Bad Ems ist eine verbandsangehörige Stadt an der unteren Lahn und Sitz der Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises in Rheinland-Pfalz. Zugleich ist die Stadt Bad Ems Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau sowie Sitz des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz. Bad Ems ist ein staatlich anerkannter Heilkurort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Bad Ems ist eine der bedeutenden Kurstädte Europas.
Geographie Lage Die Stadt liegt auf beiden Seiten der Lahn, der natürlichen Grenze zwischen Taunus und Westerwald, Teilen des Rheinischen Schiefergebirges. Stadt und Gemarkung liegen im Naturpark Nassau. Das Stadtzentrum von Koblenz liegt ca. 8 Kilometer (Luftlinie) nordwestlich von Bad Ems.
Umgebende Gemarkungen sind (von Norden im Uhrzeigersinn) Eitelborn, Arzbach, Kemmenau, Dausenau, Oberlahnstein, Frücht, Nievern, Fachbach und Niederlahnstein.
Stadtgliederung Zur Stadt gehört eine Anzahl von außerhalb der Innenstadt liegenden Wohnplätzen: Am Klauspfad, Auf'm Klopp, Austerstücke, Bernsbach, Concordiaturm, Forstarbeitersiedlung, Gräveheid, Grisselberg, Haus Eichwald, Haus Mohrendell, Höhenhaus, Kellersweiden, Mergelkaut, Obere Malbergstation, Rullsbach, Schöne Aussicht, Seiterich, Tannenhof, Trümmerborn, Wiesbach und Wintersberg.
Klima Der Jahresniederschlag liegt mit 798 mm im bundesweiten Durchschnitt. Der trockenste Monat ist der März, die meisten Niederschläge fallen im August. Damit sind die Niederschläge recht gleichmäßig übers Jahr verteilt.
Geschichte mini|Bad Ems an der Lahn um 1900 mini|Bad Ems 2006 mini|Bad Ems, Spielbank, Kursaal und Kurhaus mini|Bad Ems – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Ankunft von Zar Alexander II. von Russland auf dem Bahnhof Bad Ems, 1871 mini|Gedenktafel am Haus „Vier Türme“ zur Erinnerung an den Emser Erlass
Römische Zeit Zur Römerzeit befanden sich im heutigen Innenstadtbereich zwei römische Militärlager, das Kastell Ems und das Kleinkastell „Auf der Schanz“, von denen nichts mehr erhalten ist. Dort waren Auxiliartruppen zum Schutz des Obergermanisch-Raetischen Limes stationiert. In unmittelbarer Nähe des Kleinkastells befand sich eine römische Ziegelei.Ulrich Brandl, Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61) Der Limes querte im Stadtgebiet im Bereich der Grabenstraße, unmittelbar östlich des Kurhauses, die Lahn, womit in der traditionellen Einteilung die zweite Teilstrecke des Obergermanisch-Rätischen Limes im Taunus beginnt. In den Wäldern um die Stadt befinden sich noch sehr deutliche Spuren der ehemaligen römischen Grenzanlage, darunter eine der frühesten Turmrekonstruktionen auf dem Wintersberg. Funde aus dem Kastell sowie dem Kastellbad zeigt das Museum Bad Ems.
Das Emser Gebiet stand aber vermutlich schon vor der Errichtung des Limes im Fokus der Römer. Jüngere Befunde wiesen das neronische Militärlager auf dem „Ehrlich“-Plateau und ein weiteres auf dem „Blöskopf“Frederic Auth, Daniel Burger-Völlmecke, Peter Henrich, Markus Scholz, Markus Wittköpper: Ein römischer Militärstützpunkt mit hölzernen Annäherungshindernissen. Vorbericht über die Ausgrabungen von 2019 auf dem »Blöskopf« bei Bad Ems (Rhein-Lahn-Kreis). In: Archäologisches Korrespondenzblatt. Band 50/4, 2020, S. 525–542, doi:10.11588/ak.2020.4.82366. nach. Auf dem „Blöskopf“ liegen zudem Anzeichen für eine römerzeitliche Ausbeutung der dortigen Silberlagerstätten vor. Grabungen beim modernen Thermalbad im Innenstadtbereich haben 2019 weitere Siedlungsbefunde ans Licht gebracht, die möglicherweise ebenfalls aus dem ersten Jahrhundert stammen.Bisher nur in Artikeln in der Rhein-Zeitung veröffentlicht.
