PristinaPristina ist die in aktuellen deutschsprachigen Veröffentlichungen am häufigsten gebrauchte und vom StAgN empfohlene Schreibweise. Die Aussprache lautet dessen ungeachtet [] („Prischtina“) und entspricht damit sowohl der albanischen als auch der serbischen Variante. ( bzw. ; ; ) ist die Hauptstadt der Republik Kosovo und mit fast 150.000 Einwohnern zugleich die größte Stadt und Gemeinde des Staates.

Pristina ist Regierungssitz und somit das politische Landeszentrum. In der Stadt befinden sich der Sitz der Regierung, der Parlamentssitz und der Amtssitz der Präsidentin. Des Weiteren sind hier die Hauptquartiere der UNMIK- und OSZE-Missionen im Staat ansässig. Im Mittelpunkt des Amselfeldes gelegen ist Pristina auch Verkehrsknotenpunkt sowie wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Republik Kosovo.

Zur 227.466 Einwohner zählenden Gemeinde Pristina gehören neben dem Stadtgebiet noch 41 umliegende Ortschaften. Pristina ist zudem Hauptstadt eines Bezirkes mit 490.272 Einwohnern.

Geographie Pristina liegt östlich des zentralen Kosovo in der historischen Landschaft Amselfeld (, ) auf 595 m ü. A.Messung beim Rathaus der Stadt Umgeben ist die Stadt von den fruchtbaren Ebenen dieser Region, nur im Osten erheben sich die Hügel des Zhegoc ( Žegovac).

In der Stadt gibt es keine Flüsse mehr. Die bis in die 1950er Jahre existierenden Flüsse, die Pristina und die Vellusha, wurden durch Müll und Erde weitgehend zugedeckt und verschwanden aus dem Stadtbild. Die beiden mündeten einst in die Sitnica, die westlich des Stadtgebiets nach Nordwesten fließt.

Die Berge des Zhegoc sind teilweise als Landschaftsschutzgebiet Gërmia-Park geschützt. Der Park ist ein beliebtes Naherholungsgebiet am östlichen Stadtrand. Er grenzt im Süden an den Badovac-See, ein Reservoir von etwa 5,5 Kilometern Länge.

Gemeindegliederung → siehe Hauptartikel Gemeinde Pristina

Klima In Pristina herrscht gemäßigtes kontinentales Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,4 °C und einer Jahresniederschlagssumme von knapp 600 mm vor. Im Juli liegt die Durchschnittstemperatur bei 20 °C, im Januar bei −0,6 °C.

Geschichte

Antike Auf Stadtgebiet wurden Terrakotta-Figuren aus der Vinča-Kultur (4.–5. Jahrtausend v. Chr.) gefunden, darunter die Gottheit auf dem Thron.

Ulpiana, das in der Nähe des heutigen Klosters Gračanica, beim heutigen Lipjan liegt,Miroslava Mirković: Moesia Superior-Eine Provinz an der Mittleren Donau. Orbis Provinciarum, Zaberns Bildbände zur Archäologie, Sonderbände der Antiken Welt, Philipp von Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-3782-3, S. 60 wurde als eine der neun Städte Obermösiens in der Zeit von Domitian bis Mark Aurel gegründet.Miroslava Mirković 2007, S. 43. Sie entwickelte sich aus einer kaiserlichen Domäne, die in der Nähe von dort bestehenden Bergwerken lag.Miroslava Mirković 2007, S. 44. Der Name findet sich bei griechischen Autoren als Oulpianón, Oulpiána oder Oulpianá in verschiedenen Schreibweisen, im lateinischen jedoch durchgehend Ulpiana.Miroslava Mirković 2007, S. 60. Der Name beweist eindeutig, dass die Stadt unter Traian (Ulpis Traianus) entstanden ist. Die Stadt besaß die Form eines Trapezes mit einer Seitenlänge von 500 m. Sie erhielt im 4. Jahrhundert eine Stadtmauer von ca. 3 m Dicke, die durch halbkreisförmige Türme im Abstand etwa 30 m verstärkt war. Etwa 400 m von der Ostmauer wurde ein quadratisches Kastell mit Seiten- und Ecktürmen entdeckt, das als Lager in der Notitia Dignitatum erwähnten legio Pseudocomitatensis Ulpianensis diente.

