Die Haller Mauern sind ein Gebirgszug der Nördlichen Kalkalpen in der nördlichen Steiermark und im südlichen Oberösterreich. Sie erreichen ihren höchsten Punkt im Großen Pyhrgas mit Die Haller Mauern sind eine Untergruppe der Ennstaler Alpen und bilden deren nordwestlichen Abschluss. Der landschaftsprägende Hauptkamm besteht vorwiegend aus Dachsteinkalk und ist stark verkarstet. Die Hochlagen sind weitgehend naturnah, bieten Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und stehen größtenteils unter Naturschutz. Eine Vielzahl von Bergweiden dient der Almwirtschaft, die mit dem Wandel der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert jedoch stark zurückging. Durch Schutzhütten und ein großes Wegenetz sind die Haller Mauern für den Tourismus erschlossen. Das Gebirge ist nach dem Ort Hall bei Admont benannt, in dessen Umgebung bis ins 16. Jahrhundert Salz gewonnen wurde.
Geographie Umgrenzung Die Nordgrenze beginnt bei Windischgarsten und folgt dem Dambach nach Osten über den Hengstpass entlang des Laussabachs nach Altenmarkt bei Sankt Gallen. Im Osten bilden die Enns bei Weißenbach, der Buchauer Bach und die Linie Buchauer Sattel bis Admont die Grenze. Die Enns ist auch die Südgrenze von Admont flussaufwärts bis Liezen. Von dort folgt der Grenzverlauf dem Pyhrnbach nordwärts über den Pyhrnpass entlang der Teichl bis nach Windischgarsten.
Die Haller Mauern besitzen eine maximale Ausdehnung zwischen dem Pyhrnpass im Westen und Altenmarkt im Osten von 28 Kilometern und von Nord nach Süd von 18 Kilometern. Das Gebirge umfasst eine Gesamtfläche von etwa 288 km².
Zuordnung Nach der Landschaftsgliederung der Steiermark und der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) gehören die Haller Mauern zu den Ennstaler Alpen (AVE 16). Das kann sich vom alltäglichen Sprachgebrauch unterscheiden, in dem der Begriff Gesäuseberge oft synonym für die Ennstaler Alpen verwendet wird. Nach der Oberösterreichischen Raumgliederung gehören sie zu den Kalk-Hochalpen. Traditionell-landschaftlich gehört der Raum zur Eisenwurzen. Verwaltungsmäßig ist das Gebiet auf die Bezirke Kirchdorf (Nordwesten) und Liezen (Süden und Osten) aufgeteilt.
Verkehr mini|Die Pyhrnbahn bei Windischgarsten mit dem IC 600 Bosruck. Im Hintergrund die Haller Mauern mit dem Kleinen und Großen Pyhrgas Im Norden verläuft die Hengstpassstraße L550 von Windischgarsten bis nach Altenmarkt bei Sankt Gallen. Sie hat ihren höchsten Punkt am Hengstpass . Im Südosten verbindet die Buchauer Straße B117 Altenmarkt bei Sankt Gallen über den Buchauer Sattel mit Admont. Im Süden befindet sich die Gesäuse Straße B146 und verbindet Liezen mit Admont. Im Westen verläuft die Pyhrn Autobahn (A 9), und die Haller Mauern sind über die Anschlüsse Spital am Pyhrn und Ardning erschlossen. Parallel zur A 9 verläuft die Pyhrnbahn. A9 und die Pyhrnbahn unterqueren mit dem Bosrucktunnel den Bergstock des Bosrucks. Entlang der Westgrenze verbindet die Pyhrnpass Straße B138 Liezen im Süden mit Spital am Pyhrn im Norden. Sie hat ihren höchsten Punkt am Pyhrnpass . Im Norden führt eine asphaltierte Straße bis zur Bosruckhütte, im Süden bis zur Ardningalm. Besonders das bewaldete Gebiet ist durch ein langes Netz von Forststraßen erschlossen. Diese sind meistens für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Auf einigen ist das Befahren mit Fahrrädern gestattet.
Gliederung Die Haller Mauern gliedern sich in einen Hauptkamm mit mehreren Nebenkämmen. Der Hauptkamm erstreckt sich zwischen dem Pyhrnpass im Westen und dem Buchauer Sattel im Osten. Er bildet einen sanft geschwungenen, gegen Norden konvexen Bogen, der das südlich gelegene Mühlauer Tal mit dem Ort Hall umrahmt. Die Haller Mauern im engeren Sinn bilden die Gipfel im Kammverlauf zwischen Pyhrgasgatterl und Grabnertörl. Im Nordosten bildet das Große Maiereck den bedeutendsten Nebenkamm des Gebirges.
