster und Eingangstür erneuert wurden. Die Dorfkapelle war damals die erste in Oberösterreich, die ein elektrisches Läutwerk bekam, nachdem die letzte „Läuterin“, die täglich in der Früh, mittags und abends das „Gebetläuten“ durchgeführt hatte, 1975 im Alter von 86 Jahren verstorben war. Für ihre Dienste sammelte sie jährlich im Jänner ihren Naturallohn ein. Das dabei verwendete „Maßl“, das aus zwei unterschiedlichen Getreidekammern für Korn und Hafer besteht und auf einem kleinen Leiterwagen oder Schlitten gezogen wurde, kann im Mühlenmuseum Reichenthal-Hayrl besichtigt werden.
Beschreibung Oberhalb der Eingangstür ist die Jahreszahl 1862 zu sehen.
Maria-Gedenk-Kapelle Die „Maria Gedenk“-Kapelle, deren Eigentümer die Familie Kampelmüller ist, befindet am alten Kirchsteig auf halbem Weg zwischen Böhmdorf und dem abgegangenen Ort Raifmaß, der heutigen Wüstung Radvanov in der tschechischen Gemeinde Vyšší Brod. Die ehemaligen Bewohner des Nachbarortes gingen gerne nach Reichenthal in die Kirche. Als die Bewohner von Raifmaß nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten, nahm die Gasthausbesitzerin Josefa Prieschl die Marienstatue der Raifmaßer Dorfkapelle mit, die in einer kleinen, neu gebaute Kapelle am Kirchsteig Unterkunft fand. Das verwendete Baumaterial in der Nachkriegszeit war minderwertig gewesen, sodass die Kapelle bald verwitterte und baufällig wurde. Darum entschlossen sich die Besitzer, Gundi und Gottfried Kampelmüller, mit Franz Prieschl, einem ehemaligen Bewohner von Raifmaß, eine neue größere Kapelle zu errichten, die am 17. Juli 1983 eingeweiht wurde. In den Anfangsjahren wurde die Kapelle gerne von Heimatvertriebenen besucht, nach der Grenzöffnung ging die Besucherzahl jedoch zurück.Die Maria Gedenk-Kapelle. In: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. 2011, S. 75–76.
Umgebung Der 10-Mühlen-Wanderweg führt an der Altmühle vorbei, die im Jahr 1685 in den Aufschreibungen der Müller-Genossenschaft erstmals erwähnt wurde. Der Eigentümer Karl Eidenberger war von 1911 bis 1937 Genossenschaftsvorsteher der Müller und Säger der (damaligen) Gemeinden Reichenthal, Stiftung bei Reichenthal, Waldburg und Königschlag und ab 1924 Vorsteher der Genossenschaft der Müller und Säger im Gerichtsbezirk Leonfelden. Der Mühlenbetrieb wurde 1955 eingestellt, die Säge 1958 aufgelassen.Johann Schöftner: 10-Mühlen-Wanderweg Reichenthal. Fremdenverkehrsamt und Verschönerungsverein, Reichenthal 1998, S. 26.
Persönlichkeiten Johann Jax (1842–1937), Nähmaschinen-Fabrikant in Linz, wohnte als Kind mit seiner verwitweten Mutter im Haus Böhmdorf Nr. 2. Er stiftete das Blechdach und die Glocke der Kapelle in Böhmdorf und leistete einen finanziellen Beitrag zur Beschaffung der Turmglocken für die Pfarrkirche Reichenthal im Jahr 1920.Johann Jax. In: Gunthilde Kampelmüller: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. 2011, S. 30.
Literatur Gunthilde Kampelmüller: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. Hrsg. vom Kultur- und Bildungsring Reichenthal und vom Oberösterreichischen Volksbildungswerk, Druckerei Haider, Schönau im Mühlkreis 2011, ISBN 978-3-200-02231-7. Darin: Johann Pammer: Besiedlungsgeschichte. S. 13–14. Klaus Birngruber: Schneckenreuter und Zinespan. S. 16. Johann Pammer: Josephinisches Lagebuch. S. 20–21. Johann Jax. S. 30. Karl Eidenberger: Aus der Schatzkiste des Chronisten... S. 32–36. Gundi Kampelmüller: Der „Pregarten“ von Böhmdorf. S. 37–39. Gundi Kampelmüller: Die Dorfkapelle in Böhmdorf. S. 40–45. Karl Eidenberger, Gundi Kampelmüller: Die Grenze – Zwischenkriegszeit – 2. Weltkrieg. S. 46–49. Gundi Kampelmüller: Bekannte Böhmdörfler. S. 62–71. Die Maria Gedenk-Kapelle. S. 75–76. Gundi Kampelmüller: Freiwillige Feuerwehr Miesenbach. S. 83–87. Josef Glasner: Häuserchronik von Böhmdorf. S. 91–105. Josef Glasner: Verschwundene Häuser. S. 106–108 (Böhmdorf Nr. 2 und Nr. 14, Hirterhäusl). Die Betriebe von Böhmdorf. S. 109–111. Johann Pammer: Haus-, Hof- und Familienchronik des Moertlgutes in Boehmdorf 7. Thierberg 1989.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Reichenthal Kategorie:Ort im Bezirk Urfahr-Umgebung Kategorie:Ersterwähnung 1365