Yusuf bin Ahmad al-Kawneyn (, auch: Aw Barkhadle („Gesegneter Vater“),Mohamed Diriye Abdullahi: Culture and customs of Somalia. Greenwood 2001: S. 13. Yusuf Al Kownayn, geb. 10. Jahrhundert)Sada Mire: The child that tiire doesn’t give you, God won’t give you either. The role of Rotheca myricoides in Somali fertility practices. In: Anthropology & Medicine, 23:3, 2016: S. 311–331. doi:10.1080/13648470.2016.1209636.Mohamed Mohamed-Abdi: Retour vers les dugsi, écoles coraniques en Somalie. In: Cahiers d’études africaines. 2003, vol. 43, is. 169–170: S. 351–369. doi:10.4000/etudesafricaines.204. war ein islamischer Gelehrter und Reisender der seinen Wohnsitz in Zeila, Somalia, hatte. Laut dem Forscher Enrico Cerulli (1898–1988) wird Yusuf Al Kawneyn in den Harar-Manuskripten erwähnt.
Leben Lokale somalische orale Tradition und niedergeschriebene äthiopische Geschichte geben Anlass zu der Annahme, dass Aw Barkhadle aus Arabien kam.Sada Mire: Divine Fertility: The Continuity in Transformation of an Ideology of Sacred Kinship in Northeast Africa. Routledge 2020. google books ISBN 978-0-429-76924-5 Es gibt jedoch auch die Ansicht, dass die arabischen Ursprungsgeschichten von Ahnenheiligen wie Yusuf möglicherweise ein Mythos der Gelehrten und eine Islamisierung einer vorislamischen Ursprungsgeschichte sind, die auf Waaq- und Ahnenkult zurückgeht. Diese Mythen würden die Somalier mit dem Clan des Propheten (Quraisch) verbinden. Möglicherweise spiegelt dies religiösen Synchronismus wieder, bei dem die alte Religion angepasst wird, um die Hegemonie der neuen widerzuspiegeln. Sie angestammte Heimat der Vorfahren liegt damit in Arabien, dem Zentrum des IslamAkbar S. Ahmed: Islam in Tribal Societies: From the Atlas to the Indus. Routledge 2013. google books ISBN 978-1-134-56527-6Ali Jimale Ahmed: The Invention of Somalia. The Red Sea Press 1995. google books ISBN 978-0-932415-99-8 und Yusuf erhält dadurch eine „erhabene Herkunft“ und Verwandtschaft mit dem Propheten.Sada Mire: Divine Fertility: The Continuity in Transformation of an Ideology of Sacred Kinship in Northeast Africa. Routledge 2020. google books ISBN 978-0-429-76924-5
Yusuf wird teils als Einheimischer von SomaliaNew Era. Ministry of Information and National Guidance 1973. google books und als ethnischer Somali beschrieben,Shaul Shay: Somalia in Transition Since 2006. Routledge 2017. google books ISBN 978-1-351-48876-1Heather Marie Akou: Macrocultures, Migration, and Somali Malls: A Social History of Somali Dress and Aesthetics. University of Minnesota 2005. google books der in seiner Heimatstadt Zeila und später im Irak studierte. Aufgrund seiner Studien im Irak erhielt er auch den Titel „Al Baghdadi“.I.M. Lewis: Saints and Somalis: Popular Islam in a Clan-based Society. The Red Sea Press 1998. archve.org S.97 ISBN 978-1-56902-103-3 Man schreibt ihm auch die Entwicklung einer somalischen Nomenklatur für arabische Vokale zu,David D. Laitin: Politics, Language, and Thought: The Somali Experience. University of Chicago Press 1977: S. 85. welche letztlich in die Wadaad-Schrift mündete. Das von ihm entwickelte Notationssystem wurde als „zu authentisch somalisch“ beschrieben, als dass ein Araber es allein hätte entwickeln können.Ali Abdirahman Hersi: The Arab Factor in Somali History: The origins and the Development of Arab Enterprise and Cultural Influences in the Somali Peninsula. arcadia.sba.uniroma3.it S. 130.
Ihm wird die Einführung des Schwarzkopfschafs mit dem dicken Schwanz (Berbera Blackhead) in bestimmten Gebieten zugeschrieben.Ali Abdirahman Hersi: The Arab Factor in Somali History: The origins and the Development of Arab Enterprise and Cultural Influences in the Somali Peninsula.
Zum Teil wird Yusuf als Scherif beschriebenI. M. Lewis: Saints and Somalis: Popular Islam in a Clan-based Society. The Red Sea Press 1998. google books ISBN 978-1-56902-103-3 und gilt als „der herausragendste Heilige in Somaliland“ („the most outstanding saint in Somaliland“).I. M. Lewis: Saints and Somalis: Popular Islam in a Clan-based Society. The Red Sea Press 1998: S. 102. google books ISBN 978-1-56902-103-3 Yusufs Sohn Muhia ad-Din Yusuf Aw-Barkhadle wird um 1038 AD als Emir von Harar geführt.
