Die Chronologie des Krieges in Nahost, Oktober und November 2024 dokumentiert die Entwicklungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 1. Oktober bis zum 30. November 2024. Für den zeitlichen Ablauf des kompletten israelisch-palästinensischen Konflikts siehe Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Oktober 2024 1. Oktober mini|Iranische Raketen über Israel Die Islamische Republik Iran griff in einer Vergeltungsaktion Israel mit ballistischen Raketen an. Die Iranische Revolutionsgarde reklamierte den Angriff für sich; im iranischen Staatsfernsehen wurde der Angriff als Vergeltung für die Tötung von Hamas-Anführer Ismail Hanija, Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah sowie eines iranischen Generals dargestellt. Wenige Stunden davor hatten die USA Israel vor einem bevorstehenden Angriff Irans gewarnt. Die israelische Armee registrierte zwischen 180 und 200 Raketen, von denen viele durch die Luftabwehrsysteme David’s Sling und Arrow abgefangen / abgeschossen werden konnten. Das Luftabwehrsystem Iron Dome kam laut Royal United Services Institute (RUSI) nicht zum Einsatz, da es für die Bekämpfung von Mittelstreckenraketen nicht geeignet ist.Rusi.org: Iran’s Missile Attack is a Challenge Israel Can’t Ignore Weiter starteten die US-Zerstörer Bulkeley und Cole aus dem Mittelmeer 12 RIM-161-Standard-Missile-3-Abfangraketen gegen die iranischen Raketen.Usni.org: U.S. Destroyers Successfully Down Iranian Missiles with SM-3s, Carrier USS Harry. S. Truman Now in U.S. 6th Fleet Trümmerteile einer iranischen Rakete erschlugen einen Palästinenser bei Jericho im Westjordanland, weitere Todesopfer gab es laut ersten Berichten nicht. Einige Raketen durchdrangen den Raketenschutzschirm; so wurde der Militärflugplatz Nevatim von mindestens einem Dutzend Raketen getroffen. Auch andernorts wurde die Raketenabwehr Israels überwunden. Laut verschiedenen Militärexperten verwendete Iran für den Angriff neben den älteren Mittelstreckenraketen Emad und Ghadr auch die modernen Raketentypen Fattah-1 und Kheibar Shekan.Armscontrolwonk.com: Iran’s October Missile RaidNytimes.com: Iran Launches Missiles at Israel, Israeli Military Says. Nach dem Angriff kündigte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu an, dass Iran für den Angriff „bezahlen“ werde. Die iranische UN-Vertretung in New York hatte nach dem Angriff wiederum eine „vernichtende Reaktion“ für den Fall angekündigt, sollte Israel auf den iranischen Luftangriff mit einem Gegenangriff reagieren.

Gleichzeitig zum iranischen Angriff verübten zwei Personen in Tel Aviv-Jaffa einen Schusswaffenangriff, durch den sieben Menschen getötet und 17 weitere verletzt wurden. Die beiden Täter wurden von Polizei und einem bewaffneten Zivilisten erschossen. Die Hamas reklamierte am Folgetag den Anschlag für sich.

Laut libanesischen Angaben wurden durch israelische Luftangriffe im September 2024 insgesamt 1000 Zivilisten im Libanon getötet. Das libanesische Krisenzentrum teilte mit, dass Grenzübertritte von 176.080 syrischen Staatsangehörigen und 63.373 Libanesen nach Syrien seit dem 23. September 2024 registriert wurden. Die Hisbollah beschoss nach eigenen Angaben die Zentrale des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad mit Raketen.

Einmarsch israelischer Bodentruppen in den Libanon Bodentruppen der israelischen Armee (IDF) überschritten von Nordisrael aus die „Blaue Linie“ und damit die Grenze zum Libanon. Die IDF spricht von „begrenzten, lokalisierten und gezielten Bodenangriffen auf der Grundlage präziser Geheimdienstinformationen“, die sich gegen militärische Ziele und Infrastruktur richten, die vom israelischen Militär den im Süden des Libanons stationierten, paramilitärischen Einheiten der Hisbollah zugeordnet werden. Die Angriffsziele befänden sich in grenznahen libanesischen Dörfern und würden eine unmittelbare Bedrohung für die israelischen Gemeinden im Norden Israels darstellen. Die Bodentruppen der IDF wurden bei ihrem Vormarsch auf libanesischem Boden von Luftwaffe und Artillerie mit „präzisen Angriffen auf militärische Ziele“ unterstützt.

