Der Citadis X05 ist ein seit 2014 gebauter, niederfluriger Straßenbahn-Fahrzeugtyp aus der Citadis-Familie des Herstellers Alstom. Zunächst war nur die kürzeste Variante Citadis 205 unter dem Namen Citadis Compact vermarktet worden. Erst später folgte die Aufstellung des Gesamtkonzepts mit den längeren Varianten Citadis 305 und 405. Inzwischen weichen die meisten Varianten jedoch hinsichtlich der grundsätzlichen Gelenkwagen-Bauform, der verwendeten Laufwerke oder der grundsätzlichen Wagenkastenstruktur deutlich von diesem Grundkonzept ab. Die Fahrzeuge werden überwiegend in Straßenbahnnetzen eingesetzt, die im Rahmen der Renaissance der Straßenbahn entstanden. Zu den Einsatzgebieten zählen neben vielen Betrieben in Europa (besonders Frankreich) auch mehrere in Asien sowie je einer in Marokko und Australien.
Aufbau Ursprünglich wurde der Fahrzeugtyp als reiner Multigelenkwagen präsentiert und war somit in Alstoms Produktportfolio der direkte Nachfolger des zweiten Citadis-Typs (202, 302, 402 und 502). Dabei ist der Citadis 205 bzw. Compact die dreiteilige, der Citadis 305 die fünfteilige und der Citadis 405 die siebenteilige Variante. Später kamen jedoch auch Varianten mit aufgesattelten Endwagen und Multigelenkwagenteilen nur in der Mitte hinzu. Die Drehgestelle ihrer Endwagen liegen wie beim Citadis 403 unter den Führerständen. Anders als beim Citadis 02 sind an den Wagenenden der Multigelenkwagen meist Doppeltüren angeordnet, wobei sich der Überhang um rund einen halben Meter auf ca. 5,5 Meter verlängert. In den Endwagen mit Drehgestellen sind, ebenso wie in den laufwerkslosen Mittelteilen, meist zwei Doppeltüren je Seite angeordnet. Die Einstiegshöhe beträgt standardmäßig 326mm, die Fußbodenhöhe 360mm und die Weite einer Doppeltür 1300mm.
Ebenfalls dem Citadis X05 ordnet Alstom Drehgestellwagen für die Straßenbahn Frankfurt am Main und die Stadtbahn Köln zu, bei welchen auch die Mittelteile nicht dem Konzept der Multigelenkwagen folgen und außerdem die Wagenkastenkonstruktion abweicht. In Bezug auf die Frankfurter Fahrzeuge wurde auch die eigene Typenbezeichnung Citadis SX05 (bzw. S305 und S405) genannt. Inzwischen bezeichnet Alstom diese jedoch, wie auch Drehgestellwagen aus anderen Produktlinien, als Citadis Classic.
Technik mini|Fahrgastraum über einem Ixège-Laufwerk in einem Citadis 305 in Sydney mini|Fahrgastraum mit Arpège-Laufwerken in einem Citadis 405 in Nizza mini|Fahrgastraum eines Frankfurter Citadis S305 mit Ixège-Drehgestellen Konzipiert wurde der Citadis X05 mit Ixège-Laufwerken, welche im Gegensatz zu den beim Citadis 202/302/402/502 standardmäßig verwendeten Arpège-Laufwerken durchgehende Radsatzwellen sowie eine Primärfederung aufweisen. Damit verfolgte Alstom die Absicht, eine höhere Lebensdauer der Räder und Getriebe zu erreichen. Im Fahrgastraum führt diese Bauweise einerseits zu 450mm Fußbodenhöhe über den Laufwerken und somit zur Notwendigkeit von Rampen im Durchgang, andererseits aber auch zu weniger seitlichen Podesten als beim Arpège-Laufwerk. Bei vielen Varianten wurden schließlich dennoch Arpège-Laufwerke gewählt. Der Radsatzstand beträgt 1850mm bei Ixège- und 1600mm bei Arpège-Laufwerken. Als dritte Laufwerksbauart kommen bei den Fahrzeugen, die dem Konzept des Citadis 403 folgen, an den Enden antriebslose Kleinraddrehgestelle nach dessen Vorbild zur Anwendung. Aufgrund der Bodenhöhe über den Ixège-Laufwerken ist es von der verwendeten Definition der Niederflurigkeit abhängig, ob die Fahrzeuge mit diesen Laufwerken als vollständig niederflurig einzuordnen sind.