Familie und Vermächtnis Scheich Yusuf Al Kawneyn wird auch mit der Walashma-Dynastie von Ifat und Adal in Verbindung gebracht, einer mittelalterlichen muslimischen Dynastie am Horn von Afrika.Enrico Cerulli: Le popolazioni della Somalia nella tradizione storica locale. In: L’Accademia 1926. "Cerulli schlägt vor, dass der Heilige „Aw Barkhdale“ (Yusuf Al Kownayn) mit „Yusuf Barkatla“, dem Vorfahren von Umar‘ Walashma, dem Gründer der Ifat-Dynastie, in Verbindung gebracht werden kann"Nehemia Levtzion, Randall Pouwels: The History of Islam in Africa. Ohio University Press 2000: S. 242. google books ISBN 0-8214-1296-5 Sie regierte die Sultanate Ifat und Adal in Teilen des heutigen Somaliland, Dschibuti und Ost-Äthiopien. Manche Historiker beschreiben Scheich Yusuf als Stammvater dieser königlichen Familie.I. M. Lewis: Saints and Somalis: Popular Islam in a Clan-based Society. The Red Sea Press 1998. 89 archive.org. ISBN 978-1-56902-103-3Nehemia Levtzion, Randall Pouwels: The History of Islam in Africa. Ohio University Press 2000: S. 242. „Aw Barkhadle ist der Gründer und Vorfahre der Walashma-Dynastie“…Christian Bader: Les Yibro: Mages somali. Les juifs oubliés de la corne de l’Afrique? Harmattan 2000. google books ISBN 978-2-7384-8815-2 „Es sei darauf hingewiesen, dass die Figur des Aw Barkhadle zu den Vorfahren der Herrscher der Walashma-Dynastie gehört, die über den muslimischen Staat Ifat herrschten.“ Er ist auch Repräsentant des spirituellen Erbes der Sultanate Ifat und Adal.Nehemia Levtzion, Randall Pouwels: The History of Islam in Africa. Ohio University Press 2000: S. 242. ISBN 978-0-8214-4461-0 „Aw Barkhadle, der Vorfahre des Gründers der Walashma-Dynastie, repräsentiert das „spirituelle Erbe“ des islamischen Staates Yifat/Adal.“ Manche Historiker führen Scheich Yusuf Al Kawneyn auf den Gadabursi-Clan zurück, der hauptsächlich am Horn von Afrika lebt. Laut den Somaliern von Issa sind die Wardiq, einer ihrer Unterclans, ebenfalls Nachkommen dieses Heiligen. Diese Issa-Tradition dreht sich um die Aufnahme von Harla-Clans als „Horoone“ in die somalische Abstammungslinie.Art. Issa. In: Encyclopedia Aethiopica. en.sewasew.com Einige ethnische Gruppen im heutigen Südäthiopien behaupten, von Aw Barkhadle abzustammen, darunter die Silt’e und Wolane.Art. Wolane In: Encyclopedia Aethiopica. en.sewasew.com Ein offizieller Nachfahre Barkhadles war einer der wichtigsten Unterhändler bei der Kapitulation des Emirats Harar an die Abessinier im Jahr 1887.Richard Caulk: The Occupation of Harar: January 1887. In: Journal of Ethiopian Studies. 1971: vol. 9, is. 2. Institute of Ethiopian Studies: S. 19. jstor=41967469
Verehrungsorte mini|Hauptschrein von Aw Barkhadle, 2007. In Sri Lanka gibt es mehrere Schreine, die Aw Barkhadle gewidmet sind,Talib Jaleel: Notes on Entering Deen Completely: Islam as its followers know it. EDC Foundation 2015: S. 1106. außerdem in der Stadt Aw-Barkhadle nordöstlich von Hargeisa in Somaliland,Sada Mire: Wagar, Fertility and Phallic Stelae: Cushitic Sky-God Belief and the Site of Saint Aw-Barkhadle, Somaliland. In: African Archaeological Review. März 2015, vol. 32, is. 1: S. 93–109. doi:10.1007/s10437-015-9181-z. sowie an einer Stätte mit namen Qoranyale, bei der Stadt Borama. Weitere Schreine gibts es im Osten des heutigen Äthiopien in der Region Fedis, sowie in Harar.Ulrich Braukamper: Islamic History and Culture in Southern Ethiopia. Collected Essays. LIT Verlag Münster 2002: S. 115. google books ISBN 978-3-8258-5671-7
C. J. Cruttenden berichtete, die Grabstätte des Heiligen Aw Barkhadle, im Südwesten von Berbera, sei von den Isaaq-Clans genutzt worden, Streit zu schlichten und Eide auf Allianzen zu Schwören unter einer heiligen Reliquie, die Bilāl ibn Rabāh zugeschrieben wurde. Die Eidagale handelten traditionell als Vermittler.
