Tietz & Pinthus war ein 1919 in Magdeburg gegründeter Spiele- und Bilderbuchverlag; das ab 1922 in Nürnberg ansässige Unternehmen wurde auch als ABC Verlag bekannt. Der Besitzer Willi Pinthus verkaufte 1938 den Verlag an Georg Reulein und emigrierte in die Schweiz, wo er den Spiele- und Bilderbuchverlag Edition Carlit neu gründete. Reulein führte den ABC-Verlag bis Kriegsende als ABC Verlag Georg Reulein bzw. als ABC Spiele-Fabrik Georg Reulein; ab 1946 wurde daraus dann Noris-Spiele.

Tietz & Pinthus verwendete anfangs kein Logo, später wurde die Buchstaben „ABC“ in einer Raute als Logo verwendet. Viele Spiele wurden auch auf niederländisch herausgegeben, teilweise mit dem Logo „Amuso“.

Geschichte Kurz nach dem Ersten Weltkrieg begannen Richard Tietz und Willi Pinthus (1889–1956) in Magdeburg mit der Produktion von Spielen.Rudolph Rühle: Noris – Kommen und Gehen, Spielbox 4/2001, Ausgabe für September/Oktober, Seiten 28–30 Im Januar 1919 gründeten sie die Firma „Tietz & Pinthus. Spielwarenindustrie für Gesellschaft- und Beschäftigungsspiele“Magdeburg – In das Handelsregister Abteilung A ist heute eingetragen: 4) Die Firma „Tietz & Pinthus. Spielwarenindustrie für Gesellschaft- und Beschäftigungsspiele“ in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 17. Februar 1919, Seite 23, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 8. September 2025 Tietz stieg im Mai 1919 aus der Handelsgesellschaft aus und Pinthus wurde alleiniger Inhaber.Bekanntmachung 20616, Punkt 3 am 17. Mai 1919 in Magdeburg durch das Amtsgericht A. Abteilung 8, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger No. 118, Seite 23 am 24. Mai 1919, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024

Umzug von Magdeburg nach Nürnberg Im Februar 1922 zog Pinthus mit dem Unternehmen von Magdeburg nach Nürnberg, Schleiermacherstraße 6, wo es als „Tietz & Pinthus“ im Handelsregister eingetragen wurde.Bekanntmachung 116129, Punkt 2 am 28. Januar 1922 in Magdeburg durch das Amtsgericht A. Abteilung 8, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 31, Seite 20 am 6. Februar 1922, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024Bekanntmachung 127234, Punkt 16 am 17. Februar 1922 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 54, Seite 27 am 4. März 1922, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024 Im August 1923 gründete Pinthus zusammen mit Robert Kohn in der Oberen Kanalstraße 25 in Nürnberg „Tietz & Pinthus A B C Verlag GmbH“, welche die Geschäfte von Tietz & Pinthus fortführte; die Gesellschaft war auf zunächst zehn Jahre bis zum 31. März 1933 befristet.Bekanntmachung 56325, Punkte 10 und 11 am 17. August 1923 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 199, Seite 17 am 29. August 1923, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024 Im selben Jahr gründeten Pinthus und Kohn die „Edition Jbus GmbH“ für den Verlag und Vertrieb von Bilderbüchern.Bekanntmachung 85714, Punkt 19 am 23. November 1923 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 277, Seite 24 am 5. Dezember 1923, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024

Bei den ersten Spielen gab es keinen Hinweis auf den Hersteller. Bei den Kartenspielesammlern wurde durch Auswerten von Katalogen und Preislisten aus den 1930er Jahren ab etwa 2000 die Zuordnung der frühen Kartenspiele zu Tietz & Pinthus möglich. Ab 1923 wurde als Logo eine Raute mit den Buchstaben „ABC“ verwendet.

Der ab 1923 in Nürnberg ansässige, 1938 verstorbene Maler Richard Borrmeister hat diverse Spiele gestaltet.