Der Antrieb erfolgt durch luftgekühlte Synchronmaschinen mit Permanentmagneterregung statt der bei modernen Straßenbahnfahrzeugen weiter verbreiteten Asynchronmaschinen. Damit verfolgt Alstom das Ziel eines höheren Wirkungsgrades ohne Gewichts- und Kostenzunahme, woraus ein geringerer Energiebedarf resultiert. Die Achsfolge ist für reine Multigelenkwagen standardmäßig mit Bo’Bo’ (205), Bo’2’Bo’ (305) sowie Bo’Bo’2’Bo’ (405) vorgesehen, die Dauerleistung mit 2 × 100kW pro angetriebenem Laufwerk.
Die Konstruktionsmethode und Materialien des Wagenkastens wurden für das Grundkonzept vom ersten, zweiten und dritten Citadis-Typ übernommen. Ein sichtbares typisches Merkmal zur Abgrenzung von diesen Typen ist jedoch die niedrigere Unterkante derjenigen Fenster, welche nicht über Laufwerken angeordnet sind. Die Wagenkästen der Drehgestellwagen (SX05) sind dagegen vollkommen anders aufgebaut, es handelt sich um geschweißte Stahlkonstruktionen. Sie haben auch nicht die weiter heruntergezogenen Fenster. Im Grundkonzept ist der kleinste befahrbare Bogenradius mit 25m beladen bzw. 20m unbeladen vorgesehen, die Höchstgeschwindigkeit mit 70km/h bei der Variante 205 sowie 80km/h bei den längeren Varianten und der Raddurchmesser im Neuzustand mit 590mm. Letzterer kann mit 610mm jedoch auch etwas größer gewählt werden.
Die Gelenke der Multigelenkwagen sind für einen stabilen Lauf zu großen Teilen nicksteif ausgeführt. Beispielsweise ist bei einem Standard-Citadis 305 nur eins der Gelenke am Kasten des mittleren Laufwerkes als Nickgelenk ausgeführt. Die laufwerkslosen Mittelteile sind standardmäßig 6564,5mm lang (zwischen den Gelenkdrehpunkten) und haben in diesem Fall je Einstiegsseite zwei Doppeltüren und dazwischen ein Fenster oder aber eine Doppeltür zwischen zwei Fenstern.
Die Energiezuführung erfolgt, wie bei Straßenbahnen üblich, standardmäßig über eine Oberleitung und Einholmstromabnehmer. Die Fahrzeuge können zur Bedienung oberleitungsfreier Strecken jedoch auch für das Bodenstromschienensystem Alimentation par le sol (APS) oder mit Energiespeichern auf den Dächern der Wagen ausgerüstet werden. Diese Energiespeichereinheiten, von Alstom Ecopack genannt, ergeben gemeinsam mit dem Aufladesystem an den Haltestellen das Système automatique de recharge statique (SRS). Dafür werden entweder sehr kurze APS-Abschnitte (beispielsweise in Nizza) oder Deckenstromschienen (beispielsweise in Kaohsiung) verwendet.
