mini|Koeckebacker auf einem Tafelbild von Jacob Willemsz. Delff dem Jüngeren (1619–1661) aus dem Jahr 1641. Das Portrait bildet mit dem Porträt seiner Ehefrau (unten) eine gemeinsame Komposition. Nicolas Leendertsz. Koeckebacker (* 6. März 1597, wohl in Brielle; † 2. Juli 1671 in Delft) war ein niederländischer Kaufmann, der vom 6. September 1633 bis zum 3. Februar 1639 – mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 1636, in welche auch das Ende der sogenannten Nuyts-Affäre (1628–1636) fiel – als Direktor der niederländischen Handelsniederlassung im japanischen Hirado wirkte. Während seiner Amtszeit ereignete sich der Aufstand der Bauern und Christen von Shimabara und Amakusa, der von Dezember 1637 bis April 1638 andauerte. Koeckebackers akribisch geführtes Tagesregister,Bde. 1–3 der Reihe Tōkyō Daigaku Shiryō Hensanjo (Hrsg.): Dagregisters Gehouden Bij de Opperhoofden Van Het Nederlandsche Factorij in Japan, 1633–1653, 13 Bde., Tokio 1974–2019. sein ausführlicher JahresberichtZu finden in: Willem Philippus Coolhaas (Hrsg.): Generale missiven van Gouverneurs-Generaal en Radenaan heren XVII der Verenigde Oostindische Compagnie, Bd. I, 1610–1638. Den Jahresbrief und andere Briefe sandten der Generalgouverneur und die Ausschüsse der Kompanie, um dem 17-köpfigen Vorstand der VOC, den Heeren XVII, einen Bericht über die Überseeaktivitäten der Kompanie zu liefern. sowie seine Korrespondenz aus dieser ZeitEinige zentrale Dokumente sind abgedruckt in: Anton Johannes Cornelius Geerts (Hrsg.): The Arima Rebellion and the Conduct of Koeckebacker. In: Transaction of the Asiatic Society of Japan 11 (1883), S. 51–109. Ein größerer Teil seiner Korrespondenz aus der Zeit seines Wirkens für die VOC in Asien ist unveröffentlicht und lagert größtenteils im Nationaal Archief in Den Haag; für einen Überblick über die Archivalien siehe diese Tabelle. zählen heute zu den zentralen europäischen Quellen zur Erforschung dieser Rebellion. Die Erhebung, an deren Niederschlagung auch die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) beteiligt war, trug maßgeblich zur weitgehenden Abschließung Japans gegenüber dem Westen bei und führte letztlich zur Ausweisung der Portugiesen. Nach seiner Rückkehr in die Niederlande 1640 wurde Koeckebacker Schöffe in Delft.
Leben Herkunft und frühes Wirken Nicolas Leendertsz. Koeckebacker wurde am 6. März 1597Louis Gerard Nicolaas Bouricius: Kwartierstaten van Delftsche Vroedschappen verzameld door Mr. W. van der Lely. In: De Nederlandsche Leeuw 33 (1915), Sp. 220ff., hier: Nr. 141, Sp. 223–24. als Sohn des aus Brielle stammenden Tuchhändlers Lenaert Claesz. Koeckebacker und dessen zweiter Frau Clasina Dirksdr. van RuyvenNationaal Archief Den Haag, Nederlands Gereformeerde Gemeente, Brielle 13, Trouwen (1591–1608), fol. 25 [verschollenes Original]; Granite Mountain Record Vault, Netherlands, Zuid-Holland, Church Records, 1367–1916, IF117395/5845318 [Mikrofilmaufnahme durch die Genealogical Society of Utah, 1949]. geboren; am 7. April wurde er in der Katharinenkirche zu Brielle auf den Namen Claes Leendertsz. getauft.Eintrag vom 7. April 1597, in: Regionalarchiv Voorne-Putten, DTB 135/111, Registers van dopen in de Grote of Catharijnekerk en de Kleine of Jacobskerk (Januar 1593 – September 1600), fol. 54 (Digitalisat). Die angesehene Familie – sein Großvater väterlicherseits, Nicolas Jansz. Koeckebacker, war als Bürgermeister von Brielle den anrückenden Geusen Anfang April 1572 entgegengetretenAbraham Jacob van der Aa u. a. (Hrsg.): Kouckebakker (Nicolaes Janse). In: Biographisch woordenboek der Nederlanden, Bd. 10, Haarlem 1862, S. 372. – zog bald nach seiner Geburt von Brielle nach Delft.
