mini|Illustration aus dem Jahre 1902 mit Herbert Beerbohm Tree als Falstaff, Ellen Terry als Mistress Page und Madge Kendal als Mistress Ford. Die lustigen Weiber von Windsor (engl. The Merry Wives of Windsor) ist eine Komödie von William Shakespeare. Das Stück handelt von dem beleibten Sir John Falstaff, der in völliger Verkennung seiner Wirkung auf zwei Ehefrauen, beide zu verführen und um ihr Geld zu betrügen versucht. Als sie seinen Plan erkennen, locken die Frauen Falstaff gleich mehrfach in die Falle.

Das Werk wurde vermutlich 1597/98 verfasst und erschien erstmals 1602 in einer wohl nicht autorisierten Fassung als Quarto im Druck. Als Inspiration diente Shakespeare möglicherweise eine Erzählung aus der Novellensammlung Il Pecorone (I,2) von Giovanni Fiorentino aus dem Jahre 1558. Die erste Aufführung wird für das Jahr 1597 vermutet, der früheste Beleg datiert auf den 4. November 1604.

Die Figur des Falstaff, eine der beliebtesten von Shakespeare, spielt bereits in den kurz zuvor entstandenen Königsdramen Heinrich IV., Teil 1 und Heinrich IV., Teil 2 eine wichtige Rolle. Während er dort auch melancholische und nachdenkliche Züge trägt, ist er in Die lustigen Weiber von Windsor lediglich der komische Schurke. Das Stück wird von der Kritik daher wenig geschätzt, erfreut sich aber beim Publikum einer ungebrochenen Beliebtheit. Seine bekannteste Adaption ist Verdis Oper Falstaff. Weitere Vertonungen des Stoffes für die Opernbühne stammen u. a. von Carl Ditters von Dittersdorf, Antonio Salieri und – besonders bekannt im deutschsprachigen Raum – Otto Nicolai.

Handlung Akt I [Szene 1] Richter Shallow, sein Neffe Abraham Slender und Pastor Evans treffen sich auf der Straße in Windsor und unterhalten sich über Wappenkunde.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 1, 15-31. Der Friedensrichter empört sich über das skandalöse Verhalten von Falstaff. Der Pfarrer versucht ihn zu beruhigen und macht den Vorschlag, Pages Tochter Anne mit Slender zu verheiraten.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 1, 51. Sie begeben sich zu Master Page, wo sie Falstaff antreffen. Dort erhebt Shallow die Anklage, Falstaff habe seine Leute geprügelt, sein Wild erlegt und sein Jagdhaus aufgebrochen. Außerdem beschuldigt Slender die Diener Falstaffs, Bardolph, Pistol und Nym, ihn im betrunkenen Zustand ausgeraubt zu haben.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 1, 115-118. Während Falstaff seine Taten zugibt, leugnen seine Genossen. Alle vier aber behaupten, der Geschädigte habe noch Glück gehabt, denn man hätte ja noch mehr anstellen können. Jungfer Anne Page, Mistress Ford und Mistress Page treten zu der Versammlung.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 1, 170. Sofort himmelt Master Slender die Jungfer an. Sir John versucht die älteren Damen zu becircen. Master Page, Sir John, seine Kumpane und die Damen gehen ins Haus und lassen die drei Ankläger allein auf der Straße zurück. Die Herren drängen Slender, um die Hand der Jungfer anzuhalten. Jungfer Anne tritt wieder heraus und lädt die Herren auch zum Essen ein. Friedensrichter Shallow und Pastor Evans gehen vor und lassen die jungen Leute allein. Slender versucht, Jungfer Anne sein Interesse zu bekunden. Um Eindruck zu machen, erzählt er ihr von dem Bären Sackerson.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 1, 271. Schließlich kommt Master Page, um beide zu Tisch zu bitten. [Szene 2] Pastor Evans übergibt Peter Simple, dem Diener Slenders, einen Brief für Mistress Quickley, die Haushälterin des französischen Arztes Dr. Cajus.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 2, 1-12. [Szene 3] Im Garter Inn erzählt Falstaff Pistol und Nym, er werde Mistress Ford verführen, die über das Geld ihres Mannes verfüge. Falstaff präsentiert einen Brief an Mistress Ford und einen weiteren an Mistress Page, an die er sich ebenfalls heranmachen will. Pistol und Nym weigern sich aber, die Briefe den Damen zu bringen. Als Falstaff sie aus seinem Dienst entlässt, schwören sie Verrat und Rache.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 3, 85. [Szene 4] Bei Dr. Cajus, der auch an Anne interessiert ist, bekundet Simpel, Evans habe ihn geschickt, um Frau Quickly zu bitten, ein Wort für Slender bei Anne einzulegen. Darauf erklärt Dr. Cajus, er werde Pastor Evans zum Kampf herausfordern.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. I, 4, 101f.

