mini|hochkant=1.3|Luftbild (2023)
Die Universität Linz (vollständig Johannes-Kepler-Universität Linz, Eigenschreibweise Johannes Kepler Universität Linz, kurz JKU) ist mit ca. 27.000 Studierenden die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Oberösterreich. Sie befindet sich in Linz im statistischen Bezirk Dornach-Auhof im Nordosten der Stadt und ist als Campusuniversität angelegt.
Die Universität wurde am 8. Oktober 1966 als Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften eröffnet und nahm zwei Tage später ihren Lehrbetrieb auf. Sie gehört damit zu den jüngsten Universitäten Österreichs. Am 1. Oktober 1975 wurde sie nach Johannes Kepler benannt, der an der Linzer Landschaftsschule zwischen 1612 und 1626 als Mathematicus gelehrt hatte.
Geschichte
1574–1945: Vorgeschichte Die Geschichte der Linzer Hochschule reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ab 1574 wurde das Linzer Landhaus als Adeliche Landt-Schuele (auch Landschaftsschule) genutzt. An dieser Schule lehrte Johannes Kepler von 1612 bis 1626.Rudolf Lehr: Landeschronik Oberösterreich. Christian Brandstätter Verlag, Wien 1987, S. 122. Im Rahmen der Gegenreformation musste er 1626 die Stadt in Richtung Regensburg verlassen, da er sich weigerte, zum katholischen Glauben zu wechseln. Nach der Schließung der Schule wurde diese ab 1629 vom Jesuitenorden mit ihrer 1608 gegründeten Lateinschule vereinigt und weitergeführt. Das Studienangebot wurde danach von philosophischen Studien auf juridische und theologische erweitert.
1669 wurde das Linzer Gymnasium um ein Lyzeum für höhere Studien erweitert. Dieses wurde 1777 in das k. k. academische Gymnasium (heute: Akademische Gymnasium) und das k. k. Lyceum aufgeteilt., Artikel im OÖ, Landesarchiv. 1773 wurde der Jesuitenorden verboten, was zur Schließung seiner Schule führte. Teile davon gingen im Lyceum auf. Eine ab 1775 eingerichtete medizinische Ausbildung wurde 1808 wieder beendet. 1810 kam auch das Aus für die juridische und die politische Fakultät. Die philosophische Fakultät wurde 1849 aufgelöst; die verbliebene theologische Fakultät in die Verantwortung der Diözese übergeben.
In den Folgejahren wurde versucht, wieder eine Hochschule nach Linz zu bringen. Viele derartige Versuche und Initiativen unterschiedlicher Zielsetzung blieben erfolglos. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Pläne zur Errichtung einer Technischen Hochschule konkreter. 1943 wurde der provisorische Betrieb eines Architekturstudiums der Technischen Hochschule Linz im Stift Wilhering aufgenommen.
1945–1966: Gründungsphase Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bemühungen intensiviert. Ab 1949 wurde die Gründung einer technischen Hochschule gefordert. In der Linzer Volkshochschule wurden ab 1951 Vorlesungen abgehalten. Durch geänderte Marktbedingungen änderte sich der Wunsch langsam in Richtung einer Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule. 1959 wurde von der Stadt Linz, dem Land Oberösterreich und weiteren Institutionen das Kuratorium Hochschule für Sozialwissenschaften in Linz gegründet, das die weitere Planung vorantreiben sollte. Die Konstituierung fand am 14. März statt. 1962 wurde das Kuratorium per Bundesgesetz in den heute noch bestehenden Linzer Hochschulfonds umgewandelt.
Der entscheidende Durchbruch gelang 1962 durch die Erlassung eines Bundesgesetzes zur Gründung einer Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz. Am 3. Juli 1964 erfolgte der Spatenstich für die ersten Gebäude (heutiges „Keplergebäude“, Mensa, Juridicum), die am Gelände des Schlosses Auhof errichtet wurden. 1965 wurde vom Nationalrat die Erweiterung der Hochschule um eine Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (TNF) beschlossen. Im Zuge dessen wurden weitere Gebäude geplant und errichtet, wie das Physikgebäude oder der heute noch den Campus prägende 13-stöckige TNF-Turm mit T-förmigem Grundriss.
