mini|Johann Georg August GallettiJohann Georg August Galletti (* 19. August 1750 in Altenburg; † 16. März 1828 in Gotha) war ein deutscher Historiker, Geograph und Lehrer. Er verfasste zahlreiche zeitgenössisch bedeutsame Geschichts- und Lehrbücher. Leben Galletti war der Sohn des aus Italien stammenden Opernsängers und Theaterschriftstellers Giovanni Andrea Galletti und der Sängerin Elisabeth Heugel, einer Tochter eines markgräflich-badischen Kammerdieners. Seine Eltern gehörten der herzoglichen Hofkapelle von Sachsen-Gotha-Altenburg an und hielten sich zur Zeit seiner Geburt wegen eines Landtags in Altenburg auf. Galletti wuchs in Gotha auf.

1768 erhielt er durch Vermittlung der Frau des Gothaer Oberbibliothekars Johann Schläger einen Freitisch für ein Studium an der Georg-August-Universität Göttingen. Dort studierte er von 1768 bis 1772 zunächst Rechtswissenschaft bei Johann Stephan Pütter und Gottfried Achenwall, anschließend Geschichte bei Johann Christoph Gatterer und August Ludwig von Schlözer. In Göttingen war er mit dem Dichter Ludwig Hölty befreundet.

Nach Abschluss seines Studiums wurde Galletti 1772 Hauslehrer beim herzoglichen Amtshauptmann Ernst Heinrich Ludwig von Schlotheim (1736–1797), zunächst in Allmenhausen und später in Gräfentonna. Zu den von ihm unterrichteten Kindern gehörte der spätere Naturforscher Ernst Friedrich von Schlotheim (1764–1832). Während dieser Zeit veröffentlichte Galletti seine ersten Schriften. 1777 erschienen sein Versuch einer Geschichte und Beschreibung der Herrschaft Tonna, eine lateinische Grammatik sowie eine Anleitung zur Geometrie. Die Schriften wurden in der Hausdruckerei seines Arbeitgebers gedruckt.

Am 28. September 1778 wurde Galletti als Kollaborator, also als Hilfslehrer, am Gothaer Gymnasium Illustre angestellt. Er unterrichtete zunächst Deutsch und Latein, später vor allem Geschichte und Geographie. 1783 wurde er zum Gymnasialprofessor ernannt.

1788 wurde Galletti Mitglied der Kurfürstlich Mainzischen Akademie nützlicher Wissenschaften zu Erfurt, der heutigen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Dort hielt er am 2. Juli 1789 einen Vortrag Von den Eigenschaften einer Volksgeschichte. Seit 1808 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1816 erhielt er den Titel eines herzoglichen Hofrats und wurde zum „Historiographen des gothaischen Landes“ ernannt. Im Juli 1819 trat er in den Ruhestand.

Galletti starb entweder am 16., 25. oder 26. März 1828 in Gotha, wofür es voneinander abweichende Quellen gibt.Das Sterbedatum 26. März 1828 nennen Siegfried Jost Casper (2003, S. 209) und das Thüringer Autorenlexikon. Es entspricht zudem der Inschrift auf Gallettis Grabstein; auch ein Nachruf in der Gothaischen Zeitung erschien bereits am 27. März 1828. Ältere Quellen nennen abweichend den 16. März (u. a. die von Gustav Parthey herausgegebenen Gallettiana) beziehungsweise den 25. März (Allgemeine Deutsche Biographie). ; mini|hochkant|Gallettis Grabstein im Kreuzgang der Augustinerkirche

Werk Galletti verfasste mehr als 50 Werke zur allgemeinen, deutschen und thüringischen Geschichte sowie zur Geographie. Einen Schwerpunkt bildete die Landesgeschichte. Zwischen 1779 und 1824 erschien seine fünfbändige Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, von 1782 bis 1785 seine sechsbändige Geschichte Thüringens.

Daneben veröffentlichte er zahlreiche für den Unterricht bestimmte Geschichts- und Geographiebücher. Seine Kleine Weltgeschichte zum Unterrichte und zur Unterhaltung erschien zwischen 1797 und 1819 in zahlreichen Teilen. Zu seinen größeren historischen Darstellungen gehören außerdem die dreiteilige Geschichte der französischen Revolution (1808–1811) und die Geschichte des siebenjährigen Krieges (1806).

Gallettis Lehr- und Geschichtsbücher waren zu seiner Zeit verbreitet und wurden zum Teil mehrfach aufgelegt. Seine Bedeutung als Historiker und Pädagoge wurde später jedoch zunehmend von den ihm zugeschriebenen komischen Aussprüchen überlagert.

Gallettiana Bereits zu Gallettis Lebzeiten kursierten Anekdoten über seine Zerstreutheit und sprachliche Fehlleistungen im Unterricht. Dauerhaften Nachruhm erlangte er jedoch erst durch die von dem Berliner Buchhändler Gustav Parthey herausgegebenen Gallettiana. Parthey ließ 1866 zunächst einen Privatdruck herstellen; 1867 erschien die erste öffentliche Ausgabe.

