Die Schnellfahrstrecke Eltersdorf–Leipzig ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die als Schnellfahrstrecke insbesondere für den Schienenpersonenfernverkehr konzipiert wurde. Sie zweigt in Eltersdorf von der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg ab und führt über Bamberg und Erfurt nach Leipzig bzw. Halle (Saale).
Über eine Verbindungskurve bei Schkopau sind direkte Zugfahrten von Nürnberg nach Halle (Saale) und Berlin möglich. Außerdem gibt es zwei Verbindungskurven zur Bahnstrecke Eisenach–Lichtenfels, sodass Züge auch über Coburg verkehren können.
Die Strecke wurde im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 geplant und ist Teil der Achse Nr. 1 (Berlin–Verona–Palermo) der Transeuropäischen Netze.
Streckenbeschreibung
Abschnitt Eltersdorf–Erfurt Der erste Abschnitt der Schnellfahrstrecke ist als eine viergleisige Ausbaustrecke zwischen Eltersdorf und Ebensfeld ausgeführt. In diesem Bereich verläuft die Schnellfahrstrecke parallel zu den Strecken Nürnberg–Bamberg (5900) und Bamberg–Hof (5100) auf einer gemeinsamen im Richtungsbetrieb befahrenen viergleisigen Trasse. Der Knoten Bamberg (Abschnitt Strullendorf–Hallstadt) ist noch nicht fertiggestellt, die übrigen Abschnitte wurden zwischen 2017 und 2025 eröffnet. Die beiden innenliegenden Gleise dienen dem Regionalverkehr mit Bahnsteigen an allen Stationen, während die beiden Außengleise mit bis zu 230 km/h befahren werden können und dem Fernverkehr dienen. Nördlich von Bamberg liegt bei Breitengüßbach ein Überwerfungsbauwerk, mit dem die Schnellfahrstrecke von ihrer Seitenlage in einen Linienbetrieb übergeht. Die Schnellfahrstrecke nach Erfurt liegt nun westlich, die Strecke nach Hof östlich. Die letzte gemeinsame Betriebsstelle von Schnellfahrstrecke und Bestandsstrecke ist der Betriebsbahnhof Unterleiterbach. Zwischen Unterleiterbach und der Gemeinde Ebensfeld verlaufen die Strecken 5919 und 5100 noch auf einem gemeinsamen Planum weiter, allerdings kann der Zugverkehr hier nicht mehr zwischen den beiden Strecken wechseln. Ebensfeld besitzt einen Haltepunkt auf der Bestandsstrecke 5100, jedoch keine Betriebsstelle auf der Neubaustrecke 5919. Nördlich von Ebensfeld trennen sich die Strecken räumlich.
Entgegen der Kilometrierung betrachtet verläuft die Strecke ab Erfurt Hauptbahnhof Richtung Westen auf der nördlichen Seite des Geratals parallel zu den Gleisen der Thüringer Bahn. Hiervon trennt sie sich vor Erfurt-Bischleben, um nach Fluss- und Straßenüberbrückung im Tunnel Augustaburg zu verschwinden. Nach dem Tunnel schwenkt die Trasse parallel zur Bundesautobahn 71 Richtung Süden ein. Zuerst wird neben der westlich liegenden Autobahn auf der Apfelstädttalbrücke die Apfelstädt, eine Landstraße und die Thüringer Bahn überquert. Danach schließt sich die Geratalbrücke Ichtershausen an, die die A4 am Kreuz Erfurt, die A71 in einem schleifenden Schnitt und wiederum die Gera überbrückt. Es folgt bis Neuroda der 23 km lange Bündelungsabschnitt auf der westlichen Seite der A71 mit einem Trassenabstand von 40 Metern auf dem Rücken zwischen Gera- und Wipfratal. Mit dem Tunnel Sandberg, der die A71 unterquert, trennen sich die Trassen und die SFS gelangt an den Westhang des Ilmtals. Anschließend folgt noch ein ungefähr 7 km langer Abschnitt mit der Wümbachtalbrücke bis zum neuen Bahnhof Ilmenau-Wolfsberg. Östlich von Ilmenau wird das Ilmtal mit einem imposanten Talübergang gequert.