2. Oktober Die israelische Regierung erklärte den Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), António Guterres, zur Persona non grata. Am Vortag, nach dem iranischen Angriff, hatte Guterres erklärt: „Ich verurteile die Ausweitung des Nahostkonflikts, der immer weiter eskaliert. Das muss aufhören. Wir brauchen unbedingt einen Waffenstillstand“. Nach Ansicht der israelischen Regierung hatte Guterres den iranischen Angriff damit nicht „unmissverständlich“ verurteilt. Die Vereinten Nationen kritisierten die Entscheidung der israelischen Regierung als „eine weitere Attacke auf das Personal der Vereinten Nationen“. Mehrere ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates (das Vereinigte Königreich, Frankreich und Russland) betonten ihre Unterstützung für Guterres als Chef der UN.

Eigenen Angaben zufolge beschoss die israelische Armee (IDF) in der libanesischen Hauptstadt Beirut befindliche Stellungen der Hisbollah. Die Terrororganisation erklärte wiederum, nur die israelische Hafenstadt Haifa beschossen zu haben. Nach Darstellung der IDF wurden Safed und Ortschaften im Westen und Norden von Galiläa von rund 140 Raketen aus dem Libanon beschossen. Außerdem gab die israelische Armee bekannt, ihre Evakuierungsaufforderung für Gebiete im Süden des Libanon auf mehr als 20 Ortschaften ausgeweitet zu haben.

Bei ihrer Bodenoffensive im Südlibanon setzten die IDF in den Gefechten gegen die Paramilitärs der Hisbollah auch Kampfpanzer ein. Nach Angaben der im Libanon stationierten Terrororganisation fanden die Kämpfe bei der Ortschaft Adaisseh bzw. Adajseh statt. Die IDF meldete, dass dabei sieben Soldaten der Eliteeinheit Egoz gefallen seien; zuvor hatte die IDF bereits den Tod eines 22-Jährigen gemeldet.

Im Libanon waren nach Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Die Zahl der Binnenvertriebenen war nach libanesischen Regierungsangaben auf rund 1,2 Millionen angestiegen.

Bei israelischen Luftangriffen im Süden des Gazastreifens wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 60 Menschen getötet.

Syrische Staatsmedien berichteten von einem angeblichen israelischen Luftangriff auf Damaskus, durch den drei Zivilisten getötet worden seien.

3. Oktober Das israelische Militär warf der Hisbollah vor, aus Syrien Waffen in den Libanon zu schmuggeln. Das israelische Militär wies Bewohner der Stadt Nabatija sowie weiterer Dörfer im Südlibanon an, sich hinter den Fluss Nahr al-Awali in Sicherheit zu begeben.

Die Huthi griffen nach eigenen Angaben die israelische Großstadt Tel Aviv mit Drohnen an.

Nach libanesischen Angaben wurden innerhalb der drei vorherigen Tage mehr als 40 Rettungskräfte durch israelische Angriffe getötet. Die Angriffe hätten 9 Krankenhäuser, 45 weitere medizinische Einrichtungen und fast 130 Krankenwagen und Fahrzeuge der Feuerwehr getroffen. Laut den Vereinten Nationen wurden innerhalb eines Tages 28 Mitarbeiter des libanesischen Gesundheitssektors getötet. Die Meldung beruhte auf Daten des libanesischen Gesundheitsministeriums, die einer laufenden Verifizierung durch die WHO unterlagen. Drei Dutzend Gesundheitseinrichtungen im Südlibanon seien geschlossen. Die WHO habe Pläne aufgeben müssen, Hilfsgüter für medizinische Behandlungen in den Libanon einzufliegen, weil der Flughafen Beirut größtenteils geschlossen sei. Katar versprach, dem Libanon humanitäre Nothilfe zukommen zu lassen. Die EU gab bekannt, ihre Hilfe für den Libanon um 30 Millionen Euro auf 104 Millionen Euro zu erhöhen. Nach Angaben von Save the Children wurden etwa 20 Prozent der Bevölkerung im Libanon zu Binnenvertriebenen.

