mini|hochkant|Kastell Flămânda (unten rechts) im Verlauf des Limes Transalutanus Das Kastell Flămânda (auch: Kastell Poiana oder Kastell Ciuperceni) ist ein römisches Auxiliarkastell auf dem Gebiet des in der Gemeinde Ciuperceni liegenden Dorfes Poiana im rumänischen Kreis Teleorman in der Region Muntenien. In antiker Zeit war es Bestandteil des Dakischen Limes, konkret des Abschnittes Limes Transalutanus (Transalutanischer Limes; Limes jenseits des Olt). Administrativ hätte es möglicherweise schon zur Provinz Dacia inferior gehört, später gehörte es dann zur Provinz Dacia Malvensis.
Lage und Forschungsgeschichte Das heutige Bodendenkmal liegt in einem Waldstück unmittelbar am Nordufer der Donau, gut zwei Kilometer östlich des Dorfes Poiana (dessen früherer Name Flămânda lautete) und knapp drei Kilometer südsüdwestlich der Gemeinde Traian in der Flur La culă. Durch Hochwasser der Donau wurden seine südlichen Bereiche weggeschwemmt, im nördlichen und westlichen Teil sind aber noch im dicht bewaldeten Gelände die Umrisse eines Vierecks wahrnehmbar. Es ist das südlichste Kastell des Limes Transalutanus (Transalutanischer Limes; Limes jenseits des Olt) genannten Limesabschnittes in Rumänien. Administrativ hätte es zur Provinz Dacia inferior und später, falls es so lange existiert haben sollte, zur Dacia Malvensis gehört.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2 (1997), S. 70f. (Digitalisat).Ovidiu Țentea, Florian Matei-Popescu, Vlad Călina, Alexandru Rațiu: Poiana (fost Flămânda). In dies.: Frontiera romană din Dacia Inferior. O trecere în revistă și o actualizare. 2. In: Cercetări Arheologice 29.1 (2022), S. 229f., (Digitalisat).Kastell Flămânda auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 29. Oktober 2024.
Erste archäologische Sondierungen erfolgten 1971, systematische Ausgrabungen in den Jahren von 1977 bis 1979, in beiden Fällen unter der Leitung der rumänischen Archäologin Ioana Bogdan Cataniciu.Ioana Bogdan Cataniciu: Săpăturile pe linia de fortificaţii transalutană. In: Materiale şi Cercetări Arheologice XIV, Tulcea 1980, S. 658–659.
Archäologische Befunde Kastell Flămânda Das Kastell Flămânda war ein Holz-Erde-Lager mit einem rechteckigen, annähernd quadratischen Grundriss von 350 m mal 390 m, was 13,65 Hektar entspricht, von denen bei dem heutigen Bodendenkmal aber nur noch knapp 7,8 Hektar erhalten sind. Umgeben war das Lager von einer acht Meter bis 20 m mächtigen und einer einen bis anderthalb Meter hohen Holz-Erde-Mauer, vor der als Annäherungshindernis ein einfacher, fünf bis 15 Meter breiter und bis zu einer Tiefe von 1,50 m bis 1,90 m erhaltener Graben verlief. Die Chronologie des Kastells blieb ungeklärt, allerdings konnte festgestellt werden, dass der transalutanische Verteidigungswall wohl die östliche Begrenzung des Lagers gebildet hatte.Zum transalutanischen Wall auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 29. Oktober 2024. Unter dem Fundmaterial befand sich ein Ziegelstempel der Legio XIII Gemina, der dafür sprechen könnte, dass eine Vexillation dieser Legion dort stationiert war. Auch der Stempel einer COH I[--] wurde geborgen.Ioana Bogdan Cataniciu: Muntenia în sistemul defensiv al Imperiului roman, sec. I–III p. Chr. Institutul De Arheologie Si Istoria Artei, Alexandria 1997, S. 42f., 86f., 90 sowie Abb. 9f.
