Schlagt sie tot! ist eine Oper in zwei Akten von Bo Holten (Musik) mit einem in schwedischer Sprache verfassten Libretto von Eva Sommestad Holten, das von Jana Hallberg ins Deutsche übertragen wurde. Sie handelt vom Leben des Kirchenreformators Martin Luther und wurde am 11. Mai 2019 in der Oper Malmö uraufgeführt.
Handlung
Erster Akt
Szene 1 (28. August 1518, Schlosskirche zu Wittenberg). Während Priester an mehreren Altären Messen singen, lässt sich der erst vierzehnjährige Landgraf Philipp von seinem Sekretär Georg Spalatin die Reliquien zeigen. Philipp ist bestrebt, die klügsten Menschen an die Wittenberger Universität zu berufen, darunter den Griechisch-Professor Philipp Melanchthon und den Theologen Martin Luther. Er hat letzteren unter seinen Schutz genommen, nachdem er wegen seiner Thesen gegen den Ablasshandel von der katholischen Kirche verfemt wurde.
Szene 2 – Melanchthon begegnet Luther. Vor der Kirche empfängt Spalatin inmitten einer Gruppe jubelnder Studenten den neuen Professor Melanchthon im Namen des Kurfürsten. Bei ihnen befindet sich auch Andreas Karlstadt. Luther erscheint und erklärt kurz seine Ziele und sein Motto, dass der Glaube über der Gelehrsamkeit stehe. Alle halten die Zeit reif für eine Kirchenreform.
Szene 3 – „Cranach I“: wird Luther vorgestellt. Spalatin besucht das Atelier des Malers Lucas Cranach. Er will diesen im Auftrag des Kurfürsten bitten, sich um Luther zu kümmern und ein Porträt von ihm anzufertigen. Auch dass Cranach Luthers und Karlstadts Schriften druckt, ist im Interesse des Fürsten. Als Spalatin sich von Cranach und dessen Frau Barbara verabschiedet, trifft Luther ein. Das Paar heißt ihn herzlich willkommen. Luther fühlt sich in der Werkstatt heimisch.
Szene 4 – Treffen mit Erasmus in Köln / Luthers Brief an Papst Leo X. Nach der Krönung von Kaiser Karl V. in Aachen versammelt sich die europäische Elite in Köln. Am 5. November 1520 bringt Spalatin dort den Humanisten Erasmus von Rotterdam zu einer Audienz beim Kurfürsten. Dieser erhofft sich Rat, da der Papst bereits den Bann gegen Luther und Karlstadt angedroht hat (→ Exsurge Domine). Erasmus gibt Luther in vielen Punkten recht, hält ihn aber für einen Hitzkopf, den man möglichst nicht reizen sollte. Er schlägt vor, Luther beim nächsten Reichstag zu Worms anzuhören. In einer Parallelszene verfasst Luther einen zwischen Unterwürfigkeit und Angriffen wechselnden Brief an den Papst, dem er seine neueste Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen beilegt. Eine optionale weitere Parallelszene zeigt den Prunk des Papstes in Rom.
Szene 5 – A. Die Verbrennung der Bannbulle (10. Dezember 1520) – B. Umzug: Lebende Satiren / lebende Flugblätter. Nach einem Aufruf Melanchthons und Karlstadts verbrennen Studenten das kanonische Rechtsbuch und die päpstliche Bulle. Es handelt sich um eine Antwort auf die Verbrennung von Luthers Schriften in anderen Städten. Die Studenten singen satirische Lieder auf den Papst. Melanchthon fürchtet, die Kontrolle verloren zu haben.
Szene 6 – Erasmus distanziert sich. Nachdem Luther Erasmus um Unterstützung gebeten hat, bringen ihm Spalatin und Melanchthon dessen briefliche Antwort. Erasmus befürwortet zwar Reformen, bittet Luther aber um Mäßigung. Seine ungestüme Art führe sonst zu Aufständen („Tumultus“). Luther ist jedoch fest davon überzeugt, im Auftrag Gottes zu handeln – notfalls auch „mit Feuer, Schwert und Blut“. Gottes Worte seien „Krieg und Verdruss. Ein Gift!“
Szene 7 – „Cranach II“. Heiligenbilder als Müll & Ein sanfter Mönch. Während Barbara und Lucas Cranach einen Wagen mit polemischen Schriften beladen, überwacht Karlstadt einen Transport herausgerissener Altäre und Heiligenbilder. Barbara protestiert bei Luther dagegen. Sie glaubt, dass man die Macht der Bilder anerkenne, wenn man sie zerstöre. Lucas Cranach zeigt Luther einen neuen Porträtdruck, der ihn sanftmütiger zeigt als das alte Bild. Er soll während des Reichstag in Worms auf der Straße verkauft werden.
