Raphael Richard Lesser (* 5. Oktober 1839 in Berlin; † 31. August 1914 in Berlin) war ein deutscher Buchhändler, Verleger, Zeitschriftenchefredakteur und Freimaurer.

Leben und Wirken Der Vater Ludwig Lesser war ein jüdischer Bankprokurist in Berlin, der zeitweise auch eine Zeitschrift herausgab, und Mitglied im Vorstand der reformjüdischen Gemeinde und in der bekannten Literatenvereinigung Tunnel über der Spree (mit Theodor Fontane) war, die Mutter Rosette Fabian war die Tochter eines Kaufmanns.

Richard Lesser gründete 1862 eine Buch- , Kunst- und Musikalienhandlung in Vevey in der Schweiz, zu der er bald danach eine Filiale in Lausanne ergänzte. 1867 verkaufte er beide wieder. Danach gründete er eine Internationale Buchhandlung mit Verlag in Berlin, die er bis 1874 führte. 1876 gründete er die Deutsche Warte für Gesundheitspflege zu Eisenach, die gesundheitsfördernde diätetische Präparate vertrieb, die meist aus natürlichen Bestandteilen, wie Weizenmehl, Hülsenfruchtmehl oder Traubenextrakt zusammengesetzt waren.Deutsche Rundschau, 1876, S. 18; Anzeige der Deutschen Warte für Gesundheitspflege; auch Apotheker-Zeitung. Correspondenznlatt, 1875, S. 208, mit Ankündigung der Gründung Diese bestand aber nicht lange, auch, weil einige Mediziner gegen diesen angeblichen Schwindel polemisierten.Vierteljahresschrift für gerichtliche Medizin, 1877, S. 153; mit langer Polemik, ohne dass erkennbar gemacht wurde, was an diesen Präparaten angeblich schädlich sein sollte, wahrscheinlich war diese der Meinung, dass nur künstliche pharmazeutische Mittel nützlich wären

1881 gründete Richard Lesser die Zeitschrift Weltpost. Blätter für deutsche Auswanderung, Colonisation und Weltverkehr mit einem dazugehörenden Verlag in Leipzig. 1883 stellte er das Erscheinen ein und verkaufte den Verlag, da er ab 1884 leitender Redakteur der Deutschen Kolonialzeitung, des neuen Organs des Deutschen Kolonialvereins wurde.Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, 1884, S. 192; berichtete, dass er wegen der bekannten Zeitschrift Weltpost diese neue Tätigkeit angeboten bekommen hatte Diese Tätigkeit endete 1886. Seit 1893 besaß Richard Lesser die Buchhandlung H. Ehlers in Einbeck, mit Leihbibliothek, Papierwarenhandlung und Instrumentenverkauf.Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 1895, S. 121; auch mit Angaben zu seinen vorherigen Tätigkeiten Außerdem war er als Grundstücksmakler und Gartenarchitekt tätig.

Privates und Ehrungen

Richard Lesser war spätestens seit 1880 Freimaurer und blieb dies mindestens bis 1907.Mitteilungen aus dem Verein deutscher Freimaurer, 1880, S. 82 1884 trat er schweren Herzens vom Reformjudentum zur evangelischen Konfession über, da er sich zunehmendem Antisemitismus ausgesetzt sah, auch wegen seiner neuen Tätigkeit für den Deutschen Kolonialverein.Diekmann, Götze, 2012, S. 121f., mit ausführlicher Darstellung, und Briefzitaten

Richard Lesser war mit Rosalie Flatow (1844–1869) verheiratet, die kurz nach der Geburt ihres Sohnes Ludwig Lesser (1869–1957) starb.Richard Lesser Familie Dieser wurde der erste freie Gartenarchitekt in Deutschland.

Richard Lesser trug zeitweise den Titel eines Hofbuchhändlers der deutschen Kaiserin Augusta und erhielt die große goldene österreichische Medaille Viribus unitum.Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 1895, S. 121; mit diesen Angaben

Publikationen Herausgeber oder Schriftleiter Weltpost. Blätter für deutsche Auswanderung, Colonisation und Weltverkehr, 1881–1883, Dritter Band (1885 fortgesetzt von Richard Oberländer)Deutsche Kolonialzeitung, 1885, S. 114, linke Spalte, berichtete über die Zeitschrift Weltpost, die im Herbst 1883 eingestellt worden war, und 1885 neu weitergeführt wurde Über's Meer. Taschenbibliothek für Auswanderer, 1.1883–11/12.1885 Band 1, herausgegeben mit Richard Oberländer Deutsche Kolonialzeitung, 1884–1886, Schriftleiter

Übersetzer Ernst Renan, Spinoza. Festrede zu seiner 200jährigen Todesfeier am 17. Februar 1877, Hartleben, Wien, Pest, Leipzig 1877 Digitalisat

Literatur Irene A. Diekmann, Bettina L. Götze: Vom Schutzjuden Levin zum Staatsbürger Lesser. Berlin 2012. S. 105–132, mit ausführlichen biographischen Angaben

Einzelnachweise

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