Der Mercedes-AMG F1 W15 E Performance war der Formel-1-Rennwagen des Mercedes-Werksteams für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2024. Er ist der insgesamt 16. von Mercedes-Benz für einen Einsatz in der Formel 1 konstruierte Rennwagen und wurde am 14. Februar 2024 in Silverstone präsentiert. Die Bezeichnung F1 W15 E Performance steht für Mercedes F1, das bei Mercedes-Benz traditionell nummerierte W für Wagen sowie die beworbenenen Performance-Hybridfahrzeuge der Submarke AMG (E Performance).

Für die Entwicklung des Fahrzeugs zeichnete als Technischer Direktor erstmals in der Ground-Effect-Ära bei Mercedes wieder James Allison gesamtverantwortlich. Angetrieben wurde der Rennwagen von dem weiterentwickelten 1,6-Liter-V6-Turbo-Hybridmotor von Mercedes AMG HPP aus der Vorsaison.

Mit dem ersten Mercedes der Ground-Effect-Ära, der nicht dem Zeropod-Konzept folgte, gelang es dem Werksteam, näher an die Spitze zu rücken und mit insgesamt vier Rennsiegen Einzelerfolge zu feiern. Trotzdem war das Team die gesamte Saison über zu inkonstant, um gegen Red Bull und später McLaren in den WM-Kampf eingreifen zu können.

Der W15 war der letzte von Lewis Hamilton pilotierte Mercedes, bevor er nach zwölf gemeinsamen Saisons und sechs WM-Titeln zu Ferrari wechselte.

Technik und Entwicklung Der F1 W15 E Performance ist das Nachfolgemodell des Mercedes-AMG F1 W14 E Performance.

Der W15 wurde am 14. Februar auf dem Silverstone Circuit vorgestellt. Der Wagen hatte eine veränderte Seitenkastenform, und das Team wechselte von einer Pullrod- zu einer Pushrod-Aufhängung. Die Position des Cockpits wurde weiter nach hinten verlagert. Hamilton und Russell absolvierten eine kurze 15-km-Demofahrt in Silverstone, bevor das Auto bei einem 200-km-Filmtag in Bahrain International Circuit vor den Vorsaisontests erstmals richtig zum Einsatz kam.

Für die Technik war nach interner Umstrukturierung erstmals in der Ground-Effect-Ära wieder James Allison gesamtverantwortlich. Unter ihm nahmen Chefdesigner John Owen und Aerodynamiker Jarrod Murphy bedeutende Rollen ein.

Wie alle Formel-1-Fahrzeuge des Jahres 2024 ist der Mercedes-AMG F1 W15 E Performance ein hinterradangetriebener Monoposto mit einem Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Außer dem Monocoque bestehen auch viele weitere Teile des Fahrzeugs, darunter die Karosserieteile und das Lenkrad, aus CFK. Auch die Bremsscheiben sind aus einem mit Kohlenstofffasern verstärkten Verbundwerkstoff.

Angetrieben wird der W15 von einem 1,6-Liter-V6-Motor von Mercedes in der Fahrzeugmitte mit Turbolader sowie einem 120 kW starken Elektromotor; es ist also ein Hybridelektrokraftfahrzeug. Die Kraft überträgt ein sequentielles, mit Schaltwippen betätigtes Achtganggetriebe. Das Fahrzeug hat nur zwei Pedale, ein Gaspedal (rechts) und ein Bremspedal (links). Genau wie viele andere Funktionen wird die Kupplung, die nur beim Anfahren aus dem Stand gebraucht wird, über einen Hebel am Lenkrad bedient.

Das Fahrzeug ist 2000 mm breit, 970 mm hoch und mehr als 5000 mm lang. Das Gewicht beträgt einschließlich Fahrer 798 kg. Der Wagen hat 305 mm breite Vorderreifen und 405 mm breite Hinterreifen des Einheitslieferanten Pirelli auf 18-Zoll-Rädern.

Teamchef Toto Wolff erklärte, dass das Team das Konzept für den W15 ändern würde, einschließlich der Gestaltung des Chassis, der Gewichtsverteilung und der Aerodynamik. Wolff fügte hinzu, dass das Ändern fast aller Komponenten dem Team die besten Chancen für den Wettbewerb im Jahr 2024 bieten könnte.