Eine im Jahr 2014 von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Irak entführte Jesidin wurde befreit, nachdem sie im Gazastreifen von mindestens einem Palästinenser und Hamas-Terroristen, der Verbindungen zum IS unterhielt, gefangen gehalten worden war.

Durch einen israelischen Angriff auf das Flüchtlingslager Tulkarem im Westjordanland wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 14 Menschen getötet.

4. Oktober Nach Angaben der israelischen Armee sind binnen eines Tages circa 230 Geschosse und einige Drohnen von der Hisbollah auf den Norden Israels abgefeuert worden. Das libanesische Gesundheitsministerium erklärte, es seien innerhalb eines Tages durch israelische Angriffe 37 Menschen getötet und 151 weitere verwundet worden. Die israelischen Streitkräfte bombardierten in der Nacht auf den 4. Oktober einen Gebäudekomplex in einem Vorort von Beirut, in dem sie ein Treffen hochrangiger Hisbollah-Führer vermuteten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) gab bekannt, dass die meisten der fast 900 Zufluchtsstellen im Libanon voll sind. Viele der vor den israelischen Angriffen Schutzsuchenden sind nach Angaben des UNHCR mittlerweile gezwungen, unter freiem Himmel zu schlafen. Es sei zu befürchten, dass sich die Situation mit dem nahenden Winter verschlimmere. Im Libanon stellten drei Krankenhäuser ihren Betrieb ein; sie begründeten dies jeweils mit Angriffen auf ihr Gebäude. Im Südlibanon stationierte UNIFIL-Truppen gaben bekannt, der Forderung Israels nach einer Verlegung aus dem Südlibanon nicht nachkommen. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Bodenoffensive im Südlibanon rund 250 Hisbollah-Kämpfer getötet.

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Café in der Stadt Tulkarm im Westjordanland sind nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mindestens 18 Menschen getötet worden. Die Hamas erklärte, dass durch den Angriff acht ihrer Mitglieder, darunter ein Kommandeur, getötet wurden. Das israelische Militär behauptete, von den 18 Getöteten hätten mindestens 12 der Hamas oder dem Islamischen Dschihad angehört.

Auf einer Pressekonferenz riet US-Präsident Joe Biden der israelischen Regierung in Bezug auf den iranischen Angriff auf Israel vom 1. Oktober von einem Vergeltungsangriff auf iranische Ölfelder ab. Zwei Tage zuvor hatte sich Biden gegen einen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen ausgesprochen.

Die islamischen Revolutionsgarden drohten, im Falle eines israelischen Angriffs auf Iran würden sie israelische Energie- und Gasanlagen angreifen.

Das US-Militär bestätigte, Angriffe im Jemen geflogen zu haben. Es habe 15 Ziele der Huthi bekämpft.

5. Oktober Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron gab bekannt, Frankreich werde Israel nur noch Verteidigungsausrüstung – insbesondere zur Raketenabwehr – liefern, und sprach sich dafür aus, die Lieferung von Waffen an Israel für die Kriegsführung in Gaza einzustellen. Macron erklärte sein Bedauern, dass sich in dem Konflikt nichts bewege trotz aller diplomatischen Bemühungen um einen Waffenstillstand: „Ich denke, dass wir nicht gehört werden, und ich halte es für einen Fehler, auch für die Sicherheit Israels.“ Daraufhin gab der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Folgetag ein Statement, in dem er Macrons Äußerung als „Schande“ bezeichnet. Auf das Statement folgte eine telefonische Unterredung zwischen Macron und Netanjahu.

Der diktatorisch regierende syrische Staatspräsident Baschar al-Assad lobte den am 1. Oktober verübten iranischen Raketenangriff auf Israel. Ende September hatte das israelische Militär die in einem Vorort von Damaskus gelegene Villa seines Bruders, Mahir al-Assad, aus der Luft angegriffen.

Die israelische Armee hat im Südlibanon eigenen Angaben zufolge weitere Tunnel der Hisbollah-Miliz und Waffenlager zerstört. Das israelische Militär flog außerdem Luftangriffe auf Beirut und auf den Norden Libanons. Das israelische Militär teilte außerdem mit, dass die Hisbollah rund 130 Geschosse auf Israel gefeuert habe.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi behauptete, Friedensverhandlungen zum Nahostkonflikt wieder in Gang setzen zu wollen.

6. Oktober