Der Bayerische Ministerpräsident ist gemäß dem vierten Abschnitt des ersten Hauptteils der Verfassung des Freistaates Bayern der Vorsitzende der Bayerischen Staatsregierung.

Ministerpräsident des Freistaates Bayern ist seit dem 16. März 2018 Markus Söder (CSU). Er ist der Nachfolger von Horst Seehofer (CSU), der als Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat in das Kabinett Merkel IV wechselte.

Wahl und Rücktritt Der Ministerpräsident wird vom Bayerischen Landtag, der spätestens 22 Tage nach seiner Wahl zusammentritt (diese Frist gilt seit der Volksabstimmung vom 21. September 2003), binnen einer Woche nach dessen konstituierender Sitzung für die Dauer von fünf Jahren mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen in geheimer Abstimmung gewählt. Wählbar ist jeder wahlberechtigte Bayer (d. h. im Freistaat Bayern wohnhafter Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit), sofern er das 40. Lebensjahr vollendet hat. Der Ministerpräsident kann vom Landtag nicht abgesetzt werden. Die Verfassung schreibt aber seinen Rücktritt vor, wenn eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Landtag auf Grund politischer Verhältnisse nicht mehr möglich ist (Art. 44 Abs. 3 bayerische Verfassung). Tut er das nicht, kann er vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof angeklagt werden.

Aufgaben Der Ministerpräsident leitet die Geschäfte der Staatsregierung. Er beruft und entlässt mit Zustimmung des Landtags seinen Stellvertreter sowie maximal 17 Staatsminister und Staatssekretäre, denen er Geschäftsbereiche oder Sonderaufgaben zuweist. Gemäß Artikel 50 der Landesverfassung kann der Ministerpräsident einen oder mehrere Geschäftsbereiche selbst übernehmen. Bei ihm liegt die politische Richtlinienkompetenz und er vertritt Bayern nach außen. In seinem Handeln ist er gegenüber dem Landtag verantwortlich. Der Ministerpräsident kann von einem Begnadigungsrecht Gebrauch machen. Insofern übt er die Rolle eines Regierungschefs aus.

Die Bayerische Staatskanzlei unterstützt den Ministerpräsidenten in seinen verfassungsmäßigen Aufgaben.

Geschichte des Amts Vorläufer des Amts des Ministerpräsidenten war der Geheime Ratskanzler des Kurfürstentums Bayern. Ab Ende des 18. Jahrhunderts nahm der Minister des Äußeren, ab 1806 Minister des Königlichen Hauses und des Äußeren, meist eine Vorrangstellung ein. Im Jahre 1847 wurde ein Ministerrat etabliert, doch reservierte sich König Ludwig I. (1825–1848) selbst den Vorsitz; in seiner Abwesenheit saß der dienstälteste Minister den Sitzungen vor. 1849 wurde das Amt eines Vorsitzenden des Ministerrates geschaffen, das mit einer Ausnahme (1880–1890) bis zum Ende des Königreichs mit dem Amt des Außenministers verbunden war. Mit der im Zuge der Novemberrevolution Ende des Ersten Weltkriegs erfolgten Gründung des Freistaats am 8. November 1918 wurde auch das Amt des Ministerpräsidenten geschaffen; erster Amtsinhaber auf revolutionärer Grundlage war Kurt Eisner. Während des Nationalsozialistischen Regimes verlor das Amt zwischen 1933 und 1945 infolge der Gleichschaltung der Länder an Bedeutung.

Die amerikanische Militärregierung ernannte zum 28. Mai 1945 Fritz Schäffer zum „Temporary Minister-Präsident for Bavaria“; zum 28. September 1945 setzte sie ihn abwww.bayern.de: Lebenslauf und berief Wilhelm Hoegner (SPD) zu seinem Nachfolger.www.bayern.de: Lebenslauf Nach der Landtagswahl am 1. Dezember 1946 wählte der Landtag Hans Ehard (CSU) zum Ministerpräsidenten (dem ersten frei gewählten nach dem Krieg). Ehard amtierte zwei volle Legislaturperioden (Kabinett Ehard I, II und III).

Amtssitze Der Bayerische Ministerpräsident hatte im Laufe der Geschichte verschiedene Amtssitze:Historisches Lexikon Bayerns

1813–1933: Palais Montgelas, Promenadeplatz, München 1945: kurzzeitig Verwaltungsgebäude der Rhein-Main-Donau AG in der Leopoldstr. 28, München 1945–1993: seit Mitte Juni 1945 ehem. Preußische Gesandtschaft, Prinzregentenstraße 7, München 1968–heute: Prinz-Carl-Palais, Prinzregentenstraße, München (Nebensitz), v. a. für repräsentative Angelegenheiten 1993–heute: ehem. Bayerisches Armeemuseum, Hofgarten, München (Hauptsitz), Sitz der Staatskanzlei

