Dąbie ( Altdamm, auch Alt-Damm, früher Damm, ehemals Dam) ist ein Stadtteil der polnischen Großstadt Stettin (poln. Szczecin) in der Woiwodschaft Westpommern. Bis 1939 und 1945–1948 war es eine eigenständige Kleinstadt mit eigenem Hafen und wurde dann nach der Hafenstadt Stettin eingemeindet. mini|300px|Stadtzentrum
Geographische Lage Der Stadtteil liegt am östlichen Rand Vorpommerns, etwa acht Kilometer östlich der Stettiner Altstadt an der Mündung der Płonia (Plöne) in den Dammschen See, der der Stadt den Namen verdankt. Zwischen beiden Stadtkernen erstreckt sich das mehrere Kilometer breite, aus vielen Flussarmen und Inseln bestehende, nördliche Ende des Unteren Odertals, das hier teilweise vom Stettiner Seehafen, dem zweitgrößten Polens, eingenommen wird. Altdamm ist der größte östlich der Oder liegende städtische Kern in der Region Stettin und damit das wichtigste Subzentrum der Großstadt.
Der heutige Stettiner Stadtbezirk Dąbie umfasst auch ein großes Gebiet bis zum Hauptstrom der Oder, das schon vor der Eingemeindung Altdamms zu Stettin gehörte (das erst 1937 nach Altdamm eingemeindete Rosengarten (Kijewo) bildet heute hingegen einen selbständigen Stadtteil).
Auch der Dammsche See liegt innerhalb des Stadtteils.
Geschichte Urkundlich überlieferte Ortsbezeichnungen sind Dam (1173), Damba, Dambe, Dhamb, Damme, Dambne, Damme (1618, auf der Karte des Lubinus), Dambne, Damne, Dahm, Dambis, Damnis, Dampnis; dem Ortsnamen soll der slawische Wortstamm damb, für Eiche, zugrunde liegen. In neuerer Zeit, seit brandenburgischer Herrschaft in Pommern, wurde auch die Ortsbezeichnung Alt-Damm benutzt, zur Unterscheidung von dem Städtchen Neu-Damm im Landkreis Königsberg Nm. in der Neumark.Heinrich Berghaus, 1865, ebenda, S. 1241–1255: Chronik (Google Books).
Angebliche Schlacht bei Vadam (1121) mini|Stadtteil Dąbie (Altdamm) in Stettin Die pommerschen Geschichtsschreiber seit Thomas Kantzow (1505–1542) berichteten über eine angebliche Schlacht bei Vadam, in der 1121 in der Gegend von Stettin Truppen des polnischen Herzogs Bolesław III. Schiefmund die Pomoranen besiegt hätten.Friedrich Wilhelm Barthold: Geschichte von Pommern und Rügen. Band 1. Friedrich Parthes, Hamburg 1839, S. 468–470. Der Historiker Friedrich Wilhelm Barthold (1799–1859) hat dargelegt, dass die dem zugrunde liegende mittelalterliche Quelle tatsächlich den gesamten Verlauf des Krieges zwischen Polen und Pomoranen, der bei Nakel begann, meint und es keine Schlacht bei Vadam gab, danach handelt es sich um einen Fehler bei der Entzifferung einer mittelalterlichen Quelle: uadam statt naclam. Die modernen Darstellungen der pommerschen Geschichte kennen demgemäß keine solche Schlacht bei Vadam.Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 1. 2. Auflage. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1919. (Nachdruck: Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6)Werner Buchholz (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Pommern. Siedler Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-88680-272-8. In heimatkundlichen Texten auf DeutschJohannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Flechsig-Buchvertrieb, Würzburg 2002, ISBN 3-88189-439-X, S. 30. und Polnisch dabie2010.republika.pl (polnisch) wird indes noch heute von einer angeblich 1121 durch die Polen zerstörten Burg Vadam an der Stelle des späteren Altdamm geschrieben. mini|links|Altdamm (Damme) südsüdöstlich des Stettiner Haffs, südöstlich von Stettin, an der rechten Seite der Oder und südlich der Plöne, auf der Landkarte des Eilhard Lubinus von 1618 (Ausschnitt), auf der auch etliche ehemalige Eigentumsortschaften des Klosters Kolbatz in der Umgebung eingezeichnet sind, zu denen die Stadt Damm (einschließlich Fischereirechten im Dammschen See)Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. Nicolai, Berlin/Stettin 1827, S. 198–199, Ziffer 1 (Google Books). und, südwestlich davon, das Dorf Podejuch (Poding) ebenfalls gehört hatten Pommersche Herzogszeit mini|Grünanlage im Ortszentrum mini|Rest der Stadtmauer mini|links|Stadtpanorama auf einer Lithographie aus der Zeit vor 1846Pomerania – Geschichte und Beschreibung des Pommernlandes. IV. bis VI. Buch, E. Sanne & Comp., Stettin 1846 (books.google.de)
Das Dorf Dam gehörte zu den Besitzungen, mit denen der Kastellan von Stettin Wartislaw Swantiboricz das 1173 von ihm gestiftete Kloster Kolbatz ausstattete. Überliefert ist dies durch eine Urkunde Herzog Bogislaws I. von 1173/1176, mit der dieser den Besitz des Klosters bestätigte.Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 63 Nach 1183 wurde die Mündung der Plöne nach Damm verlegt, wofür Herzog Bogislaw I. dem Kloster einen Zuschuss zahlte.Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 93. Die Plöne diente damals dem Handelsverkehr mit dem Weizacker, einer südöstlich gelegenen Landschaft. Außerdem ermöglichte der kanalisierte Flusslauf den Betrieb von Mühlen.
Im 13. Jahrhundert geriet der Ort unter unmittelbaren Einfluss der pommerschen Herzöge. 1243 sprach Herzog Barnim I. in einer Urkunde von seiner civitas Damme.Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 418. Die strittige Situation wurde durch eine Urkunde von 1249 geregelt, mit der Herzog Barnim I. erklärte, dass er Damm vom Kloster Kolbatz auf Lebenszeit zu Lehen genommen habe, um hier eine Stadt zu errichten.Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 494
Nach 1249 erteilte Herzog Barnim I. dem Ort das Marktrecht, 1260 das Stadtrecht nach Magdeburger Recht mit der Stadt Stettin als Oberhof. Ungewöhnlich für die pommersche Rechtsgeschichte ist der kurzzeitige Wechsel zum Lübischen Stadtrecht von 1293 bis 1297. mini|Herzogliches Jagdschloss Die Stadt Stettin errichtete Anfang des 14. Jahrhunderts einen Weg von Stettin nach Damm, der auf einem Damm und Brücken geführt war. 1299 hatte die Stadt Stettin die Erlaubnis hierzu von Herzog Otto I. erhalten, 1302 wird die Anlage als im Bau befindlich erwähnt, 1314 wurde bereits durch Stettin Zoll erhoben.Martin Wehrmann: Geschichte der Stadt Stettin. Leon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1911, S. 46. (Nachdruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1993, ISBN 3-89350-119-3)
Obwohl Herzog Barnim I. Damm formal nur auf Lebenszeit vom Kloster Kolbatz erhalten hatte, blieben auch seine Nachfolger im Besitz der Stadt, wenn sie auch die Rechte des Klosters bestätigten. Herzog Otto I. machte die Stadt zu seiner bevorzugten Residenz, aber auch er erkannte 1297 an, die Stadt nur auf Lebenszeit vom Kloster Kolbatz zu Lehen zu haben.
Im 14. Jahrhundert war die Stadt Mitglied der Hanse und nahm als solche 1394 an der Bekämpfung der Vitalienbrüder teil.
Ein Stadtbrand zerstörte 1592 unter anderem das herzogliche Schloss. Herzog Johann Friedrich errichtete ein neues Renaissanceschloss.
