Biogeoklimatische Zonen von British Columbia sind Einheiten eines Klassifikationssystems des British Columbia Ministry of Forests für 14 klimatisch unterscheidbare Ökosystemtypen in der kanadischen Provinz British Columbia. Das mit Biogeoclimatic Ecosystem Classification (BEC) bezeichnete Rahmenwerk existiert unabhängig von anderen Systemen zu Ökoregionen in Kanada, von denen eines durch den World Wildlife Fund und ein weiteres durch Environment Canada genutzt wird, welch letzteres wiederum auf der Grundlage eines durch die Commission for Environmental Cooperation (CEC) und auch durch die Environmental Protection Agency (EPA) der USA genutzten Systems beruht. Das System der BEC wurde teilweise zum Zweck des Ressourcen-Managements entwickelt, wird aber auch vom British Columbia Ministry of Environment and Climate Change Strategy und anderen Behörden der Provinz benutzt. Eine biogeoklimatische Zone wird definiert als „ein geografisches Gebiet mit ähnlichen Strukturen des Energieflusses, der Vegetation und des Bodens, welche Ergebnis eines weitgehend homogenen Makroklimas sind“.

Alle Zonen werden offiziell mit Großbuchstaben abgekürzt (AT für Alpine Tundra, BWBS für Boreal White and Black Spruce usw.). Untergliederungen, also Teile der Zonen, die eher durch ein regionales Klima unterschieden werden können, werden mit konnotativen Codes in Kleinbuchstaben bezeichnet, welche an erster Stelle die relative Feuchte und an zweiter Stelle die relative Temperatur kennzeichnen. So wird das nordöstliche BWBS mit seinen warmen gewittrigen Sommern als BWBSmw (mw für moist warm, engl. für „feucht warm“) bezeichnet, während die Untereinheit der Alsek Ranges im nordwestlichen Zipfel der Provinz mit seinen ganzjährigen Stürmen und von den Gletschern wehenden Winden mit BWBSvk (für very wet cool, engl. für „sehr feucht und kalt“) bezeichnet wird. Die Untergliederungen können weiter in Varianten unterteilt werden, von denen jede mit einer Zahl bezeichnet wird. Zum Beispiel werden die zahlreichen Varianten der feucht-warmen Untereinheit der Interior Cedar—Hemlock mit ICHmw1, ICHmw2 usw. bezeichnet. Eine Variante kann in Phasen unterteilt werden, z. B. als ICHmc1a, was für die Purpur-Tannen-Phase der feucht-kalten (mc für moist cold, engl. für „feucht kalt“) Untereinheit der Zone Interior Cedar—Hemlock steht.

Im Folgenden sind die Biogeoklimatischen Zonen von British Columbia detailliert beschrieben.

Alpine Tundra (AT) mini|Alpine Tundra im Küstengebirge am Whistler Mountain Die Zone Alpine Tundra ist die unwirtlichste und am dünnsten besiedelte Biozone der Provinz. Sie ist in den Hochlagen der Gebirgslandschaften zu finden und insbesondere in den Coast Mountains verbreitet. Die Höhe der Zone variiert von Gebiet zu Gebiet und wird sowohl von der geografischen Breite als auch vom Schneefall beeinflusst: Im extrem schneereichen Südwesten beginnt sie ab 1600 m, im weniger schneereichen Südosten ab 2250 m. Im relativ trockenen Norden ist die AT schon ab 1500 m, im eher schneereichen Nordwesten sogar ab 1000 m zu finden. Die meisten Lebewesen finden sich in den tiefer gelegenen Bereichen der Zone.

Das Gelände dieser Zone wird von Eis, Schnee, Felsen und Gletschern dominiert. Geltschergeprägte Besonderheiten wie Kare, Tali, alpine Seen und Moränen sind verbreitet. Das Klima bildet ein Haupthindernis für Lebewesen; die Vegetationsperiode ist extrem kurz. Die mittleren Temperaturen bewegen sich normalerweise zwischen 0 und 4 °C, und selbst im Sommer erreichen die Durchschnittstemperaturen nicht die 10-Grad-Marke. In der Zone sind heftige Niederschläge häufig, normalerweise in Form von Schnee.

Es gibt nur wenige Baumarten in dieser Zone, und wenn sie überhaupt wachsen, dann nur als Krummholz-Formen. Sträucher sind verbreitet, insbesondere Zwergformen immergrüner Arten wie Westamerikanische Lütkea, Bärentrauben, Schwarze Krähenbeere, Preiselbeere und Gämsheide. Gräser, Heiden und Seggen sind gleichfalls vertreten. Feuchtere Gebiete und kalkhaltige Substrate bieten einer größeren Vielfalt von Pflanzenarten günstige Lebensbedingungen. Die höheren Lagen sind dagegen exklusiv den Flechten vorbehalten.