Mittelalter Das Dorf Ems ist vermutlich eine fränkische Gründung aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Im Jahr 880 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entwickelte es sich am Unterlauf des Emsbachs als ländliche Siedlung, zu der auch viele Weingärten gehörten. Im Jahre 1324 erteilte König Ludwig der Bayer die Stadtrechte.Hans-Jürgen Sarholz: Geschichte der Stadt Bad Ems. 2. Aufl. Bad Ems 1996, S. 62 ff. Östlich des Dorfes, am Austritt der Thermalquellen, entstand vermutlich im 14. Jahrhundert das Emser Bad, das im Jahr 1352 als das „warm bayt by Eumetze“ belegt ist. Graf Johann von Nassau-Hadamar verfügte 1361 in der Wittumsbeschreibung zugunsten seiner Ehefrau Elisabeth von Waldeck u. a. „unnser Badt zu Embs“. 1382 stand ein „Thurne ubir dem bade“. 1474 und 1479 erfolgten weitere umfangreiche Baumaßnahmen der beiden Landesherren, der Grafen von Nassau und der Grafen von Katzenelnbogen. Auch eine Kapelle wurde auf dem Bad errichtet. Bad Ems gehörte bereits im Spätmittelalter zu den überregional bedeutenden Bädern, die zum Beispiel von den Erzbischöfen von Trier und Mainz wie auch von den Landesherren aufgesucht wurden. Die Badegebäude standen im Bereich des späteren Kurhauses (heute Häcker’s Grand Hotel). Auch die erste gedruckte Badeschrift in deutscher Sprache, Hans Folz’ Puchlein von allen paden (um 1480), erwähnte bereits Ems.Sarholz: Geschichte, S. 169 ff.
Neuzeit Im 17./18. Jahrhundert galt Ems als einer der berühmtesten Badeorte Deutschlands. Er stand zu dieser Zeit unter der gemeinschaftlichen Herrschaft von Oranien-Nassau und Hessen-Darmstadt. In dieser Zeit entstanden wichtige Bauwerke, vor allem 1709 bis um 1725 das Fürstlich Oranien-Nassauische Badehaus, das mit der wohl ältesten Brunnenhalle Deutschlands noch heute im Ostteil des Kurhauses (Häcker's Grandhotel) erhalten ist, die katholische Kapelle Maria Königin (1661 auf damals kurmainzischem Gebiet erbaut), das Mainzer Haus (1696 ebenfalls auf kurmainzischem Gebiet) und das Haus Vier Türme (1696). Im Mainzer Haus auf der linken Lahnseite (Spieß-Ems) tagte 1786 der Emser Kongress der Deputierten der geistlichen Kurfürsten und verabschiedete die Emser Punktation. Seit 1806 war Ems ein Teil des Herzogtums Nassau. 1822 wurden Ort und Bad zu einer Gemeinde vereinigt. 1863 wurde Ems Stadt. Das Herzogtum Nassau wurde 1866 von Preußen annektiert und gehörte verwaltungsmäßig zum Amt Nassau im Unterlahnkreis im Regierungsbezirk Wiesbaden. Als Eingangsgericht wurde das Amtsgericht Ems eingerichtet.
Seine Glanzzeit erlebte der Ort im 19. Jahrhundert als „Weltbad“ und Sommerresidenz zahlreicher europäischer Monarchen und Künstler, unter anderem Kaiser Wilhelm I., die Zaren Nikolaus I. und Alexander II. von Russland, Richard Wagner, Wassili Wereschtschagin und Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Die damals schon existierende Lahntalbahn war von hoher strategischer Bedeutung und wurde bald Bestandteil der sog. Kanonenbahn von Berlin nach Metz als militärstrategische Eisenbahnverbindung des neuen Deutschen Kaiserreiches.
Die Veröffentlichung der Emser Depesche trug zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 bei, der zur deutschen Reichsgründung führte. Des Weiteren unterzeichnete Zar Alexander II. im Jahre 1876 im Haus Vier Türme den Emser Erlass, der die Verbreitung von literarischem Schrifttum in ukrainischer Sprache unter Strafe stellte. Eine Gedenkinschrift an besagter Stätte erinnert an das historische Ereignis.
Seit 1913 trägt der Ort den offiziellen Zusatz Bad. Die Geschichte als einer der großen europäischen Kurorte des 19. Jahrhunderts prägt bis heute das Stadtbild. An das historische Kurviertel mit eindrucksvoller und gut erhaltener Kurarchitektur schließen sich ehemalige Hotels und Logierhäuser sowie Villenviertel an. Bauten wie die Russische Kirche und die Malbergbahn gehören ebenfalls dazu. Eingebettet ist die Stadt in eine malerische Landschaft, die früh durch Promenaden und Spazierwege zu Aussichtspunkten erschlossen wurde, die teilweise bis heute erhalten sind.