Varianten
Reine Multigelenkwagen
Übersicht mini|Citadis 405 der Straßenbahn Nizza mini|Citadis 305 der Stadtbahn Sydney mini|Citadis 305 der Straßenbahn Caen mini|Citadis 205 bzw. Compact der Straßenbahn Avignonmini|Citadis 405 der Straßenbahn Île de France mini|Citadis 305 der Straßenbahn Barcelona NetzAnzahlAuslieferungVarianteLaufwerks- und TüranordnungLängeBreiteBemerkung Straßenbahn Aubagne82014Compact/205(2X)(22)(X2)22,04 m2,40 m4voraussichtlich 202720524,1 m Straßenbahn Nizza (T2/T3)252016–2018405(2A)(22)(A)(2)(A)(22)(A2)44 m2,65 mmit SRS-Ausrüstung (Bodenstromschienen)92021 Stadtbahn Sydney (L2/L3)60ab 2017305(2X)(22)(X)(22)(X2)mit APS-Ausrüstung; Einsatz in Doppeltraktion Stadtbahn Lusail282018305(1A)(22)(A)(22)(A1)32 mmit APS-Ausrüstung Straßenbahn Caen262018–2019305(2A)(22)(A)(22)(A2)33,0 m2,40 mNachrüstung mit Traktionsbatterien ab 2025102023–2024mit Traktionsbatterien Straßenbahn Avignon142018–2020Compact/205(2X)(22)(X2)24,212 m2,40 m Straßenbahn Île-de-France (T9)222019–2020405(2A)(22)(A)(22)(A)(22)(A2)45 m2,65 m Straßenbahn Île-de-France (T10)132022–2023 Straßenbahn Athen252020–2021305(2A)(22)(A)(22)(A2)33,0 m2,40 m Straßenbahn Kaohsiung15305(2A)(2)(A)(2)(A2)33 m2,65 mmit SRS-Ausrüstung (Deckenstromschienen) Straßenbahn Angers202022305(2A)(22)(A)(22)(A2)33,5 m2,40 mmit APS-Ausrüstung Straßenbahn Casablanca662022–2024305(1A)(22)(A)(22)(A1)33 m2,65 mUnechte Zweirichtungswagen zum Einsatz in Doppeltraktion Straßenbahn Barcelona (Trambesòs)32025305(1A)(22)(A)(22)(A1)32,3 m2,65 mmit APS-Ausrüstung; kundenseitig als Baureihe 311 eingeordnet Straßenbahn Besançon8ab 2025305(1A)(22)(A)(22)(A1)31,5 m2,40 m Straßenbahn Brest8ab 2025 Straßenbahn Toulouse9voraussichtlich 2026 Stadtbahn Tel Aviv (Green Line)98voraussichtlich 202630534 m2,65 m Straßenbahn Al-ʿUla40voraussichtlich 202720524 m2,65 mUnechte Zweirichtungswagen zum Einsatz in Doppeltraktion; mit SRS-Ausrüstung Bahnstrecke Haifa–Nazareth54voraussichtlich 2027–202830533,4 m2,65 mUnechte Zweirichtungswagen zum Einsatz in Doppeltraktion Straßenbahn Le Havre8voraussichtlich ab 202730533 m2,40 m573X = Ixège-Laufwerk; A = Arpège-Laufwerk; (...) = Wagenteil; 1 = Einzeltür; 2 = Doppeltür Aubagne Im Oktober 2011 erhielt Alstom den ersten Auftrag über acht Citadis Compact für die neu anzulegende Straßenbahn Aubagne. Eine bis 2017 bestehende Option zur Bestellung fünf bis zehn weiterer Wagen wurde aufgrund des zunächst ausbleibenden weiteren Netzausbaus nicht genutzt. Die Fahrzeuge verfügen im Mittelteil noch nicht über das für spätere Citadis X05 typische weiter heruntergezogene Fenster. Die Einstiegshöhe liegt bei 335mm über der Schienenoberkante. Anders als bei den meisten 2,40 Meter breiten Citadis sind über den Laufwerken nicht beidseits des Gangs je zwei Sitze angeordnet. Stattdessen gibt es auf einer Seite nur überbreite Einzelsitze, so dass sich in Kombination mit der Radkastenanordnung des Ixège-Laufwerks eine für Niederflurwagen recht großzügige Gangbreite von 655mm ergibt. Insgesamt gibt es 27 Sitzplätze und 97 Stehplätze (4/m²).
