Die Amokfahrt in Zhuhai () war ein Amoklauf am 11. November 2024, bei dem der Täter mit einem SUV in eine Menschenmenge auf der Trainingsstrecke des Zhuhai Stadiums in Zhuhai, Guangdong, China, 35 Menschen tötete und 43 weitere verletzte. Der Fahrer versuchte nach diesem Vorfall Selbstmord zu begehen, indem er sich selbst mit einem Messer verletzte. Jedoch wurde er in Gewahrsam genommen und in ein Krankenhaus gebracht. Als Tatmotiv wurde Wut über eine kürzlich erfolgte Scheidungsvereinbarung angegeben. Der Täter wurde im Dezember 2024 zum Tode verurteilt und am 20. Januar 2025 hingerichtet.

Videos und Berichte über den Angriff wurden online zensiert. Einzelheiten dazu wurden erst am nächsten Tag veröffentlicht, eine Verzögerung, die auf chinesischen Sozialen Medien heftige Kritik hervorrief.

Die Amokfahrt in Zhuhai 2024 ist die tödlichste Amokfahrt in China seit der Amokfahrt in Ürümqi im Mai 2014.

Tatablauf mini|Eine Karte des Sportzentrums. Der Weg, den der Fahrer über die Laufstrecke nahm, ist rot markiert. In Zhuhai waren die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden, weil am folgenden Tag eine große Flugschau geplant war, die China International Aviation & Aerospace Exhibition (中国国际航空航天博览会, Zhōngguó guójì hángkōng hángtiān bólǎnhuì, Zhuhai Airshow). Am 11. November 2024 gegen 19:48 Uhr (GMT+8) fuhr ein Mann mit einem SUV mit 70 bis 80 km/h auf das Gelände des Zhuhai-Sportzentrums (珠海市体育中心体育场, Zhūhǎi shì tǐyù zhōngxīn tǐyùchǎng). Zu diesem Zeitpunkt trainierten hier etwa 300 Personen auf der Laufstrecke. Ein Augenzeuge gab zu Protokoll, dass das SUV auf der Laufstrecke in Schlangenlinien fuhr und dabei viele Menschen erfasste.

Laut einem Zeugen waren die meisten Opfer Menschen mittleren oder höheren Alters in Trainingsgruppen. Einige Opfer trugen Sportuniformen einer örtlichen Trainingsgruppe. Normalerweise liefen sechs oder sieben Gruppen mit Musik jeden Tag durch den Sportkomplex. Die laute Musik könnte die anfänglichen Geräusche des Angriffs übertönt haben, sodass den Menschen kaum Zeit zum Reagieren blieb.

Der Architekt, der das Sportzentrum entworfen hatte, sagte Lianhe Zaobao, dass Fahrzeuge auf der Strecke, die rundherum mit Steinpollern und Zäunen ausgestattet ist, nicht erlaubt seien. Er vermutete, dass der Täter von der anderen Seite des Stadions in das Areal gefahren sei.

Am 12. November teilte die Polizei von Zhuhai mit, dass der Angriff 35 Tote und 43 Verletzte gefordert habe. Am 13. November teilte das chinesische Außenministerium mit, dass sich unter den Opfern keine Ausländer befänden.

Täter Der 62-jährige Autofahrer bzw. Täter, dessen Name mit Fan Weiqiu () angegeben wurde, wurde bei dem Versuch, vom Tatort zu fliehen, festgenommen. Man fand ihn bewusstlos mit Halsverletzungen, die auf Selbstverletzung hindeuteten, in seinem Auto und brachte ihn zur Behandlung ins Krankenhaus. Die Polizei gab an, dass Fan nach Schnittverletzungen an Hals und Brust mit einem Messer ins Koma gefallen war. Ersten Berichten zufolge war der Angriff auf Unzufriedenheit mit der finanziellen Regelung seiner Scheidung zurückzuführen.

Das beim Anschlag verwendete Fahrzeug war ein Beijing BJ40, der von einem örtlichen Händler erworben wurde. Der BJ40 ist ein großes Geländefahrzeug mit einem Gewicht von etwa 2 Tonnen und einem Wert von rund 200.000 CNY (31.000 US-Dollar). Fan kaufte den Wagen eine Woche vor dem Anschlag auf Kredit und holte ihn am 10. November, dem Tag vor dem Anschlag, ab. Am 27. Dezember 2024 wurde Fan Weiqiu vom Mittleren Volksgericht Zhuhai zum Tode verurteilt. Das Gericht verhandelte den Fall des Angeklagten wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch gefährliche Methoden öffentlich und verkündete das Urteil noch am selben Tag.Driver Who Killed 35 In China Car Ramming Sentenced To Death: State Media. Barron’s. AFP. barrons.com vom 27. Dezember 2024.樊维秋以危险方法危害公共安全案一审宣判,判处死刑,剥夺政治权利终身. (Fánwéiqiū yǐ wéixiǎn fāngfǎ wéihài gōnggòng ānquán àn yīshěn xuānpàn, pànchǔ sǐxíng, bōduó zhèngzhì quánlì zhōngshēn). Xinhua News Agency. news.cn vom 27. Dezember 2024. Am 20. Januar 2025 wurde Fan hingerichtet.

