Als Meares-Irlen-Syndrom, auch Irlen-Syndrom, Visual Stress oder Scotopic Sensitivity Syndrome (skotopisches Sensitivitätssyndrom), werden visuelle Missempfindungen bezeichnet, die durch Wahrnehmungsstörungen bei der Verarbeitung bestimmter Reizmuster ausgelöst werden sollen. Es wurde Anfang der 1980er Jahre von der neuseeländischen Lehrerin Olive Meares und von der amerikanischen Schulpsychologin Helen Irlen als Symptomenkomplex beschrieben und soll mittels verschiedener Farbfilter- und -muster oder auch gefärbten Linsen behandelbar sein. Meist tritt diese Störung bei schwarz-weißen horizontalen Streifenmustern auf. Dabei soll es zu Scheinbewegungen und Verformungen der Streifenmuster kommen, oft einhergehend mit starken asthenopischen Beschwerden. Im Extremfall soll ein bestimmtes Reizmuster bei entsprechend disponierten Personen einen epileptischen Anfall auslösen können. Oft wird das Syndrom in Verbindung mit Lesestörung beobachtet.
Weder von der internationalen medizinischen Gemeinschaft noch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird das Meares-Irlen-Syndrom mangels einer nachgewiesenen Wirksamkeit von Therapieansätzen als Krankheit anerkannt. Zwar ist man sich darüber einig, dass die vorgeschlagenen Behandlungen des Irlen-Syndroms nicht schädlich sind, möglicherweise jedoch wertvolle Zeit für den Einsatz evidenzbasierter, wirksamer Therapien ergebnislos vergeht.ADCET – Australian Disability Clearinghouse on Education and Training: Irlen-Syndrom Die zugrundeliegenden Annahmen werden als Pseudowissenschaft betrachtet und deshalb von der evidenzbasierten Medizin nicht gestützt. Eine Behandlung mittels gefärbter Linsen wird von verschiedenen Autoren auch als typisches Beispiel einer kommerziellen Ausnutzung verzweifelter oder vulnerabler Personen angesehen, die nach einfachen Lösungen für Entwicklungsstörungen und Behinderungen suchen.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Sehen