mini|320px|Das Wort „Sanskrit“ im Nominativ Singular in Devanagari-Schrift; Schreib- und Leserichtung ist von links nach rechts

Sanskrit (Eigenbezeichnung )Klaus Mylius: Sanskrit – Deutsch, Deutsch – Sanskrit, Wörterbuch. Unveränderte Neuauflage. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05143-4, S. 118. () bezeichnet die verschiedenen Varietäten des Altindischen. Die älteste Form ist die Sprache der Veden, einer Sammlung religiöser mündlicher Überlieferungen im Hinduismus. Ihre Entstehung und Konsolidierung wird grob auf 1200 v. Chr. datiert, jedenfalls ins zweite vorchristliche Jahrtausend. Das klassische Sanskrit wurde um 400 v. Chr. durch die Grammatik des Panini kodifiziert.Hadumod Bußmann (Hrsg.) unter Mitarbeit von Hartmut Lauffer: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4., durchgesehene und bibliographisch ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-45204-7, Lemma Sanskrit.

Oft – vor allem im englischen Sprachraum – wird Sanskrit ungenau auch für die unbearbeitete, mündlich überlieferte vedische Sprache insgesamt verwendet. Sanskrit ist die wichtigste Sprache im Hinduismus und war Sprache im gesamten südasiatischen Raum. Sanskrit verbreitete sich so wie der Buddhismus und Hinduismus in Zentralasien, Südostasien und Teilen Ostasiens und wurde zu einer der wichtigsten Kultur- und Herrschafts-Sprachen.Damien Keown & Charles S. Prebish 2013, S. 15, Quote: "Sanskrit served as the lingua franca of ancient India, just as Latin did in medieval Europe".Banerji, Sures (1989). A companion to Sanskrit literature: spanning a period of over three thousand years, containing brief accounts of authors, works, characters, technical terms, geographical names, myths, legends, and several appendices. Sanskrit ist die klassische Sprache der Brahmanen.

Das um 1200 v. Chr. übliche Vedische unterscheidet sich jedoch noch vom klassischen Sanskrit. Sanskrit wird seit einigen Jahrhunderten hauptsächlich in Devanagari-Schrift geschrieben, gelegentlich jedoch auch in lokalen Schriften (das erste gedruckte Werk in Sanskrit erschien in Bengali-Schrift). Das moderne Sanskrit, welches laut Zensus von einigen Indern als Muttersprache angegeben wird, ist immer noch die heilige Sprache der Hindus, da alle religiösen Schriften von den Veden und Upanishaden bis zur Bhagavad-Gita auf Sanskrit verfasst wurden und häufig auch so vorgetragen werden. Auch für religiöse Rituale wie Gottesdienste, Hochzeiten und Totenrituale ist es noch heute unerlässlich.

Beispiele für Lehnwörter im Deutschen, die sich auf Sanskrit zurückführen lassen, auch wenn ihre Entlehnung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgte, sind: Arier, Aschram, Avatar, Bhagwan, Chakra, Guru, Dschungel, Lack, Ingwer, Orange, Kajal, Karma, Mandala, Mantra, Moschus, Nirwana, Swastika, Tantra, Yoga.

Bedeutung und Verbreitung Für Südasien spielt Sanskrit eine ähnliche Rolle wie das Latein für Europa oder das Hebräische bzw. Aramäische für die heutigen bzw. antiken Juden. Zahlreiche überlieferte religiöse, philosophische und wissenschaftliche Texte sind in Sanskrit verfasst. Die Rolle einer Sondersprache hatte Sanskrit schon im indischen Altertum. Sanskrit steht im Gegensatz zu dem volkstümlichen Prakrit, einer Gruppe mittelindischer gesprochener Dialekte, zu der auch Pali zählt. Obwohl viele buddhistische Texte später in Sanskrit verfasst wurden, soll Siddharta Gautama selbst eine volkstümlichere Sprachvariante wie Pali oder Ardhamagadhi bevorzugt haben.

Bei der indischen Volkszählung 2011 gaben etwa 25.000 Menschen Sanskrit als ihre Muttersprache an.Data on Language and Mother Tongue. Part A: Distribution of the 22 scheduled languages-India/States/Union Territories – 2011 census. (PDF; 285 kB) Census of India 2011 Aktuelle Bemühungen gehen dahin, Sanskrit selbst als Lebendiges Sanskrit wiederzubeleben, auch indem neue Wörter für moderne Gegenstände entwickelt und junge Leute dazu motiviert werden, sich in dieser Sprache zu verständigen. Es gibt Zeitungen und Radiosendungen in Sanskrit. In den meisten Schulen der Sekundarstufe im modernen Indien (besonders dort, wo die Staatssprache Hindi gesprochen wird) wird Sanskrit als dritte Sprache nach Hindi und Englisch gelehrt. | Im Rahmen des Hindu-Nationalismus gibt es Tendenzen, in Hindi die Begriffe arabischen und persischen Ursprungs durch Sanskrit-Begriffe zu ersetzen und so die Sprache von Fremdeinflüssen zu „reinigen“. Diese Entwicklung dauert noch an, so dass die lexikalischen Unterschiede zwischen Urdu und Hindi auf der Ebene der gehobenen Schriftsprache größer werden.

