mini|Die Grenzen von Paris vom 4. Jahrhundert bis 2015 mini|Stadtmauer Philipps II. August um 1530 auf dem Stadtplan von Braun Die Stadtmauer Philipps II. war ein ab dem Ende des 12. Jahrhunderts errichtetes Befestigungssystem von Paris. Diese zweite mittelalterliche Stadtmauer ist die älteste, deren genauer Verlauf bekannt ist.paris-atlas-historique.fr

Zu kleinen Teilen in spätere Bauten integriert, gibt es von dieser Stadtmauer mehr Überreste als von allen späteren Stadtbefestigungen, also der Stadtmauer Karls V. und der Stadtbefestigung Ludwigs XIII., die nach 1670 durch die Grands Boulevards ersetzt wurden, sowie der Mauer der Generalpächter und der Thiersschen Stadtbefestigung, die den Verlauf der Boulevards des 19./20. Jahrhunderts vorbestimmten.

Der Einfluss der Stadtmauer Philipps II. ist weniger sichtbar, aber nicht weniger bedeutend für die Stadtentwicklung von Paris:

Auf der Rive Droite entwickelten sich im Mittelalter die innerstädtischen Viertel ausgehend von den entlang der Stadtmauer angelegten Straßen, was an der Ausrichtung des Straßennetzes, namentlich an der Rue Jean-Jacques-Rousseau und ihren Parallelstraßen im Verhältnis zur Rue Saint-Honoré erkennbar wird, die sich von der Rue Tiquetonne zur Rue des Francs-Bourgeois krümmt, sowie auch an der senkrecht zur Seine laufenden Rue des Jardins-Saint-Paul, wo die alte Stadtmauer noch sichtbar ist. Auf der Rive Gauche spiegelt sich der Mauerverlauf in den auf ihren ehemaligen Gräben (fossés) gebauten Straßen wider, namentlich der Rue des Fossés-Saint-Bernard, der Rue des Fossés-Saint-Jacques und der Rue Monsieur-le-Prince, die früher den Namen Rue des Fossés Monsieur le Prince trug.

Geschichte

Historischer Kontext

Militärischer Schutz Der Bau der Stadtmauer ist im Kontext der Kämpfe Philipps II. August gegen die englische Dynastie der Plantagenêts zu sehen. Um Paris gegen Angriffe, insbesondere von Norden und Westen, zu schützen, befahl Philipp II. vor seinem Aufbruch zum Dritten Kreuzzug den Bau einer steinernen Mauer zum Schutz der Hauptstadt.

Die Mauer hatte wegen der nahegelegenen Müllhalden von Paris zunächst keine äußeren Gräben.

Stadtentwicklung Die Errichtung der Mauer ging mit der Stadtentwicklung einher. Philipp II. beförderte das Bevölkerungswachstum in den nun ummauerten neuen Vierteln, indem er das Marktrecht von Saint-Ladre im Norden der Stadt im Enclos Saint-Lazare auf das Händlerviertel von Champeaux transferierte, woraus die Pariser Markthallen hervorgingen. Auf der Rive Gauche gab er der Abtei Saint-Geneviève zwei ummauerte Bereiche (Clos/Enclos) zur Errichtung von Wohnungen. Paris wurde die am stärksten genutzte Königspfalz, das Machtzentrum mit einer aufblühenden zentralen Verwaltung und zugleich ein kulturelles Zentrum, in dem auf der Rive Gauche Kollegien entstanden und eine noch neue Art von Gemeinschaft unter der Bezeichnung UniversitätParis en 1200, S. 35.

Diese Entwicklung setzte sich ein Jahrhundert lang fort. Am Beginn des 14. Jahrhunderts war Paris mit rund 250.000 Einwohnern die größte Stadt des europäischen Mittelalters gewordenParis en 1200, S. 317.

Errichtung mini|Fundament der Stadtmauer im Keller der Tour Jean-sans-Peur Zuerst wurde die Rive Droite zwischen 1190 und 1209 befestigt, die Rive Gauche dann etwas später zwischen 1200 und 1215. Die Priorisierung der Befestigung der Rive Droite hatte den strategischen Grund, dass das Herzogtum Normandie sich in den Händen der Plantagenêts befand und ein Angriff von Nord-Westen daher am wahrscheinlichsten schien. Philipp II. beschloss deshalb auch den Bau der Louvre-Burg, um die Verteidigung der Stadt gegen einen Angriff stromaufwärts von der Seine her zu stärken.

