mini|400px|Animierte Darstellung des Verlaufs der russischen Invasion in der Ukraine ab dem 24. Februar 2022

Diese Chronik stellt eine Übersicht zur Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine von Anfang August 2024 bis Ende Dezember 2024 dar.

Hinweis: Aussagen zum Kriegsverlauf während einer kriegerischen Auseinandersetzung sind aufgrund der kriegsbedingt nicht herstellbaren Objektivität und der sowohl politisch beschränkten als auch oft gelenkten Informationsfreigabe beider Seiten in der Regel unüberprüfbar. Auch seriös klingende Vermutungen sind aufgrund der Nachrichtenlage in der Regel weder von inneren Überzeugungen der Beitragenden noch von vorsätzlich betriebener Meinungs- und Medienbeeinflussung unterscheidbar.

1. August Russische Streitkräfte rückten in Nju-Jork und Salisne in Donezk weiter vor und versuchten so die ukrainischen Truppen zwischen den beiden Dörfern einzukesseln.

3. August mini|Die Rostow-na-Donu Nach ukrainischen Angaben gelang es den eigenen Streitkräften, bei einem Raketenangriff auf den Hafen von Sewastopol die Rostow-na-Donu, ein russisches U-Boot des Projekt 636 (Kilo-II-Klasse), zu versenken.Ukraine: Haben russisches U-Boot versenkt. In: n-tv.de. 3. August 2024, abgerufen am 4. August 2024.Ukrainische Armee versenkt russisches U-Boot und beschädigt S-400-Startgeräte auf der Krim. In: ukrinform.de. 3. August 2024, abgerufen am 4. August 2024. Die Rostow-na-Donu war bereits am 13. September 2023 bei einem ukrainischen Angriff schwer beschädigt worden.

4. August Laut dem ukrainischen Verteidigungsministerium hat die ukrainische Luftwaffe seit der russischen Invasion im Februar 2022 mehr als 8.000 Luftziele (bspw. Marschflugkörper, Drohnen, Flugzeuge und Helikopter) zerstört.

6. August Es kam zu den ersten schweren Kämpfen im Rahmen einer überraschenden Offensive auf die russische Oblast Kursk, die am 6. August mit einem koordinierten Angriff der ukrainischen Streitkräfte begann, bei der diese in zunächst unbekannter Stärke in die Region Kursk eindrangen und Geländegewinne in Richtung der Großstadt Kursk erringen konnten; kleine, mobile Gruppen stießen weit vor und drangen bis zur Kleinstadt Sudscha vor. Das russische Verteidigungsministerium gab zunächst an, dass bis zu 300 Kämpfer, die der 22. mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkräfte angehören sollen, in die Grenzorte Nikolajewo-Darjino und Oleschnja eingedrungen seien. Laut Russland seien die Angreifer zurückgeschlagen und auch den ukrainischen Reserven in der Region Sumy seien Schäden zugefügt worden. Einige russische Militärblogger widersprachen in sozialen Netzwerken den offiziellen russischen Angaben. So wurde etwa die Zahl der Angreifer deutlich höher beziffert. Zudem kursieren Bilder, die russische Gefangene, einen zerstörten russischen Kampfhubschrauber und zwei zerstörte Panzer zeigen sollen. Das ukrainische Verteidigungsministerium gab zu den Geschehnissen keine Stellungnahme ab.Alexander Dubowy: Umstrittenes Manöver: Ukrainer greifen russische Region Kursk an. In: Berliner Zeitung. 6. August 2024, abgerufen am 7. August 2024. Spätestens am Tag darauf rief die Regionalregierung der Oblast Kursk den Ausnahmezustand aus.

7. August Die ursprünglichen russischen Angaben über eine Abwehr des ukrainischen Einmarschs in die Oblast Kursk erwiesen sich als falsch; die Angabe, dass es sich um reguläre ukrainische Streitkräfte handelte, bestätigte sich allerdings. Die Zahl der Angreifer musste nach oben korrigiert werden. Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow sprach von bis zu 1000 Angreifern, von denen angeblich 100 getötet und 215 verletzt worden seien. Russische Militärblogger berichteten von 2000 Kämpfern, die bis zu 15 km tief in die Oblast Kursk eingedrungen seien und mehrere kleinere Ortschaften besetzt hätten.Frank Aischmann: Ukraine dringt in russisches Grenzgebiet Kursk vor. In: tagesschau.de. 7. August 2024, abgerufen am 8. August 2024. mini|Fortschritt des ukrainischen Einmarschs in der russischen Oblast Kursk

