Die Arbeitsgemeinschaft Diehl Nammo ist eine Wirtschaftskooperation zwischen Diehl Defence und Nammo zur Massenproduktion von 155-mm-HEER-Artilleriegeschossen, in Kurzform ARGE DiNa 155 mm oder DiNa.

Struktur des Projekts Moderne Artilleriemunition bestehen aus vier wesentliche Komponenten, die unterschiedliche Anforderungen in der Technologie und Produktion haben: Geschossmantel aus hochfestem Stahl Sprengstofffüllung aus insensitivem Sprengstoff Treibladungen auf der Basis von Nitrozellulose Zünder unterschiedlicher Art Optionaler Base-Bleed

Das 155 mm Artilleriegeschoss NM269 wurde Anfang der 2000er-Jahre bei den norwegischen Streitkräften eingeführt und bei weiteren Streitkräften steht eine Beschaffung an. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 ist der Bedarf an Artilleriemunition weltweit stark gestiegen. Beide Unternehmen sind jeweils auf ihrem Spezialgebiet führend in ihrer Technologie, sind jedoch aufgrund ihrer Finanzkraft und begrenzten Technologiebasis alleine nicht fähig eine Massenproduktion zu unterhalten.

Nammo hat große Erfahrung im Bereich der Produktion von Geschossen, Sprengstoffen, Treibladungen und Explosivstoffen aller Art. Nammo wird demnach für die Anlagen zur Herstellung des Sprengstoffs und der Treibladungen verantwortlich sein. Die Zusammenarbeit mit Chemring Nobel AS und Dynamit Nobel Defence wird die Herstellung des Sprengstoffs, der Treibladungen und die Füllung für den Base-Bleed in Deutschland ermöglichen. Seit 2022 hat sich immer wieder die Beschaffung von insensitiven Explosivstoffen für die Füllung der Artilleriegranaten als Engpass bei der Aufweitung der Produktion herausgestellt.

Diehl wiederum ist seit langem ein weltweit führender Hersteller und Entwickler von Zündern unterschiedlichster Arten und ist im Rahmen von DiNa auch verantwortlich für die Produktion des Geschossmantels. Diehl hat Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von intelligenter Artilleriemunition und entwickelte die Munitionsfamilie Vulcano in Kooperation mit Leonardo und SMArt 155 in Kooperation mit Rheinmetall. Die Produktion und Lieferung der Zünder erfolgt durch die Diehl-Tochter Junghans Microtec. Die Zünder sind das technologisch am weitesten fortgeschrittene Teil eines Artilleriegeschosses.

Verträge und Ausbau der Produktion Im Juni 2023 wurde ein Rahmenvertrag mit der deutschen Bundesregierung abgeschlossen, der die Option zur Lieferung von 350.000 DiNa 155mm IM-HEER Geschossen bis 2029 vorsieht, dem entspricht eine Liefermenge von 70.000 Stück pro Jahr, darin enthalten ist die Lieferung der notwendigen Treibladungen und Zünder. Ein Teil davon war eine erste Lieferung von 4.700 Stück für 27,3 Millionen €, die bis 2025 in die Ukraine geliefert wurden.

Der bestehende Rahmenvertrag wurde im Juni 2024 substanziell erweitert. Die vereinbarten Mengen und Preise wurden nicht veröffentlicht, es handelt sich aber dabei nach den Firmenangaben um den größten Auftrag über konventionelle Artilleriemunition in der Firmengeschichte. Nach Angaben von Hartpunkt.de hat der Rahmenvertrag ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Euro und umfasst die Lieferung von bis zu 2,35 Millionen kompletten Artillerieschüssen, bestehend aus Geschoss, Treibladung, Treibladungszünder und Zünder. Der erste Schritt umfasst die Lieferung von 200.000 Geschossen, Treibladungen und Zündern im Wert von etwa 1,3 Milliarden Euro, die bis 2030 ausgeliefert werden sollen.

Der neue Vertrag bildet die Grundlage für den Ausbau einer nationalen Fertigungslinie. Für die neuen Produktionslinien wurde ein Standort im Spreewald nahe Lübben gewählt, das ehemalige Spreewerk Lübben. Dort bestanden bereits die notwendigen Genehmigungen für die Produktion, Verarbeitung, Lagerung und Entsorgung von Munition und Sprengstoffen. Es soll eine moderne Anlage zum Gießen von insensitiven Sprengstoffen und TNT gebaut werden. Es gibt dort Munitionsbunker für die sichere Lagerung der Vorprodukte und fertigen Munition in großem Umfang und es besteht auch die Möglichkeit für eine zukünftige Expansion.

Kurskorrekturzünder Ein Teil der in den Verträgen genannten Kosten beziehen sich auf die Lieferung von kostenintensiven Kurskorrekturzündern mit GNSS vom Typ 2DGMArt. Diese werden von Junghans Microtec geliefert. Der Kurskorrekturzünder macht das Artilleriegeschoss zu Präzisionsgelenkter Munition, die sich selbst ins Ziel steuert. Dabei wird unabhängig von der Schussdistanz ein Streukreisradius von 10 bis 30 m erzielt. Die Vorteile kommen insbesondere bei reichweitengesteigerter Munition zum Tragen, bei der bedingt durch außenballistische Einflussfaktoren die Streuung überproportional zur Schussweite zunimmt. Der Einsatz von Kurskorrekturzündern kann die Bedingungen für den Einsatz von Rohrartillerie ändern. Zuvor wurde die Artillerie als Flächenwaffe gegen bestimmte Flächen eingesetzt, dabei wurde die Streuung miteingeplant und mit mehr Schüssen die Wahrscheinlichkeit auf wirksame Treffer erhöht. Mit mehr Präzision eröffnet sich immer mehr der Einsatz als Punktzielwaffe, mit der auf große Entfernung einzelne Ziele bis hin zu einzelnen Fahrzeugen mit wenigen Schüssen bekämpft werden können. Als Nachteil der Kurskorrekturzünder ist ein Reichweitenverlust von rund 10 % aufgrund des erhöhten Strömungswiderstandes.

Einzelnachweise

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