Die X-chromosomale Suszeptibilität für Mykobakteriosen ist eine sehr seltenes angeborenes Immundefekt-Syndrom, eine X-chromosomal vererbte Mendelsche Anfälligkeit für Erkrankungen durch Mykobakterien und führt zu einer Dysgammaglobulinämie. Hauptmerkmal sind Infektionen durch Mykobakterien bei männlichen Personen.

Synonyme sind: XR-MSMD; MSMD, X-chromosomal;Mendelsche Anfälligkeit für Krankheiten durch Mykobakterien, X-chromosomal

Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 2004 durch die US-amerikanischen Ärzte Jordan S. Orange und Mitarbeiter.J. S. Orange, A. Jain, Z. K. Ballas, L. C. Schneider, R. S. Geha, F. A. Bonilla: The presentation and natural history of immunodeficiency caused by nuclear factor kappaB essential modulator mutation. In: The Journal of allergy and clinical immunology. Band 113, Nummer 4, April 2004, S. 725–733, doi:10.1016/j.jaci.2004.01.762, PMID 15100680.

Verbreitung Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurde über 13 Betroffene berichtet, die Vererbung erfolgt X-chromosomal rezessiv.

Ursache Je nach zugrunde liegender hemizygoter Mutation können zwei Formen unterschieden werden: Mutationen im IKBKG (NEMO)-Gen auf dem X-Chromosom Genort q28, welches für die Kinase gamma des NF-κB Inhibitors kodiert mit Defekten in der T-Zell-abhängigen Interleukin-12-Produktion und indirekt von Interferon-γ.

Mutationen in diesem Gen finden sich auch bei der Incontinentia pigmenti und dem OLEDAID-Syndrom. Mutationen im CYBB-Gen auf dem X-Chromosom an p21.1-p11.4, das für die gp91-phox-Untereinheit der NADPH-Oxidase in Phagozyten kodiert. Mutationen in diesem Gen finden sich auch bei der Septischen Granulomatose.

Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Manifestation im Kleinkindes- bis Jugendalter nur das männliche Geschlecht betroffene bei IKBKG-Mutationen Infektionen mit Mycobacterium avium, Mycobacterium bovis, BCG und Mycobacterium tuberculosis bei CYBB-Mangel disseminierte tuberkulöse Mykobakteriose ansonsten gesunde Patienten

Diagnose Die Diagnose ergibt sich aus der medizinischen Labordiagnostik mit Bestimmung der IFN-gamma-, IL-12p40- und IL-12p70-Spiegel im ELISA nach Vollblut-Aktivierung. Bei einer IKBKG-Mutation finden sich niedrige Interferon-γ-Werte, bei einer IKBKG-Mutation ist die NADPH-Aktivität in vitro in Makrophagen und B-Zellen erniedrigt. Die genetische Ursache muss durch humangenetische Untersuchung für einen genauen Behandlungsplan gesichert werden.

Differentialdiagnostik Abzugrenzen sind Septische Granulomatose, andere durch IKBKG-Mutationen verursachte Erkrankungen wie EDA mit Immundefekt (Ectodermal dysplasia, hypohidrotic, with immune deficiency), Incontinentia pigmenti und OLEDAID-Syndrom sowie die anderen Formen der Mendelschen Anfälligkeit für Erkrankungen durch Mykobakterien.

Therapie Die Behandlung besteht in Gabe von Interferon-γ, Antibiotika und dem Vermeiden einer BCG-Impfung.

Prognose Die Aussichten ist gut.

Literatur Yuta Inoue, Akira Shimizu, Mariko Suto, Chikako Kishi, Ayumi Takahashi, Masahito Yasuda, Mayuko Iijima, Hirokazu Arakawa, Osamu Ishikawa: Cutaneous squamous cell carcinoma, thyroid cancer and Langerhans cell histiocytosis in a patient with X‐linked recessive Mendelian susceptibility to mycobacterial diseases with a nuclear factor‐κB essential modifier mutation. In: The Journal of Dermatology. 2018, Band 45, Nummer 8, S. 1017–1019 doi:10.1111/1346-8138.14482. J. Bustamante, C. Picard, S. Boisson-Dupuis, L. Abel, J. L. Casanova: Genetic lessons learned from X-linked Mendelian susceptibility to mycobacterial diseases. In: Annals of the New York Academy of Sciences. Band 1246, Dezember 2011, S. 92–101, doi:10.1111/j.1749-6632.2011.06273.x, PMID 22236433, (Review).

Einzelnachweise

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