mini|hochkant|Jacke aus geflochtenem Kaninfell (China, 2008) Die Kürschnerei in China, die gewerbliche Anfertigung von Pelzen durch den Berufsstand der Kürschner, hat, schon bedingt durch das kalte Klima in den mittleren und nördlichen Regionen, eine bis in das Altertum zurückgehende Tradition. Feines Pelzwerk gehörte zudem zur offiziellen Tracht der Mandarine.

Geschichte mini|Das Qing-Kabinett in traditionellen Roben aus Kolinskifell in der amerikanischen Gesandtschaft in Peking, als Beamte verschiedener Ministerien einen Neujahrsbesuch abstatteten (1905) Der Pelzabsatz innerhalb Chinas wurde, nachdem die Mandschu-Kaiser der Ming-Dynastie die Herrschaft übernommen hatten, sehr durch das von Peking ausgehende, sich allgemein verbreitende Streben nach Luxus bestimmt. Seit dieser Zeit trieben weite Kreise der wohlhabenden Bevölkerung einen großen Aufwand mit ausländischem Pelzwerk. Ähnlich wie im mittelalterlichen Europa erließ die Obrigkeit verschiedene Vorschriften zum Tragen von Pelzen. Für die hohen chinesischen Staatsbeamten, die Mandarine, war das Tragen von Pelzen obligatorisch. Der damals teuerste Pelz, das Seeotterfell, fand seinen Hauptabsatzmarkt als übliche Kleidung vornehmer Chinesen.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16. –18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 133 (→ Inhaltsverzeichnis).

Die Pelze für die chinesischen Kaiser wurden traditionell von hochspezialisierten Handwerkern bearbeitet, die in den „Werkstätten des kaiserlichen Hofs“ (chinesisch: Zaobanchu, 造辦處) tätig waren. Diese Werkstätten waren Teil der Palastverwaltung und zuständig für die Herstellung von Kleidung, Accessoires, sowie Möbeln und anderen Gegenständen für den Kaiser und seine Familie. Die Verarbeitung von Pelzen galt als besonders anspruchsvoll, da sie hochwertiges Material und sorgfältige Handarbeit erforderte. Nur die besten Pelze – wie Zobel, Nerz oder Fuchspelz – wurden verwendet, oft als Verzierungen für kaiserliche Gewänder oder zeremonielle Kleidung. Diese Pelze symbolisierten Macht, Reichtum und den erhabenen Status des Kaisers. Die Verwaltung des königlichen Haushalts besaß eine eigene Stelle die für Weben und Färben zuständig war (zhiranju, 織染局); das königliche Lager unterhielt, neben diversen anderen, einen Pelzladen (piku, 皮庫).Ulrich Theobald: Neiwufu 内務府, the Imperial Household Department. ChinaKnowledge.de, 28. Mai 2018. Abgerufen am 26. November 2024.

Um 1800 existierten bereits zahlreiche Großkürschnereien. Meist wurden durch den Kürschner, chinesisch „Fong Pi Tsé“, einheimische Felle verarbeitet, die verschiedenen Sorten Lammfelle und Schaffelle, besonders die sogenannten Tibetlammfelle und mongolische Lammfelle, außerdem Kidfelle, Fuchsfelle und Zobelfelle. Diverse einheimische Pelzarten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Exportartikel bilden, wurden nicht zum eigenen Gebrauch verwendet, wie zum Beispiel Wieselfelle, Seefuchsfelle und andere. Besonders in Shansi gab es viele große Kürschnereibetriebe, welche die unterschiedliche Fellarten zu, in der Pelzbranche Futter genannten, Tafeln zusammennähten. Hauptsächlich geschah dies in zwei Größen, die Maquas oder Kreuze zum Füttern der Reitjacken, langer Jacken und langer Röcke mit verhältnismäßig schmalen, langen Ärmeln. Seltener war eine Form, die verlängerten Kreuzen glich und im Pelzhandel Robes genannt wurde. Die Herstellung der Reitjacken war dann denkbar einfach. Es wurde nur die Mittelnaht des Kreuzes ein Stückchen aufgetrennt, das Kreuz über den Kopf gezogen, so dass die Ärmel bedeckt waren.