1929/30 wurden vier Patente erteilt. Abgerufen am 7. Oktober 2025 Abgerufen am 7. Oktober 2025 Abgerufen am 7. Oktober 2025 Abgerufen am 7. Oktober 2025

Wurden die Spiele ab 1923 mit „Tietz & Pinthus A B C Verlag G. m. b. H. Nürnberg“ beschriftet, entfernte man in den 1930er Jahren die jüdischen Namen Tietz und Pinthus und beschriftete die Spiele nur mit „A B C Verlag G. m. b. H. Nürnberg“.

Im April 1933 wurde Kohn durch den Kaufmann Hermann Willy Schladitz als Geschäftsführer ersetzt;Bekanntmachung 5092, Punkt 8 am 13. April 1933 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 95, Seite 16 am 24. April 1933, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024 Schladitz schied aber bereits im September 1933 wieder aus.Bekanntmachung 41529, Punkt 12 am 15. September 1933 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 222, Seite 14 am 22. September 1933, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024

Arisierung

1938 wurde das Unternehmen von Georg Reulein gekauft. Am 6. Juli 1938 wurde die Gesellschaft aufgelöst und war in Liquidation getreten.Nürnberg. Bekanntmachung. Handelsregister. Veränderungen: B 177 – 6. 7. 1938 – Tietz & Pinthus ABC Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Deutscher Reichsanzeiger Nr. 161, zweite Beilage, vom 14. Juli 1938, abgerufen auf digi.bib.uni-mannheim.de am 5. Oktober 2025

Am 20. September 1938 erfolgte im Handelsregister eine Neueintragung „ABC Verlag Georg Reulein Spielefabrik“ in Nürnberg, Tränkstraße 22; der Geschäftsinhaber war der Kaufmann Georg Reulein aus Fürth.Handelsregister – Neueintragungen – A 1004 am 23. September 1938 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 227, Seite 18 am 29. September 1938, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024 Das Logo mit „ABC“ in einer Raute wurde weiterverwendet. Im März 1941 wurde der Name in „A B C Spiele-Fabrik Georg Reulein“ geändert.Bekanntmachung Nürnberg 54172 – Handelsregister – Veränderungen – A 1004 am 21. März 1941 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 73, Seite 12 am 27. März 1941, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024 Aus dem Unternehmen wurde im Juni 1942 nachträglich ab 1. Januar 1942 eine OHG, bei der Kurt Beer und Heinrich Boesner als Gesellschafter beigetreten sind.Nürnberg – Bekanntmachungen – Handelsregister – Veränderungen – A 1004 am 25. Juni 1942 am 26. Juni 1942 in Nürnberg durch das Amtsgericht – Registergericht, veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 155, Seite 27 am 6. Juli 1942, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 28. Dezember 2024

Pinthus emigrierte in die Schweiz und gründete 1939 mit Hilfe des befreundeten jüdischen Inhabers der Firma „Lithographie- & Cartonnage A. G.“ in Zürich den Verlag Edition Carlit, welcher Bilderbücher und Spiele für den schweizerischen Markt verlegte.

Der „Tietz & Pinthus A B C Verlag“ in Nürnberg wurde am 23. März 1940 von Amts wegen gelöscht.Nürnberg – Bekanntmachung – Handelsregister – Erloschen: B 177 – 23. 3. 1940 – Tietz & Pinthus ABC Verlag, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Liquidation in Nürnberg in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 9. April 1940, Seite 18, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 8. September 2025

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Unternehmen von Georg Reulein mit der Marke „Noris“ fortgeführt. Die ab 1964 in Fürth geführte Handelsgesellschaft „A B C Spiele-Fabrik Georg Reulein“, bestehend aus Heinrich Boesner und Marie Feulner geb. Boesner, wurde 1979 aufgelöst.Handelsregistereintrag HRA 3459 beim Amtsgericht Fürth, abgerufen auf handelsregister.de am 11. Oktober 2025

Ludographie