Laut dem renommierten somalischen Anthropologen I. M. Lewis versammeln sich in seinem Buch „Saints and Somalis: Popular Islam in a Clan-based Society“ die Nachkommen von Scheich Isaaq (der Isaaq-Clan) jährlich am historischen Schrein des Heiligen Aw Barkhadle, um ihm in Form einer Siyaaro (lokale Pilgerfahrt mit Opfergaben) ihren Respekt zu erweisen. Da Aw Barkhadle keine bekannten Nachkommen hatte, werden die Nachkommen von Scheich Isaaq, einem Freund und Zeitgenossen des Heiligen, Aw Barkhadle an seiner Stelle gedenken:
Der Schrein von Aw Barkhadle in der Nähe von Fadis wurde während des Ogadenkrieges 1977 von der äthiopischen Miliz angezündet.
Legenden zu Aw Barkhadle Der Überlieferung zufolge unternahm Barkhadle ausgedehnte Reisen von Mogadischu nach Berbera, Hargeisa und schließlich Harar, wo er angeblich 300 Jahre seines 500-jährigen Lebens verbrachte. Gegen Ende seiner Herrschaft erbaute er in Dogar eine Moschee.Mohammed Mohammed-Abdi: Histoire des croyances en Somalie: religions traditionnelles et religions du Livre. In: Annales Littéraires de l’Université de Besançon. vol. 465, Université de Besançon 1992: S. 112. ISBN 2-251-60465-0, doi:10.3406/ista.1992.2545. Vor Al-Kowneyns Ankunft hieß diese Stadt (die heute nach ihm benannt ist) Dogor.Sada Mire: Wagar, Fertility and Phallic Stelae: Cushitic Sky-God Belief and the Site of Saint Aw-Barkhadle, Somaliland. 2015. Die Bewohner waren keine Muslime, sondern Heiden und glaubten an eine vorislamische Religion namens „Wagar“. Wagar selbst gilt als anthropomorphe Darstellung eines heiligen Merkmals oder einer heiligen Figur, was auf einen einheimischen, nichtislamischen Fruchtbarkeitsbrauch in Aw Barkhaadle hindeutet. Das Wort „wagar“/„Waĝa“ (Waaq) bezeichnet den Himmelsgott, den verschiedene Kuschitische Völker (inklusive der Konso) am Horn von Afrika verehrten.C. R. Hallpike: The Konso of Ethiopia: A study of the values of a Cushitic people. Oxford: Clarendon Press 1972.
Während seines Studiums in Zayla erfuhr Al Kowneyn von einer Stadt im heutigen Somalia namens Dogor, deren König Bu’ur Ba’ayr ein unterdrückerischer König war, der vermutlich ein Yibir war.I. M. Lewis: A Pastoral Democracy. A Study of Pastoralism and Politics Among the Northern Somali of the Horn of Africa. Lit 1999: S. 264. google books ISBN 978-0-85255-280-3 Der Legende nach traute Bu’ur Ba’ayr Paare, indem er in den ersten sechs Nächten der Ehe mit der Braut schlief und heidnische und magische Handlungen beging.H. Altenmüller, J. O. Hunwick, R. S. O’Fahey, B. Spuler: The writings of the Muslim peoples of northeastern Africa. Part 1, Vol. 13 Leiden [u. a.]: Brill 2003: S. 174. Die Einheimischen in Aw-Barkhadle führen den Übertritt der Einheimischen zum Islam auf die Niederlage des vorherigen religiösen Führers Bu’ur Ba’ayr im Duell gegen den muslimischen Neuankömmling Aw-Barkhadle zurück, der von der unterdrückerischen Natur des Königs hörte und ihn aufhalten wollte. Der Heilige zeigte die religiöse Überlegenheit seines Glaubens gegenüber dem lokalen Glauben der Anhänger Bu’ur Ba’ayrs, die er in großer Zahl für sich gewinnen konnte.
Darüber hinaus ist die Stätte Aw-Barkhadle eine wichtige Grabstätte der muslimischen Herrscher des Adal-Sultanats.Sada Mire: Divine Fertility: The Continuity in Transformation of an Ideology of Sacred Kinship in Northeast Africa. Kap. 3. google booksP. Paulitschke: Beiträge zur Ethnographie und Anthropologie der Somali, Galla und Harari. Leipzig 1888.
Muslimische Ansiedlung in Sri Lanka Yusuf bin Ahmad al-Kawneyn gilt auch als Gründer der ersten muslimischen Siedlung Sri Lankas. Sie liegt im Westen Sri Lankas und trägt zu Ehren und aus Respekt vor dem Scheich den Namen Berbereen (Beruwala).Talib Jaleel: Notes on Entering Deen Completely: Islam as its followers know it. EDC Foundation 8. Juli 2015: S. 1106.
Siehe auch Islam in Somaliland