Zweites Kastell und Flottenbasis? Eugen S. Teodor erwähnt in seinem Werk The Invisible Giant: Limes Transalutanus. An overview south of Argeş River (2015) ein zweites Kastell und bezieht sich dabei auf eine Zeitzeugenaussage aus der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem rumänischen Politiker, Historiker und Linguisten August Treboniu Laurian (1810–1881). Dieses zweite Kastell soll deutlich kleiner gewesen sein und sich ein paar hundert Meter westlich des Vexillationslagers befunden haben. Es gibt keinen archäologischen Nachweis, das Gelände wurde vermutlich von den Donaufluten weggeschwemmt. Teodor geht davon aus, dass es sich bei diesem Platz um eine Basis der Classis Flavia Moesica (Flavische Flotte Moesiens) gehandelt haben könnte,Graham Webster und Hugh Elton: The Roman Imperial Army of the First and Second Centuries A.D. University of Oklahoma Press, Norman 1998, ISBN 0-8061-3000-8, S. 17–48. die in Noviodunum ad Istrum ihr Hauptquartier hatte und in der Zeit der trajanischen Kriege die kämpfende Truppe logistisch versorgte. Ob diese Funktion der Flottenbasis bis ins dritte Jahrhundert hinein oder in dieser späteren Zeit wieder bestand, lässt Teodor offen, schließt es aber wegen des notwendigen Nachschubs für die am Limes Transalutanus stationierten Einheiten auch nicht aus.Eugen S. Teodor: The Invisible Giant: Limes Transalutanus. An overview south of Argeş River. Editura Cetatea de Scaun, Târgoviște 2015, ISBN 978-606-537-298-6, S. 17–48.
Limesverlauf bis zum Kastell Putineiu Vom Kastell Flămânda ausgehend zieht der Limes Transalutanus, teilweise im Gelände sichtbar, in strikt nördlicher Richtung verlaufend auf das nächste Kastell Putineiu zu, von dem es rund 18 Kilometer Luftlinie entfernt ist. Parallel verlief die Calea lui Traian (Trajanstraße). Der Verlauf von Wall und Straße kann durch einige Hügel auf dem Wall oder bis zu 15 Meter westlich dahinter, die als Orientierungspunkte gedient haben könnten, sowie durch Fundstellen, die als Wachtürme angesprochen werden können, nachvollzogen werden. Durch jahrhundertelanges Überpflügen sind der Wall und die Hügel heute natürlich stark verflacht bis völlig verschwunden und nur noch abschnittsweise wahrnehmbar.Eugen S. Teodor: The Invisible Giant: Limes Transalutanus. An overview south of Argeş River. Editura Cetatea de Scaun, Târgoviște 2015, ISBN 978-606-537-298-6, S. 17–48. Nr. Name/Ort Beschreibung/Zustand+Bodendenkmäler zwischen dem Kastell Flămânda und dem Kastell Putineiu (von Süd nach Nord) A/IX/47 Kastell Flămânda siehe oben RAN 151718.03RAN 151718.03 Wallabschnitt Poiana Der Wall liegt östlich der Stadt Poiana und erstreckt sich vom Donauufer bis auf das Gebiet der Gemeinde Traian. RAN 154745.06RAN 154745.06 WachturmTraian-Cula Nord Rund 90 m westlich des Walls. Es wurden noch Fragmente römischer Ziegel gefunden. Inzwischen ist die Turmstelle zerstört. RAN 154745.04RAN 154745.04 WallabschnittValul de la Traian Der Wall liegt nordwestlich von Traian, das südliche Ende befindet sich rund 700 m nördlich der Straße Drum național 51A und das nördliche Ende etwa 1,8 km südlich der Drum național 52, westlich des Suroaia-Tals. RAN 152680.14RAN 152680.14 WallabschnittDracea Der Wall liegt annähernd fünf Kilometer westlich der Gemeinde Dracea. RAN 153838.13RAN 153838.13 WachturmPutineiu-Totiţa Bodendenkmal südlich von Putineiu, auf einer Terrasse nördlich des Valea Totiţa (Totiţa-Tals), südöstlich des zweiten Wachturms von Totiţa. RAN 153838.12RAN 153838.12 WachturmPutineiu-Totiţa Das Bodendenkmal liegt südlich der Gemeinde Putineiu, auf einer Terrasse nördlich des Valea Totiţa. A/IX/48 Kastell Putineiu siehe Hauptartikel Kastell Putineiu
Nr.PositionAbstandAbstand zum südlich davor gelegenen Hügel oder Bauwerk.KoordinatenTopographischer KontextResthöhe+Hügel zwischen dem Kastell Flămănda und dem Kastell Putineiu (von Süd nach Nord)1nördlich des Kastells41 munmittelbar nördlich vor Kastell Flămânda1,2 m2Traian Süd1239 mT-förmige Straßenkreuzung1,2 m3Lacu Porcului1355 mam nördlichen Ende des Moores?4Traian Nord880 moben auf einer Geländeterrasse1,4 m5Ciuperceni1718 mam Südufer des Cula-Tales1,5 m6Suroaia1898 mam Nordufer des Cula-Tales0,9 m7nördlich der DN 522463 m1632 m nördlich der DN 520,7 m8nördlich der DN 521236 mauf einem Plateau, 2,8 km nördlich der DN 520,9 m9Valea lui Mihăilă Süd1236 mam Südufer des Mihăilă-Tales0,9 m10Valea lui Mihăilă Nord1312 mnördlich des Mihăilă-Tales0,4 m11Totiţa Nord2237 mnördlich des Totiţa-Tales0,1 m12südlich von Putineiu1663 mDanach sind es noch 690 m bis zum Kastell Putineiuunsicher?