Geschichte Die vedische Sprache ist die älteste Form der indoarischen Sprachen; Spuren von älterem Indo-Arisch finden sich nur in Überlieferungen aus dem Mitanni-Reich in Anatolien. Aus ihr entstanden moderne Sprachen wie Hindi-Urdu, Bengalisch, Marathi, Kashmiri, Panjabi, Nepalesisch und Romani. Vedisches Sanskrit (Vedisch) ist eine archaische Form des Sanskrit, in der die vier heiligen Veden der Hindus verfasst wurden. Vedisches Sanskrit unterscheidet sich von Klassischem Sanskrit in etwa wie Homerisches Griechisch von Klassischem Griechisch. In beiden Sanskritversionen gibt es eine große Anzahl an Wortentlehnungen aus den dravidischen Sprachen. Zu ihren wichtigsten Unterschieden zählen: Mindestens drei Phoneme des Vedischen Sanskrit gingen verloren: der stimmlose bilabiale Frikativ (), der stimmlose velare Frikativ (/x/) und der stimmhafte laterale retroflexe Approximant (). Der Modus Konjunktiv (Subjunktiv) taucht im klassischen Sanskrit nicht mehr auf. Vedisches Sanskrit hatte ungefähr zwölf Möglichkeiten, den Infinitiv zu bilden; klassisches Sanskrit hat nur eine.

Sanskrit wurde im Gegensatz zum Prakrit als die reine und heilige Sprache bewertet und war immer eine Hoch- beziehungsweise Literatursprache für religiöse und wissenschaftliche Themen. Viele Sanskrittexte wurden mündlich überliefert, bevor sie in späteren Jahrhunderten (oft erst im Mittelalter) niedergeschrieben wurden. Das gilt auch für die älteste erhaltene Grammatik zum Sanskrit von Pāṇini, der bereits im 5. und 4. Jahrhundert vor Chr. in seinem Werk Ashtadhyayi in fast 4000 Regeln die Sprache Sanskrit genau beschrieb. In seiner ausgeklügelten Systematik entwickelte er präzise Konzepte zur Beschreibung von Phonemen, Morphemen und Wurzeln, die in analoger Form in der westlichen Linguistik erst rund 2500 Jahre später erschienen.

Verwandtschaft mit anderen Sprachen Die indoarischen Sprachen der indoeuropäischen Sprachfamilie haben einen gemeinsamen Ursprung mit fast allen modernen europäischen Sprachen, aber auch mit den klassischen Sprachen wie Latein und Persisch. Die Verwandtschaft kann beispielsweise mit den Wörtern für ‚Mutter‘ und ‚Vater‘ illustriert werden: mātṛ und pitṛ im Sanskrit (Nominativ: mātā und pitā); māter und pater im Latein sowie mātar und pitar im Altiranischen. Der Begriff yoga geht wie das lateinische iugum auf die gemeinsame Wurzel *yewg zurück (deutsch Joch, das aus derselben Wurzel hervorgegangen ist).

Auch das lateinische Wort deus ‚Gott‘ (nicht aber das altgriechische theos, wohl aber der Göttername Zeus) entspricht dem Sanskritwort deva ‚Gott‘. Lateinisch esse ‚sein‘ geht auf die gleiche indogermanische Wurzel wie das indische as ‚sein‘ zurück; das Perfekt fuisse wie das englische be und das deutsche bin auf die gleiche wie Sanskrit bhu (ebenfalls ‚sein‘).

Bemerkenswert ist zudem die ähnliche Grundstruktur der Grammatik, etwa Geschlechter, Funktion der Kasus (Fälle), Tempora (Zeitgefüge), Modi: Zum Beispiel ist die Endung der Wir-Form in der einfachen Gegenwart im Sanskrit -mah, im Latein -mus, im Altgriechischen -men, im Althochdeutschen -mes. Im Sanskrit sind alle acht Fälle, die für die indogermanische Ursprache rekonstruiert wurden, erhalten geblieben (siehe dazu im Abschnitt Grammatik).