Eines der wichtigsten chinesischen Pelzhandelszentren, das sich auch zu einem bedeutenden Fabrikationsort entwickelt hatte, war Suanhwa. In den dortigen Lederfabriken wurden auch Ziegenfelle zugerichtet und zu Felldecken und Mänteln verarbeitet. Diese Betriebe wurden „Rauhpelzfabriken“ genannt, während die Zurichter von Schaffellen „Feinpelzfabrikanten“ hießen. Von den Ersteren wurde 1929 gesagt, sie „tätigen ein sehr gutes Exportgeschäft, besonders nach England“. Feine Pelze wurden nur für den Inlandsbedarf verarbeitet. Da die Rauhpelzfabrikanten nur Felle ausgewachsener Schafe und keine kleinen Kidfelle verarbeiteten, wurden sie auch „Lao-Pi-Hang“ genannt, das heißt „Hersteller von alten Fellen“.Die englisch-chinesische Pelzbranche. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 26, 2. März 1929.

Um 1900 wurde der chinesische Kürschner als ein bescheidener, anspruchsloser Handwerker beschrieben. Gewöhnlich war er ein Angestellter eines chinesischen „Shops“ oder Ladens, in dem auch fertige Pelzgegenstände verkauft wurden. Die dort beschäftigten Arbeiter waren oft noch jung, ihre Anzahl entsprach jeweils der Firmengröße. Der Tageslohn betrug, bei freier Kost und Wohnung, „die aber meist sehr dürftig ausfällt“, nach damaligem Umrechnungskurs etwa eine Mark. Das Handwerkszeug war im Vergleich zum westlichen Kürschner sehr einfach, es beschränkte sich auf ein halbkreisförmiges Messer, eine Zange und Zwecknägel. Im Allgemeinen stellte man nur einfache Kleidung oder Halbfabrikate her, wie weite Röcke und größere oder kleinere Fellkreuze. Nach asiatischem Brauch wurden Fuchsfelle, Wolfsfelle, Luchsfelle und oft Marderfelle in verschiedene Fellteile zerlegt und aus den gleichartigen Teilen, beispielsweise den Köpfen, ganze Futter zusammengesetzt. Die meisten Betriebe hatten sich dabei auf eines der Produkte spezialisiert. Die Anfertigung von Pelzbekleidung beschränkte sich hauptsächlich auf das Ausfüttern von Jacken und langen Röcken, manchmal wurden auch die federgeschmückten Mandarinenhüte mit Zobelfell, Marderfell, oder Otterfell verbrämt. Die chinesische Pelzzurichtung, das Gerben der Felle, entsprach zu der Zeit im Allgemeinen noch nicht der westlichen Qualität.

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreiteten die Engroskürschner über Angestellte, Agenten und Kunden diese Fabrikate über das ganze Reich bis in den fernen Süden. Sie unterhielten in allen chinesischen Städten Verkaufsläden, in denen man die Futter auch, mit Seidenstoffen überzogen, als fertige Kleidungsstücke kaufen konnte. In einzelnen Städten gab es ganze Straßenreihen mit nur Kürschnerläden, beispielsweise in Peking und Mukden.

mini|hochkant|Chinesische Kürschnerwerkzeuge Der Rauchwarenhändler Emil Brass, der um 1900 einige Jahre in China tätig war, verglich die chinesischen mit den europäischen Kürschnern:

Zu der Zeit bildeten die Kürschner überall starke Gilden, welche die Arbeitsbedingungen regulierten. So durfte zum Beispiel ein Kürschnergeselle auch bei starkem Arbeitsanfall nicht länger als von 10 bis 16 Uhr beschäftigt werden, um möglichst viele Leute in Arbeit zu halten, die spätestens in der Saison benötigt wurden.

Als der Wunsch der ausländischen Käufer stärker wurde, anstelle der Fellkreuze die Felle zu Tafeln zusammengesetzt zu bekommen, stellten sich die Produzenten um. „Kidskintafeln“ wurden seit etwa den 1920er Jahren in 115 cm Länge und 50 cm Breite geliefert.