Intermezzo – Triumphzug nach Worms. Luther spielt in den Wirtshäusern am Weg auf einer Laute wie „Orpheus mit der Lyra“.
mini|Luther auf dem Reichstag in Worms (kolorierter Holzschnitt, 1556)
Szene 8 – Der Reichstag zu Worms (17.–18. April 1521): A. Gebet – B. Verhör – C. Empfang – D. Zusammenbruch. In der Nacht betet Luther in seiner Zelle um Gottes Beistand. Am folgenden Tag beginnt die Anhörung. Dr. von der Ecken aus Trier fordert Luther auf, seine Schriften zu widerrufen. Luther verweigert dies. Er könne nicht gegen sein Gewissen handeln. Er wird fortgeführt. Am Abend gibt es ein großes Gelage für die Teilnehmer des Reichstags. Die Menschen sind sehr unterschiedlicher Meinung über Luther. Einige fordern dessen Tod, aber einige Kardinäle unterstützen insgeheim seine Ziele. Der Kurfürst will eine Hinrichtung unbedingt verhindern. Er bittet Spalatin, Luther fortzubringen. Dieser ist in seiner Zelle zusammengebrochen. Er schlägt um sich und muss von Spalatins Leuten fortgeschleppt werden.
Szene 9 – „Die Deutschen sind jetzt wie besessen“: A. Freiheit eines Christenmenschen! – B. Im Auge des Sturms; Wittenberg. Das Volk fordert lautstark Reformen im Sinne Luthers. Erasmus flieht. Ein maskierter Student entweiht die Reliquien eines Heiligen. Andere zerstören eine Statue des Franz von Assisi. Bauern werfen eine große Madonnenfigur in den Fluss. Seit sie selbst die Bibel (in Luthers Übersetzung) lesen können, wollen sie nicht mehr der Kirche, sondern nur noch Gott gehorchen. In der Schlosskirche in Wittenberg reißen Karlstadt und seine Helfer Bilder, Heiligenstatuen und Altäre heraus. Melanchthon beobachtet fasziniert drei schlicht gekleidete „Zwickauer Propheten“, die in Trance geraten sind. Als jedoch Spalatin und Luther eintreffen, bereitet letzterer dem Treiben entrüstet ein Ende. Es kommt zum Zerwürfnis zwischen Luther und Karlstadt.
Szene 10 – Kampf um Glauben und Seelen (4.–5. April 1523): A. „Cranach III“ & Nonnen auf der Flucht – B. Der freie Wille. In Cranachs Werkstatt wird Luthers Septemberbibel gedruckt und verladen. Luther hat wieder die Kontrolle übernommen, sieht aber auch Probleme kommen: Karlstadt wiegelt in Straßburg die Bauern auf, und der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli verachtet die Musik. Luther hat unterdessen zwölf Nonnen bei ihrer Flucht aus dem Kloster unterstützt. Neun von ihnen, darunter Katharina von Bora, betreten nun hilfesuchend die Werkstatt. Für Luther sind sie „Heldinnen der Reformation“. Er will ihnen gute Ehemänner suchen. Einige von ihnen kommen im Haus der Cranachs unter. Die Bibelübersetzung und die Flucht der Nonnen machen Luther Mut. Melanchthon erinnert ihn jedoch daran, dass die aufständischen Bauern auf ihn verweisen und er nun mit seiner Schrift De servo arbitrio auch die Gelehrten angreife. Der Krieg habe bereits Thüringen und Luthers Geburtsstadt Eisleben erreicht.
Szene 11 – Luther in den Ruinen in Helfta (ungefähr April 1525). Das besucht das von den Bauern zerstörte Kloster der Zisterzienserinnen, in dem verzweifelte Nonnen nach ihren heiligen Gegenständen suchen, während angriffslustige Bauernkämpfer die Trümmer plündern. Die Nonnen geben Luther die Schuld an dem Geschehen. Die Bauern hingegen schwören ihm Gefolgschaft. Einige bewaffnete Landsknechte unter der Führung des jungen Landgrafen Philipp von Hessen treffen ein. Auch dieser hält Luther für verantwortlich an den Zerstörungen. Luther wird wütend. Er verurteilt die Taten (Arie: „Ich habe zum Frieden gemahnt!“). Dann gewinnt seine Verzweiflung die Oberhand: Gott selbst habe die Regierung eingesetzt. Nicht die Bauern sollten „Gottes Zorn-Schwert“ tragen, sondern die Obrigkeit. Die Schuldigen müssten wie tollwütige Hunde vernichtet werden. Er hält den Aufstand für ein Werk des Teufels, fürchtet den Weltuntergang und ruft: „Schlagt sie tot!“
Zweiter Akt
Szene 12 – Nacht in Wittenberg – Die Bauern sind geschlagen (Mai 1525). Vor dem Sarg des am 5. Mai gestorbenen Kurfürsten Friedrich der Weise von Sachsen überlegen Luther und Melanchthon, wie sie auf den sich ausbreitenden Bauernkrieg reagieren können. Luther scheint ratlos. Da berichtet Spalatin von dem Massaker, dass die Armeen des Landgrafen in der Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai unter den Bauern angerichtet haben. Luther fühlt sich wegen seiner Worte „Schlagt sie tot!“ schuldig. Spalatin kann das nicht ertragen. Er verlässt wütend die Kirche. Melanchthon hingegen versichert Luther seine fortgesetzte Freundschaft.