Auswirkungen mini|Westtor des Stadions am Tag nach dem Anschlag. mini|Trauernde am Westtor des Zhuhai-Sportzentrums am Tag nach dem Angriff.

Kurz nach dem Anschlag begaben sich viele Anwohner in Krankenhäuser und Blutbanken, um Blut zu spenden, wodurch sich über Nacht lange Schlangen bildeten.

Am Ort des Anschlags wurde eine provisorische Gedenkstätte errichtet. Die chinesischen Behörden begannen jedoch umgehend, Kränze, Kerzen und Alkohol zu entfernen und den Zugang zum provisorischen Mahnbereich abzusperren. Laut der South China Morning Post erklärte die Polizei vor Ort den Besuchern, es handle sich um „feindselige ausländische Kräfte mit böswilligen Absichten“ („hostile foreign forces with malicious intentions“).

Lokale Beamte, darunter der Sekretär des Komitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und der Bürgermeister, trafen am Tatort ein, um die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren und eine Task Force zur Beschleunigung der medizinischen Versorgung der Verletzten, zur Untersuchung des Anschlags und zur Unterstützung der Angehörigen der Opfer einzurichten. Das Sportzentrum Zhuhai gab am 11. November gegen 21:00 Uhr eine Mitteilung heraus, in welcher die sofortige Einstellung des Betriebs bekannt gegeben wurde. Der Generalsekretär der KPCh, Xi Jinping, erließ am Abend des 12. November gemeinsam mit Ministerpräsident Li Qiang Anweisungen, in denen er alle Anstrengungen zur Behandlung der Verletzten, die harte Bestrafung des Täters gemäß dem Gesetz und Maßnahmen zur Minderung gesellschaftlicher Risiken forderte. Huang Kunming, Mitglied des Politbüros der KPCh und KPCh-Sekretär von Guangdong, leitete nach dem Anschlag eine Reihe von Videokonferenzen, darunter eine Sondersitzung des Provinzkomitees von Guangdong für den Aufbau eines sicheren Guangdong.

Am 12. November warnte die japanische Botschaft in China ihre Staatsangehörigen vor Sicherheitsrisiken in China und riet Japanern, in der Öffentlichkeit nicht laut Japanisch zu sprechen. Der Chief Cabinet Secretary (内閣官房長官, Naikaku-kanbō-chōkan) Yoshimasa Hayashi sprach den Opfern und ihren Familien sein Beileid aus und erklärte, dass sich unter den Opfern keine japanischen Staatsbürger befänden.

Zensur durch chinesische Behörden

Recherchen zum Anschlag und dessen Hergang wurden zunächst zensiert. In den ersten Stunden nach dem Anschlag wurde chinesischen Medien untersagt, darüber zu berichten. Artikel und Beiträge, darunter Bilder und Videos der Ereignisse vom Anschlagstag, wurden in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag zensiert. Da der Anschlag nur einen Tag vor der Eröffnung der Zhuhai Airshow stattfand, verschärften diese Maßnahmen die Spannungen in den chinesischen sozialen Medien. Viele Nutzer äußerten ihren Unmut über die verzögerte Veröffentlichung von Details zum Anschlag. Ein Hashtag, welcher die Zahl der Todesopfer erwähnte, wurde auf Weibo, einem chinesischen Mikroblogging-Dienst, zensiert.

Am Morgen des 12. November gab es auf Weibo lediglich vage Hinweise darauf, dass in Zhuhai etwas passiert war. Gleichzeitig verbreiteten sich Videos über X außerhalb des chinesischen Festlands. Teacher Li Is Not Your Teacher (李老师不是你老师; Lǐ lǎoshī bùshì nǐ lǎoshī) veröffentlichte ein Video auf X, das mehrere am Boden liegende Personen und eine vor Schmerzen schreiende Frau zeigte, während ein Feuerwehrmann einem Opfer Erste Hilfe leistete.

Am 12. November wurden BBC-News-Journalisten, darunter Stephen McDonell, während ihrer Live-Berichterstattung von mutmaßlichen KPCh-Funktionären, die sich als Einheimische ausgaben, unterbrochen und geschubst, um die Berichterstattung zu verhindern. Ein Reporter des japanischen TBS Television twitterte, er sei bei seiner Berichterstattung von Menschen umringt gewesen, bevor er zur Polizei gebracht wurde, die ihn aufforderte, sein gesamtes Material zu löschen. Lokale Beamte hielten sich vor den Intensivstationen auf, in die Verletzte nach dem Anschlag gebracht wurden, und hinderten Journalisten daran, mit Angehörigen zu sprechen.

Rose Luqiu, eine Forscherin für chinesische Zensur an der Hong Kong Baptist University, erklärte, dass die Informationskontrolle bei Vorfällen mit hohen Todeszahlen in China normal sei. Sie vermutete, dass dies dazu diene, Panik zu vermeiden und die Wahrscheinlichkeit von Nachahmungstaten zu verringern.

Weblinks

Video: Man Kills Dozens in China Car Ramming Attack – The New York Times. nytimes.com vom 12. November 2024.

Einzelnachweise

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