Nach Ilmenau erfolgt die technisch aufwendige Querung des Thüringer Waldes mit neun Tunneln mit einer Gesamtlänge von mehr als 22 km. Die Strecke führt südwärts über der Westflanke des Wohlrosetals weiter. Nach Überbrückung der Wohlrose beginnt der nahezu 7,5 km lange Silberbergtunnel, mit dem der Höhenrücken zum Oberen Einzugsgebiet der Oelze unterfahren wird. Ihm folgen unmittelbar mehrere Talbrücken und Tunnel sowie die Überleitstelle Massetal. Nun strebt die Schnellfahrstrecke an den westlichen Abhängen des oberen Schwarzatals, herabziehende Seitengräben zwischen Bergsporntunnels aufgrund des geradlinigen Verlaufs überbrückend, nicht nur ihrem Scheitelpunkt auf rund 600 m ü. A., sondern auch dem letzten durchbohrten großen Bergrücken, jenem des Bleßbergs, zu. Im Oberlaufgebiet der Itz gelangt sie zum Froschgrund, südlich davon am und im westlichen Höhenzug des Itztals zur Überbrückung desselben östlich von Coburg. Die kreisfreie Stadt wird in ihrem hügeligen Hinterland umfahren. Die Strecke führt dann an den Ostabhängen des Itztals weiter nach Süden und durchmisst den Geländerücken südostwärts zum Maintal mit dem Tunnel Eierberge. Am Talboden des weiten Tals angelangt, erreicht sie nach der Flussbrücke auf Höhe der Ortschaft Ebensfeld die hier südwestwärts verlaufenden Bahnstrecke Bamberg–Hof.
Der Baukilometer 0,0 der Neubautrasse Ebensfeld–Erfurt lag in Ebensfeld bei km 20,4 der Strecke Bamberg–Hof. Das Ende befand sich in Erfurt an den Einfahrsignalen des Hauptbahnhofs.
Die Trasse ist 107 km lang, davon liegen 34 km in Bayern und 73 km in Thüringen. Die Trassierung erfolgt mit einer Maximalneigung von 12,5‰, in Teilstücken bis 20‰, sowie mit einem Regelradius (horizontaler Kurvenradius) von 6300 Metern und einem Mindestradius von 3700 Metern. Die Regelausrundung (vertikaler Kurvenradius) liegt bei 25 000 Metern, der Mindestwert bei 22 500 Metern. Sie quert dabei zwischen Truckenthal und Ilmenau auf einer Länge von 27,4 km den Thüringer Wald und steigt dabei zeitweilig auf eine Höhe von bis zu rund 600 Meter über NHN an. In diesem Abschnitt liegen neun Tunnel mit einer Gesamtlänge von 22,7 km (83 % Anteil an der Gesamtlänge). Die dazwischen liegenden Quertäler werden durch neun Brücken gequert. Der Scheitelpunkt der Strecke liegt bei Goldisthal in 603 m Höhe, zwischen der Grubentalbrücke und der Dunkeltalbrücke. Da 46 km der Strecke auf mehr als 400m Höhe liegen, wurden entsprechende Vorbereitungen für den Winterbetrieb getroffen. Dafür sind in Erfurt Schneeräumfahrzeuge stationiert, im Thüringer Wald wurden punktuell Schneefangeinrichtungen sowie entlang der Strecke vier Wetterstationen errichtet.
Mehr als fünfzig Prozent der Streckenlänge bestehen aus Ingenieurbauwerken – ein neuer Spitzenwert für Neubaustrecken in Deutschland. Die 22 Tunnel haben eine Gesamtlänge von 41 km, davon sind die beiden längsten der Tunnel Bleßberg mit 8326 Metern und der Tunnel Silberberg mit 7407 Metern. Die 29 Talbrücken weisen eine Gesamtlänge von 12 km auf, die längste ist die Ilmtalbrücke mit 1681 Metern. Daneben existieren 46 Straßen- und Wegeüberführungen.Im ICE nach Coburg oder an Coburg vorbei? In: Coburger Neue Presse. 1. September 2007.
Die maßgebliche maximale Längsneigung liegt bei 12,5Promille. In vier kurzen Abschnitten wurde zur Einsparung von Investitionsmitteln eine kurzzeitige Anhebung auf 20Promille eingeplant. Unter Beachtung einzuhaltender Mindestgeschwindigkeiten betrug die maximale Zugmasse in Abhängigkeit vom Triebfahrzeug zwischen 1035 und 1270 Tonnen, in Einzelfällen sind auch höhere Massen zulässig. Für 2019 geplante Änderungen an der Signalisierung zu Kosten von einer Million Euro ermöglichen mehr als 1200 bzw. 1500 Tonnen Grenzlast. Die Umsetzung erfolgte zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020. Waren derartige Abschnitte nach dem Planungsstand von Frühjahr 1994 noch nicht vorgesehen,Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Übersichtslageplan Ebensfeld - Erfurt. Planfeststellungsunterlagen, Planfeststellungsabschnitt 3, Bauabschnitt 2.11, Anlage Nr. 1.2, 2. Mai 1994 (Aktenzeichen PM - 23/94.) so waren Mitte 1994 sieben derartige Abschnitte mit Längsneigungen zwischen 17,78 und 20,0 Promille auf Längen von 400 bis 1100 Metern geplant.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Übersichtslageplan Ebensfeld - Erfurt. Planfeststellungsunterlagen, Planungsabschnitt 3, Bauabschnitt 2.2, Anlage Nr. 1.2, 1. September 1994 (Aktenzeichen PM - 23/94). Planfestgestellt durch die Außenstelle Erfurt des Eisenbahn-Bundesamtes am 20. Juni 1996 (Aktenzeichen 1011 […] NBS 2.2 – 149/96). 1993 waren, bei 1,25 Prozent maximaler Längsneigung, Zuglasten bis zu 1715 t vorgesehen. Laut Bahnangaben von 2019 seien 1200 Tonnen die Anfang der 1990er Jahre übliche Maximalmasse eines Güterzuges gewesen.
