Das Fraser Valley ist eine Region im Südwesten der kanadischen Provinz British Columbia und im Nordwesten des US-Bundesstaates Washington. Sie beginnt unmittelbar westlich von Hope in einem engen Tal des Fraser River und endet am Pazifischen Ozean, wo sie sich von den North Shore Mountains, gegenüber der Metropole Vancouver bis gerade südlich von Bellingham (Washington) erstreckt.

Im informellen Gebrauch wird typischerweise das Einzugsgebiet des Fraser River unterhalb des Fraser Canyon darunter verstanden. Der Begriff wird gelegentlich außerhalb von British Columbia benutzt, um alle Abschnitte des Fraser River einschließlich des Fraser Canyon und von dort flussaufwärts bis zu den Quellen zu bezeichnen, doch im Allgemeinen bezieht man sich in British Columbian auf das Lower Mainland westlich der Mündung des Coquihalla River in der Kleinstadt Hope und schließt alle kanadischen Gebiete des Fraser Lowland wie auch die Täler und sie flankierenden hügligen Gebiete ein. Das Fraser Valley wird durch die Mündung des Vedder River an den östlichen Ausläufern des Sumas Mountain in ein Upper Fraser Valley und ein Lower Fraser Valley geteilt, obwohl der Abschnitt des Lower Valley flussaufwärts von McMillan Island und der Mündung des Salmon River (bei Fort Langley) bis 1995 üblicherweise als Central Fraser Valley bezeichnet wurde (siehe Central Fraser Valley Regional District).

Administrativ gesehen umfasst das Fraser Valley Teile der Regionaldistrikte Metro Vancouver und Fraser Valley Regional District. Die Hauptzentren der Bevölkerung sind Greater Vancouver, Abbotsford und Chilliwack.

Geschichte mini|300px|alt=Animierte Karte verschiedener Ereignisse im Fraser Valley|Entwicklung des Lower Fraser Valley von Langley bis Harrison Dieser Abschnitt des Fraser River wird in der Sprache der lokalen Indigenen (Halkomelem) als „Sto:lo“ bezeichnet. Der Begriff wurde zur Bezeichnung aller Indigenen im Völker im Fraser Lowland übernommen, anders als bei den Squamish und den Musqueam. Die indigenen Völker des Gebiets nutzen seit langer Zeit das Flusstal für Landwirtschaft und Handel und tun dies bis in die Gegenwart.

Im Oregon-Kompromiss wurden die Indigenen nicht einbezogen, als die Vereinigten Staaten und Großbritannien ihre „Besitztümer“ in diesem Gebiet definierten und gegenseitig anerkannten. Dieses Überschreiten der Zuständigkeit führte zwangsläufig zu Konflikten, als Großbritannien sich außerstande sah, die Kontrolle über die im Tal beanspruchten Gebiete auszuüben. Als eine Welle von Einwanderern aufgrund des Fraser-Canyon-Goldrauschs in das Tal schwappte, waren die Briten unfähig, die Ordnung ohne die Unterstützung durch die ortsansässigen Indigenen aufrechtzuerhalten, und der Fraser-Canyon-Krieg brach aus. Der Krieg wurde mit einer Reihe von Verträgen beigelegt, von den keiner bis heute Bestand hat, die aber offenbar die Regulierung der Einwanderung sowie die Fortsetzung der bergbaulichen Aktivitäten durch die Indigenen und die Immigranten beinhalteten. Der Krieg war Teil einer Reihe lokaler Konflikte rund um die Ankunft von Siedlern, bevor die US-amerikanischen und britischen Behörden zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgebaut waren und der Landbesitz und die Bedürfnisse der Indigenen anerkannt wurden. Die Konflikte waren in vielerlei Hinsicht entscheidend für die Besiedlung der Westküste sowohl in Kanada als auch in den Vereinigten Staaten.

Die Interaktionen der Indigenen mit den Siedlern führte zur Entwicklung des Chinook Wawa, einer Pidgin-Sprache, die bis ins frühe 20. Jahrhundert im ganzen Fraser River Valley benutzt wurde. Die Industrialisierung des Flusses begann mit der Nutzung der traditionellen Handelswege auf dem Wasser mit Dampfbooten und mündete schließlich, angefeuert durch das Bevölkerungswachstum und dieses im Gegenzug auch befeuernd, im Bau von Straßen und Eisenbahnlinien. Im 21. Jahrhundert sind die wichtigsten Verkehrsadern in der Region die transkontinentalen Hauptlinien der Canadian Pacific Railway und der Canadian National Railway sowie der Lougheed Highway (Hwy 7) und der Trans-Canada Highway (Hwy 1).

