Das Mittlere Çoruh-Becken ist eine Gebirgslandschaft Nordostanatoliens in der Türkei beidseits des Çoruh-Tales zwischen dem Schwarzmeer-Küstensaum von Rize und der südlich gelegenen Erzurum-Aşkale-Senke (Erzurum Ovası). Wichtigste städtische Siedlung dort ist neben der jungen Stadt Yusufeli im Osten das historische Zentrum İspir im Westen des mittleren Çoruh-Tales. Die Region deckt sich weitgehend mit dem Landkreis (İlçe) İspir (Provinz Erzurum) sowie mit der westlichen Hälfte des Landkreises Yusufeli (Provinz Artvin) und östlichen Partien des Landkreises Pazaryolu (Provinz Erzurum).

Zur Lage Das Mittlere Çoruh-Becken umfasst in Nordostanatolien größere Teile der naturräumlichen Unterregionen "östliches Schwarzes Meer" (Naturraum Nr. 43 bei Erol) und "Erzurum-Kars" (Naturraum Nr. 621 bei Erol) in Ostanatolien. Es wird im Norden durch die nordpontischen Randgebirge bei Rize und im Süden durch die pontischen Ketten nördlich der Erzurum Ovası begrenzt Es ist östlich von Bayburt zwischen Pazaryolu und Yusufeli vom Çoruh Nehri und seinen Nebenflüssen markant durchschnitten, deren begleitenden Gebirgsketten von tiefen und schmalen Tälern durchzogen sind. Der Höhenunterschied zwischen den tektonisch angelegten Talbecken und den Berggebieten beträgt oft deutlich mehr als 500 Meter, wodurch es zwischen Bergen und Flusstälern erhebliche Höhenunterschiede auf kurze Distanz gibt: So liegt beispielsweise das Çoruh-Tal bei Yusufeli etwa 600 m hoch und etwa 7–8 km nördlich erheben sich die Schwarzmeerberge (Karadeniz Dağları) bis auf 3000 m. Das mittlere Çoruh-Becken hat traditionell über die historische Route der rezenten Staatsstraße D 925 enge wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zur Schwarzmeerküste im Norden und nach Erzurum im Süden, die seit 2018 durch mehrere aufwändige Tunnelbauten (Ovit-Tunnel 14,3 km; Kırık-Tunnel 7,1 km; Dallıkavak-Tunnel 3,1 km) zur Entschärfung hoher Gebirgspässe optimiert werden.

Geologisch-geomorphologische Einordnung mini|links|Brückenbau östlich von Yusufeli bei Akarşen im Zusammenhang mit den Talsperrenbauten im Durchbruchstal des Çoruh Nehri. Die Landschaft des Mittleres Çoruh-Beckens, ein Gebirgsabschnitt im Großraum des Nordostanatolischen Gebirgsbogens (auch Ostpontus), präsentiert sich in ihren nördlichen Partien in den Karadeniz Dağları (Schwarzmeer-Gebirge) – östlich des Kızıldere (Rotes Tal, Melet Irmağı-Tal) bis zum Durchbruch des Çoruh Nehri allmählich ansteigend – mit diversen über 3000 m hohen Gipfeln: Kara Göl Dağları (3095 m), Çakırgöl Dağı (3083 m), Kırkdağlar Demirkapı Tepe (3376 m), Tatos Dağı (3711 m), Kaçkar Dağı (3932 m). Aufgrund ihres relativ einfachen tektonischen Baus und der Gesteinszusammensetzung zeigt die unmittelbar parallel zur Küste des Schwarzen Meeres verlaufende Gebirgszone dort einen einheitlichen, massiv ausgeprägten Hochgebirgscharakter. Während die höchsten Erhebungen aus Intrusivgesteinen, hauptsächlich aus Granit, Granodiorit und Syenit tertiären Alters aufgebaut sind, bestehen die Gebirgsflanken weitgehend aus einer Mischung vulkanischer und sedimentärer Gesteine, wobei Andesite, Basalte, Tuffe, Fanglomerate und Brekzien die Hauptmasse der Vulkanite bilden. Die Sedimentgesteine setzen sich hauptsächlich aus Mergel-, Sand- und Kalksteinen kretazischen bis eozänen Alters zusammen, deren Mächtigkeiten bis 3000 m erreichen können. Am Südrand des Hauptgebirgszugs erstrecken sich, eingesenkt in die nordanatolische Störungszone, die Längstäler des Kelkit Çayı und des Çoruh Nehri. Sie folgen dabei Synklinalmulden und Verwerfungslinien. Südlich dieser Längsfurchen erstreckt sich, aufgrund starker tektonischer Beanspruchung sehr ungleichmäßig verteilt, eine weitere Hochgebirgsregion aus weitgehend mesozoischem Kalkstein, Mergel- und Flyschformationen: Köse Dağı (2800 m), Kızıldağ (2950 m), Esence Dağı (3540 m), Kap Dağı (2963 m), Mescit Dağları (3230 m) und Kayrol Dağı (bei Yusufeli, 2750 m). Diese Gesteinsserien entstanden während einer Transgressionsperiode des Tethysmeeres mit submarinem Vulkanismus von der Kreide bis ins mittlere Tertiär. Danach setzte bis in die Mitte des Quartärs eine von Bruchtektonik begleitete Gebirgsbildung des Germanotyps ein, die das Gebirge in ein komplexes Graben- und Horstsystem zerlegte, wobei Schollen nach Süden hin staffelartig in ihre heutige Höhe gehoben wurden. Diese Çoruh-Depressionszone, die bis ins Prä-Eozän zurückreicht, nahm ihre endgültige Form im späten Eozän und Oligozän an. Flüsse, die entsprechend der damaligen Topographie auf neogenen Sedimenten verliefen, vertieften ihr Bett in das darunter liegende prä-neogene Fundament. In Bereichen, in denen sehr gravierende Überschiebungen stattfanden, bildeten sich epigenetische Brüche oder Schluchten.