Der Technische Direktor James Allison bezeichnete das W15-Projekt als 'ehrgeizig' und erklärte, dass das Team über den Winter große Fortschritte gemacht habe. Später stellte Allison klar, dass die späte Einführung der Seitenkästen ab dem Großen Preis von Monaco 2024 nicht das Hauptproblem im Jahr 2023 gewesen sei, und fügte hinzu, dass der W15 deutlich anders aussehen wird als seine Vorgänger. Wolff berichtete, dass der Simulatorfahrer des Teams, Anthony Davidson, den W15 im Simulator getestet und in Melbourne gefahren ist. Davidson äußerte sich positiv über die Ergebnisse und sagte: „Das Auto fühlt sich zum ersten Mal seit zwei Jahren wie ein richtiges Auto an.“

mini|links|Stark unterschnittene Seitenkästen mit schlitzförmigen Lufteinlässen – Designmerkmal des W15 und der Rennwagengeneration 2024 Das äußere Design des W15 schwor dem Zeropod-Design der Vorjahre endgültig ab und passte sich eher den Konkurrenzfabrikaten an. Der Wagen war der erste Mercedes seit 2021 mit konventionell entwickelten Seitenkästen nach dem Downwash-Prinzip. Auch die Aufhängungsgeometrie wurde gegenüber dem W14 angepasst. Die Hinterachse wurde auf eine Push-Rod-Aufhängung umgestellt, wovon sich Mercedes mehr Stabilität im Heck erhoffte.

Das Gesamtkonzept des Fahrzeugs fiel weniger radikal als in den Vorjahren aus, zeigte im Detail jedoch neuartige Lösungen. So bestand der oberste Flap des Frontflügels aus einem kleinstmöglichen dünnen Steg, um gerade noch dem Reglement zu entsprechen und in dem sensiblen Bereich nah an der Nase die Anströmung des Unterbodens zu optimieren.

Der W15 verfügte zum Saisonbeginn zudem über eine höhenverstellbare Vorderradaufhängung, die mit variabel fixierbaren Anlenkpunkten der Querlenker erreicht wurde. Diese Entwicklung zielte vermutlich auf einehohe Setup-Flexibilität und die Möglichkeit ab, den Anti-Dive-Effekt zu beeinflussen. Letztlich wurde die viel beachtete Höhenverstellung der Querlenker während der Saison nicht mehr verwendet. Auch die Frontflügelgestaltung wurde während der Saison mit den ersten Upgrades verworfen.

Infolge des durchwachsenen Saisonstarts führte das Team ab dem Miami-GP schrittweise mehrere Entwicklungspakete ein. Die Upgrades umfassten einen neuen Unterboden (Miami), Heckflügel samt Beamwing für hohe Abtriebsniveaus (Imola), eine angepasste vordere Unterbodenkante und neu designte Frontflügel (Monaco) sowie dazu abgestimmte Verkleidungen an der Vorderachse (Montreal). Die Upgrades sollten unter anderem die Fahrzeugbalance bei verschiedenen Kurventypen optimieren und das Arbeitsfenster allgemein vergrößern. Die neuen Teile führten zu erkennbaren Fortschritten und einem sportlichen Aufschwung in den nachfolgenden Rennen.

Der Rennwagen verfügte, wie alle Formel-1-Fahrzeuge seit 2011, über DRS und das seit 2018 vorgeschriebene Halo-System zum Schutz des Fahrers.

Lackierung und Sponsoring Der W15 war überwiegend in Schwarz und Silber lackiert bzw. trug offen liegendes Carbon. Damit nahm er bei beiden jeweils unifarben designten Vorgängern gleichermaßen Anleihen. Zusätzlich gab es durch den Sponsor Petronas cyanfarbene sowie durch den Sponsor Ineos rote Farbakzente.

Überdies warben AMD, Crowdstrike, Einhell, IWC, Pirelli, SAP, Signify, Teamviewer und Tommy Hilfiger auf dem Fahrzeug.

Fahrer Mercedes trat in der Saison 2024 zum letzten Mal mit der Fahrerpaarung Lewis Hamilton und George Russell an, nachdem Hamilton für die Saison 2025 zu Ferrari wechselte. Hamilton bestritt seine zwölfte Saison für das Werksteam, Russell seine dritte.

Als Ersatz- und Entwicklungsfahrer stand erneut Mick Schumacher zur Verfügung – parallel zu seiner WEC-Kampagne – sowie der Mercedes-Nachwuchsfahrer Frederik Vesti. Als Entwicklungsfahrer blieb zudem Anthony Davidson weiter an Bord.

Saisonverlauf Mercedes nahm an den Wintertestfahrten vor der Saison vom 21. bis zum 23. Februar auf dem Bahrain International Circuit teil, wo auch der Saisonauftakt ausgetragen wurde.