Geografie mini|300px|Karte mit dem Fraser River und seinen Haupt-Zuflüssen Nach dem Abstieg durch die Stromschnellen des Fraser Canyon liegt der Fraser River ab Yale über 100 km hinweg etwa auf Meereshöhe. Obwohl der Canyon im geografischen Sinn in Yale endet, wird Hope im Allgemeinen als dessen südlichster Punkt betrachtet, teilweise aufgrund des Wechsels im Landschaftscharakter und vielleicht auch, weil ab Hope die ersten Auen den Lower Fraser begleiten. Flussabwärts von Hope weiten sich der Fluss und seine Auen im Gebiet von Rosedale, Chilliwack und Agassiz beträchtlich, was als Beginn des Fraser Delta betrachtet wird. Ab dort passiert der Fluss einige der fruchtbarsten landwirtschaftlich genutzten Flächen von British Columbia – wie auch das Herz der Region Metro Vancouver – auf seinem Weg durch das Tal bis zu seiner Mündung in der Strait of Georgia.

Während des letzten Eiszeitalters war das spätere Fraser Valley von einem Eisschild bedeckt, das von den umgebenden Bergen begrenzt wurde. Als das Eis zurückwich, wurde das Land statt von Gletschern von Wasser bedeckt, erhob sich dann langsam aus den Fluten und formte das heutige Becken. Das Tal ist die größte Landschaftseinheit der Ökoregion Lower Mainland. Das Delta beginnt im Gebiet von Agassiz und Chilliwack, und die Flussaue erstreckt sich von dort bis nach Hope.

Einige der Zuflüsse des Lower Fraser haben ihre eigenen Auen, die sich bei Hochwasser mit denen des Fraser vereinigen. Zu den Zuflüssen gehören die unterschiedlich großen Harrison River, Sumas River, Hatzic Creek und Hatzic Lake, der Stave River, der Alouette River, der Pitt River und der Coquitlam River. Im Fraser Delta gibt es außerdem die Auen des Nicomekl River und des Serpentine River, welche unabhängig vom Fraser ins Meer münden, sein Tiefland jedoch auch mit entwässern. Der Fraser ist flussaufwärts bis zur Kleinstadt Mission und der gegenüberliegenden Stadt Abbotsford tidenbeeinflusst, welch letztere an dem am dichtesten an der internationalen Grenze gelegenen Abschnitt des Fraser liegt, etwa sechs Meilen (9,6 km) nördlich von Sumas (Washington). Der Pitt Lake, einer der letzten Zuflüsse des Fraser vor seiner Mündung und einer seiner größten, liegt ungeachtet dessen, dass er von Bergen umgeben ist, so tief, dass er einer der größten tidenbeeinflussten Süßwasserseen der Welt sein dürfte.

Altarme und begleitende Sümpfe sind häufige Begleiter des Lower Fraser. Die beiden wichtigsten Altarme sind die des Hatzic Lake und des Stave River auf verschiedenen Seiten von Mission, obwohl der Altarm des Stave bereits verlandet ist und Teile davon zu einem Teich umgewandelt wurden. Rund um Fort Langley gibt es eine Altarm-Struktur, die schon zu Zeiten der Gründung des Forts verlandete, entwässert wurde und ein Teil des Ackerlandes des Forts wurde und bis heute blieb. Das System der Sümpfe und Seitenkanäle des Flusses ist kompliziert, doch zu den bedeutenden Sümpfen gehören die rund um Nicomen Island, Sea Bird Island und die flussbegleitenden von Rosedale bis zum Sumas Mountain im Westen von Chilliwack.

Klima

Im Winter spielt das Fraser Valley gelegentlich eine wichtige Rolle im Wetterregime der West-Küste Nordamerikas bis hin nach Kalifornien, wenn es als natürlicher Auslass für kalte arktische Luftmassen wirkt, die typischerweise über dem Westen Kanadas liegen. Bei verschiedenen meteorologischen Bedingungen strömen starke Winde aus dem Fraser Valley heraus und über die relativ warmen Wassermassen der Strait of Georgia und der Juan-de-Fuca-Straße hinweg. Dies kann Lake-Effect-Schneefälle zur Folge haben, insbesondere zwischen Port Angeles und Sequim, wo die Luftmassen auf die Olympic Mountains prallen. Die Kaltluft aus dem Fraser Valley kann bis über den Pazifik geraten. Streifen konvektiver Lake-Effect-Wolken und Schauer werden produziert, wenn Hitze und Feuchtigkeit die sehr trockenen kalten Luftmassen beeinflussen. Diese bilden dann normalerweise ein Tiefdrucksystem, welches die Schauer zur Küste südlich von Kanada transportiert und Schneefälle in ungewöhnlich niedrigen Höhenlagen verursachen.