Topographie mini|Topografische Karte der Haller Mauern Typisch für die Haller Mauern sind der Hauptkamm mit Hochgebirgs- und die Seitenkämme mit Mittelgebirgscharakter. Der Hauptkamm steigt im Westen vom Pyhrnpass steil zum Bosruck an und verläuft über das Karleck hinunter zum Pyhrgasgatterl Von dort streicht der Kamm nach Norden zum Großen Pyhrgas, mit die höchste Erhebung der Haller Mauern. Vom Großen Pyhrgas setzt sich der Gebirgszug nach Osten mit einem ausgeprägten Grat fort, in dessen Verlauf sich Scheiblingstein , Kreuzmauer , Hochturm , Kesselkargrat , Hexenturm und Natterriegel befinden, bevor der Kamm zum Grabnertörl abfällt. Östlich des Grabnertörls sind die Gipfel deutlich niedriger und überschreiten nicht mehr Dort befinden sich Grabnerstein und der Große Leckerkogel Durch den tiefen Einschnitt der Admonter Höhe ist im Nordosten das Große Maiereck vom Hauptkamm getrennt.
Im Süden ist der Hauptkamm durch steile Wandabstürze geprägt, während im Norden tief eingeschnittene Kare und lange Seitengrate das Landschaftsbild prägen. Der Grat zwischen Holzerkar und Eiskar endet beim Kleinen Pyhrgas Der Mannsberg bildet den Endpunkt eines langen Seitengrats, der über die Laglmauer vom Scheiblingstein nach Norden zieht. Die Kreuzmauer ist mit einem nach Norden verlaufenden Grat mit dem Langstein verbunden.
Gewässer mini|Oberlauf des Dambachs bei Leopolden. Im Hintergrund der Langstein Das Gebiet nordwestlich des Hauptkamms entwässert über die Teichl (mit ihren Zubringern wie dem Dambach) in die Steyr. Das restliche Gebiet entwässert in die Enns. Im steilen Gelände der Kalkhochalpen sind fast ausschließlich rasch abfließende Bäche mit naturbelassener, felsiger oder grobblockiger Sohle und steilen Böschungen in Kerbtälern zu finden. Die Ufer der Oberläufe sind bis auf wenige Ausnahmen unverbaut und naturnah. Obwohl die Gebirgsbäche durchwegs stark geschiebeführend sind, kommt es nur kleinflächig, zumeist in Talnähe zur Ausbildung größerer Schotterflächen, wie am Eßlingbach. In den Unterläufen der Bachtäler sind große Abschnitte zum Schutz der Siedlungen und Straßen durch Querbauwerken und Geschiebesperren in ihrem Abflussverhalten wesentlich verändert worden. In einigen Fällen sind längere Ufer- und Sohlverbauungen vorhanden.
Geologie Tektonik mini|hochkant|Nach Norden einfallender gebankter Dachsteinkalk des Kleinen Pyhrgas Die Haller Mauern bestehen aus mehreren tektonischen Einheiten des Oberostalpins, wobei der Großteil von Decken des Tirolikums eingenommen wird. Die Gesäuse-Decke bildet den Hauptkamm, wobei diese nach Norden einfällt und die Schichtköpfe am Südrand zu Tage treten. Die Warscheneck-Stirnschuppe bildet die deutlich niedrigeren Berge nördlich davon. Der Bereich von der Basis der Südabstürze bis zur Enns gehört zur Admont-Schuppenzone. Auf dieser liegen die Bosruck-Deckscholle und die Karleck-Deckscholle, die beide dem Juvavikum zugeordnet werden. Ablagerungen der Gosau-Gruppe treten nur in einem schmalen Bereich am Nordrand zu Tage.
Das Gebiet ist von mehreren tektonischen Störungen durchzogen. Die wichtigste ist die SEMP-Störung (Salzach-Ennstal-Mariazell-Puchberg), die durch das Ennstal in West-Ost-Richtung verläuft. Bei Hall zweigt die Weyer-Störung ab und zieht über den Buchauer Sattel weit ins oberösterreichische Ennstal hinein. Die Pyhrn-Störung befindet sich nördlich des Bosrucks bis zum Pyhrgasgatterl. Im Bereich der SEMP-Störung treten regelmäßig Erdbeben auf. Zuletzt ereignete sich dort am 20. Jänner 2021 ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 4,5. Das Epizentrum lag einige Kilometer westlich von Admont im Gemeindegebiet von Ardning.