Über Koeckebackers frühe Jahre und seinen Werdegang vor 1633 ist wenig bekannt: Ab April 1627 war er Sekretär des Justizrates in Batavia, 1628 wurde er Oberkaufmann von Formosa (Taiwan) und ab November 1629 Mitglied von dessen Politischem Rat.Wijnaendts van Resandt: Gezaghebbers, 1944, S. 138. 1630 geriet er in Gefangenschaft des chinesischen Piratenführers Tautsailak,Zu diesem vgl. insbes. Tonio Andrade: The Company’s Chinese Pirates. How the Dutch East India Company Tried to Lead a Coalition of Pirates to War against China, 1621-1662. In: Journal of World History 15/4 (2005), S. 415–44, hier: S. 433–36. aus der er am 30. November desselben Jahres wieder freikam.Coolhaas: Generale missiven I, 1960, S. 374, Anm. 2. Am 21. Mai 1633 wurde er zum Leiter (Opperhoofd) der niederländischen Handelshäuser in Japan ernannt.Wijnaendts van Resandt: Gezaghebbers, 1944, S. 138.
Als Leiter der Faktorei in Hirado mini|Topographische Karte der Bucht von Hirado aus dem Jahr 1621; rechts an der Küstenlinie ist die Handelsniederlassung der VOC mit der rot-weiß-blauen Flagge der Niederlande gekennzeichnet.
Wirken in Japan bis zum Ausbruch der Rebellion von Shimabara-Amakusa Im September 1633 übernahm Koeckebacker die Verwaltung der Faktorei in Hirado. Noch im selben Jahr brach er zur Hofreis nach Edo auf, musste jedoch wegen einer Erkrankung des Shoguns abreisen, ohne dass er sein Anliegen hatte vortragen können.Einträge vom 19. November sowie vom 18. und 19. Dezember 1633, in: Shiryō Hensanjo: Dagregisters I, 1974, S. 49f., 56–59. Entgegen der ausdrücklichen Weisung seiner Vorgesetzten, sexuellen Umgang mit japanischen Frauen zu meiden, zeugte er in Hirado mehrere Töchter mit verschiedenen Konkubinen:Léonard Blussé: Bitter Bonds. A Colonial Divorce Drama of the Seventeenth Century, übers. v. Diana Webb, Princeton, NJ 2002, S. 36; Charlotte G. van Wamelen: Family Life onder de VOC. Een Handelscompagnie in Huwelijks- en Gezinszaken, Hilversum 2014, S. 447. Sophia Koeckebacker ehelichte im Februar 1658 in Formosa den Haarlemer Prediger Johannes de Leonardus, der 1661 bei der Eroberung der Insel durch Koxinga ums Leben kam;Johannes de Leonardus war Witwer von Clara Mauriqs aus Oud-Beijerland; Wijnaendts van Resandt: Gezaghebbers, 1944, S. 138. Cornelia Koeckebacker, ebenfalls in Hirado geboren, ehelichte im November desselben Jahres, in dem auch ihre Schwester geheiratet hatte, in Batavia den Fiskal und Schultheiß Leonard de Leonardus aus Kampen.Wijnaendts van Resandt: Gezaghebbers, 1944, S. 138. Eine weitere Tochter, Susanna Koeckebacker, ging eine Ehe mit Nicolaes Schemon ein, dem Haupt der japanischen Gemeinde in Batavia.Sie war Taufpatin von Cornelis Knoll, Sohn von Pieter Knoll; Léonard Blussé: Bitter Bonds. A Colonial Divorce Drama of the Seventeenth Century, übers. v. Diana Webb, Princeton, NJ 2002, S. 41. Wijnaendts van Resandt: Gezaghebbers, 1944; ist diese Tochter nicht bekannt. Unter Koeckebackers Leitung wuchs der zuvor in Stillstand begriffene Japanhandel erheblich und erreichte 1637 rund 70 