Am 19. Oktober 1965 konstituierte sich das Professorenkollegium erstmals. Die Gruppe aus den vier zu diesem Zeitpunkt berufenen Professoren – Erich Bodzenta (Soziologie), Ludwig Fröhler (Öffentliches Recht), Josef Kolbinger (Betriebswirtschaftslehre) und Rudolf Strasser (Privatrecht, Arbeitsrecht und Sozialrecht) – wählte Ludwig Fröhler zum Rektor. 1966 wurde die Einrichtung eines rechtswissenschaftlichen Studiums an der Hochschule beschlossen.
1966 bis heute: Forschungs- und Lehrbetrieb Die Eröffnung durch Bundespräsident Franz Jonas fand am 8. Oktober 1966 statt, am 10. Oktober begann der Studienbetrieb. Die anfänglichen Studienrichtungen waren Soziologie, Sozialwirtschaft, Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Mit Sozial- und Wirtschaftsstatistik (1968) sowie Wirtschaftspädagogik (1970) folgten weitere Studienrichtungen. Der Studienbetrieb an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde 1969 aufgenommen. 1975 wurde die Rechtswissenschaftliche Fakultät als eigenständig etabliert. 2014 wurde die JKU um die Medizinische Fakultät erweitert.
Seit dem 1. Oktober 1975 trägt sie den Namen Johannes Kepler Universität Linz. Die Schreibung des Namens ohne Bindestriche widerspricht allerdings den geltenden Regeln der deutschen Rechtschreibung; der orthographisch korrekte Name müsste „Johannes-Kepler-Universität Linz“ lauten.
Heute besteht die JKU aus den vier Fakultäten Technik und Naturwissenschaften, Wirtschaft und Gesellschaft, Recht, Medizin und den sechs Schools Linz Institute of Technology (LIT), Linz School of Education (SoE), Business School (BUS), Kurt Rothschild School of Economics and Statistics (ROSES), School of Social Sciences and Humanities (SSSH) und Linz Institute for Transformative Change (LIFT_C). mini|Universitätsklinikum
Das Studium der Humanmedizin wurde erstmals in Österreich im Bachelor-Master-System angeboten. Anstelle der herkömmlichen fächerbasierten Lehre ist es nach organ- und themenzentrierten Modulen aufgebaut. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. Mit dem JKU medSPACE, der Hörsaal, Labor, Forum und Bühne zugleich ist, wurde eine neue Art Medizin zu lehren etabliert. CT- oder MRT-Scans können als riesige, dreidimensionale Bildwelten erkundet werden – in 14 mal 7 Meter Größe und in 8K Bildauflösung. Die Medizinische Fakultät war anfangs in der Huemerstraße situiert und zog im Herbst 2021 in das neu errichtete Lehr- und Forschungsgebäude „Med Campus I“ am Gelände des Kepler Universitätsklinikums. Der vom Wiener Architekten Peter Lorenz konzipierte Campus der Medizinischen Fakultät wurde im September 2021 eröffnet. Die Bauzeit betrug rund dreieinhalb Jahre, die Kosten beliefen sich auf 105,4 Millionen Euro. Die praktische Ausbildung findet am „Kepler Universitätsklinikum“ statt. Im Endausbau 2028 werden 1.800 Studierende an der Medizinischen Fakultät studieren.
2015 wurde mit dem LIT (Linz Institute of Technology) die erste von sechs Schools gegründet. Das LIT steht für technologische Forschung nach einem ganzheitlichen Ansatz. Im Vordergrund der wissenschaftlichen Auseinandersetzung steht nicht alleine die technische Innovation, sondern auch ihre gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen und Folgen. Dabei sind viele Unternehmen Kooperationspartner. In Planung sind Studienrichtungen und Forschungsschwerpunkte, die sich vermehrt mit der Digitalisierung und einer automatisierten Welt beschäftigen.Linz Institute of Technology, auf jku.at, abgerufen am 8. August 2021.
2016 folgte die Gründung der Linz School of Education. Hier wird die Pädagogenbildung fakultätsübergreifend koordiniert. Die Experten beschäftigen sich mit der zentralen Aufgabe der Lehre und auch mit bildungswissenschaftlicher und fachdidaktischer Forschung zu Fragen der Lehrerbildung, des Lernens und Lehrens an Schulen.Linz School of Education, auf jku.at, abgerufen am 8. August 2021.
