mini|hochkant|Otto Leppin (1892) Otto Leppin (* 12. November 1850 in Spandau; † 29. Juli 1937 in Köln) war ein deutscher Architekt zwischen Historismus und Jugendstil. Er wirkte in Iserlohn von 1882 bis 1916 und ab 1916 in Köln.

Leben Otto Leppin war der Sohn des Töpfermeisters und Ofenbauers Carl Daniel Leppin. Nach dem Besuch der Schule und des Gymnasiums in Spandau studierte er an der Bauakademie in Berlin. Nach dem Studium war der junge Architekt als Baumeister für die Kaiserliche Deutsche Reichspost tätig und errichtete Postämter. Von 1882 bis 1886 begleitete er als bauleitender Architekt den Bau des Hauptpostgebäudes in der Iserlohner Innenstadt.Stadt Iserlohn: Vortrag über Architekt Otto Leppin: Götz Bettge referiert im Stadtarchiv Iserlohn, abgerufen am 22. Dezember 2024. Als freischaffender Architekt ließ er sich 1883 in Iserlohn nieder, plante den Bau von Privathäusern und Fabrikgebäuden und prägte über viele Jahre hinweg das architektonische Gesicht der Stadt.Literatur: Ralf Oventrop, S. 95–100.

Nach bisherigem Kenntnisstand gehörte zu seinen ersten Entwürfen in Iserlohn der Erker am heute denkmalgeschützten Haus Gartenstraße 54Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 91, abgerufen am 21. Dezember 2024. und der pavillonartige Wintergarten der ebenfalls heute denkmalgeschützten Villa Stennerstraße 3.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 83, abgerufen am 21. Dezember 2024. Otto Schmidt hatte zuvor beide Gebäude errichtet.Literatur: Markante Köpfe Um die gleiche Zeit entwarf Leppin im Bereich Garten- und Stennerstraße, umgangssprachlich auch „Villenviertel“ genannt, die heute überregional bekannte Villa Wessel (ehemals Auer). Auch in den Anfangszeiten seiner Schaffenszeit in Iserlohn entstand nach seinen Entwürfen das Kalthaus, auch Palmenhaus genannt, mit Reithalle und Pferdestall, der ehemaligen Villa Bellevue an der Baarstraße/Ecke Trift in Iserlohn.Internet-Portal Westfälische Geschichte: Eingang zur Villa Bellevue, Iserlohn, Baarstraße/Ecke Trift, mit Pförtner- und Kutscherhaus, Reithalle bzw. Kalthaus und der Remise, nach 1893, abgerufen am 21. Dezember 2024.

Leppin entwarf um 1887 für das Unternehmen Herm. Sprenger die Fabrikationsstätten an der Oberen Rahmenstraße (heute Alexanderstraße 10–21) mit Kesselhaus. Die ehemalige Industrieanlage des Unternehmens Eichelberg & Co. geht ebenfalls auf Entwürfe von Leppin zurück. Inmitten des zu bebauenden Areals, an der Ecke des dreigeschossigen Gebäudekomplexes, errichtete er einen 80 Meter hohen Schornstein, der seinerzeit der höchste Fabrikschornstein Iserlohns war.

Leppin nahm an zahlreichen Architekturwettbewerben teil. Unter anderem wurde er 1897 vom Iserlohner Bürger-Schützen-Verein für den Entwurf und Bau der „Neuen Halle“ mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Die Schützenhalle, die 1500 Personen Platz bot, wurde 1899 errichtet.Horst Fischer, Ernst Dossmann, Eduard Grüber: 1237–2005 Iserlohner Bürgerschützen. Hans-Herbert Mönnig Verlag, Iserlohn 2005, ISBN 3-933519-35-7. Die „Neue Halle“ mit Festsälen, Restaurant, Landwehrkeller und mit dem Armbrustschützen auf dem Turmdach, war 70 Jahre lang ein Wahrzeichen von Iserlohn. 1970 brannte die zur Parkhalle umgebaute Neue Halle ab.Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung (Bericht vom 15. Februar 2020 von Jennifer Katz): Feuersäule über der Alexanderhöhe, abgerufen am 21. Dezember 2024. Ein weiteres großes Bauprojekt Leppins war die „Schauburg“ an der damaligen Hagener Straße (heute Hans-Böckler-Straße 20). Er entwarf und baute dort 1897 für die 1834 gegründete Bürgergesellschaft. Diese hatte neben der Gesellschaft Harmonie in Iserlohn großen gesellschaftlichen Einfluss. An der Stennerstraße 1 und 5 entstand unter seiner Bauleitung das von ihm geplante Gebäude der „Höheren Töchterschule“. Das Gebäude Stennerstraße 1 steht seit dem 2. Juni 1986 unter Denkmalschutz.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 82, abgerufen am 21. Dezember 2024. Ein Bürger- oder Ostenschützenhof entstand von 1898 bis 1900 nach Plänen Otto Leppins in Hamm.Westfälischer Anzeiger (Bericht vom 14. Januar 2024 von Jörn Funke): Arbeiten schreiten voran: Zeitplan für Rathaus und Kurhaus steht, abgerufen am 21. Dezember 2024. Dieses Gebäude wurde später als Kurhaus genutzt und 1996 unter Denkmalschutz gestellt.Stadt Hamm: Denkmalliste der Stadt Hamm vom 3. Juli 2023, Nr. 226 (PDF, 112 kB), abgerufen am 23. Dezember 2024.