Das 20. Jahrhundert brachte mit den beiden Weltkriegen und den Besatzungszeiten tiefgreifende Veränderungen. An das Schicksal der während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Juden erinnern zahlreiche Stolpersteine. Seit den 1950er Jahren veränderte sich der Kurbetrieb hin zur „Sozialkur“. Im Jahre 1947 wurde in Bad Ems das Statistische Landesamt für Rheinland-Pfalz angesiedelt, und im Zuge der Gebietsreform von 1969 wurde die Stadt Verwaltungssitz des neu gebildeten Rhein-Lahn-Kreises und 1972 der Verbandsgemeinde Bad Ems.
Zusammen mit zehn anderen Kurorten Europas, den Bedeutenden Kurstädten Europas, wurde Bad Ems 2021 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die positive Entscheidung über die Aufnahme erfolgte am 24. Juli 2021.
Bergbau Im 19. und 20. Jahrhundert war der heutige Kurort auch durch bedeutenden Erzbergbau geprägt. Der Schwerpunkt der Förderung lag auf den Metallen Blei, Silber, Zink und Kupfer. In römischer Zeit gab es vielleicht schon Erzgewinnung im Tagebau, von dem heute noch zahlreiche Pingen am Blöskopf zeugen. Im Mittelalter ging man zum Untertageabbau mit Stollen und Schächten über. Erstmals urkundlich erwähnt ist der Bergbau in einer Urkunde aus dem Jahr 1158, jedoch war der Abbau im Spätmittelalter unterbrochen. Für den Zeitraum von 1595 bis 1605 ist ein Eisenwerk im Ort nachgewiesen, das Nassau-Oranien gegenüber abgabepflichtig war.
Im 18. Jahrhundert wurde er wieder aufgenommen. Das Zeitalter der Industrialisierung führte zu einem umfangreichen Ausbau des Betriebes, der ab 1871 als Emser Blei- und Silberwerk AG firmierte. 1909 wurde das Unternehmen von der späteren Stolberger Zink AG übernommen und bis zum kriegsbedingten Ende 1945 (am 19. März Ausfall des öffentl. Stromnetzes durch Bombardierung, dadurch Ausfall der Pumpen in den Gruben: Volllaufen / Absaufen der Gruben mit Grundwasser) als Bergwerk weitergeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es nicht zur Wiederaufnahme der Förderung. Bis 1959 wurden in der Zentralaufbereitung Silberau noch Haldenbestände sowie Fremderz geschieden. Auf der linken Lahnseite befanden sich die Gruben Malberg und Bergmannstrost (Lindenbach), rechts der Lahn die Gruben Neuhoffnung, Fahnenberg, Pfingstwiese (von dort stammen die „Emser Tönnchen“) und der Betriebspunkt Tollgraben. Letztere wurden auch zur Grube Mercur zusammengefasst. Zum Unternehmen gehörte unter anderem auch die Arzbacher Grube Silberkaute sowie die Braubacher Grube Rosenberg mit dem Betriebspunkt Königsstiel, die ihren Betrieb als letzte Grube auf dem Emser Gangzug 1963 einstellte. Spuren der Bergbauindustrie befinden sich noch in Form alter Bahndämme, Halden und öffentlich nicht zugänglicher Stolleneingänge im Ortsteil Emser Hütte im Emsbachtal, dem 1905 fertiggestellten ehemaligen Elektrizitätswerk in der Lindenbach, dessen neogotische Backsteinfassade heute einen Supermarkt beherbergt, sowie in der weiteren Umgebung in Form der Bleisand-Abraumhalde Sandberg und dem Industriedenkmal Nieverner Hütte, in den Nachbargemeinden Nievern bzw. Fachbach gelegen. Mit dem ca. 5 km entfernt gelegenen, heute zu Lahnstein gehörigen Friedrichssegen befindet sich ein weiterer ehemaliger Bergbauort im unteren Lahntal.
Bevölkerungsstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bad Ems, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Die bisher höchste Einwohnerzahl erreichte Bad Ems im Jahr 1977 mit 10.332 Einwohnern.
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 37,9 % der Einwohner evangelisch, 30,6 % römisch-katholisch und 31,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 2 Prozentpunkte gesunken. Ende März 2026 hatten 22,3 % der Einwohner die evangelische Konfession und 20,9 % die katholische. 56,8 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder gemeinschaftslos.Stadt Bad Ems Gemeindestatistik, abgerufen am 15. April 2026
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