Die Bahnstromversorgung erfolgt über drei neue Unterwerke in Roth, Ilmenau und Eischleben, die durch zwei neue Stichleitungen an das Bahnstromnetz angeschlossen werden. Das vorhandene Unterwerk Ebensfeld wird für die Energieversorgung der Neubaustrecke erweitert. Bei den Erdmassen ist kein Massenausgleich vorhanden, weshalb für ungefähr 16Millionen Kubikmeter 24 Deponien angelegt werden. Bei Masserberg entsteht beispielsweise für 1,8Millionen Kubikmeter eine 54,8 Hektar große, maximal 27 Meter hohe Erddeponie.
Der dauerhafte Flächenbedarf der Neubaustrecke beträgt rund 435 Hektar. In der Bauphase werden insgesamt rund 1200 Hektar benötigt. Rund 990 Hektar Ausgleichsflächen sind vorgesehen.
1995 war geplant, die Strecke zunächst mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250km/h in Betrieb zu nehmen,Bundesministerium für Verkehr: Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. Sachstand: 1997. Broschüre (50 A4-Seiten), Bonn 1997, S. 19 f. die Trassierung jedoch bereits für eine spätere Erhöhung der Geschwindigkeit auf 300km/h auszulegen. Letztlich wurde die Neubaustrecke mit einer Streckenhöchstgeschwindigkeit von 300km/h in Betrieb genommen. Um südlich von Coburg den Einsatz von Regionalzügen zu ermöglichen, die nicht druckertüchtigt sind, wurde auf diesem Abschnitt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 250km/h herabgesetzt. Nachdem seit Juni 2024 neue, druckfeste Triebzüge zum Einsatz kommen, wurde die Geschwindigkeit im Südabschnitt (ca. km 82 bis 101) auf 280 km/h heraufgesetzt.
mini|ohne|Feste-Fahrbahn-System Bögl am Informationszentrum Goldisthal
Die Neubaustrecke ist ausschließlich für den elektrischen Zugbetrieb vorgesehen und wurde mit einer Oberleitung vom Typ Re330 ausgerüstet.
Für den Oberbau wurde die Bauform „Feste Fahrbahn“ ausgewählt, wobei die Überholgleise und die Einbindungen in das bestehende Netz in konventionellem Schotteroberbau errichtet wurden. Der Gleisabstand beträgt 4,70 Meter, die Planumsbreite in der Geraden 13,30 Meter. Im Thüringer Streckenabschnitt wurde gemäß einer Planänderung im Jahr 1998 der Gleisabstand auf 4,50 Meter reduziert. Die Planumsbreite wurde dabei auf 12,10 Meter und der Nutzquerschnitt der Tunnel von 101 auf 92 Quadratmeter vermindert.Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle Erfurt: Plangenehmigung für das Bauvorhaben Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Schiene Nr. 8 Neubaustrecke Ebensfeld – Erfurt km 34,240 – 106,861 Planänderung/Plangenehmigung Querschnittsänderungen freie Strecke, Brücken und Tunnel. Erfurt, den 8. April 1998, S. 1, 2. Die Mehrkosten für die Beibehaltung der größeren Gleisabstände in Bayern bezifferte der Bundesrechnungshof 2014 mit mindestens 35 Millionen Euro. Das Eisenbahn-Bundesamt erklärte, es habe in Bayern, im Gegensatz zu Thüringen, bei einer Änderung der Planfeststellungsbeschlüsse Risiken für den rechtlichen Bestand durch Einwendungen Dritter befürchtet. Der Bundesrechnungshof hielt dies für unzutreffend, da Betroffenheiten durch die Verkleinerung des Gleisabstandes in Bayern vermindert hätten werden können. Hinter dem Tunnel Augustaburg wird der Gleisabstand auf 4,00 Meter verzogen.
Die Gleisverbindungen zwischen den Stammgleisen sind für eine Abzweiggeschwindigkeit von 130km/h ausgelegt. Die Abstände der Überholungsbahnhöfe wurden in einer betriebswissenschaftlichen Studie ermittelt und sind entsprechend dem vorgesehenen Betriebsprogramm bemessen.
mini|ohne|Festdatenbalise für ETCS mit Schutz (schwarzer Unterbau) gegen Eisschlag im Winter, am Schaltposten Niederfüllbach (2017)