mini|Pfarrkirche St. Erasmus von der Neckarbrücke aus gesehen Die Pfarrkirche St. Erasmus ist die ehemalige Hauptkirche der römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Erasmus im vormaligen Pfarrdorf Pfauhausen, das heute in Wernau (Neckar) aufgegangen ist, und ein Wahrzeichen dieser Stadt.

Heute ist sie eine der beiden Pfarrkirchen der katholischen Gesamtkirchengemeinde Wernau.

Kirchenpatron ist der Bischof und Märtyrer Erasmus von Antiochia, einer der vierzehn Nothelfer. Sie ist die einzige Erasmus-Pfarrkirche in ganz Württemberg und eine der wenigen im ehemaligen Bistum Konstanz. Das Erasmuspatrozinium der Kirche wird erstmalig 1428 erwähnt.

Die verbliebenen mittelalterlichen, 1882 teilweise neugotisch renovierten Bauteile der alten Kirche sind wichtige bauhistorische und ortsgeschichtliche Zeugnisse für Wernau.

Vorgängerbauten Die Gründung der St. Erasmus-Kirche als Wehrkirche geht in das Hochmittelalter zurück. Sie erfolgte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Burg des Ortsadels, die gegenüber auf dem benachbarten Hügel lag. Aus dieser Zeit hat sich der Turm mit seinen romanischen Stilelementen (Biforien) erhalten. Ihre Lage auf einem flachen Sporn zwischen Neckar und Bodenbach bot günstige Voraussetzungen für eine Wehranlage, von deren Mantelmauer nur die einst als Basis dienende Futtermauer stellvertretend erhalten geblieben ist. Diese stützte zum Graben der gegenüberliegenden Burg hin ab.

Beim Kirchenschiff handelte sich ursprünglich um eine romanische Saalkirche, wie sie beispielsweise in der Alten Pfarrkirche von Hedelfingen, die aus derselben Epoche stammt, noch erhalten ist. Auf alten Abbildungen lässt sich noch das romanische Doppelfenster unterhalb der Empore erkennen, das bis zum Teilabriss der Kirche in den 1960er Jahren erhalten war.

Pfarrei- und Baugeschichte

Pfarrkirche Pfauhausen

Patronat der Hochschlitz von Hausen und Inkorporation in das Stift Heilig Kreuz Die früheste gesicherte Erwähnung der Pfarrei und damit der Pfarrkirche ist im Liber decimationis aus dem Jahre 1275 überliefert. Allerdings wird in einer Urkunde, die aus der Regierungszeit des Bischofs Eberhard II. von Konstanz stammt und um das Jahr 1263 datiert wird, ein Pfarr-Rektor von Hausen (rectori ecclesie in Husen) erwähnt. Dieses Hausen wird als Pfauhausen vermutet, welches wohl ursprünglich mit dem naheliegenden Wendlingen und seiner Pfarrkirche St. Eusebius (et ecclesiam vestram et ecclesiam in Wendelingen) eine Pfarrei bildete. Diese gehörte zum Ruralkapitel Owen (später Kirchheim) im Archidiakonat Reutlingen oder „auf der Alp“ und stand ab dem Spätmittelalter in enger Verbindung zum Ortsadel von Pfauhausen. So ist im Jahre 1306 ein Wolfram von Hochschlitz als Patronatsherr der Kirche zu Pfauhausen genannt. Ebenso diente das Gotteshaus als Grablege dieser Familie wie die Chronik aus dem Jahre 1494 berichtet, dass unter einem Stein einer von Hochschlitz begraben liege, „welches Wappen gar alt ist“. Bedeutendster Vertreter aus dieser Familie ist der Bischof von Augsburg Walther II. von Hochschlitz, der aus Pfauhausen stammte.

1363 wurde der Widdumhof, der Kirchensatz und die Kirche von einem Kuno von Münchingen an das Kollegiatstift Heilig Kreuz (Stuttgart) verkauft, dem es schließlich im Jahre 1421 durch Bischof Otto von Hachberg inkorporiert wurde. Im Jahre 1414 erfolgte die Stiftung eines Frühmessbenefiziums St. Marien, das 1804 der Pfarrkirche inkorporiert wurde. Diese Urkunde ist deshalb von Bedeutung, weil in ihr die drei Zelgen der Markung Pfauhausen aufgeführt sind. Noch Mitte des 15. Jahrhunderts muss am Burggraben das der Kirche zugehörige Pfarrhaus gestanden haben.