Die Ähnlichkeiten zwischen Latein, Griechisch und Sanskrit spielten eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Indogermanistik; erst als im Rahmen der Kolonialisierung Europäer nach Indien kamen und begannen, indische Literatur zu übersetzen, wurde die auffallende Ähnlichkeit der Sprachen entdeckt.

Bereits in das Vedische sind Wörter anderer Sprachen eingeflossen. Im Rigveda sind etwa vier Prozent der Wörter nicht-indoarischen Ursprungs. Hierbei handelt es sich um Begriffe aus den austroasiatischen sowie dravidischen, jedoch auch aus den sinotibetischen Sprachen.

Phonologie und Schrift Klassisches Sanskrit hat 48 Phoneme, vedisches Sanskrit hat 49. Vedisches und Klassisches Sanskrit verwenden die scriptura continua. Dem Sanskrit liegt infolge des Sandhis als Orthographie- bzw. Grammatikprinzip das phonemische zugrunde, d. h., die Schreibung richtet sich nach der Lautung. Im Gegensatz dazu basiert die Orthographie der modernen indoarischen Sprachen wie auch z. B. der deutschen Sprache auf dem morphologischen oder Stammprinzip. mini|400px|Sanskrit-Text in verschiedenen Schriften geschrieben: „Möge Shiva segnen, wem Sprache der Götter gefällt.“ (Kalidasa). Die Phoneme werden hier in ihrer traditionellen Reihenfolge beschrieben: Vokale, Okklusive (Plosive und Nasale geordnet nach dem Artikulationsort, von hinten nach vorne) und schließlich Approximanten und Sibilanten.

Die Transliteration erfolgt in den beiden Systemen IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration) und ITRANS (Indian Languages Transliteration).

Vokale Die grammatischen und phonologischen Begriffe des Sanskrit stimmen nicht immer mit den uns vertrauten überein. Dem Begriff der 16 Matrika ( „(göttliche) Mütter“) bzw. Shakti ( „(göttliche) Kräfte“) entspricht nicht ganz unserer Auffassung von einem Vokal, da hier auch die Laute für , und erscheinen und außer den vokalischen Phonemen auch Anusvara () und Visarga () dazu gehören.

Traditionell werden die vokalischen Phoneme nach Artikulationsort und Länge angeordnet, wobei jeder kurze ( „kurz“) Laut eine lange ( „lang“) Entsprechung hat.

Die fünf im Sanskrit unterschiedenen Artikulationsorte oder Mundpositionen sind: ( „im Rachen“): velare (oder auch gutturale) Laute, die am Gaumensegel (velum) entstehen ( „am Gaumen“): palatale Laute, die am Gaumen (palatum) entstehen ( „am Kopf“): retroflexe (oder auch zerebrale) Laute, die bei Annäherung der Zunge an den Zahndamm entstehen ( „an den Zähnen“): dentale Laute, die an den Zähnen (dentes) gebildet werden ( „an den Lippen“): labiale Laute, die mit den Lippen (labia) gebildet werden

Diese Unterscheidung nach Mundpositionen findet auch bei der Kategorisierung der 25 Okklusive Verwendung. Im Fall eines Vokals entsteht dabei der Laut durch Annäherung an den Artikulationsort, im Fall des Konsonanten durch Verschlussbildung am Artikulationsort.

Die traditionelle Anordnung der Vokallaute des Sanskrit nach Mundposition und Länge ist folgende:

Gruppe Artikulationsort Mundposition kurz lang Devanagari IAST Devanagari IAST einfach velar (kanthya) palatal (talavya) labial (oshthya) konsonantisch retroflex (murdhanya) dental (dantya) zusammengesetzt velar + palatal ( ) velar + labial ( )

Die langen Vokale werden etwa doppelt so lang wie ihre kurzen Gegenstücke ausgesprochen, deren Länge eine prosodische Einheit, ein Matra ( „Maß“), entspricht. Darüber hinaus existiert für die meisten Vokale eine dritte Quantitätsstufe ‚sehr lang‘ ( „langgezogen“), die zum Beispiel im Vokativ Anwendung findet und mit drei Länge ausgesprochen wird. In der Schrift wird die Überlänge durch die nachgestellte Ziffer 3 notiert, zum Beispiel ka mit überlangem a-Vokal erscheint in der Umschrift als ka3 und in Devanagari als .

Der Laut des entsteht, wenn die bei Aussprache eines langgezogenen i-Vokals die Zunge nach hinten gehoben wird wie zur Aussprache eines gerollten r’s. Wenn ein nachfolgender Vokal ein Senken der Zungenposition erfordert, entsteht ein angedeuteter i-Laut, weshalb in der Transkription meist durch „ri“ wiedergegeben wird, beispielsweise in der Umschrift von () als Krishna.