Amtsträger Geheime Ratskanzler mini|Wappen des Kurfürstentums Bayern AmtsinhaberAmtszeitAnmerkungenJohann Adlzreiter von Tettenweis 1650–1662 Johann Georg Oexle 1662–1667 Kaspar von Schmid 1667–1693 Johann Rudolf von Wämpl 1695–1704 vakant 1704–1726 Kaiserliche Administration in Bayern 1704–1714Franz Xaver Josef Freiherr von Unertl 3. März 1726 –6. März 1749 Franz Xaver Andreas von Praidlohn 1749–1758 Wiguläus Freiherr von Kreittmayr 20. September 1758 –21. Oktober 1790 Johann Friedrich von Hertling 1790–1806

Minister des Äußeren mini|Wappen des Königreichs Bayern Vor 1849 gab es keinen Ministerpräsidenten, doch nahm der Minister des Äußeren, ab 1806 Minister des Königlichen Hauses und des Äußeren, meist eine Vorrangstellung ein. Im Jahre 1847 wurde ein Ministerrat etabliert, doch reservierte sich König Ludwig I. (1825–1848) selbst den Vorsitz; in seiner Abwesenheit saß der dienstälteste Minister den Sitzungen vor.

MinisterAmtszeitAnmerkungenMaximilian Franz Joseph Freiherr und Graf von Berchem 1745 –18. November 1777 Minister des ÄußerenMatthäus Graf von Vieregg 18. November 1777 –21. Februar 1799 Minister des ÄußerenMaximilian Joseph Graf von Montgelas 21. Februar 1799 –2. Februar 1817 Minister des Äußeren, zeitweise auch Finanz- und InnenministerHeinrich Alois Graf von Reigersberg 2. Februar 1817 –1823Vorsitzender des Ministerrates,1810–1823 JustizministerAloys Graf von Rechberg und Rothenlöwen 2. Februar 1817 –Oktober 1825 Minister des Äußeren, ab 1823 Vorsitzender des MinisterratsFriedrich Karl Freiherr von Thürheim 1. Januar 1827 –1828 Minister des Äußeren,ab 22. April 1827 beurlaubtGeorg Friedrich Freiherr von Zentner 22. April 1827 –1. September 1828 Ministerverweser des ÄußerenJoseph Ludwig Graf von Armansperg 1. September 1828 –1831 Minister des Äußeren,auch FinanzministerFriedrich August Freiherr von Gise 1831 –26. Mai 1846 Ministerverweser des Äußeren bis 2. Januar 1832Otto Graf von Bray-Steinburg 26. Mai 1846 –13. Februar 1847 Ministerverweser des Äußeren bis 1. Januar 1847 Georg Ludwig von Maurer 1. März –29. November 1847 „Ministerium der Morgenröte“,Ministerverweser des Äußeren und der JustizLudwig Fürst von Oettingen-Wallerstein 1. Dezember 1847 –12. März 1848 „Lola-Ministerium“,Ministerverweser des Äußeren und des KultusKlemens August Graf von Waldkirch 14. März 1848 –29. April 1848 „März-Ministerium“, Ministerverweser des ÄußerenOtto Graf von Bray-Steinburg 29. April 1848 –18. April 1849 Minister des Äußeren

Vorsitzende des Ministerrates 1849 wurde das Amt eines Vorsitzenden des Ministerrates geschaffen, das mit einer Ausnahme (1880–1890) mit dem Amt des Außenministers verbunden war.

AmtsinhaberAmtszeitAnmerkungenLudwig Karl Heinrich Freiherr von der Pfordten 22. Dezember 1849 –1. Mai 1859 auch AußenministerparteilosKarl Freiherr von Schrenck von Notzing 1. Mai 1859 –4. Oktober 1864 auch AußenministerparteilosMax Ritter von Neumayr 4. Oktober 1864 –4. Dezember 1864(kommissarisch) auch Innenminister (1859–1865);kommissarischer AußenministerparteilosLudwig Karl Heinrich Freiherr von der Pfordten 4. Dezember 1864 –29. Dezember 1866 auch AußenministerparteilosChlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst 31. Dezember 1866 –7. März 1870 auch Außenministerparteilos (Nationalliberal)Otto Graf von Bray-Steinburg 8. März 1870 –25. Juni 1871 auch AußenministerFriedrich Freiherr von Hegnenberg-Dux 21. August 1871 –2. Juni 1872 auch Außenministerparteilos (Nationalliberal)Adolph von Pfretzschner 1. Oktober 1872 –4. März 1880 auch Außenministerparteilos (Liberal)Johann von Lutz(ab 1884 Freiherr) 4. März 1880 –1. Juni 1890 auch Kultusministerparteilos (Nationalliberal)Friedrich Krafft Graf von Crailsheim 1. Juni 1890 –1. März 1903 auch Außenministerparteilos (Nationalliberal)Clemens Freiherr von Podewils-Dürnitz(ab 1911 Graf) 1. März 1903 –9. Februar 1912 auch Außenministerparteilos (Nationalliberal)Georg Friedrich Freiherr von Hertling(ab 1914 Graf) 9. Februar 1912 –10. November 1917 auch AußenministerZentrumOtto Ritter von Dandl 11. November 1917 –7. November 1918 auch Außenministerparteilos

Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern 1918–1945 mini|Wappen des Freistaats Bayern (bis 1933) AmtsinhaberAmtszeitParteiKurt Eisner 8. November 1918 –21. Februar 1919 USPDJohannes Hoffmann 17. März 1919 –14. März 1920 SPDGustav Ritter von Kahr 16. März 1920 –11. September 1921 BVPHugo Graf von und zu Lerchenfeld auf Köfering und Schönberg 21. September 1921 –2. November 1922 BVPEugen Ritter von Knilling 8. November 1922 –30. Juni 1924 BVPGustav Ritter von Kahr Generalstaatskommissar25. September 1923 –17. Februar 1924 BVP Dem Generalstaatskommissar wurde gestützt auf Art. 64 der Bamberger Verfassung als Ausnahmeorgan die vollziehende Gewalt durch das Gesamtministerium übertragen.Heinrich Held 2. Juli 1924 –9. März 1933 BVPseit Sommer 1930 mangels parlamentarischer Mehrheit nur noch geschäftsführendFranz Ritter von Epp Reichskommissar9. März – 12. April 1933Reichsstatthalter10. April 1933 – 28. April 1945 NSDAPals Reichskommissar Ausübung der Befugnisse des Ministerpräsidenten, dann als Reichsstatthalter gemäß Reichsstatthaltergesetz formal oberste staatliche Instanz und Aufsichtsorgan des ReichskanzlersLudwig Siebert 12. April 1933 –1. November 1942 NSDAPPaul Giesler 2. November 1942 –28. April 1945 NSDAP

Seit 1945 mini|Wappen des Freistaats Bayern (seit 1950) # Bild Ministerpräsident Amtszeit Partei Wahlen Kabinett175pxFritz Schäffer(1888–1967)28. Mai 1945–28. September 1945parteilos –Schäffer 2 75px Wilhelm Hoegner(1887–1980)28. September 1945 –16. Dezember 1946 SPD –Hoegner I 3 75px Hans Ehard(1887–1980) 21. Dezember 1946–14. Dezember 1954 CSU19461950Ehard IEhard IIEhard III 4 75px Wilhelm Hoegner(1887–1980) 14. Dezember 1954–8. Oktober 1957 SPD 1954Hoegner II 5 75px Hanns Seidel(1901–1961) 16. Oktober 1957–22. Januar 1960 CSU 1958Seidel ISeidel II 6 75px Hans Ehard(1887–1980) 26. Januar 1960–11. Dezember 1962 CSU –Ehard IV 7 75px Alfons Goppel(1905–1991) 11. Dezember 1962–6. November 1978 CSU 1962196619701974Goppel IGoppel IIGoppel IIIGoppel IV 8 75px Franz Josef Strauß(1915–1988) 6. November 1978–3. Oktober 1988 CSU 197819821986Strauß IStrauß IIStrauß III 9 75px Max Streibl(1932–1998) 19. Oktober 1988–27. Mai 1993 CSU 1990Streibl IStreibl II 10 75px Edmund Stoiber(* 1941) 28. Mai 1993–30. September 2007 CSU 199419982003Stoiber IStoiber IIStoiber IIIStoiber IV 11 75px Günther Beckstein(* 1943) 9. Oktober 2007–27. Oktober 2008 CSU –Beckstein 12 75px Horst Seehofer(* 1949) 27. Oktober 2008–13. März 2018 CSU 20082013Seehofer ISeehofer II 13 75px Markus Söder(* 1967) 16. März 2018– CSU 20182023Söder ISöder IISöder III

Bezüge Obwohl der Ministerpräsident kein Beamter ist, sind seine Amtsbezüge an die Beamtenbesoldung gekoppelt. Gemäß Artikel 10 des Bayerischen Ministergesetzeshttps://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayStaatsRRVG/true?AspxAutoDetectCookieSupport=1 erhält er 32/25 des Grundgehalts der Besoldungsgruppe B 11; dies sind derzeit (Stand 2020) 18.155,32 Euro im Monat. Hinzu kommen Familienzuschläge, Zulagen und Zuwendung in entsprechender Anwendung des Beamtenrechts sowie eine Dienstaufwandsentschädigung von 1150 Euro im Monat.

Siehe auch Politisches System Bayerns Geschichte Bayerns Bayerische Staatsregierung Liste der Ministerpräsidenten der deutschen Länder Landtagswahlen in Bayern Kabinett Söder III (aktuelle Staatsregierung) Liste der US-amerikanischen Militärgouverneure von Bayern

Literatur Fritz Baer: Die Ministerpräsidenten Bayerns 1945–1962. Dokumentation und Analyse (= Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Beiheft B 3). München 1971. Reinald Becker, Christof Botzenhart (Hrsg.): Die Bayerischen Ministerpräsidenten 1918–2018, Regensburg 2024.