Die Hummerartigen (Nephropidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda). Alle Hummerartigen leben marin, sind Teil des Benthos, weltweit verbreitet und sowohl im Schelf als auch in der Tiefsee zu finden. Bekannteste Vertreter dieser 56 Arten umfassenden Krebsfamilie sind wohl die Hummer sowie der Kaisergranat. Gemeinsames Merkmal sind die Scheren an den ersten drei Beinpaaren, wovon das vorderste stark vergrößert ist. Die Abdomen und auch die Scheren gelten als Delikatesse, weshalb einige Arten befischt werden. Fossil sind Hummerartige seit dem Oberen Jura bekannt.
Merkmale mini|Kaisergranat mini|Europäischer Hummer mit beschnittenen Antennen Der Körper der Hummerartigen ist wie bei allen Zehnfußkrebsen in Cephalothorax und Abdomen gegliedert, wobei der Körperbau im Gegensatz etwa zu den Krabben langgestreckt ist. Hummerartige bestehen aus insgesamt 20 Segmenten (Somite), die jeweils ein Gliedmaßenpaar besitzen.
Der Cephalothorax ist bedeckt durch den sogenannten Carapax der nach vorne hin in einem Rostrum endet und seitlich sowohl die Ansätze der Gliedmaßen als auch die Kiemenkammer überdeckt. Das Vorkommen, die Art und Ausprägung von Spitzen, Dornen, Graten oder Vertiefungen auf dem Carapax oder dem Rostrum ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Arten der Hummerartigen.
Augen sind vorhanden, pigmentiert und beweglich, können aber auch bei einigen Arten der Tiefsee klein, unbeweglich und nicht pigmentiert sein. Alle Hummerartigen besitzen zwei Paare von Antennen, die als Sinnesorgane dienen. Das erste Paar ist zweigliedrig und kürzer als die zuweilen die Körperlänge übertreffenden zweiten Antennen. Das zweite Paar kann im Gegensatz zum ersten in Endo- und Exopodit gegliedert sein und besitzt dann einen sog. Scaphocerit.
An den letzten drei Segmenten des Kopfes (Cephalon) und den ersten drei des Thorax befinden sich die Mundgliedmaßen, mit denen die Nahrung zerkleinert und aufgenommen werden kann. Die Gliedmaßen sind von vorne nach hinten: ein Paar Mandibeln, zwei Paare Maxillen und an den Thoraxsegmenten drei Maxillipede. Am vierten bis achten Segment des Thorax befinden sich die Pereiopoden. Die ersten drei Beinpaare sind mit Scheren ausgerüstet, wovon das erste Pereiopodenpaar das große auffällige Scherenpaar trägt. Diese können entweder eine gleiche Form besitzen, oder, wie etwa bei Dinochelus ausubeli, ein sehr unterschiedliches Aussehen haben. Die Scheren können vollkommen glatt sein (Gattung Hummer) oder behaart (z. B. Nephropsis) sowie mit unzähligen Dornen versehen sein. Das vierte und fünfte Pereiopodenpaar besitzt stets keine Schere.
Die sechs Segmente des Abdomens sind nicht wie die des Cephalothorax unbeweglich verbunden, sodass jedes einzelne Somit eine eigene Panzerung vorweist. Seitlich endet diese Panzerung in den sog. Pleura, die die Gliedmaßen des Abdomens, die Pleopoden, im Ansatz überdecken. Die Pleura können sich gegenseitig überlappen oder nicht und sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Form von taxonomischem Interesse. Die ersten beiden Pleopoden sind Bestandteil der Fortpflanzungsorgane (Gonopoden). Das erste Paar der Männchen ist verhärtet, während das der Weibchen zweigliedrig und beweglich ist. Am zweiten Pleopodenpaar der Männchen befindet sich ein Appendix masculina. Bei beiden Geschlechtern können die Appendices internae vorkommen oder fehlen.
Das sechste abdominale Segment, also das 20. Körpersegment, trägt die Uropoden. Diese formen mit dem kaudal gelegenen Telson den Schwanzfächer. Die Uropoden sind stets voll ausgeprägt und in morphologisch gleiche Endo- und Exopoditen zu unterscheiden. An den Exopoden kann eine Diaeresis, eine quer verlaufenden Vertiefung, vorkommen oder fehlen.
Verbreitung und Lebensraum Die Arten der Hummerartigen sind wohl bis auf die Polarmeere in jedem Ozean weltweit verbreitet. Artabhängig leben sie entweder nur wenige Meter unterhalb des Meeresspiegels auf dem Kontinentalschelf oder in der Tiefsee, im Falle von Thymopsis nilenta, in bis zu 3000 m Tiefe.
Bedingt durch die großen Tiefen der Lebensräume und bei einigen Arten aufgrund des mangelnden Interesses für die Fischerei ist für viele Hummerartigen der Lebensraum nicht näher bekannt. Vermutlich sind alle Hummerartigen Einzelgänger und Lebewesen des Benthos, die sich entweder wie der Amerikanische Hummer eine Art Unterschlupf suchen oder sich wie Acanthacaris selber eine kleine Höhle graben. Sofern Hummerartige im Epipelagial leben, also bei noch feststellbarem Tageszyklus, sind sie eher nachtaktiv.
