Knecht Ruprecht ist ein Weihnachtsgedicht des Dichters Theodor Storm von 1862, das sich aus seinem ursprünglichen Kontext verselbständigte und aufgrund seiner Popularität oftmals zum deutschen Volksgut gezählt wird.

Der Vers „Es weihnachtet sehr“ steht mittlerweile (ironisch) für eine sich ausbreitende Weihnachtsstimmung, wie auch der Vers „Von drauß vom Walde komm ich her“ dazu benutzt wird, um abweisend auf die Frage zu antworten, woher jemand kommt oder nach dem Aufzug, in dem jemand daherkommt.

Geschichte Das Gedicht entstand vermutlich 1862 im thüringischen Heiligenstadt, wo Storm zu jener Zeit als Kreisrichter arbeitete, und war eigentlich in einem unveröffentlichten Weihnachtsspiel enthalten, das Storm für seine Kinder geschrieben hatte. Erst 1993 veröffentlichte Gerd Eversberg das Weihnachtsspiel. Erstmals öffentlich bekannt wurde Knecht Ruprecht, als Storm einen Teil des Gedichts in seiner Novelle Unter dem Tannenbaum einbaute, die kurz vor Weihnachten 1862 in der Leipziger Illustrirten Zeitung erschien, und deren Szenerie den Gebrauch in der Familie Storm einigermaßen zutreffend wiedergeben dürfte. Der zweite Teil des Gedichts wurde erst nach einer im Nachlass Storms befindlichen Handschrift gedruckt – die älteste, handschriftliche Fassung war im Besitz seiner Tochter Gertrud Storm (1865 – 1936) gewesen.

Versionen Im ersten Druck in der Novelle Unter dem Tannenbaum steht das Gedicht 1862 noch in der Fassung der Handschrift, während 1864 in der Leipziger Illustrierte Zeitung eine leicht überarbeitete Version abgedruckt wurde.

Die überarbeitete Form nimmt ausdrücklich Bezug auf Heiligenstadt, wo die Szene wohl bei der Stormschen Weihnachtsfeier aufgeführt worden ist und das Gedicht hier noch einen dialogischen Charakter hat: auf die Ansprache des Knecht Ruprecht, den vermutlich der Heiligenstädter Bruder Otto Storm spielte, antwortet wiederholt der Vater der Kinder, also der Dichter selbst.

In der Handschrift hat das Gedicht Dialogform und begann ursprünglich mit Knecht Ruprechts Begrüßung: „Habt guten Abend, alt und jung, Bin allen wohl bekannt genung“. Im Vers 7 statt „finstern Tann“ steht „dichten Tann“ Nach Vers 16 folgte in der geänderten Fassung der zusätzliche Vers: „So geh denn rasch von Haus zu Haus, Such mir die guten Kinder aus, Damit ich ihrer mag gedenken, Mit schönen Sachen sie mag beschenken.“ In Vers 17 wird „Jesu Christ“ durch „Herre Christ“ ersetzt In Vers 19 wird „in diese Stadt“ durch „nach Heiligenstadt“ ersetzt In Vers 20 wird „eitel gute Kinder“ durch „viele brave“ ersetzt In Vers 23 „Äpfel, Nuß und Mandelkern“ durch „Apfel, ...“ Beendet wird das Gedicht original nach Vers 34 von einem längeren Zwiegespräch.

Beschreibung und Text In der Heiligenstädter Novelle Unter dem Tannenbaum (1862) wird durch das Gedicht Knecht Ruprecht unter den Bedingungen einer idyllisierten bürgerlichen Familienweihnachtsfeier, seiner Adressierung an die Kinder und einem humoristischen sprachlichen vermeintlichen „Volksbuch“ -Ton selbst ein Wiederaufleben des genuin religiösen Charakters des Festes möglich („O lieber Jesu Christ“, das geöffnete „Himmelstor“). Die ursprüngliche, nur zum privaten Gebrauch verfasste dialogische Langfassung zeigt diese Verbindung von Kindlichkeit, Ursprünglichkeit und zitierter Frömmigkeit weit deutlicher als die Kurzfassung in der Novelle.

Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Theodor Storm Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Literatur (Weihnachten) Kategorie:Kultur (Heilbad Heiligenstadt)