Fundverbleib und Denkmalschutz Die Aufbewahrung und Präsentation der Funde erfolgt im Institutul de Arheologie „Vasile Pârvan“ in Bukarest.Offizielle Webpräsenz des Institutul de Arheologie „Vasile Pârvan“ (rumänisch), abgerufen am 29. Oktober 2024.
Die archäologischen Stätten sind nach dem 2001 verabschiedeten Gesetz Nr. 422/2001 als historische Denkmale unter Schutz gestellt. Das Kastellgelände ist mit dem LMI-Code TR-I-s-B-14218 in der nationalen Liste der historischen Monumente (Lista Monumentelor Istorice) eingetragen.Liste der historischen Monumente auf den Internetseiten des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe Der entsprechende RAN-Code lautet 154745.08.RAN 154745.08 auf der Webpräsenz des Repertoriul Arheologic Național (rumänisch), abgerufen am 29. Oktober 2024. Zuständig ist das Ministerium für Kultur und nationales Erbe (Ministerul Culturii și Patrimoniului Național), insbesondere das Generaldirektorat für nationales Kulturerbe, die Abteilung für bildende Kunst sowie die Nationale Kommission für historische Denkmäler sowie weitere, dem Ministerium untergeordnete Institutionen. Ungenehmigte Ausgrabungen sowie die Ausfuhr von antiken Gegenständen sind in Rumänien verboten.
Siehe auch Liste der Limeskastelle in Dakien
Literatur Ioana Bogdan Cataniciu: Săpăturile pe linia de fortificaţii transalutană. In: Materiale şi Cercetări Arheologice, XIV, Tulcea 1980, S. 658f. Ioana Bogdan Cataniciu: Muntenia în sistemul defensiv al Imperiului roman, sec. I–III p. Chr. Institutul De Arheologie Si Istoria Artei, Alexandria 1997, S. 42f., 86f., 90 sowie Abb. 9f. Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2 (1997), S. 70f. (Digitalisat). Ovidiu Țentea, Florian Matei-Popescu, Vlad Călina, Alexandru Rațiu: Poiana (fost Flămânda). In: dies.: Frontiera romană din Dacia Inferior. O trecere în revistă și o actualizare. 2. In: Cercetări Arheologice 29.1 (2022), S. 229f. (Digitalisat). Ovidiu Țentea, Florian Matei-Popescu, Vlad Călina, Alexandru Rațiu: Poiana (fost Flămânda). In: Limes – Frontierele Imperiului Roman în România, Nr. 11/2022, S. 32 (Digitalisat). Eugen S. Teodor: The Invisible Giant: Limes Transalutanus. An overview south of Argeş River. Editura Cetatea de Scaun, Târgoviște 2015, ISBN 978-606-537-298-6, S. 17–48.
Weblinks Kastell Flămânda auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 29. Oktober 2024
Einzelnachweise
Flamanda Flamanda Kategorie:Bauwerk im Kreis Teleorman Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Rumänien Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Erbaut im 2. Jahrhundert Kategorie:Kulturdenkmal (Rumänien)