Verkauf der Kirche mit Patronat an die Herren von Wernau (1486) Im Jahre 1486 unter Propst Ludwig Vergenhans, einem der engsten Berater Graf Eberhards im Bart, veräußerte das Stift den Besitz um 1000 Pfund Heller an die Brüder Wilhelm, württembergischer Hofrichter und Hofmeister der Gattin Eberhards Barbara Gonzaga, und dem Edelknecht Ludwig († 1498) aus dem Geschlecht derer von Wernau. Diese hatten bereits nach 1474 die gegenüberliegende Burg mit Dorf und allen Rechten erworben, so dass für die folgenden zwei Jahrhunderte die Geschichte von Kirche und Gemeinde eng mit dieser Familie verbunden war. Von letzterem, dem Neffen Fürstabts Pilgrims II. von Wernau und Vetters Johannes I. von Wernau, berichtet die Chronik, „ward ... die Kürch zue Pfauhausen gebessert und zum Teil gemalt“. Aus dieser Zeit datiert die erhaltene spätgotische Mondsichelmadonna, die der Ulmer Schule zugeschrieben wird.

1591 berichtet der Chronist Valentin Salomon von Fulda, dass er „hinden an der Althar Tafeln acht knieender Manß- und Weibsbilder auf- und abgezeichnet“ habe. Mit den Herren von Wernau als Orts- und Patronatsherren der Kirche, die als kaisertreue Reichsritter beim katholischen Glauben blieben, ging die Reformation an Pfauhausen mit seiner Pfarrkirche ebenso wie an den anderen Besitzungen in Unterboihingen und am oberen Neckar vorüber.

Einen Eindruck vom Bauzustand des Ensembles mit Schloss vor dem Dreißigjährigen Krieg liefert die Darstellung auf der Karte des Kirchheimer Forsts von Georg Gadner aus dem Jahre 1589. Sie zeigt den Turm mit dem für diese Zeit typischen Turmhelm auf einem quadratischen Obergeschoss.

Übergang durch Erbschaft an die Familie Rotenhan (1696) Nach dem Tod des letzten männlichen Nachkommen, Johann Georgs von Wernau, im Jahre 1696 fiel der Ort mit Kirche und Schloss durch die Heirat seiner Nichte Maria Elisabeth von Wernau an Joachim Ignatius von Rotenhan. Dessen Sohn Karl Alexander von Rotenhan, fürstbischöflich bambergischer Oberhofmeister, beabsichtigte allerdings einen Verkauf der Güter am mittleren Neckar. Aus dieser Zeit stammt der noch erhaltene barocke Taufstein von 1766.

Verkauf an das Hochstift Speyer (1769) So kaufte im Jahr 1769 der verwandte Fürstbischof Kardinal Franz von Hutten die katholischen Herrschaften Neuhausen und Pfauhausen, wodurch der Ort mitsamt der Kirche und Schlossanlage in den Besitz des Hochstifts Speyer gelangte.

Bistum Rottenburg Stuttgart im Königreich Württemberg (1821) Nachdem Übergang des Ortes Pfauhausen an Württemberg durch einen Staatsvertrag mit Baden im Jahre 1806 gelangte die katholische Pfarrei in das 1821 neu gegründete Bistum Rottenburg-Stuttgart. Eine Ansicht der Kirche im Bauzustand vor der Erweiterung im Jahre 1882 aus östlicher Richtung findet man auf dem Landschaftsgemälde „Pfarrdorf Pfauhausen am Neckar Fluße“ von Carl Ebert aus dem Jahre 1847.

Erweiterung der Kirche und Ausgestaltung im neugotischen Stil (1882) Im späten 19. Jahrhundert entstand unter Einbeziehung des Turms der ursprünglichen Wehrkirche sowie des Längsschiffs aus romanischer Zeit und des gotischen Chores, mit dem die Kirche bei einem früheren Umbau (wohl vor 1472 unter Hans von Wernau) nach Osten erweitert worden war, eine neue Kirche, die im Wesentlichen im neugotischen Stil gestaltet wurde. Ein Gedenkstein am alten Turm erinnert an die für 29.000 Mark durch den Werkmeister Eduard Conrad Batzill aus Neuhausen durchgeführte Erweiterung und Renovierung „im Jahre des Heils 1882“.

Umgestaltung des Innenraumes (1937–1941) Im Jahre 1937 wurden die neugotischen Altaraufbauten entfernt. Die Wände hinter den Seitenaltären erhielten Fresken mit zahlreichen Heiligenbildern von E. P. Zimmermann. In den Chor – die heutige Sakramentskapelle – kamen kunstvolle Farbglasfenster von Wilhelm Geyer.

