Das Unternehmen Gottlieb Tesch wurde 1876 in Berlin als „offene Handelsgesellschaft Gottlieb Tesch Bauunternehmung“ gegründet. Ende der 1930er Jahre gehörte es als Gottlieb Tesch GmbH zu den größten Bauunternehmen in Deutschland und hat ein Stück deutsche Baugeschichte mitgeschrieben. Heute ist die Firma Gottlieb Tesch als Kanal- und Rohrleitungsbau GmbH in Berlin und im Land Brandenburg tätig.
Geschichte des Unternehmens Gottlieb Tesch 1876 bis 1930 mini|Werbeanzeige der Firma Gottlieb Tesch von 1928 Das 1876 von Gottlieb Tesch gegründete Familienunternehmen etablierte sich schnell als Maurermeisterfirma auf dem Berliner Baumarkt. Ein Bauvorhaben war unter anderem das Wasserwerk Friedrichshagen. Zahlreiche Aufträge für das Eisenbahnbauamt Berlin wurden ausgeführt. Firma Gottlieb Tesch baute mit an monumentalen Verwaltungsbauten in Berlin. Da wären das Land- und Amtsgericht I Berlin (heute das Amtsgericht Mitte an der Littenstraße),Zeitschrift für Bauwesen, 1905, S. 470–476 und Zentralblatt der Bauverwaltung, 23. Januar 1924, S. 28–30. das Amtsgericht Wedding oder das Polizeipräsidium CharlottenburgZentralblatt der Bauverwaltung (Berlin) vom 5. Oktober 1907, Nichtamtlicher Teil, S. 535; Die Gründung auf Eisenbetonpfählen des Polizeigebäudes in Charlottenburg durch Firma G.Tesch. zu nennen. Auch Berliner Brücken, wie die 1903 gebaute Lessingbrücke, die alte 1889 fertiggestellte Möckernbrücke oder die 1892 errichtete Lutherbrücke am Schloss Bellevue, sind durch die Firma Gottlieb Tesch entstanden.Archiv Gottlieb Tesch GmbH, Jubiläumsausgabe: 1876–1946 Gottlieb Tesch G.m.b.H. Bauunternehmung, 1946, Druck Kupisai &Orochnow, Berlin W 35, Dennewitzstrasse 34, 500.6.47.1404.
1894 gründete Gottlieb Tesch eine eigene Betriebskrankenkasse. Diese Kasse existierte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.Archiv der Firma Gottlieb Tesch GmbH, Statut Betriebskrankenkasse der Maurermeisterfirma G. Tesch von 1894. Im Jahre 1895 hatte die Firma Gottlieb Tesch schon 143 Mitarbeiter.Archiv Gottlieb Tesch GmbH, Schreiben des Maurermeisters G.Tesch vom 27. März 1895 an den Magistratscommissar.
Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Hoch- und Tiefbau in den Firmennamen aufgenommen. Firma Gottlieb Tesch errichtete in Teilausführung Fabrik- und Beamtenwohngebäude der Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, vormals L. Schwartzkopff in Wildau. Heute befindet sich auf diesem Gelände die Technische Hochschule Wildau. Erstmals wurde 1914 eine Betongelenkbrücke am Bahnhof Hermannstraße von Firma Gottlieb Tesch gebaut. Bis 1914 wurde das Postscheckamt, 1. Bauteil, an der Dorotheenstraße und am Berliner Westhafen 1920 der Getreidespeicher erbaut. Besonders hatte sich die Firma Gottlieb Tesch mit Beton- und Eisenbetonpfahlgründungen hervorgetan. Von 1926 bis 1928 wurden die komplizierten Gründungsarbeiten bei dem Erweiterungsbau der Staatsoper in Berlin ausgeführt.Deutsche Bauzeitung, Nr. 29 vom 9 April 1927, S. 256; Bautechnik, Heft 54, 18. Dezember 1928, S. 806, 809 und 817. Dazu kam die Neufundamentierung mit Hilfe von Betonbohrpfählen an der Alten Bibliothek. 1926 erfolgten Dükerverlegungen in SpreeDer Bauingenieur, 7. Jahrgang, Heft 46 vom 12. November 1929, S. 79. und Landwehrkanal für die Berliner Städtischen Wasserwerke, die ein wichtiger Auftraggeber waren und bis heute sind. Aber auch im U-Bahn-Bau war Firma Gottlieb Tesch tätig.Eröffnungsfestschrift der U-Bahnverlängerungen Flughafen-Tempelhof – Bahnhof Tempelhof (Südring) der BVG und NSAG vom 22. Dezember 1929. Zum Beispiel bei der Untergrundbahnstrecke von Kreuzberg nach Tempelhof, zwischen dem Flughafen Berlin-Tempelhof und dem S-Bahnhof Tempelhof, in den Jahren 1927–1928. Am Auftrag zum Aufbau des Großkraftwerkes Klingenberg von 1925 bis 1927 war die Firma Gottlieb Tesch ebenso beteiligt, wie mit der Ausführung der gesamten Erdarbeiten für das Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz. in dieser Zeit war die Firma Gottlieb Tesch auf dem höchsten Leistungsstand der Firmengeschichte. Sitz des Unternehmens war Berlin, aber es wurde auch republikweit gearbeitet. So an der Erweiterung des Fischereihafens in Geestemünde 1924, dem Bau der Elbebrücke bei Stendal für die Deutsche Reichsbahn 1925 oder der Ausführung der gesamten Erdarbeiten beim Neubau des Kraftwerkes Unterelbe Altona im Jahre 1927. Und in Essen entstand eine Zweitniederlassung der Firma Gottlieb Tesch. alt=Rammarbeiten am Potsdamer Platz, Archiv Firma Gottlieb Tesch GmbH|mini|Rammarbeiten am Potsdamer Platz, 1936
1930 bis 1938 1930 wurde die Firma Gottlieb Tesch an die traditionsreiche Berliner Baufirma Boswau & Knauer AG verkauft.Deutsche Bauzeitung, Heft 42 vom 18. Oktober 1933, S. 820. Als Gottlieb Tesch G.m.b.H vergrößerte sich die Firma weiter. So führte sie unter anderem umfangreiche Erd- und Baggerarbeiten am Mittellandkanal sowie am Weserdurchstich an der Staustufe Langwedel durch. Auch Rammarbeiten am Dortmund-Ems-Kanal und der Bau Staustufe mit Schleusenbauwerken in Gundelsheim am Neckar wurden ausgeführt. Die Firma Gottlieb Tesch hatte 1935 auch einen wesentlichen Anteil am Bau des Schwarzheider Hydrierwerkes (heute die BASF Schwarzheide GmbH). Für Firma Siemens in Berlin wurden Gründungs- und Erdarbeiten am Kraftwerk West durchgeführt.Siemens-Zeitschrift, 1. Heft, Berlin, Januar 1930, Jahrgang 10, S. 6; Herausgeber: Siemens&Halske, Siemens Schuckert
Artikel Kraftwerk West, S. 6. Die Beschäftigtenzahl von über 3000 Mitarbeitern widerspiegelt am besten die Leistungsfähigkeit der Firma Tesch am Ende der dreißiger Jahre.
Ab 1934 war Firma Gottlieb Tesch an den aufwändigen Bauarbeiten beim Bau der neuen Nord-Süd-S-Bahn in Berlin beteiligt. Es wurde die Unterquerung des Bahnhofes Friedrichstraße, einschließlich der unterirdischen Bahnsteige für die Nord-Süd-S-Bahn, bei laufendem Bahnbetrieb durchgeführt. Dazu kam auch der Bauabschnitt für die neue S-Bahnstrecke am Potsdamer Platz, mit den Unterfahrungen des „Hotel Continental“ und des „Haus Vaterland“.Bautechnische Mitteilungen der GOTTLIEB TESCH GMBH 1936, S. 7–9.
