mini|Blick auf den Ort und die Isar vom Kalvarienberg mini|Schrägluftbild von Westen
Bad Tölz (bis 1899 Tölz) ist die Kreisstadt des oberbayerischen Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, Deutschland. Die Kurstadt liegt an der Isar rund 50 Kilometer südlich von München und zählt knapp 20.000 Einwohner. Sie ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Altlandkreises (Bezirk) Bad Tölz und ist für ihre Altstadt, die Nähe zu den Bergen und die Tölzer Leonhardifahrt bekannt.
Geografie Lage Der Ort liegt im mittleren Isartal, am nördlichen Eingang zum Isarwinkel, von wo man auf die bayerischen und Nordtiroler Kalkalpen blickt. Die Kreis- und Kurstadt liegt auf ca. 650 bis und ist somit eine der höchstgelegenen Kreisstädte Deutschlands. Die Landeshauptstadt München im Norden ist rund 50 Kilometer entfernt, Garmisch-Partenkirchen im Südwesten erreicht man nach 56 Kilometern. Die ehemalige Kreisstadt Wolfratshausen und Geretsried als weitere Zentren im Norden des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sind 25 bzw. 20 Kilometer entfernt.
Bad Tölz ist umgeben von der Tölzer Moorachse.
Gemeindegliederung Es gibt 15 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben). Außer dem Gemeindesitz Bad Tölz entstammen sämtliche Gemeindeteile der einstigen Gemeinde Kirchbichl:
Nachbargemeinden Alle Nachbargemeinden liegen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
Klima mini|Klimadiagramm von Bad Tölz Das Klima in Bad Tölz wird durch die Klimazone der Mittelbreiten bestimmt und lässt sich somit als gemäßigt klassifizieren. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,7 °C. Innerhalb eines Jahres fallen 1581 mm Niederschlag, wobei diese auf das ganze Jahr gleichmäßig verteilt sind. Der niederschlagsärmste Monat ist der Februar mit 85 mm, im Juni hingegen fällt am meisten Regen mit 192 mm auf dem Quadratmeter. Bad Tölz weist ganzjährig humide Monate auf. Der wärmste Monat des Jahres ist der Juli mit 18,3 °C, der kälteste Monat der Januar mit −0,6 °C Durchschnittstemperatur (Stand: 2016 – 2021).
Die Tageshöchstwerte liegen bei 14 °C im Jahresmittel, nachts kühlt es auf 4 °C ab. Die Höchsttemperatur innerhalb eines Jahres beträgt 25 °C, die Tiefsttemperatur −7 °C.
Pro Monat verzeichnet Bad Tölz ca. 84,9 Sonnenstunden. Der Juli ist dabei Rekordhalter mit 9,9 Sonnenstunden pro Tag, im Januar hingegen liegen die Werte mit 4,8 Sonnenstunden pro Tag auf dem Tiefpunkt des Jahres. Die Luftfeuchtigkeit liegt im Jahr zwischen 70 % und 80 %.
Heilklima Seit 1969 trägt Bad Tölz den Titel „Heilklimatischer Kurort“. Als Luftkurort zeichnet sich die Stadt besonders durch einen geringen Schadstoffgehalt in der Luft sowie geringe Belastung durch Pollen, Feinstaub und Allergene aus. Des Weiteren sind Belastungsfaktoren wie drückende Hitze oder nasskaltes Wetter nur in geringem Umfang vorhanden. Seit 2005 ist Bad Tölz zudem ein „anerkanntes Moorheilbad“.
Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Ab 550 siedelten erstmals Bajuwaren auf dem Gebiet des Rieds, dem heutigen Mühlfeld, am östlichen Isarufer. Im 7. Jahrhundert wurden diese heidnischen Bajuwaren von Rupert von Salzburg zum Christentum gezwungen, dieser ließ dort zudem ein St.-Michaelis-Baptisterium errichten. Diese Siedlung, Reginried genannt, fiel jedoch marodierenden Ungarn zum Opfer. Neben dieser Ansiedlung auf dem Mühlfeld entstand mit dem Gries am Isarufer eine zweite, wo sich vor allem Flößer, Kalkbrenner und andere Handwerker niederließen. Im Ried siedelten vor allem Schmiede und Wagner, die von der Lage an der Salzstraße, die aus Reichenhall und Hallein Richtung Allgäu führte, profitierten. Ab dem 9. Jahrhundert entstanden dort viele Wetzstein- und Sägemühlen am Ellbach, worauf sich der Name Mühlfeld bezieht.