Nutzung Einige Arten der Hummerartigen sind von Interesse für die Fischerei. Im Jahr 2010 wurden weltweit ca. 190.000 t Hummerartige gefangen. Davon entfielen 115.651 t auf den Amerikanischen Hummer und 66.544 t auf den Kaisergranat. Außerdem werden vor allem Metanephrops mozambicus, Metanephrops challengeri, Europäischer Hummer und selten Thymops birsteini sowie Japanischer Hummer gefischt. Hummerartige werden entweder mit Fallen oder von Trawlern mit Grundschleppnetzen gefangen.
Systematik Äußere Systematik Die Hummerartigen sind Großkrebse und die einzige rezente Familie der Nephropoidea. Sie unterscheiden sich von anderen Familien der Großkrebse durch eine nicht bewegliche Verbindung des vierten und fünften Segments des Thorax, die bei anderen Familien beweglich ist.
Innerhalb der Großkrebse sind die Riffhummer die nächsten Verwandten der Hummerartigen. Diese beiden Familien sind die einzigen rezenten marinen Großkrebse. Sie unterscheiden sich neben dem genannten Unterschied auch durch die kleinen Scheren an den Pereiopodenpaaren zwei und drei, die bei Riffhummern fehlen.
Innere Systematik Die Familie der Hummerartigen umfasst die ehemals in die Familie der Thaumastochelidae , 1888 gestellten Gattungen Thaumastocheles und Thaumastochelopsis. Sowohl morphologische als auch molekulare Untersuchungen stützen oder widersprechen dieser Einordnung, bestätigen aber stets die Monophylie der Thaumastochelidae.
Traditionell wurden die Hummerartigen in die Unterfamilien Neophoberinae , 1969, Thymopinae , 1974 und Nephropinae , 1852 untergliedert. Diese Unterteilung wird allerdings nicht durch molekulargenetische Untersuchungen gestützt, weshalb sie als veraltet gilt.
Die Gattung Acanthacaris scheint ein basales Taxon innerhalb der Hummerartigen zu sein. Die Arten von Homarus und Homarinus sowie von Nephrops und Metanephrops sind, obwohl sie einst jeweils zur gleichen Gattung zählten, keine Schwestergruppen (vgl. Kladogramm).
Die Hummerartigen umfassen rezent 13 Gattungen mit etwa 56 Arten:
Acanthacaris , 1888 Acanthacaris caeca , 1881 Acanthacaris tenuimana , 1888 Dinochelus , 2010 Dinochelus ausubeli , 2010 Eunephrops , 1885 Eunephrops bairdii , 1885 Eunephrops cadenasi , 1939 Eunephrops luckhursti , 1997 Eunephrops manningi , 1974 Homarinus , 1995 Kaphummer (Homarinus capensis (, 1792)) Hummer (Homarus , 1795) Amerikanischer Hummer (Homarus americanus , 1837) Europäischer Hummer (Homarus gammarus (, 1758)) Metanephrops , 1972 Metanephrops andamanicus (, 1892) Metanephrops arafurensis (, 1905) Metanephrops armatus , 1991 Metanephrops australiensis (, 1966) Metanephrops binghami (, 1927) Metanephrops boschmai (, 1964) Metanephrops challengeri (, 1914) Metanephrops formosanus , 1987 Japanischer Hummer (Metanephrops japonicus (, 1873)) Metanephrops mozambicus , 1990 Metanephrops neptunus (, 1965) Metanephrops rubellus (, 1903) Metanephrops sagamiensis (, 1917) Metanephrops sibogae (, 1916) Metanephrops sinensis (, 1966) Metanephrops taiwanicus (, 1983) Metanephrops thomsoni (, 1888) Metanephrops velutinus , 1991 Nephropides , 1969 Nephropides caribaeus , 1969 Nephrops , 1814 Kaisergranat (Nephrops norvegicus (, 1758)) Nephropsis , 1872 Nephropsis acanthura , 1990 Nephropsis aculeata , 1881 Nephropsis agassizii , 1880 Nephropsis atlantica , 1882 Nephropsis carpenteri , 1885 Nephropsis ensirostris , 1901 Nephropsis holthuisii , 1993 Nephropsis malhaensis , 1910 Nephropsis neglecta , 1974 Nephropsis occidentalis , 1893 Nephropsis rosea , 1888 Nephropsis serrata , 1993 Nephropsis stewarti , 1872 Nephropsis suhmi , 1888 Nephropsis sulcata , 1990 Thaumastocheles , 1874 Thaumastocheles bipristis , 2014 Thaumastocheles dochmiodon , 1999 Thaumastocheles japonicus , 1913 Thaumastocheles massonktenos , 2014 Thaumastocheles zaleucus (, 1873) Thaumastochelopsis , 1988 Thaumastochelopsis brucei , 2007 Thaumastochelopsis wardi , 1988 Thymopides , 1977 Thymopides grobovi (, 1976) Thymopides laurentae , 2003 Thymops , 1974 Thymops birsteini (, 1972) Thymops takedai , 2012 Thymops nilenta (, 1974)
Außerdem umfassen die Hummerartigen folgende ausgestorbene, somit nur fossil bekannte Gattungen:
Cardirhynchus , 1862 † Hoploparia , 1849 † Jagtia , 2000 † Metahomarus , 2013 † Notahomarus , 2017 † Oncopareia , 1854 † Palaeohomarus , 1941 † Palaeonephrops , 1941 † Paraclythia , 1877 † Pseudohomarus , 1962 †
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise