101 Vrouwen en de oorlog (dt.: 101 Frauen und der Krieg) ist der Titel eines Buches der Historikerin und Schriftstellerin Els Kloek mit 101 Biografien niederländischer oder in den Niederlanden lebender Frauen und Mädchen, deren Leben durch den Zweiten Weltkrieg maßgeblich beeinflusst wurden.
Hintergrund mini|hochkant|Els Kloek Das Buch wurde von Els Kloek als Fortsetzung des 2013 veröffentlichten Nachschlagewerks 1001 vrouwen uit de Nederlandse geschiedenis (1001 Frauen aus der niederländischen Geschichte) zusammengestellt und von Irma Boom gestaltet. Es erschien 2016 in einer limitierten Auflage beim Verlag Vantilt anlässlich des Ruhestandsantritts von Marjan Schwegman, Professorin und damalige Direktorin des NIOD Instituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies.Frans Smits: Boeken: Els Kloek- 101 Vrouwen en de oorlog. In: Historisch Nieuwsblad vom 22. April 2026. Abgerufen am 3. Januar 2025 Von Els Kloek stammen die Beiträge zu Annetje Fels-Kupferschmidt, Ru Paré, Ellen van der Ploeg, Sophie Elisabeth Saueressig und Theodora Versteegh. Im Jahr 2018 wurde 1001 vrouwen in de 20ste eeuw (1001 Frauen im 20. Jahrhundert) veröffentlicht, das Biografien aus 101 Vrouwen en de oorlog enthält. Von Oktober 2018 bis März 2019 wurde eine durch Els Kloek kuratierte begleitende Ausstellung im Amsterdam Museum gezeigt. Darin wurde das Leben von etwa 200 der im Buch dargestellten Frauen anhand von Originalgegenständen, Besitztümern und Schriften nachgezeichnet.Michael Baars: Inspirerende, beroemde en beruchte vrouwen. In: Biografisch portaal van Nederland. Abgerufen am 8. Januar 2024 Alle Biografien aus dem Buch sind auch verfügbar im Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland,Vrouwenlexicon. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. Abgerufen am 5. Januar 2025 einem Online-Nachschlagewerk mit Biografien niederländischer Frauen des Huygens-Instituts für die Geschichte der Niederlande.A.J.M. Geerlings: Uitgelezen (review Els Kloek (red.), 101 vrouwen en de oorlog) (Besprechung von: E.M. Kloek (2016) 101 vrouwen en de oorlog). In: Archievenblad 2016, Ausgabe 120, Nr. 6, S. 34-35.
Inhalt Das Buch besteht aus Biografien von 101 Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichem religiösen Glauben, deren Lebensgeschichten mit dem Krieg verknüpft sind. Der Band enthält einige Biografien von Lagerwärterinnen in den Konzentrationslagern, Mitgliedern der Nationaal-Socialistische Beweging (NSB), Kollaborateurinnen, niederländischen Nationalsozialistinnen, Antisemitinnen und rechtsextremen niederländischen Aktivistinnen. Außerdem sammelt er einige Biografien von Frauen im damaligen Niederländisch-Ostindien, darunter Gefangene und die „Trostfrauen“ genannten Zwangsprostituierten in japanischen Lagern. Der Großteil entfällt auf die Lebensgeschichten von Frauen in den Niederlanden, die sich aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagierten, Helferinnen von Untergetauchten oder selbst Verfolgte. Darunter finden sich sowohl jüdische als auch nichtjüdische Frauen.101 Vrouwen en de oorlog. In: Atria, instituut voor vrouwengeschiedenis. Abgerufen am 3. Januar 2025101 Vrouwen en de oorlog. In: Verlag Vantilt. Abgerufen am 3. Januar 2025
Neben im Krieg durch ihre Leistungen oder Taten bekannt gewordenen Frauen enthält der Band auch Biografien von Frauen, deren Bekanntheit oder weiteres Leben erst in der Nachkriegszeit bedeutsam wurde. Außerdem sind einige Biografien von Mädchen und Frauen enthalten, deren private schriftliche Aufzeichnungen posthum veröffentlicht wurden. Als historische Dokumente aus der Zeit des Holocausts zeigen die Tagebücher die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus auf.101 Vrouwen en de oorlog. In: Atria, instituut voor vrouwengeschiedenis. Abgerufen am 3. Januar 2025101 Vrouwen en de oorlog. In: Verlag Vantilt. Abgerufen am 3. Januar 2025 Ein gesondertes Kapitel des früheren NIOD-Direktors Hans Blom beschreibt die Rolle „der unbekannten Hausfrau“ in Analogie zum Bild „des unbekannten Soldaten“. Die Lebensläufe werden ergänzt durch ganzseitige Fotos der porträtierten Frauen.
