mini|Władysław (Ladislaus) Taczanowski Władysław Taczanowski (deutsch: Ladislaus Taczanowski, französisch: Ladislas Taczanowski) (* 1. März 1819 in Jabłonna bei Lublin; † 17. Januar 1890 in Warschau) war ein polnischer Zoologe.

Leben und Wirken In seiner Jugendzeit besuchte Taczanowski das Gymnasium in Lubin, welches er im Jahr 1838 abschloss.August Wrześniowski, S. 268. Durch die schwierigen politischen Zeiten war ihm der Zugang zu einer Universität versperrt und so musste er sich sein naturwissenschaftliches Wissen durch Eigeninitiative aneignen.Herman Schalow, S. 23. Auf dem Anwesen seines Vaters Kazimierz Taczanowski (1789–1839) lernte er das Jagen. Nach dessen Tod bewirtschaftete er zwischen 1839 und 1859 das väterliche Gut, ehe er dieses schließlich verkaufte. 1859 stellte ihn der Regierende von Radom im öffentlichen Dienst an, mit dem Ziel für den Landkreis Lubin und Random eine Tiersammlung anzulegen. Andere Landkreise sollten folgen, doch wurde diese Idee wieder verworfen.August Wrześniowski, S. 269. In dieser Zeit wanderte er kreuz und quer durch das Gebiet des damaligen Kongresspolen, um die inländische Avifauna zu studieren. Für die Vervollständigung seiner Sammlung brachte er sein ganzes Vermögen auf. Nachdem er seine Sammlung aufgestellt und geordnet hatte, vermachte er sie dem naturhistorischen Museum der Königlichen Warschauer Universität. Im Jahr 1855 wurde er Kurator des Museums, eine Position, die er bis zu seinem Tode ausführte.

Im Jahr 1857 wurde er von Józef Mianowski nach Paris geschickt, um die dortigen Sammlungen zu studieren. Hier lernte er das Handwerk der Tierpräparation und so hatte er bald eine bedeutende ornithologische und zoologische Sammlung zusammengetragen. Als 1862 nach dem Tode von Konstantin Tyzenhauz 170 seiner Tafeln mit polnischen Vogeleiern publiziert wurden, war es Taczanowski, der den Text zu den Tafeln lieferte.

Zwischen 1866 und 1867 reiste er mit den Grafen Konstanty (1824–1884) und Aleksander Branicki (1821–1877) nach Algerien, von wo er eine reichhaltige Sammlung naturhistorischer Exponate zurück ans Museum brachte. Sehr bald nach seiner Rückkehr erhielt er eine weitere Sammlung, die ihm seine Jugendfreunde Benedykt Dybowski und Wiktor Witold Godlewski (1831–1900) aus Sibirien mitgebracht hatten, eine Gegend, in der diese als politisch Verurteilte deportiert wurden. Finanziert durch den Grafen Konstanty Branicki sammelten Konstanty Roman Jelski (1837–1896) und Jan Sztolcman (1854–1928) in Cayenne, Ecuador und Peru und versorgten Taczanowski mit neuem Material, das er wissenschaftlich bearbeitete.Herman Schalow, S. 23. Jelski hatte sich bereits 1866 in Cayenne niedergelassen und zog 1871 auf Betreiben Branickis nach Peru. Sztolcman folgte ihm erst 1875 und blieb in Peru bis ins Jahr 1882. Wegen des Salpeterkriegs mit Chile verließ er das Land und reiste deshalb von 1883 bis 1885 durch Ecuador.August Wrześniowski, S. 270. Weitere Zuwendungen für das Museum und deren Bibliothek kamen von Gönnern wie Jerzy Wandalin Mniszech (1824–1881) und Władysław Jan Emanuel Lubomirski (1824–1881).Herman Schalow, S. 24.

Die Sammlungen ermöglichten Taczanowski wissenschaftlich zu arbeiten und so schrieb er bedeutende Werke über die ornithologische Fauna Polens, Sibiriens und Perus. Sein bevorzugtes Forschungsgebiet war sicherlich die Ornithologie, doch publizierte er auch andere bedeutende Werke z. B. über Spinnentiere. Seine Veröffentlichungen erschienen in polnischer, russischer, französischer und deutscher Sprache. Die deutschen Beiträge erschienen überwiegend im Journal für Ornithologie. In Russisch erschien 1876 "Eine kritische Überprüfung der ornithologischen Fauna Ostsibiriens (Критический обзор орнитологической фауны Восточной Сибири)", die auch etwas überarbeitet in Bulletin de la Société zoologique de France in mehreren französischsprachigen Artikeln erschien. Mit Ptaki krajowe publizierte er in seiner Muttersprache ein zweibändiges Werk über die Vögel seiner Heimat. Sein sicherlich bedeutendstes Schaffenswerk war sein vierbändiges Werk Ornithologie du Pérou, welches zwischen 1884 und 1886 erschien. Im Jahr 1889 verlieh ihm die Universität Krakau den Ehrendoktor für seine Verdienste rund um die Naturwissenschaft.Herman Schalow, S. 25.

Mitgliedschaften mini|Taczanowskis Grab in Warschau Taczanowski war Mitglied der Sankt Petersburger Gesellschaft der Naturforscher, der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, der Société zoologique de France, der Zoologisch-Botanische Gesellschaft in Wien, der Zoological Society of London und der American Ornithologists’ Union.