Auffälligste Merkmale dieser nordostanatolischen Gebirgsmassive sind Hinweise auf eine weitgehende glaziale Überformung während der pleistozänen Kaltzeiten und die teilweise rezente Vergletscherung (s. u.). Das Gebiet stand über lange Zeit im Interesse von Glazialmorphologen, so dass entsprechende morphologische Unklarheiten der schwer zugänglichen Hochgebirgsregion weitgehend gelöst werden konnten: Spuren alter und Stärke heutiger Vergletscherung nehmen von West nach Ost im Zuge der höher und massiger werdenden Gebirgszüge deutlich zu. Das westlichste der während des Pleistozäns vergletscherten Gebirgsmassive dort ist das Kara Göl-Gebirge (3095 m). Und der höchste Gipfel dieser ostpontischen Gebirge, der Kaçkar Dağı, trägt derzeit Talgletscher bis zu 2 km Länge. Dort bilden im Norden des Çoruh Nehri die Kaçkar Dağları (Kaçkar-Kavron Dağları) mit den Tatos Dağları als Teile der Karadeniz Dağları sowie in dessen Süden die Mescit Dağları als Teil der Kelkit-Oltu-Gebirgszone die wichtigsten flankierenden Grenzbarrieren des südwest-Nordost verlaufenden mittleren Çoruh-Beckens.

Kaçkar Dağları Der Kaçkar Dağı (3932 m) ist der höchste Gipfel des Nordanatolischen Gebirgsbogens. Er überragt zusammen mit Kemerkur Dağ (3600 m), Altıparmak Dağı (3S62 m) und Güngörmez Dağı (3523 m) die heutige Schneegrenze und bildet einen zusammenhängenden Südwest-Nordost gerichteten Gebirgskörper. Die Erhebungen der Kaçkar-Gruppe zeigen in 3800 bis 3900 m Höhe noch kleine Kargletscher und perennierende Schneeflecken. Dort entstanden in den pleistozänen Kaltzeiten nordseitig ansehnliche Talgletscher. Die Kaçkar Dağları waren im Pleistozän am stärksten vereist und sind dort auch der einzige Gebirgskomplex, der noch rezent Gletscher aufweist. Der Gebirgskamm ist in 2650-2800 m Höhe von zahlreichen Karen angefressen, die Karböden von Rundhöckerfluren, glazialen und fluvioglazialen Ablagerungen bedeckt und oft von kleinen Karseen, einige an der Nordseite sogar mit 1,5-2 km langen Gletschern gefüllt. Die Gletscherzungen, vor denen mächtige Endmoränen aufgebaut wurden, reichen bis auf 2850 m, 2950 m und 3000 m in Trogtäler hinab. Reste von Stirn- und Seitenmoränen zeigen, dass während der Eiszeiten Talgletscher der Kaçkar Dağları bis zu 10 km Länge besaßen und im Kavrontal bis auf 2000 m Höhe hinabreichten. Der türkische Geograph Sırrı Erinç ermittelte eine eiszeitliche Schneegrenzhöhe von 2600 m für die niederschlagsreiche Nordseite und 2800 m für die trockenere Südexposition. Jüngste Forschungen sprechen von einer damaligen Schneegrenze bei 2450-2500 m für die Nordseite und 2600 m für die Südseite. Derzeit liegt die Schneegrenze dort nach Ernst Löffler in 3400 - 3450 m in der Nordexposition, nach Erinç dagegen in 3200 m in der Nordabdachunq und 3450 - 3500 m an der Südseite. Höhenlage und Gruppierung von Endmoränen sowie die frische Physiognomie der glazialen Erosions- und Sedimentationsformen weisen darauf hin, dass die Hebung der dortigen Gebirgskette über die Schneegrenze hinaus erst kurz vor der Würm-Glazialzeit erfolgte und auch danach noch andauerte.

Tatos Dağları mini|links|Blick von Nordwesten auf Moränenreste der eiszeitlichen Rückzugsstadien in einem typischen eiszeitlichen Trogtal vor den Gipfelregionen des Ovit Dağı in den Karadeniz Dağları (Nordost-Anatolien). mini|Blick vom Ovit-Pass nach Nordosten auf das Massiv des 3709 m hohen Verçenik Dağı im Tatos-Gebirge (Karadeniz Dağları) nördlich von İspir (Nordost-Anatolien). Auch im Tatos-Hochgebirge zeigen sich ab etwa 3000 m Höhe überall deutliche Spuren eiszeitlicher Karbildung. Als zweithöchste Gebirgsgruppe des Nordostanatolischen Randgebirges erstreckt sich unmittelbar westlich der Kaçkar Dağları der durchschnittlich 3000 m hohe, etwa SW-NO gerichtete Gebirgskamm der Tatos Dağları mit dem Dilek Dağı (Tatos Dağı 3711 m) und dem Verçenik Dağı (Üçdoruk Dağı 3709 m), dem Demir Dağı (3420 m) und dem Hunut Dağı (3540 m). Der Gebirgszug wird auch als Rize Dağları bezeichnet und ist an Nord- und Südhang glazial überformt. Folgen der Karbildung und rückschreitender Hangverwitterung sind schmale, scharfe Gebirgsgrate und eine Pyramidenform der Gipfel. An Dilek Dağı und Demir Dağı sind die Glazialformen in der Nordexposition sehr viel reicher als im Süden. Im Norden finden sich vor den Karwänden in etwa 3000 m Höhe junge, zum Teil rezente Blockgletscher und auch breite Firnfelder. Hier sind zahlreiche, oft von kleinen Seen erfüllt Kare entwickelt, deren Sohlen in 2700-2900 m Höhe liegen, an die sich unterhalb Trogtäler anschließen, deren Längen 7 km überschreiten können. Sırrı Erinç konstatierte dort höhere Moränenwälle an den Kar-Ausgängen von Kurugöl, Akel und İşmirik Tepesi sowie dergleichen ca. 500 - 600 m tiefer gelegene Morönen im oberen Teil des Salagor Tales.

Mescit Dağları Östlich von Bayburt, wo die Taleinschnitte des Çoruh Nehri und seines Nebenfluss-Systems, des Oltu Çayı, tiefer und der Talcharakter schluchtartig werden, erheben sich als Teil der Kelkit-Oltu-Gebirgszone die Gipfel der tertiären Andesitmasse der Mescit Dağları nicht selten auf 2900-3000 m Höhe. Dort werden Falten mesozoischer Gesteine auf 30 km Länge von großen Massen dieser intermediären Vulkanite völlig überdeckt und erreichen im Mescit Tepesi 3255 m Höhe. Hier im Süden der Grabenzone greifen tiefe Taleinschnitte des Çoruh und seiner Nebentäler (z. B. Tortum Çayı) bis in die Nähe von Erzurum zurück. An der Nordostseite des Gebirges kommen diese Faltungsstränge nochmals zum Vorschein und ziehen, von tief eingeschnittenen Längstalschluchten begleitet, nach NO weiter, bis sie an der Linie Savşat-Şenkaya unter Steilabfällen der mittelmiozäne bis spätpliozäne Basaltdecke des Hochlandes von Kars verschwinden.

Bemerkungen zu Klima- und Vegetation mini|links|300x300px|Die topographische Kartenskizze zeigt die klimatisch und anthropogen bedingte Verteilung der wichtigsten Vegetations-Komponenten im Bereich der Karadeniz Dağları zwischen İspir, Yusufeli, Rize und Erzurum Ovası (Nordost-Anatolien). Aufgrund der Streichrichtung des Gebirges erhält der Nordwestteil des mittleren Çoruh-Beckens einen sehr feuchten, pontisch geprägten Klima-Charakter. Allerdings ergibt sich in klimatischer und vegetationsgeographischer Hinsicht zwischen Küsten- und innerem Gebiet ein ausgeprägter Gegensatz, da das Küstengebirge der Karadeniz Dağları sehr steil ansteigt und einen hoch aufragenden Wall bildet, wo Niederschläge abgefangen werden und in den Gipfelregionen aufgrund der großen Höhen Vegetationsformationen der alpinen Stufe verbreitet sind, so dass dessen landschaftlicher Gesamtcharakter als sehr niederschlagsreiches Hochgebirge erscheint.

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