Aufgrund der harten Winter leben nur wenige Tierarten ganzjährig in dieser Zone. Im Frühling, Sommer und Herbst jedoch können viele Arten angetroffen werden. Schneeziegen, Dickhornschafe, Dall-Schafe, Roosevelt-Wapitis, Schwarzwedel-Hirsche, Maultierhirsche, Wapitis und Rene nutzen das sommerliche Angebot an Pflanzen. Grauwölfe folgen den Huftieren. Bären wie Schwarz- und Grizzly-Bären laben sich an den vielen Beeren der alpinen Matten. Kleinere Säugetiere wie Vielfraße, Eisgraue Murmeltiere, die gefährdeten Vancouver-Murmeltiere, Arktische Ziesel und Sibirische Lemminge sind gleichfalls gegenwärtig. Zu den verbreiteten Greifvögeln gehören Steinadler und Gerfalke. Bodenbewohnende Vögel wie Schneehühner nisten in der alpinen Zone, während andere Arten wie Schneeammer und Schneegimpel sich über die Baumgrenze hinauswagen.

Spruce—Willow—Birch (SWB) mini|Fichte Ausschließlich im Norden der Provinz findet sich die Zone Spruce—Willow—Birch (SWB; Fichte–Weide–Birke) in den sub-alpinen Bereichen der Interior Mountains. Weiß-Fichte ist die häufigste Konifere in dieser Zone außer in den höher gelegenen Übergangs-Bereichen (engl. Parkland wegen der aufgelockerten Baumbestände), wo die Felsengebirgs-Tanne dominiert. Mischbestände mit Engelmann-Fichte oder Hybride aus Weiß- und Engelmann-Fichte können gleichfalls vorkommen, insbesondere in den Übergangsbereichen zur ESSF-Zone; wenn die Bestände der Engelmann-Fichten größer als die der Weiß-Fichten sind, wird die Fläche als ESSF kartiert.

Felsengebirgs-Tannen sind die häufigsten Begleiter der Weiß-Fichten in der SWB-Zone. Schwarz-Fichten (Picea mariana), Küsten-Kiefern und Amerikanische Zitterpappeln (Populus tremuloides) sind weniger bedeutende Bgeleitarten. Manche Fichten-Bestände sind eher locker und haben eine gut entwickelte Strauchschicht, welche von einer Vielzahl an Weiden-Arten (Salix glauca, S. planifolia, S. scouleriana, S. bebbiana) und Strauch-Birken (Betula glandulosa) gebildet wird. Weitere häufige Sträucher sind Fingerstrauch (Potentilla fruticosa), Kanadische Büffelbeere (Shepherdia canadensis), Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Vaccinium cespitosum und Grönländischer Porst (Rhododendron groenlandicum). Verbreitete Krautige Pflanzen sind Moosglöckchen (Linnaea borealis), Festuca altaica, Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Lupinus arcticus und Mertensia paniculata. Zusätzlich zu den „Feder-Moosen“ Rotstängelmoos (Pleurozium schreberi) und Etagenmoos (Hylocomium splendens) bedeckt eine Vielzahl von Flechten-Arten den Boden (Coates et al. 1994).Coates, K.D.; Haeussler, S.; Lindeburgh, S.; Pojar, R.; Stock, A.J. 1994. Ecology and silviculture of interior spruce in British Columbia. Canada/British Columbia Partnership Agreement For. Resour. Devel., Victoria BC, FRDA Rep. 220. 182 p. (englisch)

Boreal White and Black Spruce (BWBS)

Die Weiß-Fichte ist die vorherrschende Baumart in der Zone Boreal White and Black Spruce (BWBS; Boreale Zone mit Weiß- und Schwarz-Fichte) außer im Gebiet von Fort Nelson, wo die spärlich entwässerten Tieflandgebiete von der Schwarz-Fichte (Picea mariana) dominiert werden. Die Engelmann-Fichte fehlt, obwohl einige Hybride aus Weiß- und Engelmann-Fichte an der südlichen Grenze vorkommen können, die in die SBS-Zone übergeht.

