Johann Karl Stefan Reinl, genannt Hans Reinl (* 26. August 1880 in Franzensbad; † 3. April 1957 in Rum oder Hall in Tirol),Voller Name nach Lutz Maurer, Florian Seiberl: Eine Dame in der Trisselwand. Von Erstbesteigungen und der noblen Zurückhaltung einer Wegbereiterin. In: Alpenpost, Zeitung des steirischen Salzkammerguts, Nr. 11, 25. Mai 2016, S. 16–17. Beide Sterbeorte nach Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72; im Fließtext: Rum, im tabellarischen Lebenslauf nach den Akten der Salinen Austria und der Bibliothek der Montanuniversität Leoben: Hall in Tirol. war ein österreichischer Bergsteiger. Von Beruf Ingenieur in der Salinenverwaltung, trat er nach dem Ersten Weltkrieg als völkischer Aktivist öffentlich in Erscheinung.
Leben Reinl, Sohn eines Kurarztes, besuchte die Schule in Prag und nahm ab 1899 ein Ingenieurstudium an der Bergakademie Leoben auf, das er 1902 mit der Staatsprüfung für die Fachrichtung Berg- und Hüttenwesen abschloss. Seinen Militärdienst leistete er 1902 bis 1903 bei den Kaiserjägern in Trient ab. Ende 1905 trat er in den Staatsdienst ein und begann in der Salinenverwaltung zu arbeiten, zunächst als Bergeleve am Hallstätter Salzberg, dann in der Salinenverwaltung Bad Ischl. Von 1907 bis 1912 war er in der Salinenverwaltung Hallein tätig, wo er die Laufbahnstufe des Bergkommissärs erreichte, danach arbeitete er bis zum Kriegsbeginn als Bergkommissär in Hallstatt.Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72 (austria-forum.org).
1907 heiratete Reinl in Bad Ischl Ida Schedl, eine Tochter des Vorstands der Ischler Saline. Das Paar bekam 1908 Zwillinge, Kurt und Harald Reinl; Harald wurde später als Filmregisseur bekannt.Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72 (austria-forum.org). Zur Heirat siehe auch Volksfreund, 17. August 1907, S. 4, Lokalnachrichten (anno.onb.ac.at).
Bergsteiger und Skipionier Reinl entwickelte frühzeitig eine Leidenschaft für das Bergsteigen, bereits während seines Studiums in Leoben. Er wurde damals Mitglied in der Gilde „Zum groben Kletterschuh“, der unter anderem Karl Blodig, Günther von Saar, Viktor Wolf von Glanvell, Karl Doménigg, Leo Petritsch, Gottlieb Stopper und Karl Greenitz angehörten.Adi Mokrejs: Hans Reinl. Ein fast vergessener Erschließer. In: Josef Hasitschka, Adolf Mokrejs (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Admont 2015, S. 307–309 (austria-forum.org). Reinl unternahm zahlreiche Bergtouren in den Ostalpen, in seinem Tourenbuch sind über 600 Gipfel verzeichnet. Ihm wird eine beeindruckende Liste von Erstbegehungen zugeordnet, etwa der Grimming-Südgrat und die Koppenkarstein-Ostwand (beide 1904 mit Karl Greenitz), die Sandling-Westwand (1906, mit Rudolf Lettner und Ignaz Proksch), die Triglav-Nordwand („Deutscher Weg“ 1906, mit Karl Doménigg und Felix König), die Trisselwand (Südwestwand, „Reinl-Weg“ 1906, mit Karl Greenitz und Franz Kleinhans), die Reinl-Doménigg-Führe an der Watzmann-Hocheck-Ostwand (1908, mit Karl Doménigg), der Freyaturm im Gosaukamm (1913, mit Anton und Felix Steinmaier) und der Nordwestgrat des Scharwandecks (1913, mit Paul Preuß und Günther von Saar).Siehe dazu auch Hans Reinl: Dachsteinfahrten. In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Band 46, 2015 (bibliothek.alpenverein.de), S. 43–71. Die Erstbegehung der Festlbeilstein-Nordwand (1904, mit Gottlieb Stopper) verarbeitete Reinl 17 Jahre später zu einem dramatischen Bericht.Hans Reinl: Die erste Durchkletterung der Festlbeilstein-Nordwand. In: Österreichische Touristen-Zeitung, Jg. 41, Folge 12, Dezember 1921, S. 139–143 (anno.onb.ac.at); vgl. Adi Mokrejs: Hans Reinl. Ein fast vergessener Erschließer. In: Josef Hasitschka, Adolf Mokrejs (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Admont 2015, S. 307–309 (austria-forum.org). Er kletterte zudem mit Viktor Wolf von Glanvell, Edward Theodore Compton und Georg Steiner.
Reinl zeichnete auch gern, so liegen von ihm zahlreiche Porträtskizzen von Bergsteigerkollegen vor. Auch seine Tourenberichte schmückte er oft mit Zeichnungen aus.Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72 (austria-forum.org). Er war Mitarbeiter der ersten Karte der Dachsteingruppe, die Leo Aegerter topografisch aufgenommen und Hans Rohn lithografisch realisiert hatte und die 1915 in der Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins veröffentlicht wurde.Karte der Dachsteingruppe. Beilage zur Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jg. 46, 1915. anno.onb.ac.at. Von ihm stammt zudem das Doppelblatt 14/15 der „Sammlung von Anstiegsblättern“ in der Serie Die Ostalpen, das den Großglockner zum Thema hat.d-nb.info. Rezension in: Der Naturfreund, Jg. 18, 1914, S. 167 (anno.onb.ac.at).