Die weniger besiedelte Rive Gauche wurde demgegenüber als weniger exponiert und weniger wichtig erachtet.

Die zunächst ohne vorgelagerte Gräben errichtete Stadtmauer hatte eine Länge von 2.535 Metern auf der Rive Gauche und 2.850 Metern auf der Rive Droite. Sie schloss am Ende von Philipps Regentschaft eine Fläche von 253 Hektar mit einer Bevölkerung von mindestens 50.000 Bewohnern einParis en 1200, S. 35, 109, 196.

Finanzierung Die enteigneten Eigentümer des für den Mauerbau benötigten Grundes (der Bischof von Paris, das Kapitel von Saint-Denis, die Abtei von Saint-Germain-des-Prés etc.) wurden von der königlichen Verwaltung entschädigt. Die vollständig aus dem königlichen Schatz aufgebrachten Kosten des Mauerbaus auf der Rive Gauche in Höhe von 7.020 Pfund sind durch eine Denkschrift bekanntParis en 1200, S. 81. Die Kosten des Mauerbaus auf der Rive Droite, die nicht genau dokumentiert sind, dürften bei sicher über 8.000 Pfund gelegen haben und wurden wahrscheinlich zwischen einem Drittel und der Hälftenach einem unbekannten Verteilungsschlüssel von den Pariser Bürgern aufgebracht, was aus der gemeinsamen Bauaufsicht der Bürgerschaft und des königlichen Vorstehers hervorgeht. Außerdem wurden wahrscheinlich mehrere Einzelbauwerke der Stadtbefestigung von der Bürgerschaft finanziert, so die nach Étienne Barbette benannte Porte Barbette sowie mehrere Ausfalltore, die nach der Errichtung in die Mauer gebrochen wurden, so die Poterne Coquillière, Poterne Nicolas Arrode und Poterne Nicolas HiddelonParis en 1200, S. 80.

Die Gesamtkosten für die Befestigungsanlagen von Paris einschließlich der Louvre-Burg, des Petit Châtelet und des Grand Châtelet sowie die Arbeiten am Palais de la Cité, dürften sich auf mindestens 20.000 Pfund belaufen haben, was angesichts von jährlichen Kosten der Krone in der Mitte der Regentschaft Philipps II. in Höhe von etwa 115.000 Pfund nicht unverhältnismäßig hoch istParis en 1200, S. 48.

Entwicklung mini|Portion de courtine sauvegardée rue Clovis Trotz des Baus der Stadtmauer Karls V., die die Mauer Philipps II. auf der Rive Droite einschloss, wurde diese nicht niedergelegt. Noch 1434 wurde sie als „moult fors et espes que on y menroit bien une charrette dessus“ (so stark und dick, dass man mit einem Ochsenkarren darüberfahren könnte), beschrieben.

Die Stadtmauer Karls V. beschränkte sich auf die Rive Droite. Die immer noch weniger bevölkerte Rive Gauche musste sich bis ins 16. Jahrhundert mit der Mauer Philipps II. begnügen. Sie wurde allerdings an die neuen Belagerungstechniken angepasst. Die Modernisierungen bestanden in folgenden Maßnahmen:

Ein breiter Graben wurde vor der Mauer ausgehoben und die Mauer mit dem Aushub auf der Innenseite verstärkt. Ein zweiter Graben, der sich an manchen Stellen mit dem Hauptgraben vereinigte, wurde ausgehoben. Die Gräben wurden geflutet, soweit sie sich auf dem Niveau der Seine befanden. Das Wasser von Seine-Hochwässern wurde mit Schleusen am Seine-Ufer in den Gräben gehalten. Die Stadttore wurden durch die Errichtung von Barbakanen mit Fallgitter, Brücke und Zugbrücke verstärkt Entlang mancher Teile der Mauer wurde ein Wachweg für eine leichtere Bewegung der Artillerie gebaut.

Niederlegung Auf der Rive Droite ließ Franz I. 1533 die Stadttore niederlegen und erlaubte die Vermietung der Mauergrundstücke, ohne jedoch die Niederlegung der Mauer zu gestatten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden diese Grundstücke an Privatleute verkauft, was die Zerstörung großer Teile der Mauer nach sich zog. Die gleiche Entwicklung vollzog sich für die Mauer auf der Rive Gauche: Unter Heinrich IV. wurde sie bereits nur noch als Weg genutzt, nachdem man es 1590 anstelle einer weiteren Modernisierung vorgezogen hatte, neue Gräben auszuheben, die die Pariser Vororte einschlossen.