Übersicht der Biografien:
Als jüdisch oder aus anderen Gründen verfolgte Frauen Clara Asscher-Pinkhof (1896–1984): niederländisch-israelische jüdische Pädagogin und Schriftstellerin, die 1943 in das Durchgangslager Westerbork und 1944 in das KZ Bergen-Belsen deportiert wurde. Als eine von 222 Gefangenen, die ein Einwanderungszertifikat für Palästina besaßen, wurde sie gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht. Else Berg (1877–1942): jüdische Malerin, ermordet im KZ Auschwitz-Birkenau. Jetty Cantor (1903–1992): jüdisch-niederländische Geigerin, Sängerin und Schauspielerin, die im Ghetto Theresienstadt im Häftlingsorchester spielte und im KZ Auschwitz-Birkenau Violinistin im Frauenorchester des Lagers wurde und so den Holocaust überlebte.
Josepha Mendels (1902–1995): niederländische Schriftstellerin, Journalistin und später Schauspielerin, die nach Beginn der anti-jüdischen Razzien in Paris nach London floh. Dort war sie beim Abhördienst des niederländischen Exil-Nachrichtendienstes (Rijksvoorlichtingsdienst) tätig. 1945 kehrte sie nach Paris zurück und arbeitete für den Nachrichtendienst der niederländischen Botschaft. Louise de Montel (1926–1993): Sängerin, die als „Halbjüdin“ zunächst im KZ Herzogenbusch war und das Bunkerdrama von Vught überlebte. Zum Kriegsende wurde sie aus dem KZ Ravensbrück befreit. Edith Stein (1891–1942): deutsche Philosophin, Lehrerin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft. 1922 ließ sie sich taufen und trat 1933 trat in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Mit den Massendeportationen von Juden aus den Niederlanden 1942 kam sie in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie ermordet wurde. Settela Steinbach: (1934–1944): niederländische Sintiza, die als Kind mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Ihr Foto vom Transport nach Auschwitz galt zunächst fälschlich als ein Symbol der Verfolgung der niederländischen Juden. Erst 1994 fand der Journalist Aad Wagenaar heraus, dass sie den niederländischen Sinti angehörte.
Weitere verfolgte Jüdinnen, deren schriftliche Aufzeichnungen erhalten blieben Helga Deen (1925–1943): deutsch-niederländische Jüdin, die im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde. Ihre aus dem Lager geschmuggelten Aufzeichnungen aus dem KZ Herzogenbusch erschienen 2007 unter dem Titel Wenn mein Wille stirbt, sterbe ich auch. Tagebuch und Briefe. Anne Frank (1929–1945): deutsche Jüdin, die 1934 mit ihrer Familie in die Niederlande floh und kurz vor dem Kriegsende im KZ Bergen-Belsen ermordet wurde. Versteckt in einem Hinterhaus hielt sie ihre Erlebnisse und Gedanken von Juli 1942 bis August 1944 in einem Tagebuch fest, das nach dem Krieg als Tagebuch der Anne Frank von ihrem Vater Otto Frank veröffentlicht wurde. Etty Hillesum (1914–1943): Intellektuelle, die im KZ Auschwitz-Birkenau starb. Sie hinterließ ein Tagebuch und Briefe aus der Zeit von 1941 bis 1943. Eine erste Auswahl aus dem Tagebuch wurde 1981 unter dem Titel Het verstoorde Leven veröffentlicht. Eine Gesamtausgabe ihrer Schriften erschien 1986 als Het Werk, die deutschsprachige Übersetzung davon 2023. Die Originale der Tagebücher befinden sich im Joods Museum in Amsterdam. Klaartje de Zwarte-Walvisch (1911–1943): Mantelnäherin, die in der Zeit ihrer Gefangenschaft in der Hollandsche Schouwburg, im KZ Herzogenbusch und im Durchgangslager Westerbork Tagebuch führte. Sie wurde im Vernichtungslager Sobibor umgebracht. Ihr Tagebuch befindet sich im Amsterdamer Joods Museum und wurde 2009 unter dem Titel Alles ging aan flarden. Het oorlogsdagboek van Klaartje de Zwarte-Walvisch veröffentlicht. Rose Jakobs (1925–1944): deutsche Jüdin, die 1938 mit ihrer Familie in die Niederlande floh und im August 1942 untertauchte. Am 2. Oktober 1944 wurde sie von einer Splitterbombe tödlich getroffen. Während ihrer Zeit in verschiedenen Verstecken hatte sie zwischen 1942 und 1944 ein Tagebuch geführt, das 1999 unter dem Titel De roos die nooit bloeide. Dagboek van een onderduikster, 1942–1944 veröffentlicht wurde. Renata Laqueur (1919–2011): Sprach- und Literaturwissenschaftlerin, die mehrfach als Jüdin in verschiedene KZs deportiert wurde und heimlich Tagebuch schrieb. 1945 kam sie frei. Das Tagebuch Dagboek uit Bergen-Belsen: maart 1944–april 1945 erschien 1965. Sie trug dreizehn weitere Tagebücher von KZ-Insassen zusammen und schrieb 1969 bis 1971 in den USA ihre Doktorarbeit Writing in Defiance: Concentration Camp Diaries in Dutch, French and German, 1940–1945 darüber. Kitty de Wijze (1920–1942) und Joke de Wijze (1922–1942): Schwestern, die im KZ Auschwitz ermordet wurden. Von ihnen sind Postkarten erhalten geblieben.