mini|hochkant|alt=Zwei Männer sitzen vor einer Berghütte|Hans Reinl (links) und Paul Preuß (rechts) auf der Zwieselalm, 23. September 1913. Fotograf: Günther von Saar Reinl soll der „alpine Lehrmeister“ des jugendlichen Paul Preuß gewesen sein.Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft: Porträt – Paul Preuss (paulpreuss-gesellschaft.com). Er kletterte mit den Steinmaiers, Günther von Saar und Preuß noch im September 1913 im Gosaukamm. Dort soll Preuß seine Absicht bekundet haben, die Nordkante des Nördlichen Mandlkogels im Alleingang zu ersteigen.Günther Freiherr von Saar: Paul Preuss. In: The Alpine Journal, Jg. 28, 1913, S. 50–57, hier: S. 50f. Als Reinl am 13. Oktober 1913 erfuhr, dass Preuß vermisst wurde, organisierte er von Hallstatt aus eine Rettungsaktion, die schließlich zur Auffindung von Preuß’ Leiche führte.Siehe etwa: Dr. Paul Preuß verunglückt. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Neue Folge Bd. 29, 1913, S. 299; Dr. Paul Preuß abgestürzt. In: Ischler Wochenblatt, 19. Oktober 1913. Im Folgejahr widmete Reinl seine Abhandlung Der Gosaukamm seinem Klettergefährten Paul Preuß.
Reinl galt auch als Pionier des Skilaufs. Er gründete bereits 1907 den „Schi- und Rodelklub Goisern“, gab Skiunterricht und publizierte 1914 einen Skiführer durch das Salzkammergut, der 1925 eine zweite Auflage erlebte.Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72 (austria-forum.org).
Von 1912 bis 1915 bekleidete Reinl das Amt des Obmanns der Sektion Hallstatt des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72 (austria-forum.org).
In Reinls langem Artikel Der Gosaukamm (1914) beobachtete der Alpinist Adi Mokrejs eine gewisse Germanentümelei. So leitete Reinl den Namen „Gosau“ nicht nur gemäß einer damals nicht seltenen Lesart von „Gozzes awe“ ab, was er als „Tal der Goten“ deutete, sondern kommentierte auch, die Bevölkerung sei, „wenn schon nicht gotischen Ursprungs, so doch […] mit heroischen Rassemerkmalen durchsetzt“. Auch der Name des Freyaturms (nach Freya), den er zusammen mit den Brüdern Steinmaier erstmals bestiegen hatte, stammt von ihm, „in Übereinstimmung mit dem mythologischen Ursprung des Gruppennamens“, der Donnerkogelgruppe, deren Benennung er mit dem germanischen Donnergott Thor in Verbindung brachte. Derartiges sei, so Mokrejs, damals generell recht populär gewesen, und auch Reinl habe auf dieser Germanenwelle mitgesurft.Adi Mokrejs: Hans Reinl. Ein fast vergessener Erschließer. In: Josef Hasitschka, Adolf Mokrejs (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Admont 2015, S. 307–309 (austria-forum.org). Vgl. Hans Reinl: Der Gosaukamm, S. 222, 224, 225. Zur sprachwissenschaftlichen Deutung siehe etwa Peter Wiesinger: Ortsnamen und Siedlungsgeschichte im Salzkammergut. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, Bd. 149, 1 (2004), S. 543–560 ().
Im und nach dem Ersten Weltkrieg
Ab Oktober 1914 war Reinl als Bergkommissär wieder der Salinenverwaltung Bad Ischl zugeteilt. Von Mai 1915 bis Oktober 1918 leistete er im Ersten Weltkrieg Kriegsdienst für Österreich-Ungarn, und zwar als AlpinreferentAlpinreferenten gab es im Ersten Weltkrieg an den Hochgebirgsfronten. Sie waren Fachberater für die Kommandanten und hatten etwa Gutachten abzugeben zur Untertunnelung von Eisflächen und zum Bau von Angriffsgräben. Eine Vorschrift der Gebirgstruppen bestimmte: „Alpinreferenten haben sich hauptsächlich bei der Truppe an der Front aufzuhalten, deren Bedürfnisse kennenzulernen, dort – an Ort und Stelle – Anregungen zu geben.“ Alexander Jordan: Krieg um die Alpen. Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol. Duncker & Humblot, Berlin 2008, S. 293. an der Dolomitenfront.Adi Mokrejs: Hans Reinl. Ein fast vergessener Erschließer, 2015. Er erreichte die Rangstufe eines Leutnants. Während der Kriegsjahre siedelte die Familie Reinl nach Rum bei Innsbruck um, wo Reinl ein altes Bauernhaus erworben hatte, das er später nach dem Vorbild eines Südtiroler Ansitzes umbaute. Von 1918 bis 1922 arbeitete er für die Salinenverwaltung Hall in Tirol, zuletzt als Bergrat. Am 1. Mai 1922 wurde er frühpensioniert, wohl im Zusammenhang mit dem Angestellten-Abbau-Gesetz vom 24. Juli 1922, das im Staatsdienst eine Vielzahl von Arbeitsplätzen beseitigte, mittels Entlassungen, Frühpensionierungen und freiwilligen Ausscheidens gegen Entschädigung.Karl Wirobal: Der Montanist Hans Reinl, ein Spitzenalpinist seiner Zeit. In: Res montanarum, Jg. 44, 2008, S. 68–72 (austria-forum.org). Das Gesetz, das mit dem Namen des christlichsozialen Bundeskanzlers Ignaz Seipel verbunden war („Seipel-Abbau“), hatte zum Ziel, die Staatsfinanzen nach der Hyperinflation von 1923 zu sanieren.Zum „Seipel-Abbau“ siehe Michael Kurz: Der „Seipel-Abbau“ 1923. In: betrifft widerstand, Nr. 148, September 2023, S. 26–36 (memorial-ebensee.at).
Völkischer Agitator und SA-Standartenführer