8. August Die ukrainische Armee setzte ihren Entlastungsangriff in der Oblast Kursk fort. Die russischen Behörden verhängten den Notstand in der Oblast Kursk. Den ukrainischen Truppen gelang es, in der Kleinstadt Sudscha einzurücken, wo die Bratstwo-Pipeline verläuft, durch die Erdgas von Russland nach Mittel- und Ostmitteleuropa geleitet wird. Ukrainische Soldaten konnten die Gasmessstation besetzen, durch die der Gastransit kontrolliert werden kann. Russland verstärkte vorsorglich den militärischen Schutz des 60 km von der Grenze entfernten Kernkraftwerks Kursk.Friedrich Schmidt: Was die Ukraine mit der Offensive bezwecken könnte. In: faz.net. 8. August 2024, abgerufen am 8. August 2024. Angesichts der ukrainischen Vorstöße wurden russische Einheiten aus dem Donbas in die Region Kursk verlegt, u. a. auch das sogenannte „Arbat“-Bataillon. Es besteht zu Teilen aus ehemaligen Wagner-Kämpfern. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich nicht direkt zu dem andauernden Vorstoß ukrainischer Truppen in der Oblast Kursk auf russischen Boden. Er sagte jedoch, dass Russland den Krieg in die Ukraine gebracht habe und spüren solle, was es getan habe.

In der Oblast Kursk kam es zu starken Maßnahmen der elektronischen Kampfführung, die teilweise verhinderten, dass russische Verbände oder auch die zivilen Behörden in der Gegend um Kursk miteinander kommunizieren konnten.

9. August In der Nacht zum 9. August 2024 meldeten russische Behörden etwa 200 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt in der östlich von Kursk gelegenen Oblast Lipezk massive Attacken mit Drohnen. Der Notstand sei ausgerufen worden, um die Folgen massiver Explosionen auf dem 280 Kilometer von der Grenze entfernten Militärflugplatz von Lipezk zu beseitigen. Vier Dörfer um den Militärflugplatz wurden evakuiert. In Lipezk und im Umland um die Stadt wurde der öffentliche Nahverkehr gestoppt. Wegen Schäden an einer Energieanlage kam es in der Region zu Stromausfällen. Außerdem sei es zu einer Explosion von Gefahrstoffen gekommen.

Gemäß russischen Militärangaben konnte man die ukrainischen Versuche, tief ins russische Kernland durchzustoßen, mit Luftwaffe und Artillerie abwehren. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete, dass Kolonnen mit BM-21-Mehrfachraketenwerfern, Artillerie und Panzern nach Kursk verlegt worden seien. Der ZDF-Korrespondent Armin Coerper berichtete, dass sich russische Meldungen in den russischen Staatsmedien und im Internet widersprechen. Ein russischer Nachschubkonvoi sei entgegen russischen Erfolgsmeldungen fast vollständig vernichtet worden, und die Kämpfe in der Region Kursk hielten nach wie vor an. Laut der US-Zeitschrift Forbes befanden sich mittlerweile drei Brigaden mit insgesamt ca. 6000 ukrainischen Soldaten in der Region Kursk. Der Ausnahmezustand in Russland wurde zu einem nationalen Notstand hochgestuft.Sven Christian Schulz, Alisha Mendgen, Markus Decker: „Russische Reserven im Anmarsch“: Russland reagiert auf ukrainischen „Blitzangriff“ bei Kursk. www.rnd.de, 10. August 2024. Nach Angaben des Institute for the Study of War scheut der russische Staatspräsident Wladimir Putin die Ausrufung eines Kriegszustandes aus politischen und ökonomischen Gründen. Befürchtet sei, dass die Ausrufung eines Kriegszustandes Russland weiter destabilisiert. Der Vorstoß ukrainischer Truppen im Oblast Kursk soll nach Angaben eines ukrainischen Sicherheitsberaters Russland destabilisieren.