Mischbestände von Weiß-Fichte und Amerikanischer Zitterpappel (Populus tremuloides), oft mit kleinen Anteilen an Balsam-Pappeln (Populus balsamifera), Birken (Papier-Birke – Betula papyrifera und Hänge-Birke – B. pendula) – oder Küsten-Kiefer (Pinus contorta) sind die häufigsten Bestandteile der Wälder auf warmen, mäßig nährstoffreichen Standorten in der BWBS-Zone. An kälteren Standorten, z. B. an Nordhängen, dominieren reine Weiß-Fichten-Bestände oder Mischbestände von Weiß- und Schwarz-Fichte. Küsten-Kiefern sind typische Begleiter der Weiß-Fichten auf grobkörnigem Ausgangsmaterial, während Mischbestände aus Balsam-Pappeln und Fichten in den Flussniederungen häufig sind. Felsengebirgs-Tannen (Abies lasiocarpa) sind in den westlichen Teilen der Zone häufig, jedoch selten östlich der Rocky Mountains. Bestände der Schwarz-Fichte in Feuchtgebieten haben oft einen kleinen Anteil langsamwachsender Weiß-Fichten. Die typische Vegetation in den borealen Weiß-Fichten-Beständen sind die häufigen Straucharten wie Nadel-Rose (Rosa acicularis), Viburnum edule, Kanadische Büffelbeere, Salix bebbiana und Grün-Erle (Alnus viridis) mit Ribes triste und Lonicera involucrata an den feuchten Stellen und Grönland-Porst (Ledum groenlandicum) und Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea) an den kalten Stellen. Charakteristische krautartige Pflanzen sind Moosglöckchen (Linnaea borealis), Rubus pubescens, Mertensia paniculata, Petasites frigidus, Pyrola asarifolia, Kanadischer Hartriegel (Cornus canadensis) und Calamagrostis canadensis mit Schachtelhalmen (Equisetum spp.) an feuchten Stellen. Die dicke Moos-Schicht besteht aus Hylocomium splendens, Pleurozium schreberi und Ptilium crista-castrensis sowie Apfelflechten (Peltigera aphthosa) (Coates et al. 1994).

Sub-Boreal Pine—Spruce (SBPS)

In der Zone Sub-Boreal Pine—Spruce (SBPS; Sub-boreale Kiefern-Fichten-Zone) ist die Weiß-Fichte mit großem Abstand zweithäufigste Baumart nach der Küsten-Kiefer (Pinus contorta). Sie wächst meist verbreitet im Unterwuchs der Kiefern, wogegen die feuchten Standorte von schütteren Beständen der Weiß-Fichte dominiert werden können. Reinbestände aus Engelmann-Fichte fehlen, doch es gibt viele Hybride mit ausgeprägten Merkmalen der Weiß-Fichte.

Die Küsten-Kiefer ist der häufigste Begleiter der Weiß-Fichte in der SBPS-Zone. Die Weiß-Fichte kommt auch zusammen mit Amerikanischer Zitterpappel auf Übergangs-Standorten vor. Mischbestände aus Weiß- und Schwarz-Fichte besetzen kühle, tiefliegende Standorte. Bestände von Westlicher Balsam-Pappel und Weiß-Fichte kommen nicht sehr häufig in den Flussniederungen vor.

Typischer Unterwuchs feuchter Fichten-Ökosysteme sind die strauchartigen Lonicera involucrata, Nadel-Rosen, Kanadischen Büffelbeeren, Gemeiner Wacholder (Juniperus communis), Seidenhaarige Weide (Salix glauca), Betula glandulosa, Sumpf-Stachelbeere (Ribes lacustre), Ribes hudsonianum und Viburnum edule sowie die krautartigen Kanadischen Hartriegel (Cornus canadensis), Moosglöckchen (Linnaea borealis), Schmalblättrigen Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Petasites palmatus, Scharlach-Erdbeeren (Fragaria virginiana), Acker-Schachtelhalme (Equisetum arvense), Calamagrostis canadensis und Zehnmännige Bischofskappen (Mitella nuda). Zusätzlich zu den üblichen „Feder-Moosen“ (Pleurozium schreberi, Hylocomium splendens und Ptilium crista-castrensis) wird die Moosschicht durch Arten wie Aulacomnium palustre gebildet sowie durch Flechten aus den Gattungen Peltigera, Cladina (Rentierflechten) und Cladonia (Coates et al. 1994).

Sub-Boreal Spruce (SBS) Inlands-Fichten (meist Hybride Weiß-Fichte × Engelmann-Fichte, aber auch einige reine Weiß-Fichten-Bestände) sind in vielen Untereinheiten der Zone Sub-Boreal Spruce (SBS; Sub-boreale Kiefern-Zone) dominant.

Küsten-Kiefern (Pinus contorta) sind die häufigsten Begleiter der Inlands-Fichten in dieser Zone. Felsengebirgs-Tannen (Abies lasiocarpa) sind verbreitet in den kühleren und feuchteren Untereinheiten anzutreffen. Amerikanische Zitterpappeln (Populus tremuloides) und Douglasien (Pseudotsuga menziesii var. glauca) werden oft zusammen mit Fichten in den wärmeren, trockeneren, eher südlich gelegenen Untereinheiten angetroffen. Westliche Balsam-Pappeln (Populus trichocarpa) sind die wichtigsten Begleitbäume der Inlands-Fichten in regelmäßig überschwemmten Auen, und Mischbestände aus Weiß- und Schwarz-Fichten (Picea mariana) sind verbreitet in Feuchtgebieten anzutreffen.