Die Einwohnerschaft bestand, wie in allen neuen Stadtgründungen Obermösiens, ursprünglich aus Einwanderern aus Italien und den westlichen Provinzen des Reiches. Anhand epigraphischer Zeugnisse wurde die Herkunft der Einwohnerschaft des Municipiums Ulpiana als hauptsächlich aus Veteranen bestehend festgestellt. Erst seit dem Ende des 2. Jahrhunderts kamen auch romanisierte Einheimische hinzu. Ausländer sind durch Inschriften zahlreich belegt, Einheimische können dagegen durch nur selten gefundene Inschriften nicht besonders zahlreich gewesen sein.Miroslava Mirković 2007, S. 61. Die einheimischen Namen – das einzige Anzeichen, dass es sich um Angehörige der alteingesessenen Bevölkerung handelte – verschwanden schnell, schon in der nächsten Generation, sobald sie das römische Bürgerrecht erhielten. So trugen z. B. Aurelius Stilo Babonius und seine Frau Ziza Merula einheimische Namen, während ihr Sohn auf derselben Inschrift bereits mit dem römischen Namen Aurelius Aquilinus erscheint. Bei Spätantiken Schriftstellern wird Ulpiana als Militärlager und Bischofssitz bezeichnet. An der Römerstraße von Shkodra über Lezha nach Niš (Naissus) gelegen,Radivoj Radić: Lipljan. In: Siniša Mišić (Hrsg.): Leksikon gradova srednjovekovnjih srpskih zemalja - prema pisanim izvorima. Zavod za Udzbenike, Belgrad 2010, ISBN 978-86-17-16604-3, S. 167. wurde sie ein zur Metropolis Scupi gehöriger Bischofssitz. Nach dem 4. Jahrhundert gibt es nur wenige Nachrichten über die weiteren Geschicke der Stadt. Sie sind zudem in den Quellen verstreut, so dass es schwer ist, die Ereignisse zu rekonstruieren. Im 5. Jahrhundert wurde sie von den Goten erobert – im Jahre 472 n. Chr. sandte der gotische Fürst Thiudimer seinen Sohn Theoderich mit den Begleitern Astat und Invilia und 3000 Leuten zu diesem Zweck von Naissus nach Ulpiana.Miroslava Mirković 2007, S. 62.

Nachdem Ulpiana während der Völkerwanderung in der Spätantike zerstört worden war, baute sie der Byzantinische Kaiser Justinian I. als Iustiniana Secunda wieder auf.Radivoj Radić 2010, S. 167. Der alte römische Name der Stadt wurde, wenn auch etwas verändert, zu – Lipiana, Lipenion weitergenutzt. Die Serben übernahmen den Namen als Lipljan. Das letzte Zeugnis zur Stadt Ulpiana stammt aus dem Jahre 1020 in der Zeit Kaiser Basileios II.

Mittelalter Im Mittelalter wurde das nördlich Ulpianas als dörfliche Siedlung entstandene Priština im Zuge der Landnahme der Slawen auf dem Balkan durch serbische Stämme besiedelt und entwickelte sich nach der Eroberung des Amselfeldes unter den Nemanjiden zu einem der Zentren der mittelalterlichen serbischen Kultur. Über Priština verliefen die Handelsstraßen von Belgrad und der Save nach Süden sowie aus Kroatien und Bosnien an die Küste des Adriatischen Meeres.Marija Vušković: Priština. In: Siniša Mišić (Hrsg.): Leksikon gradova srednjovekovnjih srpskih zemalja – prema pisanim izvorima. Zavod za Udzbenike, Belgrad 2010, ISBN 978-86-17-16604-3, S. 228. In der Gründungsurkunde König Stefan Uroš II. Milutin an das Kloster Banjska 1315/16 (Svetostefanska hrisovulja) wird die Straßenverbindung auf dem Amselfeld als Prištinski put (Prištiner Straße) bezeichnet.Marija Vušković 2010, S. 228. Priština diente unter der Herrschaft von Stefan Uroš II. Milutin (1282–1321) und seiner Nachfolger auch als eine der Residenzen der serbischen Monarchen, in denen abwechselnd die jeweiligen Reichstage abgehalten wurden. Gleichzeitig erfolgte die Neugründung des unweit gelegenen Klosters Gračanica als Bischofssitz von Lipljan sowie Milutins zuerst angedachter monarchischer Ruhestätte.Slobodan Ćurčić: Gračanica: King Milutin’s church and its place in late Byzantine architecture. Pennsylvania State University, University Park 1979, ISBN 0-271-00218-2, S. 128 ff.