Im Jahre 1938 arbeitete Erich Bruns (1900–1978) für kurze Zeit als Bauarbeiter und Polier bei der Firma Gottlieb Tesch in Berlin. Er war Jahre später ein bekannter Wissenschaftler im Wasserbau und bis 1965 Direktor des Institutes für Meereskunde an der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In dieser Zeit war Heinrich Preß als Prokurist und Geschäftsführer ebenfalls in der Firma Gottlieb Tesch tätig. Ab 1948 bekam er den Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen Universität Berlin. Er veranlasste den Neubau der Wasserbau Versuchsanstalt auf der Schleuseninsel in Berlin.
1938 bis 1975 Im Jahre 1938 übernahm die Julius Berger Tiefbau AG (JBTAG) die Firma Gottlieb Tesch G.m.b.H. Es ging der JBTAG darum, für ein Vorstandsmitglied eine neue Aufgabe in einem passenden Bauunternehmen zu finden. Auch bei diesem Verkauf blieb erneut der Firmenname erhalten. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges setzte die Firma Gottlieb Tesch G.m.b.H. laufende U- und S-Bahnprojekte in Berlin fort. Sie war auch 1938/1939 am Umbau des KönigsplatzesLandesarchiv Berlin, A Rep. 027-01-1938 Nr. 26, Spreedurchstich Königsplatz, Schreiben von Firma G.Tesch an das Preussische Neubauamt vom 12. Dezember 1938 zum Spreedurchstich am Königsplatz; Kopie im Archiv der Firma Gottlieb Tesch GmbH. in Berlin beteiligt. Es ging darum, Baufreiheit für Albert Speers „Große Halle“ zu schaffen. Nach Kriegsbeginn verlagerte sich die Tätigkeit auf militärisch wichtige Projekte. Darunter Arbeiten am Westwall, Wiederaufbau zerstörter Brücken in Polen und den Bunkerbau. In einem Schreiben an den Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer, nannte Firma Tesch 1943 ihre kriegswichtigen Baustellen wie den Versuchs- und Übungsplatz der Luftwaffe bei Gotenhafen, die Krupp Germaniawerft in Kiel-Gaarden, die Braunkohle- und Benzin AG in Schwarzheide und Baracken für das Reichsministerium Speer.Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Lager- und Barackenbauten 1941–1944, Band 42, Archivsignatur R 4606/4937. Es wurden auch die Wiener Flaktürme, der U-Bootbunker „Valentin“ und das Tanklager Farge in Bremen-Farge gebaut. Dort wurde 1938 das Gemeinschaftslager Tesch für Mitarbeiter eingerichtet, in dem sich aber auch ab 1940 ein Arbeitserziehungslager der Gestapo befand. Auch ein Mitarbeiter der Firma Gottlieb Tesch, der Lokführer Claudius Gosau, lebte in diesem Gemeinschaftslager. Weil er aus seinen politischen Einstellungen keinen Hehl machte, wurde er 1943 denunziert und am 11. Februar 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Während des Krieges fand die aus Hamburg geflüchtete ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete Louise Schroeder von 1939 bis 1945 eine Arbeit in der Sozialabteilung der Großbaufirma Gottlieb Tesch. Sie wurde dort „… die Seele der Sozialpolitik eines großen Betriebes, wie früher im Reichstag.“ schrieb später Alfred Faust als ihr langjähriger politischer Freund.Louise Schroeder – eine Frau in den Wirren der Politik, Berliner Forum 4/87, Presse- und Informationsamt Land Berlin, S. 53; Landesarchiv Berlin, SER 88/1987.4. Das half ihr, den Krieg und die nationalsozialistische Diktatur zu überstehen. Sie durfte sogar fast sechs Monate in einem Baubüro in Dänemark tätig sein, wo sie sich etwas erholen konnte. Nach dem Krieg war sie von Mai 1946 bis Dezember 1948 die erste Oberbürgermeisterin Berlins. Sie starb am 4. Juni 1957 als Ehrenbürgerin von Berlin.