Für eine Streckenverlängerung unter Einbezug einer ehemaligen Eisenbahnstrecke wurden im September 2024 vier weitere Citadis 205 bestellt. Diese sollen ein längeres Mittelteil erhalten, wie es bei den Fahrzeugen für Avignon zur Anwendung kam. Die Sitzplatzanzahl soll jedoch ebenfalls 27 betragen. Die Frontgestaltung soll derjenigen der Straßenbahnen Nizza und Caen ähneln. Nachdem die Auslieferung zunächst bereits für 2025 angekündigt war, ist sie inzwischen (Stand Oktober 2025) erst 2027 und damit nicht rechtzeitig zur Eröffnung der Streckenverlängerung zu erwarten.
Nizza (T2/T3) Der Citadis 405 für die Straßenbahn Nizza wurde zur Bedienung der überwiegend oberleitungsfreien Strecken der Linien T2 und T3 mit Ecopacks (je 4,5kWh) auf den drei laufwerkslosen Mittelteilen ausgerüstet. Zur Stromabnahme an den kurzen APS-Abschnitten befinden sich aus Gründen der Redundanz zwei abwechselnd genutzte Kontaktplatten unter dem Wagenteil, auf welchem sich auch der Dachstromabnehmer befindet. Bei diesen Fahrzeugen wurde der größere Raddurchmesser von 610mm gewählt. Bei 82 Sitz- und 218 Stehplätzen (4/m²) haben die Fahrzeuge eine Leermasse von 62 Tonnen. Avignon Beim Citadis 205 bzw. Compact für die Straßenbahn Avignon ist das laufwerkslose Mittelteil länger als üblich ausgeführt (8327mm zwischen den Gelenkdrehpunkten), sichtbar durch ein zweites Fenster zwischen den Türen. Wie bei den Fahrzeugen für Aubagne sind über den Laufwerken auf je einer Seite nur überbreite Einzelsitze angeordnet. Es wurde jedoch wie in Nizza der größere Raddurchmesser von 610mm gewählt und die Fahrzeuge haben eine Leermasse von 33 Tonnen.
Île de France (T9/T10) Der Citadis 405 der Linien T9 und T10 der Straßenbahn Île-de-France erhielt als besonderes Designelement einen Leuchtstreifen oberhalb der Seitenfenster und Türen. In Haltestellenbereichen zeigt dieser durch grüne oder rote Farbe die Freigabe oder Schließung der Türen an.
Teilweise Multigelenkwagen
Übersicht mini|Mehrere Citadis 405 der Straßenbahn Nantes (rechts) neben anderen Fahrzeugtypen mini|Citadis 405 der Straßenbahn Straßburg NetzAnzahlAuslieferungVarianteLaufwerks- und TüranordnungLängeBreiteBemerkung Straßenbahn Nantes61ab 2022405(K22)(A)(22)(A)(22)(A)(22K)45,6 m2,40 m Straßenbahn Île-de-France (T1)65ab 2024305(K22)(A)(22)(A)(22K)33 m2,40 mkundenseitig als TW20 bezeichnet Straßenbahn Straßburg39ab 2025405(K22)(A)(22)(A)(22)(A)(22K)45 m2,40 mkundenseitig als Citadis 3 bezeichnet Straßenbahn Lille27ab 2026305(K2)(M)(22)(M)(2K)32 m2,40 mAusführung in Meterspur192X = Ixège-Laufwerk; A = Arpège-Laufwerk; M = Meterspur-Laufwerk; K = Kleinrad-Drehgestell; (...) = Wagenteil; 1 = Einzeltür; 2 = Doppeltür mini|Citadis 305 der Straßenbahn Île-de-France mit Anzeige nicht freigegebener Türen
Île de France (T1)