Um die Jahrhundertwende floss in einige seiner Entwürfe und Bauten der Neobarock ein. In Iserlohn ist ein Beispiel dafür die seit 1983 denkmalgeschützte schlossähnliche Jugendstilvilla Südstraße 27, ehemalige Villa Geck.Literatur: Iserlohn-LexikonIserlohner Kreisanzeiger und Zeitung (Bericht von Tim Gelewski vom 24. August 2019): Iserlohn, wie schön sind deine Kurven, Merkmale des Jugendstils, abgerufen am 20. Dezember 2024. Weitere herrschaftliche von Leppin entworfene Häuser waren in Iserlohn unter anderem die Villa Gartenstraße 52 (Kommerzienrat Reinhard Wilhelm Basse) und Stennerstraße 3 (Julius und Adolf Basse). Für den ehemaligen Pfeifenfabrikanten Ludwig Raab entwarf Leppin 1902 im Stil des Neubarock in der Fassadenarchitektur auch mit Elementen des Jugendstils die „Raab’sche Villa am Mühlgraben“.Architektur & Ingenieurbüro Weppler Jungermann: Historie Villa Raab, abgerufen am 20. Dezember 2024.Osthessen-News: Nach über 100 Jahren – Villa Raab öffnet erneut die Türen, abgerufen am 20. Dezember 2024. Die nach seinen Entwürfen 1904 errichtete Villa war damals eines der imposantesten Wohnhäuser der Stadt Alsfeld. Die Villa wurde unter Denkmalschutz gestellt und war im Juli 2023 Denkmal des Monats.Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (Pressebericht vom 26. Juli 2023): Ehemaliger Pfeifenfabrikant-Sitz Villa Raab in Alsfeld ist „Denkmal des Monats“, abgerufen am 23. Dezember 2024.

Otto Leppin zog 1916 nach Köln. Hier wurde er durch Verwandte seiner Frau in die Gesellschaft eingeführt und genoss dort großes Ansehen. Auch in Köln entstanden verschiedene Villen nach seinen Plänen.

Am 14. März 1936 besuchte Leppin im Alter von 86 Jahren letztmalig die Stadt Iserlohn und blieb ihr bis zu seinem Tod im Juli 1937 sehr verbunden. Beigesetzt wurde Leppin auf dem Melatenfriedhof in Köln.

Otto Leppin war mit Mathilde Leppin, geborene Pattri, die er in Berlin kennengelernt hatte, verheiratet. Das Ehepaar hatte vier Töchter und drei Söhne.