Prozent des VOC-Umsatzes.Yōko Matzui: Japanese-Dutch Relations in the Tokugawa Period. In: Transactions of the Japan Academy, Sonderausg., 72 (2018), S. 139–54, hier: S. 141. Im Februar 1636 reiste er an Bord der Rarop nach Batavia, um den Generalgouverneur über die Lage in Japan zu unterrichten; währenddessen übernahm François Caron die Leitung der Handelshäuser,Vgl. den Eintrag vom 15. Februar 1635; Shiryō Hensanjo: Dagregisters II, 1974, S. 9f.; Philippus Coolhaas: Een Indisch verslag uit 1631, van de hand van Antonio van Diemen. In: Bijdragen en Mededelingen van het Historisch Genootschap 65 (1947 ), S. 1–237, hier: S. 41, Anm. 1. der seinerseits eine Woche später zur Hofreis nach Edo aufbrach, während Jan van Elserack die in Hirado gelagerten Waren verwaltete.Eintrag vom 24. Februar 1635; Shiryō Hensanjo: Dagregisters II, 1974, S. 10f.
Carons Verhandlungen mit dem Shogun verliefen erfreulich, von der Freilassung Pieter Nuyts’Die Nuyts-Affäre war ein diplomatischer Konflikt zwischen der VOC und Japan, der seinen Ursprung in der Festsetzung japanischer Schiffe in Formosa 1628 durch Gouverneur Pieter Nuyts hatte – eine Vergeltungsmaßnahme für eine vermeintliche Demütigung, die er im Jahr zuvor am japanischen Hof erfahren hatte. Als die Nachricht von Nuyts’ Vorgehen Japan erreichte, löste sie dort einen Sturm der Entrüstung aus. Als Genugtuung für die Beleidigung des Shoguns beschlagnahmten die Japaner niederländische Schiffe, setzten den Handel mit der VOC aus und forderten die Zerstörung von Fort Zeelandia auf Formosa. Um den Konflikt zu entschärfen, opferten die Niederländer Nuyts und lieferten ihn an Japan aus, wo er 1632–1636 unter Hausarrest stand. Nach seiner Freilassung wurde ihm 1637 in Batavia der Prozess gemacht; unehrenhaft aus der VOC entlassen und mit hoher Geldstrafe belegt, kehrte er noch im selben Jahr in die Niederlande zurück; Leonard Blussé: Bull in a China Shop – Pieter Nuyts in China and Japan (1627–1636). In: Around and About Dutch Formosa. Essays in Honor of Professor Ts’ao Yung-ho, hrsg. v. dems., Taipeh 2003, S. 95–110; Adam Clulow: The Company and the Shogun. The Dutch Encounter with Tokugawa Japan, New York 2014, S. 59–94, 225–54, et passim. und der gelockerten Einschiffungsbeschränkung erfuhr er allerdings erst nach seiner Rückkehr nach Hirado.Siehe die Einträge vom 5. Juli und 5. August 1636. Abgedruckt in: Shiryō Hensanjo: Dagregisters II, 1974, S. 81f., 100–102 sowie auch S. viii. Am 29. Juli 1636 besichtigte er zudem – ahnungslos um deren künftige Bedeutung – die noch im Bau befindliche, damals noch als gefängnisähnliche Handelsniederlassung für die Portugiesen konzipierte Insel Dejima in der Bucht von Nagasaki.Eintrag vom 29. Juli 1636 in: Shiryō Hensanjo: Dagregisters II, 1974, S. 99f. Koeckebacker selbst, am 2. Juni 1636 aus Batavia abgereist, erreichte Hirado am 28. August und übernahm dort erneut seine frühere Position.Shiryō Hensanjo: Dagregisters II, 1974, S. viii; vgl. auch den Eintrag vom 28. August 1636, ebd. S. 104.
Handeln während der Rebellion