Frauen in Niederländisch-Ostindien und japanischen Gefangenenlagern
Costavina Aya Ayal (1926–2015): Widerstandskämpferin in Neuguinea während der japanischen Invasion Südostasiens und Mitglied der einzigen Guerillagruppe in Niederländisch-Ostindien. Helen Colijn (1920–2006): war von 1942 bis 1945 in japanischen Lagern auf Sumatra interniert und machte die dort entstandene Musik weltweit bekannt. Margaretha Ferguson (1920–1992): Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin. Während der japanischen Besatzung landete sie in verschiedenen japanischen Lagern. Zunächst 1942 in Tjideng, wo 1943 ihre Tochter geboren wurde. 1944 wurden sie und ihre Tochter ins Camp Tangerang und 1945 ins Camp Adek verlegt. Elisabeth Keesing (1911–2003): niederländische Schriftstellerin jüdischer Abstammung. Nach 1938 ging sie nach Niederländisch-Ostindien und wurde während des Zweiten Weltkriegs in einem japanischen Lager interniert. Ellen van der Ploeg (1923–2013): wurde mit ihrer Familie in einem japanischen Lager interniert und für drei Monate in einem Bordell für japanische Soldaten als „Trostfrau“ zur Zwangsprostitution gezwungen. Erst 1946 kam sie mit ihrer Familie frei und lebte in Den Haag. 1995 schrieb sie zusammen mit dem Journalisten Jos Goos das Buch Gevoelloos op bevel über ihre Kriegserlebnisse. Sophie Elisabeth Saueressig (1906–1945): ausgebildete Tänzerin, die mit ihren drei Kindern im japanischen Frauenlager Tjideng auf Java interniert war, wo sie im Juni 1945 an Ruhr starb. Julie van der Steur (1920–2001): Sängerin, die Kurierdienste für den Widerstand in Niederländisch-Indien übernahm und im April 1943 von der japanischen Militärpolizei festgenommen, verhört, misshandelt und bedroht wurde und gezwungen wurde für die Geheimdiensteinheit der japanischen Militärpolizei zu arbeiten. Nach der Befreiung gelangte sie 1946 nach Rotterdam. Dora van Velden (1909–1997): Lehrerin, Historikerin und Kuratorin, die im Oktober 1942 erst im Lager Kramat, dann in Tjideng interniert wurde. Nach dem Krieg schrieb sie ein Standardwerk über die Internierungslager in Niederländisch-Ostindien.
Jüdische Widerstandskämpferinnen Frieda Belinfante (1904–1995): Cellistin und Dirigentin, die sich ab 1941 in der Widerstandsgruppe „Groep 2000“ engagierte und an der Fälschung von Personalausweisen und der Unterstützung von Untergetauchten beteiligte. 1943 tauchte sie unter und gelangte in die Schweiz. Rosa Boekdrukker (1908–1982): Kindergärtnerin, die Mitglied der Communistische Partij van Nederland (CPN) war und sich am kommunistischen Widerstand beteiligte. Am 9. April 1941 wurde sie verhaftet und kam mit Kriegsende frei. Annetje Fels-Kupferschmidt (1914–2001): Widerstandskämpferin, die sich in der zionistischen und antifaschistischen Bewegung engagierte. Sie wurde verhaftet und nach mehreren Lagern im KZ Neustadt-Glewe befreit. Nach dem Krieg war sie eine der Gründerinnen des „Nederlands Auschwitz Comité“ (niederländisches Auschwitz-Komitee) und im Vorstand des internationalen Auschwitz-Komitees. Lien Kuijper (1923–1943): Widerstandskämpferin, die sich bei Johannes Post in Drenthe versteckte und Kurierdienste übernahm. Sie wurde gefasst und im KZ Auschwitz ermordet.