Die darin versammelten Aussprüche sollen auf Aufzeichnungen von Schülern und Freunden Gallettis zurückgehen. Ihre Überlieferungsgeschichte ist jedoch nicht vollständig geklärt. Spätere Sammlungen nahmen nachweislich auch Aussprüche auf, die Galletti ursprünglich nicht zugeschrieben worden waren. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen authentischen Äußerungen, mündlich veränderten Fassungen und späteren Zuschreibungen ist daher nicht mehr in jedem Fall möglich. Die Gallettiana begründeten Gallettis Ruf als „Vater der Kathederblüte“, während sein umfangreiches historisches und geographisches Werk in der späteren öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund trat. Die Authentizität der ihm zugeschriebenen Aussprüche ist vielfach zweifelhaft, wenngleich die älteste, vom Buchhändler Gustav Parthey in Berlin 1866 in Buchform herausgegebene Sammlung noch am ehesten wirklich im Unterricht von Galletti Gesagtes enthalten dürfte.

Einige Kostproben seiner Aussprüche:

Grab und Erinnerung Galletti wurde auf dem Gothaer Friedhof I bestattet, dem Gelände der heutigen Arnoldischule. Nach dessen Aufhebung im Jahre 1904 wurde sein Grabstein in den Kreuzgang des ehemaligen Augustinerklosters versetzt. 2020 unterstützte die Kulturstiftung Gotha seine Sanierung und eine veränderte Aufstellung, durch die auch die auf der Rückseite angebrachte Inschrift für Gallettis Ehefrau sichtbar werden sollte.

In Gotha erinnern unter anderem die Gallettistraße und nach ihm benannte Einrichtungen an den Historiker und Lehrer. Seine Heimatstadt Gotha gedenkt des Historikers mit der Gallettistraße, der Kindertagesstätte „Galletti“ sowie dem Kulturklub „Galletti“. Von 1988 bis 1992 existierte in der Klosterstraße auch ein „Café Galletti“.

Sonstiges Im Roman Dinner for One auf Goth’sch wird behauptet, dass Johann Georg August Galletti das Vorbild für die Figur des Mister Winterbottom im berühmten Sketch Dinner for One gewesen sei. Von 1811 bis zu seinem Tode habe er als enger Freund Herzogin Sophie Karoline Amalies von Sachsen-Gotha-Altenburg im Gothaer Winterpalais alljährlich den Geburtstag der Fürstin gefeiert (zusammen mit seinen Zeitgenossen, dem Verleger Justus Perthes, dem Unternehmer Ernst-Wilhelm Arnoldi und Oberst Maximilian Franz Karl Ritter von Gadolla). Nach dem Tod ihrer Freunde habe die Herzogin ihren Diener angewiesen, den Part der Verstorbenen trinkend und sprücheklopfend zu übernehmen. Die Anekdote von diesem seltsamen Geburtstagsritual sei, so der Roman, 1845 nach dem Gotha-Besuch Prinz Alberts von Sachsen-Coburg und Gotha, des Lieblingsenkels der Herzogin, nach Großbritannien gekommen, wo sie der Theaterautor Lauri Wylie in den 1930er-Jahren zufällig wiederentdeckte und erstmals als Dinner for One für die Bühne adaptierte, wobei aus Professor Galletti Mr. Winterbottom wurde.Andreas M. Cramer: Dinner for One auf Goth’sch, Gotha 2011, S. 74f.

In dem von 2009 bis 2017 jeweils am Silvestervorabend in Gotha aufgeführten Theaterstück Dar neunzschsde Gebordsdaach oder Dinner for One auf Goth’schDinner for one auf Goth’sch zitiert der Darsteller des Dieners beim Zuprosten auch einige an Gallettis Kathederblüten angelehnte Sprüche. Schriften (Auswahl)

Versuch einer Geschichte und Beschreibung der Herrschaft Tonna. 1777. Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha. 5 Teile. Ettinger, Gotha 1779–1824. Geschichte Thüringens. 6 Bände. Gotha/Dessau 1782–1785. Lehrbuch der Geographie oder Erdkunde. Gotha 1790. Geschichte des dreyßigjährigen Krieges. 3 Bände, 1791 ff. Kleine Weltgeschichte zum Unterrichte und zur Unterhaltung. Ettinger, Gotha 1797–1819. Geschichte des siebenjährigen Krieges. Ettinger, Gotha 1806. Geschichte der französischen Revolution. 3 Teile. Ettinger, Gotha 1808–1811.

Literatur

August Beck: Galletti, Johann Georg August. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 332 f. Siegfried Jost Casper: Die „geheimnißvolle Ziehkraft hoher Berge“ oder „Als Humboldt den Chimborasso bestieg, war die Luft so dünn, dass er nicht mehr ohne Brille lesen konnte.“ Zum 200. Jahrestag der Besteigung des Andenvulkans durch Alexander von Humboldt, Aimé Bonpland und Carlos Montúfar am 23. Juni 1802. In: Haussknechtia. Mitteilungen der Thüringischen Botanischen Gesellschaft. Band 9, 2003, S. 207–222. Helmut Minkowski (Hrsg.): Das größte Insekt ist der Elefant. Professor Gallettis sämtliche Kathederblüten. München 1965. Stadtverwaltung Gotha, Gartenamt (Hrsg.): Vom Alten Gottesacker zum Hauptfriedhof. Ein Streifzug über die Friedhöfe der Stadt Gotha. Gotha 1995. Helmut Roob, Günter Scheffler: Galletti, Johann Georg August. In: dies.: Gothaer Persönlichkeiten. Taschenlexikon. 2. Auflage, RhinoVerlag, Ilmenau 2006, ISBN 3-932081-37-4, S. 54.

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