Raul Walch (* 1980 in Frankfurt am Main) ist ein in Berlin lebender bildender Künstler mit multidisziplinären Arbeiten, die soziale, ökologische und politische Themen formulieren.

Leben und Werk Raul Walch studierte von 2001 bis 2004 Soziologie und Lateinamerikanistik an der Freien Universität Berlin. Anschließend setzte er sein Studium mit Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bis 2008 fort. Zwischen 2009 und 2012 vertiefte er seine künstlerische Ausbildung an der Universität der Künste Berlin in der Klasse von Olafur Eliasson bis zum Meisterschüler. Dort, am Institut für Raumexperimente, entwickelte Walch einen vielseitigen Ansatz in seiner künstlerischen Praxis. Von 2019 bis 2021 war er als künstlerischer Mitarbeiter und Dozent im internationalen MFA-Studiengang Public Art and New Artistic Strategies an der Bauhaus-Universität Weimar tätig. Er ist Co-Initiator des Programms Floating Berlin und engagiert sich für Die Vielen, eine Plattform gegen rechts.

Walchs Werk umfasst Skulpturen, Installationen, Performances, Textilkunst, fotografische Dokumentation und partizipative Projekte. Besonders prägend sind seine Arbeiten, die den Dialog zwischen Kunst und Umwelt fördern. Mit Projekten wie beispielsweise Fabrics & Space, 2015 in Tokio, präsentierte Walch Arbeiten, die den Raum durch textile Installationen neu definierten. Diese Ausstellung betonte die Flexibilität von Textilien und ihre Fähigkeit, architektonische und soziale Räume zu transformieren. Für die Biennale für Kunst und Stadtnatur in Genf im Jahr 2023 gestaltete Walch mit Spherical Semaphores vier Boote mit bemalten Segeln neu. Diese Segel boten sowohl den Segelnden als auch den Zuschauenden vom Ufer aus eine veränderte Wahrnehmung des Windes und des Sees. Diese Serie beschäftigt sich mit der visuellen Kommunikation durch Flaggen und arbeitet mit geometrischen Mustern, was die Aufforderung beinhaltet, über die Bedeutung von Symbolen im öffentlichen Raum nachzudenken.

Mit dem Villa-Romana-Preis 2025 erhielt Walch die Möglichkeit, ein Jahr lang in der Villa Romana in Florenz zu arbeiten und zu leben. Sein Engagement für soziale und ökologische Fragen bleibt der Kern seiner Arbeit, um Kunst als transformative Kraft einzusetzen. Seine Werke sind oft ortsspezifische Interventionen, die gesellschaftliche Realitäten reflektieren und das Publikum aktiv einbeziehen. In seinen Interventionen wird Walch auch zum kritischen Forscher, Performer und Aktivisten. Das Buch It's a great pressure to be here ist nicht nur ein Überblick über seine künstlerische Praxis, sondern auch ein ironischer Kommentar zur globalisierten Gegenwart, zur conditio humana und zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Preise und Stipendien (Auswahl) 2012: Stipendium am Institut für Raumexperimente, Berlin 2015: Creator Residency Program, Tokyo Wondersite / TOKAS, Japan 2016: IBB Preis für Fotografie, initiiert von der Investitionsbank Berlin und der Karl Hofer Gesellschaft; Honorable Mention, Berlin Art Prize, Berlin 2017: Residency at Nida Art Colony, Litauen 2019: Reisestipendium, Hessische Kulturstiftung, Wiesbaden 2021: Arbeitsstipendium, Stiftung Kunstfonds, Bonn 2025: Villa-Romana-Preis, Florenz, Italien

Einzelausstellungen (Auswahl) 2012: West Southwest, Reihe Grey Sheep, Galerie Ólafur Elíasson, Berlin 2014: Head Sculptures, DeGesa Gallery, Addis Abeba 2015: Fabrics & Space, Arai Associates, Tokio 2016: Azimut, Lichthaus Arnsberg 2018: The Sceptical Chemist, EIGEN + ART Lab, Berlin 2019: Auf der Grenze, Stiftung St. Matthäus, Kulturforum Berlin 2021: unfollow, Galerie EIGEN + ART, Berlin 2021: Down to Earth, Aki Galerie, Taipeh 2023: You Always Meet Twice, TARKIB, Bagdad 2024: NOTOPIA, Galerie EIGEN + ART, Leipzig 2025: Unite, Skulpturenmuseum Marl