Western Fraser Valley

Central Fraser Valley

Eastern Fraser Valley

Demographics Fraser Valley Regional District Canada 2016 Census Anzahl % der Gesamtzahl (2016) Ethnische Minderheit Inder 39.920 Chinesen 3.660 Afrokanadier 2.495 Filipinos 2.700 Lateinamerikaner 2.050 Araber 505 Südostasiaten 2.285 Westasiaten 355 Koreaner 2.135 Japaner 905 Visible minority, n.i.e. 405 Multiple ethnische Minderheit 1.110 Ethnische Minderheiten gesamt 58.535 Europide 202.095 Indigene 23.865 Gesamtbevölkerung 288.765 100 %

Nach dem Zensus von 2011 geben 76,47 % der im Fraser Valley Regional District lebenden Personen Englisch als Muttersprache an; Panjabi ist die Muttersprache von 10,02 % der Bevölkerung, gefolgt von Deutsch (3,49 %), Niederländisch (1,39 %), Französisch (1,07 %), Koreanisch (0,69 %), Spanisch (0,66 %), Tagalog (0,35 %), Chinesisch (0,33 %) und Vietnamesisch (0,30 %).

Muttersprache Bevölkerung (2011) Anteil in % Englisch 209,130 76,47 % Panjabi 27.390 10,02 % Deutsch 9.540 3,49 % Niederländisch 3.790 1,39 % Französisch 2.915 1,07 % Koreanisch 1.880 0,69 % Spanisch 1.810 0,66 % Tagalog 950 0,35 % Chinesisch 890 0,33 % Vietnamesisch 820 0,30 %

Heutige Landnutzung Heutzutage gibt es eine Mischung der Landnutzungsarten, die von den Städten und Industriezentren Vancouver, Surrey und Abbotsford über Golfplätze bis zu Milchviehfarmen und Nutzgärten reicht.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen im Tal – viele von ihnen durch die Agricultural Land Reserve geschützt – werden intensiv genutzt: Das Fraser Valley erbrachte 2015 fast 40 % der landwirtschaftlichen Erträge in British Columbia, obwohl es nur einen kleinen Anteil an der gesamten Fläche der Provinz ausmacht.

Das Fraser Valley, insbesondere die Gegend um Abbotsford, ist das nördlichste Reis-Anbaugebiet der Welt.

Luftqualität Da die Bevölkerung im Tal wächst und der Verkehr zunimmt, wird die Luftverschmutzung ein zunehmend bedeutender Faktor; verschiedene Kontroversen traten über die Jahre hinweg (so zwischen 1999 und 2006 über „Sumas 2“, ein abgelehntes Vorhaben für ein Kraftwerk unmittelbar südlich der Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten) darüber auf, ob das Wetter und nicht die Luftverschmutzung das Problem darstellte, und wenn, an wen es zu adressieren sei.

Das Monitoring der Luftqualität wurde in den vergangenen Jahren verbessert, sodass inzwischen Gemeinden in British Columbia hinsichtlich vieler verschiedener Parameter miteinander verglichen werden können. Vergleichbare Daten über vier Messwerte – Feinstaub, bodennahes Ozon, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid – zeigen, dass die Luftqualität im Fraser Valley bei mehreren Messungen besser als in Vancouver ist. Die Gemeinden im Fraser Valley wiesen z. B. weniger als die Hälfte der Belastungen durch Stickstoffdioxid und geringere Werte für Feinstaub und Schwefeldioxid auf. (Bei der letzten Messung gehörten Abbotsford und Chilliwack zu den am geringsten belasteten Standorten in British Columbia.)

Während unterschiedlicher Wetterlagen während des Sommers verfrachten die dann vorherrschenden Westwinde verschmutzte Luft von Fahrzeugen und von Schiffen im Hafen von Vancouver ostwärts das Delta hinauf, wo sie zwischen den Coast Mountains im Norden und der Kaskadenkette im Südosten festgehalten wird. Die Luftqualität leidet darunter. Dies passiert normalerweise bei einer Inversionswetterlage und hält einige Tage an. Bodennahes Ozon stammt normalerweise aus lokalen Quellen im Tal und schwankt mit den vorherrschenden Winden. Mit den im Spätherbst und Winter vorherrschenden Nordost-Winden ist die Luftqualität selten ein Problem.