In Schwedisch-Pommern Während des Dreißigjährigen Kriegs nahm Schweden im Jahre 1630 die Stadt ein. Die Stadt gehörte zu dem Teil Pommerns, der nach dem Aussterben des pommerschen Herzogshauses der Greifen und nach dem Dreißigjährigen Krieg Schwedisch-Pommern bildete. Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg wurde die Stadt 1676 zunächst kampflos durch Brandenburg eingenommen, nachdem die kleine schwedische Besatzung sich nach Stettin zurückgezogen hatte.Martin Wehrmann: Geschichte der Stadt Stettin. Leon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1911, S. 299. (Nachdruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1993, ISBN 3-89350-119-3) Sie gehörte aber zu dem schmalen Landstreifen in Hinterpommern, der nach dem Frieden von Saint-Germain (1679) bei Schwedisch-Pommern verblieb. Während des Großen Nordischen Kriegs nahm Preußen dann bis 1715 Schwedisch-Pommern bis zur Peene ein, die Stadt Damm bereits 1713 im Rahmen der Belagerung Stettins.Martin Wehrmann: Geschichte der Stadt Stettin. Leon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1911, S. 333. (Nachdruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1993, ISBN 3-89350-119-3)
Preußische Provinzstadt mini|Karte von Damm (1786) Damm kam, wie das übrige Schwedisch-Pommern bis zur Peene, 1720 im Frieden von Stockholm an Preußen. Als preußische Provinzstadt gehörte Altendamm nun zum pommerschen Kreis Randow. Die Erneuerung des Rathauses erfolgte 1727. 1746/1747 wurde der Kartoffelanbau eingeführt. 1747 wurde östlich der Stadt auf städtischem Grund das Dorf Arnimswalde angelegt, anfangs unter dem Namen Henningshorst.
Seit 1819 wurde der Ortsname Alt-Damm oder Altdamm statt des bisherigen Damm gebräuchlich. Umfangreiche Baumaßnahmen erfolgten im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts – das neue Gebäude der Stadtschule wurde 1829 errichtet, bereits im 16. Jahrhundert ist eine Schule in der Stadt nachweisbar. Um 1830 waren die Haupteinnahmequellen der Stadtbewohner Ackerbau, Viehzucht und Handel; jährlich fanden drei Kram- und Viehmärkte sowie ein Leinwandmarkt statt. 1846 erhielt Altdamm Bahnanschluss, als die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft die Bahnstrecke Berlin–Stettin über Altdamm nach Stargard verlängerte. 1882 kam die von der Altdamm-Colberger Eisenbahn-Gesellschaft erbaute Bahnstrecke nach Greifenberg hinzu, die später nach Kolberg verlängert wurde. In Altdamm siedelten sich Industriebetriebe an, die Einwohnerzahl stieg von 2014 im Jahre 1812 auf 6863 im Jahre 1900 und weiter auf 16.197 im Jahre 1939. Ab 1924 wurde auf Altdammer Stadtgebiet der Flughafen Stettin angelegt, der 1927 eröffnet wurde.
Anfang der 1930er hatte die Gemarkung der Stadt Altdamm einen Flächeninhalt von 40,2 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 616 bewohnte Wohnhäuser an zehn verschiedenen Wohnplätzen:
Um 1935 hatte die Stadt Altdamm unter anderem drei Hotels, sechs Gasthöfe, ein Café, drei Bankgeschäfte, eine Bierbrauerei, eine Baumschule, eine Buchdruckerei, zwei Destillationen, eine Drahtzaunfabrik, eine Eisfabrik, eine Fassfabrik, eine Holzbearbeitungsfabrik, drei Holzsägewerke, eine Holzwollefabrik, eine Holzwolleseilerei, eine Kartoffelflockenfabrik, eine Kartoffelmehlfabrik, zwei Kaufhäuser, eine Kiesbaggerei, zwei Lederwarenfabriken, eine Maschinenfabrik, zwei Molkereien, vier Mühlen, eine Papierfabrik, eine Rohrgewebefabrik, eine Sirupfabrik, zwei Zeitungsverlage und zahlreiche Lebensmittelgeschäfte, Warenhandlungen sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 978–979 (Google Books).
Zum 1. Oktober 1937 wurde die benachbarte Landgemeinde Rosengarten nach Altdamm eingemeindet.Systematisches Verzeichnis der Namens- und Bestandsänderung von Gemeinden. Auszugsweise abgedruckt in: Fritz R. Barran: Städte-Atlas Pommern. 2. Auflage. Rautenberg, Würzburg 2005, ISBN 3-8003-3097-0, S. 192.
Religionen In der Stadt lebten überwiegend protestantische Gläubige, die der Pfarrei St. Marien zugehörten. Der Bestand an Kirchenbüchern des evangelischen Kirchspiels Altdamm reichte bis 1618 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 227 (Google Books).
Für die Katholiken bestand eine Kapelle.Fritz R. Barran: Städte-Atlas Pommern. Rautenberg, Würzburg 2005, ISBN 3-8003-3097-0, S. 24–25.
Eingemeindung nach Stettin (1939) Im Jahr 1939 gehörte Altdamm zum Landkreis Randow im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.