Die Gräben in der Nähe der Seine, die als offene Abwassergräben genutzt wurden, brachten Hygiene-Probleme mit sich. Sie wurden im 17. Jahrhundert überbaut, bevor sie schließlich verfüllt wurden.

Die letzten noch existierenden Stadttore, die ein Hemmnis für den ständig steigenden Verkehr darstellten, wurden in den 1680er Jahren niedergelegt, sodass von der Mauer nichts mehr sichtbar war.

Verlauf mini|Stadtplan von Paris im 14. Jahrhundert von Eugène Viollet-le-Duc, 1856 mini|Verlauf der Stadtmauer Philipps II. - ALPAGE Die neue Mauer Philipps II. mit der Cité im Zentrum umfasste eine Fläche von 739 Arpents und integrierte mehrere Vororte (Bourgs) in die Stadt:

im Norden:

den schönen Bourg (beau Bourg), den Bourg Tiboust, den Bourg Saint-Germain-l'Auxerrois, einen Teil des Bourg-l'Abbé. das Viertel der Champeaux, wohin Karl VI. den Hauptmarkt der Stadt verlegt hatte, den Cimetière des Innocents

im Süden:

den Bourg Sainte-Geneviève.

Mit der neuen Mauer wurden erhebliche Freiflächen in das befestigte Stadtgebiet eingeschlossen, die auch in der Mitte des folgenden 13. Jahrhunderts unter der Regentschaft Ludwigs IX. nach nicht vollständig bebaut waren.

Die Stadtmauer Philipps II. August verlief durch das heutige 1., 4., 5. und 6. Arrondissement.

Verlauf auf der Rive droite Auf der Rive Droite war die Mauer 2.850 Meter lang, abzüglich einer Länge von ungefähr 100 Metern auf Höhe des Louvre. Mit Ausnahme eines kleinen Teilstücks in der Rue des Jardins-Saint-Paul ist die Mauer heute vollständig aus dem Stadtbild verschwunden. Ihr Verlauf setzte sich aus fünf Teilstücken zwischen den Stadttoren Saint-Honoré, Montmartre, Saint-Denis und Saint-Antoine zusammen, war im Westen, Norden und Osten leicht nach außen gewölbt, um das Viertel der Champeaux und die Straßen Saint-Denis und Saint-Martin im Norden, Saint-Honoré im Westen und Saint-Antoine im Osten einzuschließen und verlief in vollkommen gerader Linie über 1.080 Meter von Nord-Westen nach Süd-Osten, wo sie einen zur Zeit ihrer Erbauung unbesiedelten Bereich einschlossParis en 1200, S. 80.

Flussabwärts begann die Mauer an der Seine mit der Tour du coin, die zwischen dem heutigen Pont des Arts und der Colonnade du Louvre in der Nähe des Louvre-Stadttors lag. Die Mauer wurde bereits kurz nach der Fertigstellung der Mauer der Rive Droite auf der Höhe der Louvre-Burg wieder abgebrochen, um dort um 1200 die Errichtung der Burg zu ermöglichenParis en 1200, S. 140–142. Die Mauer lief dann zwischen den Straßen de l'Oratoire (früher Rue d'Hosteriche) und de Marengo (früher Rue du Coq) durch bis zur Porte Saint-Honoré, die ungefähr an der jetzigen Stelle des Oratoriums des Louvre lag. Sie ging dann zwischen den Straßen Rue de Grenelle-Saint-Honoré und Rue d'Orléans-Saint-Honoré weiter, querte die Rue de Viarmes im Westen der Halle au blé und stieß auf die Porte Coquillière. Von dort lief sie weiter zwischen der Rue du Jour und der Rue Jean-Jacques-Rousseau bis zur Porte Montmartre, wo sie durch die Sackgasse de la Bouteille ging, wo ein Scheintor mit dem Namen Porte de la Comtesse d'Artois errichtet wurde. Dann ging sie zwischen den Straßen Mauconseil, Pavée und du Petit-Lion-Saint-Sauveur weiter, um in die Sackgasse der Porte-aux-Peintres zu laufen, wo sich die Porte Saint-Denis befand, die auch Porte des Peintres genannt wurde.