Werke BildBezeichnungStandortBaujahrAnmerkungen 150px Hauptpostgebäude Iserlohn,Theodor-Heuss-Ring 5 1882 bis 1886 Im ehemaligen Hauptpostgebäude ist heute das Stadtarchiv Iserlohn untergebracht. 150px Erker am Wohnhaus Iserlohn,Gartenstraße 54/56 um 1883 Das Gebäude steht seit 1986 unter Denkmalschutz. 150px Pavillonartiger Wintergarten der Villa Basse Iserlohn,Stennerstraße 3 um 1883 Das Gebäude steht seit 1986 unter Denkmalschutz. 150px Betriebsstätte mit Kesselhaus, Büro- und Lagerräumen(Sprenger Metallwarenfabrik) Iserlohn,Alexanderstraße 18/19 um 1887Errichtet wurden die Gebäude durch das Bauunternehmen Herm. Werth. 150px Wohnhaus Iserlohn,Hans-Böckler-Straße 66 1888 Das Gebäude in den Formen der Neurenaissance gehört zu den sogenannten Leppinschen Häusern an der Hans-Böckler-Straße, das verhaltenere Architekturdekorationen aufweist. Es steht 1991 unter Denkmalschutz.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 177, abgerufen am 21. Dezember 2024. 150px Wohnhaus Iserlohn,Hans-Böckler-Straße 68 1887 Hans-Böckler-Straße 68 war das Wohnhaus von Leppin, in welchem er im Erdgeschoss sein Architekturbüro eingerichtet hatte. Das Gebäude in den Formen der Neurenaissance gehört zu den sogenannten Leppinschen Häusern an der Hans-Böckler-Straße, das verhaltenere Architekturdekorationen aufweist und seit 1991 unter Denkmalschutz steht.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 178, abgerufen am 21. Dezember 2024. 150px Wohnhaus Iserlohn,Hans-Böckler-Straße 70 1896 Das Gebäude in den Formen der Neurenaissance gehört zu den sogenannten Leppinschen Häusern an der Hans-Böckler-Straße, das verhaltenere Architekturdekorationen aufweist. Es steht seit 1991 unter Denkmalschutz.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 179, abgerufen am 21. Dezember 2024. 150pxweitere Bilder Villa von der Becke Hemer,Parkstraße 9(Friedenspark) 1889 Die „hochherrschaftliche Villa“ steht seit 2024 unter Denkmalschutz.LWL Westfalen-Lippe (Denkmalwertbeschreibung): Villa Friedenspark in Hemer (PDF, 798 kB), abgerufen am 22. Dezember 2024. 150px Villa Geck Iserlohn,Südstraße 27 gegen 1890 Schlossähnliche Jugendstilvilla mit barocken Formen.Das Gebäude steht seit 1983 unter Denkmalschutz.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 41, abgerufen am 21. Dezember 2024. 150px Villa Wessel Iserlohn,Gartenstraße 31 gegen 1891 Das Gebäude steht seit 1986 unter Denkmalschutz.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 87, abgerufen am 21. Dezember 2024. 150px Bürgerhaus Iserlohn,Gartenstraße 20 1899 Rundbogenportal mit bekrönenden Voluten am dreigeschossigen Stadthaus mit Neubarockformen. Das Gebäude steht seit 1992 unter Denkmalschutz.Stadt Iserlohn (Geoportal): Denkmalschutzkarte A 191, abgerufen am 21. Dezember 2024. 150px „Neue Halle“ Iserlohn,Alexanderhöhe um 1899 1970 brannte die zur Parkhalle umgebaute Neue Halle ab. 150px IndustriegebäudeEichelberg & Co Iserlohn,Sanierungsgebiet VI um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) Kopfbogen (1910) des Unternehmens mit der Abbildung der Fabrikgebäude und des Schornsteins. Gebäude und Schornstein sind sämtlich abgerissen. 150px weitere Bilder Kurhaus(Kopfbau und Spiegelsaal) Hamm,Ostenallee 87 1898 bis 1900 Das Gebäude steht seit 1996 unter Denkmalschutz. 150pxweitere Bilder Villa Raab Alsfeld,Altenburger Straße 60 1904 Die Villa Raab wurde 1904 nach Plänen Otto Leppins aus dem Jahr 1902 errichtet und war im Juli 2023 Denkmal des Monats in Hessen. „Biggeschlösschen“ Olpe,In der Wüste 72 1905 Die Villa „Biggeschlösschen“ wurde 1905 durch Emil Kemper nach Plänen Otto Leppins errichtet. 1989 wurde das Objekt unter Denkmalschutz gestellt, da es ein Dokument der Orts-, Sozial- und regionalen Baugeschichte darstellt.Stadt Olpe (Denkmalliste A 26): Hotel „Biggeschlösschen“ – Beschreibung des Denkmalwertes, abgerufen am 26. Dezember 2024. 150pxweitere Bilder Baarbach-Katakomben Iserlohner Altstadt 1888 bis 1891 Die Baarbach-Katakomben sind ein unterirdisches Gewölbesystem in der Iserlohner Altstadt, die als überdachter Kanalbau für den Baarbach errichtet wurden.

Literatur Ralf Oventrop: Otto Leppin (1850–1937) – Leben und Wirken eines bekannten Architekten. In: Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Iserlohn und den märkischen Raum. Herausgegeben vom Förderkreis Iserlohner Museen, Band 9, 1988/89, S. 96–100,

Götz Bettge (Hrsg.): Iserlohn-Lexikon. Hans-Herbert Mönnig Verlag, Iserlohn 1987, ISBN 3-922885-37-3

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