Tölz wurde 1155 erstmals urkundlich als „Tolnze“ erwähnt. Zurück geht der Name auf Hainricus de Tolnze (Heinrich von Tollenz), der aus einem Ort nahe Pressath in der Oberpfalz, dem heutigen Döllnitz, stammte. Urkunden von 1198 und 1202 erwähnen ihn auch als „Dominus Tolnzar de Hohenburc“. Um 1180 vermählte er sich mit Irmingard, der Tochter Gebhards von Hohenburg aus dem Geschlecht der Richer, der auf der Hohenburg in Lenggries beheimatet war. Durch seine Teilnahme an Reichs- und Landtagen galt Heinrich von Tollenz als angesehener herzoglicher Lehensträger. Auf dem Gebiet der heutigen Stadtpfarrkirche ließ er ab 1180 die erste Tölzer Burg errichten, daneben die erstmals 1262 als „Kapella Tolnze“ erwähnte Kirche.
Ludwig I. beauftragte Heinrich mit der weiteren Erschließung des Isarwinkels. Dadurch wuchsen die beiden Siedlungskerne Gries und Mühlfeld zusammen, verbunden durch den Sämerpfad, wo vor allem Lager- und Wirtshäuser entstanden. Aus diesem Sämerpfad wurde später die Marktstraße, bekam diesen Namen aber erst 1624, als der Ort ein staatliches Salzamt erhielt. Laut Stephan Bammer sei die Marktstraße aber im 13. Jahrhundert planmäßig errichtet worden.
Georg Westermayer, der Verfasser der erstmals 1871 veröffentlichten „Chronik der Burg und des Marktes Tölz“, wofür er 1879 mit dem Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet wurde, nennt jedoch andere Ursprünge von Tölz. Laut Westermayer geht der Ort auf eine römische Siedlung namens Tollentium oder nach anderen Quellen Tollusium zurück. Dabei beruft er sich auch auf Johannes Aventinus und dessen „Annales Bojorum Lips.“ sowie Karl Roth und seine „Beiträge zur deutschen Sprach-, Geschichts- und Ortsforschung“, der die frühen Ortsnamen tholanza sowie dolanza erwähnt. Des Weiteren beschrieb Westermayer die keltische Besiedlung der Region. Funde und Bodendenkmäler zeugen von dieser keltischen (etwa das Koronafeld bei Gaißach, Funde aus der Hallstattzeit) und später römischen Besiedlung des Gebietes, der Ortsname leite sich von keltischen tol für Tal ab. Eine römische Siedlung bestätigte der Historiker Wilhelm Schmidt, die zumindest seit der Zeit des Germanicus bestand. Diese römische Ansiedlung soll bereits ein wichtiger Knotenpunkt an mehreren Römerstraßen gewesen sein.
Hainricus de Tolnze stammte laut Westermayer nicht aus der Oberpfalz, sondern aus Schäftlarn. Er beweist ihn als Zeuge einer Schenkung 1180 von Rudiger von Lindahe und verweist auf Erwähnungen in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn von 1182, wo er auch als Tolnzar mit seinen Rittern erwähnt wird. Andere Quellen sprechen ebenfalls gegen eine oberpfälzische Herkunft, so Stephan Glonners „Geschichtsnotizen fürs Isarthal“, der verwandtschaftliche Beziehungen zu früheren Herren der Hohenburg erwähnt, sowie Lang in seiner „Bavaria“, der ihn einem altansässigen Geschlecht zuordnet und dessen Verschwägerung mit Bernhard dem Jüngeren von Weilheim benennt. Heinrich von Tollenz verwaltete mehrere Burgen und aufgrund seines Ansehens begleitete er Otto von Wittelsbach bei dessen Verhandlungstagen. Diese führten ihn erst in die Oberpfalz, nach Amberg und Regensburg, neben den Grafen von Wasserburg und Falkenstein. Heinrich von Tollenz stand auch in der Gunst von Kaiser Heinrich VI., der ihn unter den berufenen Zeugen schon als „oberbayerischen Ritter“ erwähnt. Auch bei Ludwig dem Kelheimer fand sich Heinrich von Tollenz regelmäßig ein.
In seiner 2017 veröffentlichten „Kurzen Geschichte von Bad Tölz“ bezweifelt der Kulturwissenschafter Stephan Bammer aber die These des römischen Ursprungs von Tölz. Westermayer habe sich zu sehr auf Mutmaßungen von Aventinus gestützt. Bammer hingegen verweist auch auf den quellenkritischeren Historiker Josef Katzameyer. Die früheste Erwähnung eines auf „Tölz“ bezogenen Ortsnamen lässt sich erst ab dem 12. Jahrhundert nachweisen, tatsächlich sei der Ursprung aber weiterhin in der Siedlung Reginried zu suchen. Als Reginprehtesried wurde der Ort bereits 1073 erwähnt. Der Name bezieht sich dabei auf den Rodungsplatz (Ried) eines Reginbrecht. Zu dieser Zeit unterlag der Ort der Herrschaft Hohenburgs. Noch bis 1214 wurde die Bezeichnung Reginried genutzt.