2019 wurde die JKU Business School gegründet. Sie bündelt das wirtschaftswissenschaftliche Studienangebot und versteht sich als regional verankerter wissenschaftlicher Knotenpunkt zwischen Forschung, Lehre und Praxis mit internationaler Ausrichtung – eingebettet in das technologieorientierte Umfeld der JKU.Vision und Strategische Prioritäten., auf jku.at, abgerufen am 8. August 2021.
2021 wurde die Kurt Rothschild School of Economics and Statistics gegründet. Benannt nach Kurt W. Rothschild, einem der führenden Ökonomen der Nachkriegszeit und ehemaligem JKU-Rektor, betreibt die School Forschung von internationaler Exzellenz in den Bereichen Epidemiologie & Public Health, Zukunft der Arbeit und Data Science und führt so empirische Wirtschaftsforschung mit statistischen Methoden, Big Data und Digitalisierung zusammen.Profil, auf jku.at, abgerufen am 8. August 2021.
2023 folgte die Gründung der School of Social Sciences and Humanities (SSSH). Die School of Social Sciences and Humanities trägt mit ihren Aktivitäten in Forschung, Lehre und Wissenstransfer zu einer wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch verantwortlichen Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen bei.
Das Linz Institute for Transformative Change (LIFT_C) ist die sechste School. Sie ist ein neuer Knotenpunkt für die interdisziplinäre Forschung zu Transformationsprozessen an der Johannes Kepler Universität.
Campus mini|JKU Science Park 1, gesehen aus der Unterführung der Altenbergerstraße
Der 365.000 m² große Campus der JKU befindet sich im Bezirk Dornach-Auhof. Die Gebäude der Universität sind in einer Parkanlage rund um einen Teich angelegt. Der Campus wurde 2009 um den JKU Science Park erweitert. 2012 wurde der dritte Gebäudeteil fertiggestellt, Die Bauteile 4 und 5 wurden im Sommer 2021 bezugsfertig. Der JKU Science Park hat eine Nettofläche von 14.000 m2. In den weiteren Gebäuden sind Partnerfirmen der JKU, Institute anderer Fachbereiche der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät sowie Teile der zentralen Verwaltung im JKU Science Park untergebracht. mini|Kepler Hall und TNF-Turm
Baulich wird der Campus laufend weiterentwickelt. 2019 wurden das LIT Open Innovation Center, das Learning Center / Library und das Somnium am Dach des TNF-Turms fertiggestellt. 2020 folgte mit der Kepler Hall das neue Entrée der JKU, das auch das Universitätssportinstitut (USI), ein Fitnesscenter und den JKU-Merchandiseshop beherbergt. 2021 wurde der Zirkus des Wissens, der Kindern die Wissenschaft näher bringen soll, eröffnet. Im Herbst 2024 wurden das House of Schools 1 und ein Parkhaus im Westen des Campus eröffnet. Das Technikum II nördlich des LIT Open Innovation Center soll im März 2027 fertiggestellt werden.
Verkehr mini|Die Haltestelle JKU | Universität der Linien 1 und 2
Der Campus ist mit den Straßenbahnlinien 1 und 2 und der Schnellbuslinie 77 direkt an das öffentliche Linzer Verkehrsnetz der Linz AG angebunden. In der HVZ verkehren die Straßenbahnlinien kombiniert im 3¾-Minuten-Takt, eine Fahrt in das Stadtzentrum (Hauptplatz) dauert etwa 16, bis zum Hauptbahnhof 23 Minuten. Eine Verlängerung der Straßenbahn an die zukünftige Haltestelle der S7 ist vorgesehen. Der Bus 77 fährt wenige Kurse in der Morgenspitze rund um 8 Uhr zwischen Bahnhof und Universität Nord.
Weiters kann die JKU Linz mit dem etwa einem Kilometer entfernten Autobahnanschluss Dornach über die A7 Mühlkreisautobahn erreicht werden. Der ebenfalls universitätsnahe Halbanschluss Auhof wurde im September 2024 fertiggestellt.
Am östlichen Ende der Uni soll eine Neubaustrecke – die Regional-Stadtbahn Linz – verlaufen. Die Strecke wird bis zur Uni zweigleisig, von Tramtrains bedient. Mit der Strecke ist frühestens nach der Fertigstellung der Strecke der S6 zu rechnen, was frühestens 2033 der Fall sein wird.