Musikalisches Intermezzo: Der Nullpunkt. Luther betet die ganze Nacht.
Szene 13 – Morgendliche Verzweiflung. Melanchthon hat Luther in seiner Gewissenskrise nicht alleine gelassen. Als ein paar Sänger zu einer Probe eintreffen, bittet er sie, anzufangen. Die Musik soll das Böse vertreiben.
Szene 14 – Die Regung der Musik / Intermezzo. Der Gesang des Chores verleiht Luther neuen Mut.
Szene 15 – „Cranach IV“ – Frauen und Heirat. Lucas Cranach rät Luther, seine Dämonen mithilfe der Poesie und Musik abzuschütteln. Ihm selbst habe seine Frau Barbara einst Trost gegeben. Luther überlegt, ob er ebenfalls heiraten sollte. Er hält das Zölibat für Heuchelei, befürchtet jedoch, noch mehr Hass auf sich zu ziehen. Da erscheint Barbara mit den drei noch unverheirateten Nonnen. Sie singen mehrstimmig einen von Luthers Psalmen, den er selbst auf der Laute begleitet. Katharina von Bora bezweifelt, dass eine Ehe mit dem für sie vorgesehenen Pastor Glatz ihr mehr Freiheit bieten könne als das Kloster. Daraufhin rät Cranach Luther, sie selbst zu heiraten. Es wäre ein Trumpf für die Papisten, wenn sie als Nonne ins Kloster zurückkehren müsste.
Szene 16 – Piae cantiones – Intermezzo. Studenten kommen singend nach Wittenberg, wo sie von den dortigen Mädchen fröhlich empfangen werden („Terra viret floribus“). Sie lästern über Luthers Heirat mit einer Nonne, die offenbar ohne Melanchthons Wissen geschah. Unbeirrt davon umarmt Luther seine Frau Käthe.
Szene 17 – Luther und seine Käthe. Martin und Katharina Luther sind glücklich vereint. Sie sind zuversichtlich, dass die Anfeindungen bald enden und ihre Ehe Früchte tragen werde.
mini|Zwingli und Luther diskutieren in Marburg über das Abendmahl. Abbildung von der Zwinglitür des Grossmünsters in Zürich.
Szene 18 – Das Treffen in Marburg 1529 (1.–4. Oktober). Landgraf Philipp drängt Luther, sich mit Zwingli zu einigen. Dieser verachtet jedoch die Musik, konspiriert mit Karlstadt und hält das Abendmahl für rein symbolisch. Philipp wünscht eine vereinte Front der Reformatoren vor dem kommenden Reichstag in Augsburg. Auf seine Veranlassung treffen sich beide Seiten zu einem Religionsgespräch in Marburg. Außer Luther, Melanchthon und Zwingli erscheinen Doktor Johannes Oecolampadius aus Basel, Pastor Andreas Osiander aus Nürnberg und Doktor Stefan Agricola aus Augsburg. Vermitteln soll Doktor Martin Bucer aus Straßburg. Obwohl sich die Anwesenden in vierzehn Punkten einigen können, bleibt der Konflikt um das Abendmahl bestehen. Luther und Zwingli streiten heftig über dieses Thema, bis Luther empört die Versammlung verlässt. Philipp erklärt das Treffen für gescheitert und ernennt Melanchthon zu seinem Sprecher.
Szene 19 – Luther auf Coburg / Brief-Arie. Luther berichtet seiner Frau von dem inhaltlichen Misserfolg und dem guten Essen in Marburg. In einem anderen Brief versucht er, Melanchthon Mut zu machen, der große Schwierigkeiten hat, ihre Sache in Augsburg zu vertreten.
Szene 20 – „Cranach V“ – Neue Porträts (Zeitsprung: ca. 15 Jahre; um 1545). Cranach hat neue Porträts von Luther angefertigt, die seine „wahre Autorität“ ausstrahlen sollen. Sie heben Luthers schlechte Laune. Draußen versammelt sich eine Gruppe von zum Essen eingeladenen Studenten und Gästen.