Das älteste Urbar des Herzogtums Bayern von 1240 erwähnt Tölz und Hohenburg nicht als grundbare Ortschaften des Herzoghofs, da beide noch im Besitz des Tölzer Geschlechtes waren. Das Landesurbar von 1281 bezeichnet Tölz als „herzogliches Amt von ansehnlichem Umfange“ und nennt es als eines der bedeutendsten der 55 bayerischen Ämter.Isarkiesel; Nummer 2; Isarkiesel-Verlag; 1998; Seite 11; Die Tölzer Burgen Um 1245 entbrannte eine Fehde zwischen Herzog Otto II. und Otto von Meranien. Letzterer musste als Vogt der Klöster in Benediktbeuern und Tegernsee Überfälle erdulden. Neben diesen Klöstern und weiteren kleineren Ortschaften, konnte auch Tölz den Angriffen der rund 500 Mann starken Söldnertruppe des Herzoges nicht entgehen. Im Verlaufe des Mittelalters stand Tölz weiterhin mehrmals im Zentrum von Fehden. So 1301 zwischen Konrad von Egling zu Hohenburg und Philipp von Waldeck, die beide Güter im Isarwinkel besaßen. Vor 1262 übernahm Konrad I. von Tölz und Hohenburg das Gebiet. 1281 wurden im Urbar des Herzogtums Baiern der Gries, die Burg und die Mühlen am Ried als „Markt“ bezeichnet, obwohl Tölz das Marktrecht erst 1331 durch Kaiser Ludwig den Bayern verliehen wurde. Etwa um 1200 entstand die erste Isarbrücke über den damals noch reißenden Fluss. Sie lag rund 100 Meter flussaufwärts der heutigen Brücke und verband die heutige Römergasse mit dem anderen Ufer. Aufgrund der Hochwasserschäden musste diese Holzbrücke alle sechs bis acht Jahre ersetzt werden. Nach dem Tod der letzten Erben derer von Tollenz fielen Tölz und Burg an die Wittelsbacher. Die prekären Vermögensverhältnisse des Herrscherhauses brachten Herzog Rudolph am 5. August 1300 dazu, Tölz und Umgebung an Freising zu verpachten. Nach zehn Jahren sollten Rudolph oder ein Erbe das Pfand wieder auslösen, ansonsten würde es „auf ewig“ an Freising fallen, jedoch war der Bischof von Freising auch nach 15 Jahren noch Besitzer von Tölz. 1328 bekundete der Tölzer Pfleger Konrad der Maxlrainer, dass man sich „wegen der Veste Tölz verglichen habe“ und der Ort fiel wieder an die Wittelsbacher.
Die Wälder der Umgebung waren Grundlage für das Gewerbe der Flößerei. Die Zunft der Flößer verfügte über 24 Meister und zahlreiche Gesellen in Tölz. Bereits 1320 war die Tölzer Flößerzunft mächtig genug, den umliegenden Bauern die Flößerei ihres eigenen Holzes zu verbieten.Isarkiesel; Nummer 13; Isarkiesel-Verlag; 2002; Seite 23; „Am Wasser hab i G'schäftn g'macht!“ – Eine kleine Geschichte der Flößerei auf der Isar 1374 wurde das erste Siegel des Tölzer Marktes, das „Sigillum Civium In Tollentze“ verliehen, das heutige Stadtwappen. Durch die Lage an mehreren Handelswegen, der Salzstraße zwischen Allgäu und Reichenhall, sowie dem Wasserweg auf der Isar Richtung München und Donau, gelangte Tölz zu Wohlstand. „Der große Brand“ vernichtete 1453 die Marktstraße, Stadtpfarrkirche, Burg und Teile des Grieses. Nach dieser Feuersbrunst wurde die Marktstraße in Stein planmäßig neu errichtet mit großer Hilfe von Herzog Albrecht III., der diesen Wiederaufbau aus eigener Kasse bezahlte. Ab 1460 entstand eine neue Burg. Nach dem Brand leiteten Kaspar I. Winzerer, sowie später dessen Sohn Kaspar II. Winzerer und Enkel Kaspar III. Winzerer als Pfleger und Burghüter die Geschicke von Tölz. Noch 40 Jahre vor dem Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes begann im Jahre 1476 in Tölz die Biersiederrei. Bereits zu Ende des 15. Jahrhunderts hatte der Ort seine maßgebliche Größe erreicht, die er bis Ende des 19. Jahrhunderts beibehielt.