Dedikationsnamen Eugen von Keyserling (1832–1889) widmete ihm 1879 die Spinnengattung Taczanowskia, die er für die Art Taczanowskia striata einführte.Eugen von Keyserling, S. 298, Tafel 4, Figur 3. Mit Mughiphantes taczanowskii hatte Octavius Pickard-Cambridge 1873 eine weitere Spinnenart nach ihm benannt.Octavius Pickard-Cambridge, S. 435, Tafel 40, Figur 1. Oldfield Thomas widmete ihm 1882 eine zu den Paramo-Mäusen gehörende Art unter dem Namen Thomasomys taczanowskii.Oldfield Thomas, S. 108, 109–110. Jan Sztolcman (1854–1928) widmete ihm 1926 ebenfalls den Gattungsnamen Taczanowskia, den er für den Rußkleintyrann (Serpophaga nigricans) , 1817) einführte.Jan Sztolcman (1926), S. 168. Dieser Name muss aber heute nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur als Synonym für Serpophaga , 1839 betrachtet werden.Charles Wallace Richmond, S. 97. Bereits 1885 hatte er das Bergpaka (Cuniculus taczanowskii) beschrieben.Jan Sztolcman (1885), S. 161. Robert Swinhoe (1836–1877) ehrte ihn 1871 im Namen des Taczanowskibuschsängers (Locustella tacsanowskia).Robert Swinhoe, S. 355. Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch und Sztolcman nannten 1892 die Nördliche Felsuferwipper (Cinclodes taczanowskii)Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u. a. (1892), S. 381. und 1894 den Punataucher (Podiceps taczanowskii)Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u. a. (1894), S. 109, Tafel 4., sowie im gleichen Jahr eine Unterart des Weißstrichelcanastero (Asthenes flammulata taczanowskii)Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u. a. (1894), S. 393.. 1879 nannte Philip Lutley Sclater den Taczanowskikolibri (Leucippus taczanowskii)Philip Lutley Sclater (1879), S. 145–146. und 1886 eine Unterart des Purpurkehlorganist (Euphonia chlorotica taczanowskii)Philip Lutley Sclater (1886), S. 65. zu seinen Ehren. 1875 hatte er bereits zusammen mit Osbert Salvin das Taczanowskisteißhuhn (Nothoprocta taczanowskii) erstbeschrieben. Die Illustration hierzu lieferte Joseph Smit (1836–1929).Philip Lutley Sclater (1875), S. 679, Tafel 84. Carl Eduard Hellmayr nannte 1917 den Graugesicht-Laubtyrann (Leptopogon taczanowskii), da Taczanowski diesen zuvor unter dem Namen Leptopogon rufipectus publizierte und dieser bereits durch den Rostbrust-Laubtyrann ((Leptopogon rufipectus (), 1846) vergeben war.Carl Eduard Hellmayr, S. 198. Nikolai Michailowitsch Prschewalski nannte 1876 den Weißbürzel-Erdsperling (Onychostruthus taczanowskii).Nikolai Michailowitsch Prschewalski, S. 81, Tafel 11, Figur 1. Richard Bowdler Sharpe machte ihm 1888 bei der Taczanowskigilbammer (Sicalis taczanowskii) seine Aufwartung.Richard Bowdler Sharpe, S. 385, Tafel 17, Figur 3. Leonhard Hess Stejneger nannte 1888 eine Unterart des Auerhuhns (Tetrao urogallus taczanowskii)Leonhard Hess Stejneger (1888), S. 193., Robert Ridgway 1901 eine Unterart des Gelbschwanztrupial (Icterus mesomelas taczanowskii)Robert Ridgway, S. 153., Janusz Witold Domaniewski 1925 eine Unterart des Lafresnayezwergspechts (Picumnus lafresnayi taczanowskii)Janusz Witold Domaniewski, S. 297. und Boris Karlowitsch Schtegman 1925 eine Unterart der Uferschwalbe (Riparia riparia taczanowskii)Boris Karlowitsch Stegmann, S. 39.. Thalurania furcata taczanowskii , 1938Andrzej Dunajewski, S. 322. gilt heute als Synonym für eine Unterart der Schwalbennymphe (Thalurania furcata jelskii , 1874), Micropalma Tacksanowskia , 1860Jules Verreaux, S. 206., als ein Synonym für den Steppenschlammläufer (Limnodromus semipalmatus) (, 1848), Columba taczanowskii Leonhard Hess Stejneger (1893), S. 624., als Synonym für die Klippentaube (Columba rupestris , 1811) und Garrulus glandarius taczanowskii , 1908Einar lönnberg, S. 7. als Synonym für eine Unterart des Eichelhähers (Garrulus glandarius brandtii , 1842). Benedykt Dybowski beschrieb 1869 eine Fischart, die zu den Gründlingsverwandten gehört, unter dem Namen Ladislavia taczanowskii. Hier sind sowohl der neue Gattungsname als auch Artname Taczanowski gewidmet.Benedykt Dybowski (1869), S. 954. Im Englischen heißt der Fisch Taczanowski’s Gudgeon. Mit der Krebsart Hyalellopsis taczanowskii folgte 1874 eine weitere Ehrerbietung von Dybowski.Benedykt Dybowski (1874), S. 156, Tafel 14, Figur 3. Die Schlangenart Tropidophis taczanowskyi beschrieb Franz Steindachner 1880.Franz Steindachner, S. 522. Schließlich nannte Jan Wańkowicz 1879 eine Keulhornblattwespenart Praia taczanowskii.Jan Wańkowicz, S. 572.

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Zoologe Kategorie:Mitglied der Zoological Society of London Kategorie:Person (Warschau) Kategorie:Person (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1819 Kategorie:Gestorben 1890 Kategorie:Mann