mini|Ruinen des ehemaligen Franziskanerklosters (von 1725) Das Franziskanerkloster Liegnitz war ein Kloster des Franziskanerordens (, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM, auch Franziskaner-Observanten) in Liegnitz, im damaligen Herzogtum Liegnitz in Schlesien, seit 1945 Legnica in der Woiwodschaft Niederschlesien (Polen). Zwischen 1280 und 1284 wurde in Liegnitz bereits ein Kloster des damals noch ungeteilten Franziskanerordens gegründet, das sich später der Richtung der Franziskaner-Konventualen (oder Minoriten) anschloss und zur Sächsischen Franziskanerprovinz gehörte. 1475 erhielten Ordensbrüder der Franziskanischen Observanzbewegung innerhalb des Franziskanerordens vor dem Glogauer Tor der Stadt Liegnitz ein Grundstück geschenkt, auf dem nun ein zweites Franziskanerkloster errichtet wurde, das dem Böhmischen Observantenvikariat angeschlossen wurde. Das Böhmische Observantenvikariat wurde 1517 nach der Teilung des Franziskanerordens zur Böhmischen Franziskanerprovinz. Für fast 50 Jahre bestanden nun zwei Franziskanerklöster in Liegnitz. 1524 sollte das Kloster der Franziskaner-Observanten vor der Stadt mit dem Kloster der Franziskaner-Konventualen in der Stadt vereinigt werden. Obwohl die Franziskaner-Observanten aus ihrem Kloster ausgewiesen wurden, weigerten sie sich, in den Konvent der Franziskaner-Konventualen zu ziehen und verließen die Stadt. Die Klostergebäude der Franziskaner-Observanten vor der Stadt wurden in den folgenden Jahren restlos beseitigt. 1700 kamen wiederum Franziskaner-Observanten nach Liegnitz. Da ihr altes Kloster zerstört war, bauten sie vor dem Haynauischen Tor vor Liegnitz ein neues Kloster. Dieses Kloster wurde 1810 säkularisiert.
Lage Das ursprüngliche Kloster der Franziskaner-Observanten soll nach Paul Scholz auf einem Platz vor dem Glogauer Tor an der gewöhnlichen Straße nach Glogau gelegen haben. Das Grundstück soll sich bis zum vorbeifließenden Fluße (Czarna Woda) ausgedehnt haben, der nördlich der Stadt fließt. Demnach lag das Kloster entweder westlich oder östlich der Straße mit der Nr. 333, die nach Norden aus der Altstadt herausführt, zwischen der Altstadt von Liegnitz und kurz vor dem Fluss. Die angegebenen Koordinaten sind daher nur eine Annäherung an das ursprüngliche Klostergelände (ungefähre Lage:). Die Klosterkirche war der Hl. Dreifaltigkeit geweiht. Von diesen ursprünglichen Klostergebäuden hat sich oberirdisch nichts erhalten. Nach Lucius Teichmann soll das alte Kloster der Franziskaner-Observanten „in der Nähe des Domes“ und „außerhalb der Stadtmauer“, und „vor dem Glogauer Tor“ gestanden haben. Die Liegnitzer Kathedrale (Kathedrale erst seit 1993) liegt aber im südlichen Teil der Altstadt von Liegnitz. Die Angaben sind damit in sich widersprüchlich. Das neuere Klostergebäude von 1707/15, heute Ruine, liegt westlich der Altstadt im Zwickel, der von der ul. Franciszkańska und der ul. Chojnowska gebildet wird (Lage:). Diese Klosterkirche hatte das Patrozinium zum Hl. Kreuz und der Schmerzhaften Muttergottes; sie wurde bereits 1812 vollständig abgetragen.
Geschichte Bereits zwischen 1280 und 1284 (1294?) wurde in Liegnitz ein Franziskanerkloster begründet, das dem hl. Johannes Evangelist geweiht war (daher auch Johanniskloster genannt). Es stand im Bereich des späteren Jesuitenkollegs, das 1714/20 an der Stelle des alten Klosters neu errichtet worden war. Anfang 1453 traf Johannes von Capistran, einer der Hauptvertreter der Observanzbewegung im Franziskanerorden, die das Armutsprinzip der Konvente wieder einführen wollte, auf seiner Reise von Dresden nach Breslau auch in Liegnitz ein. Er hatte jedoch keinen Erfolg mit seinen Bemühungen, die dortigen Ordensbrüder zur Observanzbewegung zu reformieren.
Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden in Schlesien eine ganze Reihe von Klöstern der Observanzbewegung des Franziskanerordens neu gegründet, teilweise sogar auch in Städten, in denen bereits ein (nicht-reformiertes) Franziskanerkloster existierte, so dass es in einigen dieser Städte über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten zwei Franziskanerklöster gab, so in Breslau, GlatzDie Grafschaft Glatz gehörte bis 1742 bzw. 1763 unmittelbar zu Böhmen und erst danach zu Schlesien und Glogau, und ab 1475 auch in Liegnitz. Die Klöster der Franziskaner-Observanten (neu gegründete und einige reformierte ältere Klöster) wurden im Böhmischen Observantenvikariat zusammengefasst, die nichtreformierten Klöster in Schlesien bzw. die Klöster, die die milderen Martinianischen Konstitutionen der Observanz befolgten, gehörten dagegen zur Sächsischen Franziskanerprovinz, darunter auch das ältere Kloster in Liegnitz.
Am 15. Oktober 1475 schenkte Herzog Friedrich II. von Liegnitz dem Provinzvikar des Böhmischen Observantenvikariats Paulus von Mähren den Bauplatz vor dem Glogauer Tor zum Bau eines Klosters. Sammter beschreibt den Platz wie folgt: „das Territorium bis zum Bächlein links der Fischhalter nebst den Haltern selbst, mit dem Brauhause und der Scheuer, soviel als zur Errichtung einer Kirche, eines Kirchhofes und eines Klosters nöthig sei.“
Die Kirche wurde der Hl. Dreifaltigkeit geweiht. Eine spätere Notiz (ungefähr von 1699) besagt, dass sie auch der Jungfrau Maria und der hl. Hedwig geweiht war. Letztere Nachricht muss jedoch mit größter Vorsicht aufgenommen werden, da zu diesem Zeitpunkt das Kloster schon mehr als 150 Jahre nicht mehr existierte. Die Geschichte dieses Klosters, das nur 49 Jahre existierte, ist nur äußerst spärlich dokumentiert.
1482 verpflichtete sich die Stadt Liegnitz, dass von den vier Mark jährlichen Zinses, den sie ihrem Bürger Nickel Jeskin schuldete, nach seinem Tod eine Mark der Kirche zum Hl. Kreuz, eine Mark dem Kloster der Franziskaner, eine Mark dem Kloster der Franziskaner-Observanten und eine Mark an das Schülerhospital in Liegnitz geben werden sollten.
Ende des 15. Jahrhunderts klagte der Kustos der Kustodie Goldberg über die mangelnde Ordenszucht der Franziskaner des Liegnitzer Johannis-Klosters. Möglicherweise war dies auch ein Grund dafür, weshalb Herzog Friedrich II. von Liegnitz 1516 den Pfarrer von Schweidnitz bat, er möge doch beim Papst erwirken, dass die beiden Franziskaner-Konvente in Liegnitz miteinander vereinigt werden, die Observanten in die Stadt in das Johanniskloster übersiedeln und die dortige Leitung des Klosters übernehmen sollten. Papst Leo X. entsprach seinem Wunsch und erließ am 14. Juli 1516 eine Bulle, in der er befahl, die drei außerhalb der Städte liegenden Klöster der Franziskaner-Observanten in Liegnitz, Neisse und Oppeln wegen der von den Türken ausgehenden Kriegsgefahr niederzureißen und ihnen die Leitung Konvente der Franziskaner-Konventualen in den Städten zu übertragen. Nach Scholz verzögerte jedoch das Generalkapitel die sofortige Umsetzung der Bulle des Papstes.
Schon 1512 hatten sich zudem die Observanten über die Konventualen beschwert, dass sie von diesen bedrückt würden, und machten daraufhin eine Eingabe.
Die Spannungen zwischen Observanten und Konventualen bzw. der Widerstand von Seiten der Konventualen gegen eine Vereinigung unter der Leitung der Observanten sowie die bald darauf erfolgte Ordensteilung verhinderten zunächst die Umsetzung der Forderung des Papstes in Liegnitz und auch in den zwei anderen genannten Städten.
Ordensteilung und Teilung der Sächsischen Franziskanerprovinz 1517 führten diese Spannungen zwischen den Franziskaner-Observanten und den Franziskaner-Konventualen zur endgültigen Trennung in zwei eigenständige Orden durch Papst Leo X., in die Franziskaner (OFM) oder (Franziskaner)-Observanten (ohne Besitz) und in die Minoriten oder (Franziskaner)-Konventualen (mit Besitz). Das Böhmische Observantenvikariat hieß von nun an Böhmische Franziskanerprovinz, während die bisherige Böhmisch-Polnische Franziskanerprovinz in eine Böhmische und eine Polnische Minoritenprovinz geteilt wurde.