Akt II [Szene 1] Mistress Page und Mistress Ford stellen fest, dass jede von ihnen einen gleichen Liebesbrief von Falstaff erhalten haben. Die beiden wollen deshalb mit Falstaff ihr Spiel spielen. Pistol verrät Master Ford und Nym Master Page, dass Falstaff hinter seiner Frau her ist.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 1, 108 und 132. Richter Shallow und der Wirt machen sich einen Spaß mit den beiden Duellanten Dr. Cajus und Pastor Evans. Sie führen die beiden an unterschiedliche Orte für das Duell.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 1, 197. Ford, der im Gegensatz zu Page Falstaffs Diener Glauben schenkt und jetzt eifersüchtig auf seine Frau ist, überredet den Wirt, ihn Falstaff in Verkleidung als Master Brook vorzustellen.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 1, 203f. [Szene 2] Pistol will Geld von Falstaff haben, dieser weigert sich und entlässt unter Flüchen den Banditen aus seinem Dienst.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 2, 1-27. Mistress Quickly richtet Falstaff von Frau Ford aus, dass ihr Mann am nächsten Vormittag außer Haus sein wird. Sie erzählt dabei ausführlich davon, wie es sich verhält, wenn der Hof in Windsor residiert.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 2, 56-74. Gemäß vorheriger Absprache zwischen dem Wirt und Master Ford stellt Bardolph diesen Falstaff unter dem falschen Namen Brooke vor. Dieser Brooke gibt Falstaff Geld dafür, dass Falstaff für ihn Mistress Ford umwerbe, und der antwortet ihm, dass er sie ohnehin am nächsten Vormittag besuchen werde.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 2, 250. Nach Falstaffs Abgang schließt Ford die Szene mit einem Monolog, in dem sich seine Eifersucht ins lächerlich-unermessliche steigert.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 2, 276-302. [Szene 3] Unterdessen wartet der zum Kampf bereite Dr. Cajus zusammen mit seinem Diener John Rugby auf dem Feld zunächst vergeblich auf Pastor Evans, da der Wirt beiden einen anderen Treffpunkt weitergegeben hat.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 3, 1-16. Der Wirt kommt zusammen mit Richter Shallow, Master Slender und George Page hinzu und treibt durch Wortverdrehereien seine Spässe mit Dr. Cajus.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 3, 25-27; 31; 52f. Schließlich machen sie sich auf nach Frogmore, um dort Pastor Evans zu treffen.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. II, 3, 80f.

Akt III [Szene 1] Pastor Evans wartet nahe Frogmore auf sein Duell. Er hat solche Angst vor Cajus, von dem die Rede geht, er sei ein tapferer Degenkämpfer, dass er verzweifelt Lieder singt, um sich Mut zu machen.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 1, 16-20. Als Dr. Caius eintrifft und schon beide aufeinander losgehen wollen, werden sie von Richter Shallow und George Page entwaffnet. Der Wirt fordert sie auf, ihre Haut heil zu lassen und lieber Hackfleisch aus der englischen Sprache zu machen.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 1, 71f. Sie erkennen die List des Wirtes und versöhnen sich.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 1, 1. [Szene 2] Falstaffs Page Robin ist mit Frau Page auf dem Weg zu Frau Ford. Sie treffen unterwegs Herrn Ford, der von der Verabredung Falstaffs mit seiner Frau weiß und sich deshalb mit Herr Page, Master Slender, Richter Shallow, dem Wirt, Pastor Evans sowie Dr. Caius und dessen Diener Rugby zum Essen verabredet, genau zu der Zeit, als seine Frau den dicken Ritter erwartet.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 2, 1. [Szene 3] Zur angegebenen Zeit stellt sich Falstaff bei Frau Ford ein. Da erscheint Frau Page mit der Nachricht, Herr Ford sei auf dem Wege mit allen seinen Freunden aus Windsor, um einen Herrn zu suchen, der im Haus sei. Falstaff wird im Wäschekorb versteckt mit schmutziger Wäsche über ihm, zwei Diener tragen den Korb hinaus. Als Ford das Haus durchsucht, kann er Falstaff nicht finden.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 3, 1. [Szene 4] Fenton und Anne Page treffen sich außerhalb ihres Hauses. Annes Vater schätzt ihn nicht als Heiratskandidaten für Anne, weil er kein Geld hat. Anne aber drängt ihn zu versuchen, die Gunst ihres Vaters zu gewinnen. Da tauchen Richter Shallow, sein Neffe Slender und Frau Quickly auf. Der von Page als Heiratskandidat favorisierte Slender unternimmt einen unbeholfenen Annäherungsversuch gegenüber Anne. Frau Page dagegen bevorzugt Dr. Cajus für ihre Tochter.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 4, 1. [Szene 5] Ein durchnässter Falstaff betritt den Garter Inn. Er ist von den Dienern aus dem Wäschekorb in die Themse geworfen worden. Trotzdem erklärt er sich einverstanden, als Frau Quickly ihm mitteilt, dass Frau Ford ihn am Abend bei sich wiedersehen möchte. Dem als Brooke verkleideten Ford erzählt er von der Begebenheit mit dem Wäschekorb und seiner nächsten Verabredung mit Frau Ford.Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011. III, 5, 1.

Akt IV