Nach 1945 mini|Lammfellkleidung, angeboten auf dem Markt in ZhangjiakouBegleittext: „Selbst in Zhangjiakou, dessen einziges Gewerbe der Handel mit Pelzen aus der Mongolei war, aus dem es seit der Antike stammte, florierte der Handel aufgrund verschiedener politischer Faktoren nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit. Allerdings findet zur Hochsaison ein Sho-Markt statt, auf dem in der Stadt viele Pelze und Pelzprodukte zu sehen sind.“ Die Geschichte der Pelzindustrie in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong reicht zurück bis in die 1930er Jahre, als einige erfahrene Kürschner aus Shanghai und Ningbo hier Werkstätten und Einzelhandelsgeschäfte eröffneten. Anfänglich bediente der Handel den heimischen Markt, der durch den wachsenden Wohlstand der einheimischen Kundschaft stetig wuchs, hinzu kam eine kontinuierlich zunehmende Anzahl von Touristen. In den 1950er und 1960er Jahren siedelten sich beständig weitere Kürschner aus Shanghai an. 1970 öffnete sich der Markt nach Japan, verbunden mit einer erheblichen Zunahme des Exports. Eine Zeit lang war Hongkong der weltgrößte Exporteur von Pelzwaren.Hong Kong Fur Industry. In: Member Directory 1997-1998, Hong Kong Fur Federation, Hongkong, S. 2. Die Hafenstadt hatte sich zu einem bedeutenden Lieferanten von Pelzkonfektion entwickelt, hauptsächlich im Billigpreisbereich. 1981 gab es hier etwa zweihundert Pelzfabriken mit 10 bis 600 Mitarbeitern. Als eigentlicher Begründer der dortigen Pelzindustrie wurde Mr. Stephen Fong genannt, der sich etwa 1940 mit seinen mitgebrachten Arbeitnehmern hier angesiedelt hatte.Walter Langenberger: Hongkong - das Schaufenster Asiens. In: Pelz International, Februar 1981, S. 45–46. Um 1991 betrug der weltweite Export von Pelzbekleidung aus Hongkong über eine halbe Milliarde DM. Die Produktionsstätten lagen jedoch nicht in den damals von der chinesischen Regierung ausgewiesenen Gebieten mit Sonderstatus (zum Beispiel Shenzhen an der chinesischen Hongkong-Grenze), sondern grenznah dahinter auf „tatsächlich“ chinesischem Bereich, wo ein Monatslohn etwa 120 Mark betrug.Volker Schöpke: Viele Fabriken gehen nach (Rot-)China … In: LPT-Journal Heft 12, Dezember 1992, S. 7. Seit 1982 findet alljährlich die Pelzmesse Hong Kong International Fur Fair statt.About Us. – Hong Kong Fur Federation (englisch). Abgerufen am 19. Juni 2022.

Entgegen dem zurückgehenden Geschäft in Europa boomte seit etwa 1995 der chinesische Pelzmarkt,Berit Sandberg: Strong Competition in the Chinese Market. In: CFC Customer Magazine 2002, February Auction, Copenhagen Fur Center, Glostrup, S. 14 (englisch). in vielen Städten entstanden große Pelz-Einkaufscenter.Mick Madsen: Chinese Yuan to Enter European Fur Retail Buskiness. In: News, Kopenhagen Fur, Glostrup, April 2012, S. 14 (englisch). Der wohl größte Einzelhändler Chinas, Harbin International Fur City (HIFC), bot in Harbin Pelzkonfektion auf einer Fläche von 11.000 Quadratmetern an.Show and Service Drove Sales in Harbin. In: News, Kopenhagen Fur, Glostrup, Februar 2011, S. 20 (englisch). Die Bedeutung des Landes innerhalb der Pelzkonfektion zeigte sich unter anderem daran, dass das bis 2024 größte Auktionshaus für Pelzfelle, das dänische Kopenhagen Fur, 2014 in Tong Er Pu (Provinz Liaoning) in China das weltweit erste Zollfreilager, als Kühlhaus für Felle der dortigen Kunden errichten ließHeidi Cecilie Lorvik: Duty-Free Warehouse in China Almost Ready for Use. In: News, Kopenhagen Fur, Glostrup, September 2014, S. 16 (englisch) (geschlossen 31. Dezember 2019).Kopenhagen Fur – Neues Kühlhaus in Thailand (geplant für Januar 2020). In: Pelzmarkt Newsletter 02/2019, Deutscher Pelzverband, S. 3.

Um 2000 war China bereits von einem weltweiten Lieferanten von Pelzhalbfabrikaten in gleicher Bedeutung zu einem Lieferanten von Pelzkonfektion aufgestiegen. Für den westlichen Markt waren das vor allem Kleinteile aus den gängigen Fellarten Kanin und Nerz, aber auch anderen Fellarten. Das niedrige Lohnniveau ermöglichte es, in der neu entwickelten Technik des Verwebens und Flechtens von schmalen Fellstreifen gefertigte Schals und Westen konkurrenzlos preiswert anzubieten, eine Arbeit die zudem von angelernten Kräften ausgeführt werden kann.

Im Oktober 2005 hatten sich das Festland und Hongkong im Rahmen der dritten Phase des CEPA darauf geeinigt, den Festlandmarkt für Hongkonger Unternehmen weiter zu liberalisieren. Im Rahmen des „Mainland and Hong Kong Closer Economic Partnership Arrangement“ (CEPA III) hatte sich das Festland bereit erklärt, alle Produkte aus Hongkong, darunter auch Pelzwaren, ab dem 1. Januar 2006 zollfrei zu behandeln.