10. August Die Offensive in der Region Kursk wurde von den ukrainischen Truppen weiter fortgesetzt.Region Kursk: Ukrainische Truppen lassen nicht locker, ZDFheute App, 10. August 2024, 00:12 Uhr. Wegen der schweren Kämpfe in der Oblast Kursk hat der russische Zivilschutz 76.000 Einwohner aus jener Grenzregion evakuiert. Ukrainische Behörden evakuierten nach eigenen Angaben 20.000 Menschen aus der an die Oblast Kursk grenzende ukrainische Oblast Sumy. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi warnte wegen der fortgesetzten Kämpfe in der Region vor einem Unfall im Kernkraftwerk Kursk und rief beide Parteien zur Zurückhaltung auf.IAEA warnt vor Atomunfall in Kursk, ZDFheute App, 10. August 2024, 9:44 Uhr. Ukrainische Kräfte hatten bereits in den vergangenen Wochen gezielt russische Kommunikationseinrichtungen zerstört. Laut dem russischen Militärblog Rybar kam noch der Umstand hinzu, dass die Russen in dieser Gegend mit leicht zu störenden chinesischen Funkgeräten gearbeitet hätten. Die ukrainische Aufklärung teilte mit, dass Russland eine Brigade der Marineinfanterie von der Halbinsel Krim in die Region Kursk verlege. Ein Teil der Fahrzeugkolonne sei jedoch unterwegs bereits zerstört worden. Erstmals gab der ukrainische Präsident Selenskyj bekannt, dass das ukrainische Militär eine Aktion zur Verlagerung des Krieges in das Gebiet des Aggressors durchführt. Das ukrainische Militär verzeichnete eigenen Angaben zufolge die niedrigste Zahl an Gefechten auf ukrainischem Staatsgebiet seit dem 10. Juni 2024.

Die ukrainische Kriegsmarine berichtete, dass Raketen- und Artillerieeinheiten der ukrainischen Küstenstreitkräfte 40 russische Soldaten auf einem außer Betrieb befindlichen Gasförderturm im Schwarzen Meer eliminiert hätten. Der Turm sei von russischen Kräften genutzt worden, um die Satellitennavigation zu stören, was auch die zivile Seefahrt beeinträchtigt und in Gefahr gebracht hätte. Auch sei der Turm als Munitionsdepot genutzt worden. Bei russischen Luftangriffen auf Kiew starben nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Zivilisten. Laut der ukrainischen Luftwaffe waren außerdem fünf weitere ukrainische Regionen Ziel russischer Luftangriffe.

11. August Das russische Verteidigungsministerium berichtete von angeblichen Gefechten in der Nähe der Dörfer Tolpino und Obschtschi Kolodes in der Oblast Kursk, 25 bis 30 Kilometer von der ukrainisch-russischen Grenze entfernt.

12. August Der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die Kursk-Offensive vor dem Hintergrund des russischen Beschusses der Oblast Sumy erfolgte. So wurden laut Selenskyj seit dem 1. Juni dort „fast 2100 Gebiete […] beschossen“. Ziel der Offensive ist, „insbesondere die Gebiete, von denen aus die russische Armee Angriffe“ auf Sumy durchführte, zu kontrollieren und den Gegner aus dem Grenzgebiet zu verdrängen. Wegen der Kämpfe in der Oblast Kursk wurden nach russischen Behördenangaben 120.000 Einwohner in Sicherheit gebracht, weitere 60.000 sollen noch aus der Oblast evakuiert werden. Laut TASS wurden vorsorglich auch 11.000 Einwohner aus der grenznahen Siedlung Krasnaja Jaruga (Oblast Belgorod) evakuiert. Die Ukraine hat laut eigenen Angaben 1000 km² der Oblast Kursk erobert. Der Gouverneur der Oblast Kursk Alexei Smirnow berichtete dem russischen Staatspräsidenten öffentlichkeitswirksam, die ukrainischen Kräfte kontrollieren ein Gebiet von etwa 40 Kilometern Breite und zwölf Kilometern Tiefe, in dem sich 28 Ortschaften befinden. Weiter gab er an, dass in der Oblast Kursk 40 Kilometer Panzergräben ausgehoben wurden und der Bau von 90 Unterständen in Arbeit ist.

14. August Nach Angaben des ukrainischen Armeechefs Oleksandr Syrskyj wurden binnen 24 Stunden 100 russische Soldaten infolge der Offensive gefangen genommen. Nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist für die Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete humanitäre Hilfe vorbereitet worden. Vertretern internationaler Organisationen soll der Zugang zu den Gebieten erlaubt werden.Ukraine plant Fluchtkorridore für Zivilisten in Kursk www.tagesschau.de, 14. August 2024. Das russische Militär zog zunehmend unterschiedliche Reserven in der Region Kursk zusammen, u. a. aus Kaliningrad und anderen vom Krieg nicht betroffenen Regionen; die bisher an der Front im Donbas kämpfenden russischen Einheiten gaben aber nur marginal Kapazitäten und Ressourcen ab, ihre stete Vorwärtsbewegung im Donbas kam durch die ukrainische Offensive nicht zum Stillstand.

15. August