Gruppenausstellungen(Auswahl) 2014: Walk-In-Progress, Vitamin Creative Space, Guangzhou, China; Tomorror’s Island, Momoshima Art Base, Hiroshima, Japan; Festival of Future Nows, Neue Nationalgalerie, Berlin 2017: 7 trans-phonies, Tokyo Wondersite Shibuya, Tokio, Japan; Blickachsen Skulpturen Biennale, Bad Homburg und Frankfurt am Main; Odyssey, Kunstverein Arnsberg, Möhnesee; Festival of Future Nows, Hamburger Bahnhof, Berlin; The Event of a Thread, Kunsthaus Dresden, Dresden 2019: Bait Tarkib, Baghdad, Irak 2020: Owned by Others, Museumsinsel, Berlin; Zero Waste, Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig; suspense, Yuka Tsuruno Gallery, Tokio, Japan; Ressentiment/Risentimento, Kunst Merano Arte, Meran, Italien 2021: ParkPlatz, Berlinische Galerie, Berlin; Ruhr Ding: Klima, Urbane Künste Ruhr; 2022: Territories of Waste. Über die Wiederkehr des Verdrängten, Museum Tinguely, Basel, Schweiz; Balance, Hamburger Bahnhof - Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin; Mit der Tür ins Haus fallen. Neuerwerbungen der Sammlung des Bundes, Neues Museum Nürnberg - Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg; IDENTITÄT NICHT NACHGEWIESEN. Neuerwerbungen der Sammlung des Bundes, Bundeskunsthalle Bonn 2023: Happiest Places, Kunstverein Siegen, Siegen; (re)connecting.earth (02) – Beyond Water, Biennale für Kunst und Stadtnatur, Genf, Schweiz; 2024: Radical Playgrounds, Martin Gropius Bau, Berlin; Shared Spaces, Kunsthalle Barmen, Wuppertal

Publikationen (Auswahl)

Otto’s Impossible Talks / Let’s Start to Implement Little Errors, hrsg. von Institut für Raumexperimente, Berlin University of the Arts (UdK) Berlin: Verlag der Universität der Künste Berlin, 2010, ISBN 978-3-89462-190-2. Life is space 4, Artist’s book by Olafur Eliasson, hrsg. von Studio Eliasson, 2011 Mapping Everything, hrsg. von Institut für Raumexperimente, Universität der Künste Berlin und dem Institut für Landschaftsarchitektur, ETH Zürich, Berlin: Verlag der Universität der Künste, 2012. Translation Acts, hrsg. von Eric Ellingsen, Christina Werner und Fotini Lazaridou-Hatzigoga, Universität der Künste Berlin, 2013. How to Make the Best Art School in the World, Institut für Raumexperimente Berlin, 2009–2014 Disappearance of the Roundhouse, Artist’s book, Addis Abeba, 2015. Public Abstraction, Kunstverein Arnsberg, Verlag Walther König, Köln 2015, ISBN 978-3-8633-5741-2. Tokyo Wonder Site Annual Report 2015, Tokyo Metropolitan Foundation, Tokyo 2016. Planet B – Ideas for a New World, hrsg. von Lukas Feireiss & Alain Bieber, Koenig Book Cologne, Köln 2016 Marking Triangles, Yuichiro Tamura + Raul Walch = Maku suru sankakkei, hrsg. von Japanisches Kulturinstitut, Köln 2017. Andreas Gehrke (Hrsg.): Azimut Raul Walch, Artists’ books, Drittel Books, Berlin 2017, ISBN 978-3-9815735-9-6. Bait Tarkib, Artist Book, hrsg. von Tarkib Bagdad Festival für Zeitgenössische Kunst, Bagdad 2018. The Sceptical Chemist, Artist’s Book, Eigen + Art Lab, Berlin 2019. Lukas Feireiss (Hrsg.): Raul Walch – It’s a Great Pressure to Be Here. Kerber Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-7356-0610-5. Atlas of Disbelief, Artist’s Book, Berlin 2020. Space is the Place, by Lukas Feireiss & BNKR Munich, Spector Books, Leipzig 2020, ISBN 978-3-9590-5388-4. Ain’t No Fountain High Enough, Artist’s Book, Zzznack Publications, Weimar 2020. The Art of Protest – Political Art and Activism, Editors: Alain Bieber & Francesca Gavin, gestalten, Berlin 2021, ISBN 978-3-96704-011-1. Nimmersatt? Imagining Society without Growth, Kunsthalle Münster, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Westfälischer Kunstverein, Distanz Verlag, Berlin 2021 You Always Meet Twice, Tarkib Baghdad – Contemporary Art Institute, 2022. Making Futures, Spector Books, Leipzig 2022, ISBN 978-3-95905-409-6. Identität Nicht Nachgewiesen. Neuerwerbungen der Sammlung des Bundes. Hirmer Verlag, München 2022, ISBN 978-3-7774-3988-4. Territories of Waste, On the Return of the Repressed. Museum Tinguely, Basel 2022. mit Anna-Sophie Springer (Hrsg.): Owned by Other – A Map to Possession Island. K. Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-947858-39-2.

Weblinks Website des Künstlers Galerievertretung: Galerie Eigen + Art

Einzelnachweise

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