Lithostratigraphie Lithostratigraphisch bestehen die Gesteine der Haller Mauern überwiegend aus mesozoischen Kalken und Dolomiten der Trias, die vor rund 250 bis 200 Millionen Jahren abgelagert wurden. Salzführendes Haselgebirge (Perm) und Werfen-Formation (Untertrias) bilden die Basis des Gebirges. Haselgebirge tritt vor allem im Bereich des Ortes Hall auf, wo sich am Leichenberg die historische Salzgewinnung befand; der breite Pleschberg besteht überwiegend aus Quarzsandstein der Werfen-Formation. Der Bosruck besteht aus Wettersteinkalk (Ladinium bis Unteres Karnium). Den Sockel des Hauptkamms bilden Wettersteindolomit (Ladinium bis Unteres Karnium) und Dachsteindolomit (Oberes Karnium bis Norium), die durch ein Band aus nordalpinen Raibler Schichten (Karnium) getrennt sind. Diese Tonsteine treten besonders im Bereich der Forchner- und Grabneralm zu Tage. Die Gipfelregion der Haller Mauern bildet gebankter Dachsteinkalk (Norium bis Rhaet).
Gesteine des Jura spielen im Gebiet eine untergeordnete Rolle. Ausnahmen bilden Raucherschober und Schafkogel, die aus Kalken der Oberalm-Formation (Kimmeridgium) bestehen. Kreidezeitliche Ablagerungen befinden sich mit der Gosau-Gruppe nur am Nordrand des Gebiets, etwa am Moosgierler Berg und im Bereich der Wasserbauernreith.
Hydrogeologie mini|hochkant|Die Dr.-Vogelgesang-Klamm Die tiefgründig verkarsteten Kalke entwässern größtenteils unterirdisch. So befinden sich in den Hochlagen keine Seen oder größere oberflächlichen Abflüsse. Der Großteil des Regen- und Schmelzwassers versickert in den Spalten und Dolinen des Kalkgesteins und sammelt sich in Kluft- und Höhlensystemen. Die Kalke werden von wasserstauenden Werfener Schichten und Haselgebirge unterlagert. Diese tonig-mergligen Ablagerungsgesteine erzwingen zahlreiche Quellaustritte.
An der Nordseite des Bosruck befindet sich die Dr.-Vogelgesang-Klamm, die längste Klamm Oberösterreichs und die nach der Tiroler Leutaschklamm zweitlängste erschlossene Felsklamm Österreichs. Direkt am oberen (südlichen) Beginn der Klamm bildet eine Verwerfung die Grenze zwischen weichen Werfener Schichten und Dachsteinkalk. Der Klammbach (Fallbach) konnte das weiche Gestein erodieren, während der harte Kalk erhalten blieb, was zur Entstehung der Klamm führte.
Ehemalige Vergletscherung mini|Blick vom Scheiblingstein auf das tief eingesenkte Eiskar zwischen Kleinem Pyhrgas und Laglmauer Die Haller Mauern waren in der Eiszeit während der Kaltzeiten immer vergletschert, wobei am Höhepunkt der jeweiligen Vereisung große Eismassen die Täler erfüllten und nur noch die höchsten Gipfel als Nunatakker aus den Eisströmen herausragten. An den Flanken schürfte das Eis Kare und Trogtäler aus. In den Tälern entstanden Zungenbecken, die heute oft von wasserstauenden Moränenresten und in der Folge Mooren ausgefüllt sind. Insbesondere während der vorletzten Kaltzeit (Riß-Kaltzeit) war das Gebiet von ausgedehnten Eisströmen bedeckt. Im Riß drang der mächtige Ennsgletscher über den Pyhrnpass und den Buchauer Sattel weit nach Norden vor. Die Vergletscherung im Becken von Windischgarsten und an der Nordseite der Haller Mauern war so stark, dass das Gebiet um den Hengstpass völlig von Eis bedeckt wurde.
Während der letzten Kaltzeit (Würm-Kaltzeit) war die Vergletscherung deutlich geringer. Die Gletscher der Südseite der Haller Mauern flossen direkt dem Ennsgletscher zu. Das Eis reichte im Mühlauer Tal bis , am Buchauer Sattel bis Im Westen konnte der Ennsgletscher den Pyhrnpass noch mit einer Mächtigkeit von 350 Metern überschreiten und speiste den Teichl-Ferngletscher, der das Windischgarstner Becken erfüllte. Im Holzer- und Eiskar bzw. Winklerkar bildeten sich erneut kräftige Lokalgletscher, deren Zungen sich mit dem Ferneis vereinten. Aus dem Laglkar floss ebenfalls ein Lokalgletscher, der aber den Teichl-Ferngletscher nicht mehr erreichte.
Höhlen mini|Blick aus der Wildfrauenhöhle Die Höhlen in den Haller Mauern werden in mehreren Untergruppen des Österreichischen Höhlenverzeichnisses verwaltet. Mit Stand 2024 sind rund 25 Objekte bekannt.