Mitte des 14. Jahrhunderts war Priština ein unbefestigter Platz ländlichen Charakters, auf dem sich ein Schloss der serbischen Könige und Kaiser befand. Sie lag noch zu Anfang des 14. Jahrhunderts an der Grenze zwischen dem Nemanjiden- und dem Byzantinischen Reich. Unter Stefan Dušan verstärkte sich die Gräzisierung des serbischen Thrones und der Gesellschaft, die sich auch in der Einmischung in den Byzantinischen Bürgerkrieg niederschlug. So wurde der von Stefan Dušan favorisierte Byzantinische Kaiser Kantakuzenos im Juli 1342 in Priština vom serbischen Königspaar mit großen Ehren empfangen.Georg Ostrogorsky: Byzantinische Geschichte 324–1453. Unveränderter Nachdruck der 1965 erschienenen Originalausgabe Geschichte des Byzantinischen Staates. C.H. Beck, München 1996, ISBN 3-406-39759-X, S. 447. Infolge der Kaiserkrönung Stefan Dušans 1349 wurde die Stadt formal Dušans Mitregenten Stefan Uroš V. unterstellt. Die südlichen Teile des Serbischen Reiches fielen nach Dušans Tod 1355 an die Mrnjavčevići. Priština verblieb jedoch im Territorium von Zar Uroš V. In Priština verfasste Uroš am 11. März 1365 eine Charta an die Söhne des Sebastokrators aus Ohrid Mladen Branković – Grugur und Vuk, deren Herkunfts- und Feudalgebiete in der Drenica standen, die diese durch Stiftung großer Metohi (Klosterländerein) in der Drenica und bei Srbica an das Primatskloster der Serbischen Kirche Hilandar zum maßgebenden Ktetor (Stifter) des Klosters bestimmte.Marko Šuica: Vuk Branković. Evoluta, Biblioteka Polihistor, Bd. IX, Belgrad 2014, ISBN 978-86-85957-57-4, S. 40. Der Schlacht an der Marica 1371 folgend, fiel Priština in den Besitz von Lazar Hrebeljanović, der auch das nahegelegene große Bergwerkszentrum Novo Brdo und seinen Geburtsort Pripec als engeres ursprüngliches Feudalgebiet kontrollierte.Marko Šuica 2014, S. 60. Nachdem Lazar seine älteste Tochter Mara 1370 oder 1371 mit Vuk Branković vermählt hatte, übergab er seinem Schwiegersohn auch Priština, wo dieser dann das Zentrum seiner feudalen Herrschaft einrichtete.Milica Grković: Vuk Branković. In: Milica Grković (Hrsg.): monahinja Jefimija, knez Lazar, kneginja Milica, Vuk Branković, nepoznati ravanički monasi, despot Stefan Lazarević, David, Andonije Rafail Epaktit, Jelena Balšić, najstariji srpski zapisi o Kosovu. Stara Srpska Književnost, Bd. 16, Prosveta, Belgrad 1993, ISBN 86-07-00720-3, S. 25. In Priština hatte Vuk seine Kanzlei, die mit der Republik Ragusa sowie dem Kloster Hilandar in wechselseitigen Korrespondenzen und Verträgen in symbolischer Erbfolge der Reichs-Tradition der Nemanjiden auftrat. Vuk sicherte sich über seine Position als Ktetor des Klosters Hilandar maßgeblichen Einfluss auf die Serbisch-Orthodoxe Kirche. In der von ihm herausgegebenen Hilandar-Goldbulle wies er weite Ländereien um Priština als Metohi der Klosterbruderschaft zu.Milica Grković (Hrsg.): monahinja Jefimija, knez Lazar, kneginja Milica, Vuk Branković, nepoznati ravanički monasi, despot Stefan Lazarević, David, Andonije Rafail Epaktit, Jelena Balšić, najstariji srpski zapisi o Kosovu. Stara Srpska Književnost, Bd. 16, Prosveta, Belgrad 1993, S. 116.

Vuk Branković schloss in Priština 1387 einen separaten Vertrag mit den Kaufleuten von Dubrovnik ab und gab dabei auch eine Urkunde heraus, die den Status der Dubrovniker Kaufleute in der Stadt regelte. Der Dubrovniker Marko Zvizdić stiftete testamentarisch im gleichen Jahr Geld für die Vollendung der Arbeiten an der Marienkirche Prištinas. Dieser Quellenhinweis auf eine katholische Kirche deutet auf eine größere Bevölkerung Dubrovniker Kaufleute in der Stadt noch vor der Schlacht auf dem Amselfeld hin.Marija Vušković 2010, S. 228.