Das Team beendete die Tests nach drei Tagen positiv gestimmt, nachdem beide Fahrer das Auto als stabiler und berechenbarer im Vergleich zum Vorgänger empfanden. Der leitende Ingenieur an der Strecke, Andrew Shovlin, zeigte sich ermutigt durch die starken Leistungen während der Vorsaisontests. Shovlin sagte: „Das Team hat viel Arbeit investiert, um die Handling-Probleme des W14 zu beheben. Es ist großartig zu sehen, dass wir diese Probleme hinter uns gelassen haben.“

Ungeachtet der positiven Beurteilung der Fortschritte von Mercedes ging der amtierende Weltmeister Max Verstappen auf Red Bull nach Experteneinschätzung auch 2024 als Favorit in die Saison. Mercedes wurde im Kampf um die Positionen dahinter mit Ferrari und McLaren erwartet.

Eröffnungsrunden Die Saison begann beim Bahrain-GP mit einer durchwachsenen Qualifikation: Russell qualifizierte sich auf dem dritten Platz, während Hamilton Neunter wurde. Das Rennen war von technischen Schwierigkeiten geprägt: Russell beendete auf Platz fünf, nachdem er ein Hitzeproblem mit der Antriebseinheit hatte und Gas rausnehmen musste. Hamilton wurde Siebter, nachdem er ein Problem mit seinem Sitz hatte, der während des Rennens plötzlich riss. Wolff erklärte, dass das Team aufgrund des Motorproblems pro Runde etwa 0,5 Sekunden verlor, was auch das Kundenteam Williams beeinträchtigte.

Beim Großen Preis von Saudi-Arabien qualifizierten sich Russell und Hamilton auf den Plätzen sieben und acht nur als viertstärkstes Team. Hamilton setzte auf eine riskante Strategie, indem er während einer frühen Safety-Car-Phase nicht an die Box ging, fuhr zeitweise auf Platz drei und verteidigte sich 20 Runden lang gegen Oscar Piastri. Russell beendete das Rennen als Sechster, 40 Sekunden hinter dem Sieger Max Verstappen.

Früh in der Saison zeigte sich, dass der W15 zwar verglichen mit seinem Vorgänger insgesamt besser ausbalanciert lag, der Konkurrenz von Red Bull und McLaren jedoch hinsichtlich Pace und Reifen-Management hinterhinkte. Zudem war – speziell im Qualifying – das Abstimmungsfenster schwer zu treffen.

Nach dem dritten Saisonrennen in Melbourne war der Saisonstart mit einem Doppelausfall endgültig misslungen. Nachdem Hamilton durch einen Defekt an der Antriebseinheit bereits früh geschieden war, betraf es Russell in der vorletzten Runde bei einem Vorfall mit Fernando Alonso auf Rang sieben liegend. Das Rennen brachte den ersten doppelten Ausfall von Mercedes seit Spielberg 2018.

mini|Hamiltons W15 ausgestellt beim China-GP Beim Sprint-Qualifying in China qualifizierte sich Hamilton auf dem zweiten Platz, während Russell den elften Platz belegte. Während des Sprint-Rennens überholte Hamilton den Pole-Sitter Lando Norris in der ersten Kurve und verteidigte die Führung einige Runden, bevor er von Verstappen überholt wurde. Hamilton beendete den Sprint auf dem zweiten Platz. Typisch für die schwankenden Leistungen des W15 lief das Qualifying für das Hauptrennen: Hamilton, am Freitag noch Zweiter, qualifizierte sich ohne Defekt nur auf dem achtzehnten Platz – Russell auf dem achten. Im Rennen kämpfte Hamilton sich als Neunter noch in die Punkte, während Russell als Sechster ins Ziel kam.

Beim Sprint-Wochenende für den Miami-GP starteten Russell und Hamilton das Sprint-Rennen nur von den Plätzen 11 und 12. Im Sprint erhielt Hamilton von den Stewards eine 20-Sekunden-Zeitstrafe wegen Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse während einer Safety-Car-Phase, was ihn auf den 16. Platz zurückwarf. Russell beendete den Sprint auf dem 12. Platz. Auch im Hauptrennen blieben die Silberpfeile trotz erster neuer Teile blass. Hamilton beendete das Rennen auf dem sechsten Platz, während Russell als Achter ins Ziel kam.

Saisonmitte Mit Beginn des Miami-Wochenendes brachte Mercedes zu den folgenden Rennen in Imola, Monaco und Kanada neue Teile ans Auto, um die Lücke zu den führenden Teams zu schließen. Obwohl die Piloten den W15 spürbar verbessert wahrnahmen, blieben die Ergebnisse noch mittelmäßig und das Podium außer Reichweite. Das Rennen in Imola beendeten Hamilton und Russell z. B. auf den Positionen 5 und 6, mehr als eine halbe Minute hinter dem Spitzenreiter Max Verstappen.