Die Reformation und der (erneute) Versuch der Vereinigung der beiden Franziskanerklöster Herzog Friedrich II. von Liegnitz wandte sich schon früh der Lehre Luthers zu und ließ in Liegnitz bereits seit Pfingsten 1522 im Sinne Luthers predigen. In der Fastenzeit 1524 war die Laienkommunion in beiderlei Gestalt eingeführt worden. Auch in der Klosterkirche St. Johannis der Franziskaner-Konventualen wurde bereits lutherisch gepredigt. Dagegen predigte Antonius von Breslau in der Dreifaltigkeitskirche der Franziskaner-Observanten heftig gegen die Lehre Luthers. Anscheinend hatten seine Predigten einige Wirkung, so dass sich Herzog Friedrich II. zu einem recht drastischen Schritt entschloss, der Reformation in Liegnitz zum Erfolg zu verhelfen. Während der Fronleichnamsoktave 1524 (26. Mai bis 2 Juni) wurden die Observanten aus ihrem Kloster vertrieben. Angeblich mussten sie letztendlich das Kloster innerhalb einer Stunde verlassen und konnten kaum die wichtigsten Dinge zusammenpacken. Sie wurden in das Johanniskloster der Konventualen eskortiert. Eine vor dem Kloster aufgestellte Wache sollte eine Rückkehr verhindern. Im Johanniskloster sollten sich die beiden Konvente zu einem Konvent, nun aber unter der Leitung der Konventualen, vereinigen und die lutherische Lehre annehmen. Die Observanten lehnten dies ab und verließen nach nur acht Tagen im Johanniskloster die Stadt. Es ist nicht bekannt, wohin sie sich wandten. Aber auch das Konventualen-Kloster stand spätestens 1541 leer.
Zerstörung des Observanten-Klosters außerhalb der Stadt Das verlassene Kloster der Franziskaner-Observanten wurde nun im Zuge des Baus von neuen Verteidigungsanlagen um die Stadt Liegnitz herum abgebrochen und vollständig beseitigt. Nicht einmal die genaue Lage des ehemaligen Klosters ist bekannt.
Erneute Gründung eines Franziskanerklosters in Liegnitz Am 5. April 1700 genehmigte Kaiser Leopold I. in seiner Funktion als böhmischer König den Franziskanern der Böhmischen Ordensprovinz die Errichtung eines neuen Klosters in Liegnitz. Ihr altes Kloster und ihre Dreifaltigkeitskirche vor dem Glogauer Tor waren zerstört. Das frühere Kloster der Franziskaner-Konventualen hatte er 1698 den Jesuiten überlassen, die seit 1688 in Liegnitz tätig waren, aber bisher keine geeignete Unterkunft gefunden hatten. Die Jesuiten errichtetem auf dem Areal zwischen 1714 und 1720 das neue Jesuitenkollegium und auch eine neue Kirche.
Kaiser Leopold spendete den Franziskanern 1800 Reichstaler (Reisch fälschlich: 18.000 Reichstaler!) zum Ankauf von Grundstücken vor dem Haynauer Tor für den Neubau von Klostergebäuden. Das größte Grundstück, ein Garten im Besitz des Liegnitzer Bürgermeisters Caspar Josef Schwartz, konnte für 1200 Reichstaler erworben werden. Eine angrenzende Parzelle mit einem kleinen Haus im Besitz des Franz Hiller kostete 250 Reichstaler und eine weitere angrenzende Parzelle mit kleinem Haus im Besitz des Friedrich Groh konnte für 300 Reichstaler erworben werden. Die Abgabenverpflichtungen auf den gekauften Grundstücken mussten mit 88 Reichstalern und 12 Groschen endgültig abgelöst werden. Da dafür das gespendete Geld von Kaiser Leopold nicht hinreichte, bezahlte Bürgermeister Schwartz den Restbetrag aus eigener Tasche. Die Ordensbrüder richteten im Haus auf dem Grundstück des Friedrich Groh eine Notkapelle ein, in der am 14. Januar 1701 der erste Gottesdienst gefeiert wurde. Zur Feier des Gottesdienstes erschienen auch der Magistrat der Stadt und der Landeshauptmann des Fürstentums Liegnitz Christoph Wilhelm von Schaffgotsch mit seiner Frau. Die Rückkehr der Franziskaner wurde aber nicht durch die gesamte Stadtbevölkerung positiv aufgenommen. In der Nacht vor der ersten Heiligen Messe hatten evangelische Mitbürger mit Pferdeknochen die Scheiben der Notkapelle eingeworfen.
Siegel Das Siegel des (neuen) Konvents von Anfang/Mitte des 18. Jahrhunderts zeigte ein Kreuz mit der Mater dolorosa. Die Umschrift lautete: SIGILLUM CONVENTUS LIGNICENSIS FRATR. MIN. REFORM.
Neubau des Klosters