Neubau der Kirche unter Einbeziehung von Turm und Chor der Vorgängerkirche (1960–1963) Die heutige Kirche wurde am 1. September 1963 von Bischof Carl Joseph Leiprecht geweiht. Sie wurde vom Architekt Josef Denzinger entworfen und unter Leitung von Architekt Alfons Denzinger erbaut. Turm und Chorraum der Vorgängerkirche wurden dabei unter Auflage des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg in den Neubau integriert.

Im Bautypus einer Hallenkirche ist die Kirche in eine für die 60er Jahre typischen Beton-Skelettbauweise errichtet worden. Das Kirchenschiff, das quer zur geosteten alten Kirche eingefügt wurde, ist eine von farbigem Licht durchflutete hohe Halle, die Platz für 400 Personen bietet mit einem 32 m hohen Turm an der Südostseite und einem Chorraum mit Sakristei an der südwestlichen Ecke. Das Hauptportal an der Nordseite ermöglicht den Zugang zu Kirche, der ehemalige Hauptzugang erfolgte über das Westportal und die Vorhalle im Untergeschoss des alten Turms. In seiner Größe damals einzigartig war der Hochaltar aus Travertin, mit einem Gewicht von ca. 9,5 Tonnen. In ihm ruhten eingemauert die Reliquien der heiligen Prosperus und Donatus.

in den Jahren 1990/91 erfolgten Planungen für eine Renovierung durch das Architekturbüro Perlia, Schliebitz und Schwarz aus Stuttgart. Durchgeführt wurde hiervon aber nur die Außensanierung und der Einbau der neuen Sakristei in den ehemaligen westlichen Seitenchor.

Umgestaltung des Innenraums (2006) Bei der letzten Innenrenovierung im Jahre 2006 wurde der Altarraum durch das Architekturbüro von Gerold Reutter entsprechend den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet. Während dieser Zeit diente der Saal unter der Kirche als „Baustellenkirche“. Die Weihe des neuen Altars erfolgte durch Weihbischof Johannes Kreidler am 1. Adventsonntag, den 3. Dezember 2006.

Zukunft der Kirche nach 2030 Im Rahmen des Projekte „Räume für eine Kirche der Zukunft“, das von der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufgesetzt wurde, wird die Kirche nach 2030 einem neuen Verwendungszweck zugeführt. Die Kirche St. Erasmus soll als sogenannte „Depotkirche“ unter anderem zur Aufbewahrung von Reliquien und religiösen Kunstschätzen erhalten werden.

Alter Turm Im alten Turm sind drei Stilrichtungen harmonisch miteinander verbunden. Das Bauwerk ist ein viergeschossiger Turm in Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung und Wasserschlägen.

Der untere Teil des romanischen Wehrturms besteht aus zwei Geschossen. Zur ebenen Erde erstreckt sich die sogenannte Turmhalle in Form eines eingewölbten Raumes. Der frühere Eingang zur alten Kirche in Form eines Stabwerkportals mit seinem gotischen Bogen wurde erst in späterer Zeit eingebaut. Das obere Stockwerk ist jeweils auf der West- und Nordseite mit Biforien versehen. Deren Mittelsäulen tragen das für die Spätromanik typische Würfelkapitell. Auf der Südseite ist das entsprechende Fenster mit einem gotischen Spitzbogen ergänzt, die Mittelsäule existiert nicht mehr. Darunter weist der Turm in zwei Ebenen Schießscharten, letztlich in Form von Schlüssellochscharte auf.

Darauf wurde ein achteckiges spätgotisches Stockwerk als Glockenstuhl gesetzt. Krönender Abschluss ist eine barocke Glockenhaube aus dem 17. Jahrhundert, die das Patriarchenkreuz trägt.

Gedenkort im alten Turm Am Fuß des Turmes, wo der frühere Eingang zur Pfarrkirche war, ist in der Vorhalle ein Ort des Gedenkens eingerichtet. Im ehemaligen gotischen Türbogen zur Kirche steht eine Pietà. An den Wänden rechts und links sind hölzerne Gedenktafeln für die Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges angebracht. Eine Besonderheit sind die schlichten Holztafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurden von Gemeindemitgliedern während des Krieges in Laubsägearbeit gefertigt.

Innenraum und Einrichtung Sakramentskapelle